Anime – legal, illegal, total egal? Interview mit einer Fansubberin

Wir haben bereits einen ehemaligen Fansubber nach seiner Meinung zum Thema illegale Streamingseiten gefragt. Aber wie denkt denn eigentlich eine aktive Fansubberin über das Thema? Dieses mal war Jacqueline von Cookie-Subs so freundlich uns ein paar Fragen zu beantworten.

Sumikai: Stell Dich bitte kurz vor

Jacqueline: Ich bin Jacqueline und leite seit nunmehr 8 Jahren die Fansubgruppe Cookie-Subs, nachdem ich diese ungefähr ein Jahr nach ihrer Gründung vom Gründer übernommen hatte.

Sumikai: Wie ist es dazu gekommen, dass Du als Fansubber tätig geworden bist

Jacqueline: Ich habe mit ca. 15 Jahren begonnen, Anime als deutsche Fansubs zu konsumieren. Zuvor kannte ich Animes nur aus dem RTL2-Programm, die VOX-VHS-Aufnahmen meines Bruders und was mein Bruder so auf DVD im Schrank stehen hatte.

Fansubs waren für mich wie die Offenbarung in eine neue Welt. Mit 16 Jahren hatte ich das Gefühl, dass ich der Szene etwas zurückgeben wollte und bewarb mich bei diversen Fansubgruppen als Editor. Genommen hatte mich damals nur die frisch gegründete Gruppe Cookie-Subs. Zu dem damaligen Zeitpunkt war mir nicht im Geringsten klar, wie die Szene funktioniert und was es bedeutet, ein Fansubber zu sein. Es stand mir eine schöne Zeit mit vielen Auf und Abs bevor.

Sumikai: Wie stehst Du als Fansubber zu den illegalen Streamingseiten?

Jacqueline: Fansubber sind ebenso illegal wie Streamingseiten. Ich weiß nicht, ob ich daher mit Steinen werfen sollte, wenn ich selbst im Glashaus sitze. Die Illusion der sogenannten Grauzone existiert nicht, auch wenn das einfach zu viele nicht wahrhaben möchten.

Als Fansubber sehe ich meine Aufgabe darin, unbekannte Serien für Deutschsprachige bekannt zu machen. Hierbei möchte ich mich auf die Serien begrenzen, die nicht in DACH lizenziert sind bzw. wohl nie eine Lizenz in DACH erhalten werden.

Illegale Streamingseiten möchten lediglich aus dem Hobby anderer Profit ziehen. Sie bedienen sich der geistigen Erzeugnisse anderer, ohne auch nur ansatzweise das Recht an Bild, Ton oder Untertitel zu besitzen, und verdienen daran gutes Geld.

Dieses Geld geht jedoch nicht an die Leute, die die Animes produziert haben, sondern wandert einfach nur in ihre Tasche. Darüber hinaus wird man von Streamingseiten auch noch wie Dreck behandelt. Nicht selten wurde ich gerne mal als Kodex-Hure beschimpft, wenn ich darum bat, lizenzierte von uns gesubbte Serien offline zu nehmen.

Nicht selten wollte man sogar von uns direkt die Skripte. Ich erinnere mich an einen Fall, da fehlte für eine Serie noch 2 Episoden, die wir fast fertig hatten. Eigentlich wollten wir diese bald releasen, man bot uns dann an, dass wir unsere Skripte abgeben, sie machen das fertig, setzen aber ihr Logo ein und erwähnen uns dafür dann aber auf ihrer Seite. Bei diesem verlockenden Angebot musste ich glatt ablehnen.

Sumikai: Hat sich die Fansub Szene in den letzten Jahren durch illegale und legale Angebote gewandelt?

Jacqueline: Als die ersten illegalen Streamingseiten ihre Wurzeln in die deutsche Anime-Szene schlugen, bekamen wir Fansub-Gruppen das nach und nach zu spüren. Was zunächst noch als „vorübergehende Krankheit“ abgetan wurde, ist nun ein riesengroßer Tumor.

