Die Robben sind los – Interview mit CHASM über Whispering Blue!

Im Juli 2018 erschien mit Whispering Blue der erste Boys-Love-Manga des deutschen Duos CHASM, bestehend aus der Zeichnerin Marika Herzog und dem Autor Michel Decomain. Wir stellten ihnen ein paar Fragen.

Sumikai: Whispering Blue ist dein erster Boys-Love-Manga. Was war für dich als Zeichnerin die große Herausforderung bei diesem Genre?

MIKA: Es war einmal was Neues, da ich doch einiges von meiner gewohnten Arbeitsweise umstellen musste, wie z. B. das Layouten der Seiten, Rasterungen oder das Einsetzen von Hintergründen.

Die größte Herausforderung war, dass es nur wenige Actionszenen im Manga gab, da ich ja normalerweise Shonen zeichne. Zudem musste ich auch die Emotionen in den Gesichtern runterschrauben, da diese sonst ZU Shonen-haft gewesen wären.

Sumikai: Stellte die Geschichte auch erzählerisch eine Herausforderung dar?

MICHI: Das Schwierigste war wie immer, alles, was man erzählen will, auf der begrenzten Seitenzahl unterzubekommen, ohne dass es zu gehetzt wirkt. Im Bereich Slice of Lifte und Romance schreibe ich eigentlich ganz gerne Sachen und hab da auch schon mehrere Projekte in der Schublade, aber Whispering Blue war leider das einzige, was es bisher bis zur Veröffentlichung geschafft hat.

Sumikai: Am Ende von Whispering Blue gibt es einen direkten Vergleich zwischen den ursprünglichen Manga-Seiten und denen, wie sie sich jetzt darstellen. Welchen Einfluss übte die Redaktion von Egmont Manga auf die Entwicklung aus?

MIKA: Mein Redakteur hatte uns einige Tipps gegeben, dass ich unter anderem ein offeneres Layout und fluffigere Haare zeichnen sollte, damit es nicht zu eckig wie mein sonstiger Stil wirkt.

Gerade im BL-Bereich läuft viel über das Aussehen der Figuren.

Dazu hat er mir einige (oder viele ♥) BL/YAOI-Manga zur Recherche mitgegeben.

Auch hat Michi immer wieder darüber geschaut und nachkorrigiert, wenn ich wieder zu sehr in meine alten Muster gefallen bin.

Whispering Blue - Artwork
Foto: CHASM / Egmont Manga

Sumikai: Woher kam die Idee, eine Seehundauffangstation in die Geschichte mit einzubeziehen?

MIKA: Seit ich mit meiner Grundschulklasse für zwei Wochen in Sankt Peter-Ording war und einen Robbenanhänger bekommen habe, geisterten die Kleinen in meinem Kopf umher.

Daher hatte ich einmal ein „Testcover“ kurz nach der Beendigung von Camio gezeichnet und es nach einer Weile mit einigen groben Story-Stichpunkten Michi gezeigt.

Er hat dann daraus und nach stundenlangen Recherchen die Charaktere mit mir und Kapitel inklusive aller Texte gezaubert.

Sumikai: Mobbing und Homophobie spielen in Whispering Blue eine große Rolle. Keine einfachen Themen. Wie seid ihr an diese herangegangen?

MICHI: Mir war es wichtig zu zeigen, dass Homofeindlichkeit wie auch andere Formen von Diskriminierung wie ein Virus sind, der sich immer weiter fortpflanzt. Wenn du in einem Umfeld aufwächst, das ein diskriminierendes Weltbild hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass du dieses Weltbild selbst einnimmst. Das ist wie ein Teufelskreis und da auszubrechen, ist echt schwierig. Da sind auch viele eigene Erfahrungen eingeflossen. Der Umzug nach Berlin hat mir erst spät die Augen geöffnet, in was für einem kaputten Kleinstadtumfeld ich meine ganze Jugend gesteckt hatte. Rückblickend ist es echt erschreckend, was einem früher völlig normal vorkam, weil man es nicht anders kannte.

Sumikai: Nach Fantasy und Action, Comedy, jetzt Boys Love. Gibt es ein Genre, das ihr unbedingt mal ausprobieren möchtet?

MIKA: Aktuell werde ich wohl wieder nach Fantasy und Action zu Comedy zurückwandern. Wobei ich nebenbei noch etwas im SCI-FI-Bereich unterwegs bin. Das Genre Horror hatten Michi und ich auch schon für die Anthologie „DEAD ENDS“ ausprobiert.

MICHI: Ich hab ein Zombiebuch rausgebracht. Damit ist mein Lebenszweck eigentlich erfüllt. 😉

Sumikai: Nachdem Camio eine mehrbändige Reihe war, folgt jetzt ein Einzelband. Habt ihr schon weitere, vielleicht wieder größere, Projekte in Planung?

MIKA: Vielleicht. Aber aktuell ist noch kein größeres Projekt mit einem Verlag in Planung.

Sumikai: Ihr seid beide schon länger in der deutschen Comic-Szene unterwegs. Seit einiger Zeit veröffentlichen die großen Verlage vermehrt Titel deutscher Künstler. Wie beurteilt ihr diese Entwicklung? Gibt es etwas, woran deutsche Verlage noch arbeiten sollten, damit es noch besser für deutsche Künstler läuft?

MICHI: Im Moment geht der Trend wohl eher dahin, dass viele deutsche KünstlerInnen ihre Projekte in Eigenregie veröffentlichen und dann vielleicht später mal Sammelbände zur Zweitverwertung an Verlage geben. Verlage sind für den Erfolg von eigenproduzierten Manga nicht mehr so entscheidend wie früher, was den KünstlerInnen mehr Autonomie gibt. Gleichzeitig gibt es interessante neue Verlage in Deutschland und auch im europäischen Umfeld tut sich einiges. Wird spannend zu sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Sumikai bedankt sich bei Marika Herzog und Michel Decomain für das Interview.

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