Die Monster, die wir riefen: Ubume

Mutterliebe auch im Tod

Die Ubume ist eine Art von Geist und gehört zu den Yûrei. An verregneten Abenden erscheint sie mit einem Säugling im Arm. Das Unheil überkommt denjenigen, der ihr das Kind abnimmt.

Ihr Name

„Ubume“ bedeutet wörtlich „Frau, die gebärt“ oder „Frau kurz vor der Geburt“. Regional trägt dieser Yokai viele andere Namen, zum Beispiel Obo, Unme und Ubametori. Mit letzterem ist auch ein weiterer Yokai gemeint: Ein bösartiger Vogel, der kleine Kinder von glücklichen Eltern stiehlt.

Ihr Lebensraum

In der Regel erscheint die Ubume an nebligen und verregneten Tagen oder Nächten in der Nähe ihres früheren Wohnortes oder am Ort ihres qualvollen Todes.

Ihr Aussehen

Die Ubume kann in vielen Formen in Erscheinung treten. Oft sieht sie wie eine ganz normale Frau aus. Manchmal wird sie als Greisin dargestellt. Seltener erscheint sie mit blutverschmierten Gewändern oder gar als verwesende Leiche mit einem nur halb-entwickelten Fötus in den Armen. Auch als komplett nackte, hochschwangere Frau wird sie gesehen.

Ihre Geschichte

suushi ubume
Ubume aus dem Hyakkai zukan ©Wikimedia commons,
Sawaki Sūshi (佐脇嵩之, Japanese, *1707, †1772) – scanned from ISBN 978-4-336-04187-6. (public domain)

Wenn eine Frau während der Schwangerschaft oder nach der Entbindung unter großen Qualen verstirbt, kann ihre Seele oft nicht ins Jenseits übergehen und bleibt in der Welt zurück, voller Sorge um ihr Kind. So wandelt sie umher in der Hoffnung, dass sich jemand ihres Kindes annehmen würde.

Dieser tragische Yokai, der nicht selbst für sein Kind sorgen kann, sucht die Hilfe der Lebenden auf. Besonders, wenn ihr Baby selbst noch lebt, versucht die Ubume, für ihren Nachwuchs da zu sein. Sie besucht Geschäfte, um Essen und Süßigkeiten für ihr Kind zu kaufen. Anstatt von Geld zahlt sie mit vertrockneten Blättern. Sie versucht, lebende Verwandte dorthin zu führen, wo ihr Kind liegt, damit es gerettet werden kann. Erst dann kann ihre Seele weiterziehen. In einigen Fällen bleibt die Seele der verstorbenen Mutter für immer in der Nähe ihres Kindes und beschützt es, bis es selbst erwachsen ist.

Stirbt das Kind mit der Mutter zusammen bei der Geburt, kann die Ubume mit ihrem Baby im Arm erscheinen. Sie weint Herz zerreißend um ihr Kleines und versucht, einen Lebenden dazu zu bringen, ihr das Bündel abzunehmen. Wenn sich jemand ihrer erbarmt und das Baby aus ihren Armen nimmt, verschwindet die Ubume. Das Bündel in den Armen des gutmütigen Helfers wird schwerer und schwerer, bis er unter dem Gewicht zusammenbricht und zerquetscht wird.

Manchmal erscheint sie als nackte, hochschwangere Frau, die schreiend vor Trauer und Verzweiflung umherrennt und im Bezug auf ihr Ungeborenes „Bitte, werde geboren, werde geboren!“ fleht.

Einige Ubume wurden durch den uralten „hitobashira“-Ritus ins Dasein gerufen. Bei dieser grausamen Sitte werden lebende Opfer in ein neu zu bauendes Gewölbe eingemauert – als Gabe für die Götter. Dies waren oft Mütter mit ihren kleinen Kindern, da sie als besonders rein und unbescholten galten.

Damit eine verstorbene Mutter nicht zu einer Ubume wird, ist es vielerorts üblich, ihr Baby bei der Beerdigung in ihre Arme zu legen oder das tote Kind in ihren Körper zurückzuschieben.

Dieser Yokai ist einer der weniger gefährlichen in unserer Reihe. Die Ubume gilt als Sinnbild der Liebe einer Mutter, die über den Tod hinausgeht und, wie ein Schutzengel, für immer über ihr Kind wacht

Quellen: Yokai, Wikipedia

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