Streamingseiten nutzen Fansubs zu ihrem eigenen Vorteil. Oftmals wird man nicht einmal genannt. Bei manchen Portalen ist es sogar gängige Praxis, das Branding der Gruppen rauszuzensieren, um den Untertitel als den eigenen verkaufen zu können. Backlinks zu den Gruppen gibt es selten und wenn, dann sind sie so versteckt, dass der Otto-Normalnutzer den Link nicht finden wird. Das führte zu einer großen Abwanderung der Fans von Fansubgruppen zu Streamingseiten. Zu den Hochzeiten des Fansubs konnte eine Gruppe mit einer beliebten Serie Downloadzahlen im höheren vierstelligen Bereich registrieren. Heutzutage befinden wir uns im unteren dreistelligen Bereich.

Download ist nicht mehr beliebt und die Jagd auf Fansubs ist zu mühselig. Auf einer Streamingseite hat man eben alles auf einem Fleck. Der große Anteil der legalen Streaming-Angebote kann ich aus Sicht eines Fansubbers nur begrüßen. Denn damit ist mein Wunsch, möglichst viele Animes in deutscher Sprache legal schauen zu können, doch erfüllt.

Für mich als Fansubber ist es daher nun wichtig, mich auf die Serien zu begrenzen, die nicht lizenziert sind. Das sind meist ältere Titel, die ebenso sehenswert sind wie aktuelle Serien.

Sumikai: Ist die Fansub Szene in Deutschland überhaupt noch nötig?

Jacqueline: Im deutschsprachigen Raum ist die Fansub-Szene quasi tot und damit überflüssig. Das ist auch wenig verwunderlich. Man kann nun fast alle neuen Titel legal konsumieren. Fansubs sollten kein kostenloser Ersatz zum legalen Produkt sein. Sie dienten einst der Bekanntmachung von Animes im deutschprachigen Raum. Diese Aufgabe ist längst erfüllt. Nun kann man noch aus Spaß subben, sollte dabei in meinen Augen bestehende Lizenzen unbedingt achten. Damit schadet man nämlich dem hiesigen Markt. Vor Jahren führte man dafür ja sogar den Fansubber Kodex ein, der heutzutage nur noch belächelt wird.

Für all die Gruppen da draußen, die die (Streaming-)Lizenzen missachten, habe ich nichts übrig. Sie sind für mich der Abschaum, der die Szene nur in Verruf bringt. Sie machen die langjährige Arbeit einer gesamten Szene zunichte, nur weil sie nicht akzeptieren wollen, dass sie outdated sind. Ihr glaubt, ihr tut der Szene einen Gefallen? Ihr tut nur euch selbst und eurem Minderwertigkeitskomplex einen Gefallen!

Sumikai: Was hältst Du von Fans, die nur auf diesen illegalen Seiten unterwegs sind?

Jacqueline: Als Fansubber wage ich es kaum, über diese Menschen zu urteilen. Als Anime-Fan würde ich diesen Menschen gerne so ins Gesicht spucken, wie sie es den Produzenten der Animes in Japan tun.

Mir ist bewusst, dass man sich nicht jedes Abo und jede DVD/BD leisten kann. Aber wenn all diese Menschen zumindest teilweise legal konsumieren würden, dann würde so viel mehr Geld nach Japan kommen, um hochwertige Serien produzieren zu können. Die andere Frage ist auch: Muss ich denn alles gesehen haben?
Wer nur illegal konsumiert, sägt sich quasi den eigenen Ast ab. Und wenn diese Leute dann noch über die Qualität der aktuellen Titel jammern, dann … empfinde ich einen leichten Anflug von Hass.

Sumikai: Wie siehst Du die deutsche Szene, insbesondere die Publisher?

Jacqueline: Die deutsche Anime-Szene hat ein sehr niedriges Durchschnittsalter. Wir haben sehr viel Nachwuchs, der es sich natürlich gerne bequem macht und dann auf den illegalen Seiten landet. Davon wird nur ein geringer Bruchteil auch noch in 5 Jahren Anime konsumieren. Mit so viel Nachwuchs ist die Szene überfordert. Dann gibt es ja noch die Leute, die sogar stolz darauf sind, illegal zu konsumieren und damit nicht hinter dem Berg halten. Diese Leute kann man nicht überzeugen. Ich empfehle die Notschlachtung.

Das Programm der Disk-Publisher richtet sich preislich an das ältere Publikum, an die alteingesessenen Fans. Die jungen Fans interessieren sie quasi nicht. Als ich noch nicht genug Geld zur Verfügung hatte, um mir Disk-Releases zu kaufen, fühlte ich mich stets belächelt.

Mit kostenlosen bzw. kostengünstigen Streaming-Angeboten möchte man die jüngeren Fans locken. Das passiert leider oft auch nur stiefmütterlich. Erst wenn man mit den Leuten geredet und ihnen erklärt hat, dass es eine legale, kostenlose Alternative gibt, kam ein Umdenken zustande. Dabei darf man aber nicht aggressiv oder profitorientiert vorgehen. Vielen genügt schon die Zusicherung, dass das Geld nach Japan zurückfließt.

Und genau da ist der Knackpunkt: Ich kann selten mit einem Mitarbeiter eines Publishers ein ordentliches Gespräch zu ihren eigenen Produkten führen. Oft genug heißt es auf den Messen: „Ich bin eigentlich nur aus dem Vertrieb und hab keine Ahnung!“

Sumikai: Was sollte sich in der Szene ändern? Bzw. was sollten die Publisher anders machen?

Jacqueline: Redet miteinander! Und versucht nicht immer auf Teufel komm raus recht zu haben. Beantwortet die Fragen der Jüngeren. Man kann nicht jeden überzeugen, aber man kann es versuchen. So wächst eine Szene gesund.

Die Publisher sollten nicht immer nur darüber jammern, dass die Leute illegal konsumieren. Woran liegt das? Kann man daran etwas ändern? Geht mal in euch.
Es ist zu begrüßen, dass viele Publisher Kritik annehmen und auch bemüht sind, diese umzusetzen. Aber dann muss der Fan, der immerzu fordert, diese Mühen auch honorieren. Ein Freund von mir betreibt ein Geschäft für Anime und Manga und der fordert schon seit Jahren von den deutschen Manga-Publishern kostengünstige Neuauflagen von Manga-Klassikern, um den jüngeren Fans auch diese großartigen Titel ans Herz zu legen.

Ich denke, dass auch die Anime-Publisher mit einfachen Ausgaben zu einem günstigen Preis auch jüngere Fans locken können.

Sumikai: Du bist ja auch schon lange dabei, wie siehst Du die Entwicklung in Japan?

Jacqueline: All die Jahre hat Japan Fansubs toleriert. So allmählich wird aber auch dem letzten Japaner klar, dass man mit Anime im Ausland Geld verdienen kann.
Japan geht verstärkt gegen ausländische, illegale Streamingseiten vor. Bisher zwar nur überwiegend im asiatischen Raum, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre Klagen auch nach Deutschland schicken. Ich finde diese Entwicklung gut. Es ist ihr gutes Recht, ihr Gedankengut zu verteidigen.

Sumikai: Gibt es etwas, das du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest.

Jacqueline: Anime ist ein Hobby, das nicht zwangsweise viel Geld kosten muss. Man sollte aber nicht aus Bequemlichkeit illegal konsumieren. Wenn ihr eine Clique habt, dann legt für Abos, Disks oder Manga zusammen. So habe ich das damals mit meinen Freundinnen auch gemacht und es hat gut funktioniert. Ich für meinen Teil marschiere ja auch nicht ohne zu bezahlen aus dem Supermarkt, nur weil ich mich nicht an der Kasse anstellen möchte.

Hinweis: Wir veröffentlichen die Interviews genauso, wie wir sie bekommen. Also die unverblümte Meinung. Natürlich haben wir auch bei Streamingseiten angefragt, die Antworten werden wir die Tage natürlich ebenfalls veröffentlicht.

2 Kommentare

  1. Schönes Interview, dem ich mich größtenteils auch anschließen kann. Allerdings finde ich es wirklich nicht schwierig, auf Conventions Ansprechpartner bei den Publishern zu treffen. Logischerweise weiß nicht jeder da alles, aber trotzdem kann man in Gesprächen da doch vieles erfahren.

  2. „Abschaum“, „ins Gesicht spucken“, „Notschlachtung“, …

    Aus dem Interview hätte durchaus etwas werden können, allerdings verliert die Interviewpartnerin durch solche Äußerungen einfach jegliche Seriosität. Ich will ihr damit keinesfalls ihre Meinung absprechen, denn ihre Einstellung ist alles andere als verkehrt, nur hat sie sich mit solchen sinnlosen Beleidigungen und Drohungen keinen gefallen getan.

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