Interview: Mika Yamamori über das Fantasy-Genre, ihren Karrierebeginn u.v.m.

Die japanische Shojo-Mangaka Mika Yamamori besuchte in diesem Jahr im Rahmen der Leipziger Buchmesse die Manga-Comic-Convention. Im deutschsprachigen Raum begeistert Yamamori Romance-Liebhaber insbesondere mit ihrem Liebestriangel Daytime Shooting Star. Momentan gibt KAZÉ ihre neuste Serie This Lonely Planet heraus. Sumikai bekam die Gelegenheit, der Mangaka ein paar Fragen zu stellen.

Sumikai: Herzlich Willkommen in Deutschland auf der Manga-Comic-Con. Konnten Sie bereits ein paar Eindrücke von der Veranstaltung oder von Deutschland gewinnen?

Yamamori: Für mich ist es das erste Mal, dass ich an so einem Event teilnehme. Mein erster Eindruck: Es ist sehr sauber und aufgeräumt. So viele Cosplayer habe ich auch noch nie auf einem Haufen gesehen. Sie sehen wirklich sehr gut aus und die Kostüme stehen ihnen. Für mich eine sehr interessante Erfahrung.

Mika Yamamori "Sugars"
Bild: Mika Yamamori/Shueisha Inc.

Sumikai: Sie sind seit 2006 als Mangaka tätig. Können Sie uns erzählen, wie Ihre Karriere als Mangaka begann und welchen Herausforderungen Sie sich ganz zu Beginn ihrer Karriere stellen mussten?

Yamamori: Zu Beginn meiner Karriere hatte ich eigentlich keine großen Probleme, da mein Debüt-Manga direkt von einem Verlag übernommen wurde. Ich hatte demnach einen relativ steilen Start und die ersten beiden Jahre kaum Probleme. Das machte mir sehr viel Spaß, da alles wie am Schnürchen funktionierte.

Als ich mit der Kurzgeschichtensammlung SUGARS begann, lernte ich allerdings die Härte des Mangaka-Seins kennen. Die Herausforderung lag darin, dass ich mir monatlich eine abgeschlossene Geschichte ausdenken musste. Mit dem Zeichnen der Storyboards kam ich zeitlich kaum hinterher, was sehr stressig war.

Auch die Tatsache, dass ich damals noch in Kyoto wohnte und man sehr analog gearbeitet hat, war manchmal nicht einfach. Das fertige Werk verschickte ich per Post. Dadurch musste ich den Versand an die Deadline anpassen, das heißt die Unterlagen zwei oder drei Tage vorher verschicken. Wenn das manchmal zeitlich nicht passte, organisierte ich Kurierdienste, sogenannte »baiku bin«. Da ich damals noch am Anfang meiner Karriere stand, war das eine finanzielle Last, da ich das Porto selber zahlen musste. Kurierdienste zwischen Tokyo und Kyoto kosten circa 30.000 Yen (ungefähr 300 EUR).

Sumikai: Wie entstehen bei Ihnen – grob zusammengefasst – Ideen für neue Manga-Geschichten?

Yamamori: Meine Ideen sammle ich beispielsweise aus Kinofilmen, Romanen und Vorschlägen von Redakteuren. Letzte nehme ich sogar dankend an. Beispielsweise war es bei SUGARS der Fall, dass Redakteure mir Anreize gaben, Kurzgeschichten zu zeichnen. Bei SUGARS suchte ich ständig nach neuen Inspirationsquellen, da alle Erzählungen irgendwas mit Süßigkeiten zu tun hatten, was das Ganze schwierig machte.

Sumikai: Was ist Ihnen beim Zeichnen besonders wichtig? Worauf legen Sie in Ihren Zeichnungen am meisten Wert?

Yamamori: Ich achte beim Zeichnen sehr auf die Nase der Figuren und auf die Gesichtskontur der Charaktere. Auch ist mir die Körperhaltung wichtig. Was die Blickperspektiven angeht, hier versuche ich nicht zu viele gleiche Perspektiven nacheinander zu zeichnen – sprich, ich versuche Abwechslung reinzubringen. Ich lasse mich dabei auch gerne von anderen Mangaka inspirieren, wie sie ihre Panels positionieren. Beispielsweise, was die Proportionen angeht, hole ich mir Anreize von Ikuemi Ryo (u. a. Kiyoku Yawaku und Pops), deren minimierten aber viel erzählenden Stil ich sehr mag. Ihre gezeichneten Proportionen fallen sehr durchdacht aus und sie sind auf dem Punkt gebracht. Was das Bildliche betrifft, da bin ich sehr von Yamakawa Aiji (Stand up) angetan. Zudem Zudem orientiere ich mich bei wichtigen Szenen an Kinoszenen.

Sumikai: Haben Sie bestimmte Rituale beim Zeichnen, wie zum Beispiel Süßigkeiten essen und Musik hören?

Yamamori: Momentan bin ich in einer Phase in der ich während der Feinzeichnungen mit der Tinte westliche Serien anschauen – zum Beispiel The Mentalist und zuletzt Game of Thrones. Momentan überlege ich, was ich als Nächstes anschauen kann. Zudem habe ich die Angewohnheit, immer mal einen Tag in meinem Zeichnenzyklus zum Burger King zu gehen *lacht*. Eine Art Höhepunkt für mich *lacht*.

Sumikai: Daytime Shooting Star inspirierte im vergangenen Jahr einen Realfilm. Bekamen Sie die Gelegenheit, bei der Umsetzung mitzuwirken? Und waren Sie letztendlich mit der Umsetzung zufrieden?

Yamamori: An der Umsetzung war ich mit dran beteiligt. Ich hab das Drehbuch überprüft und das korrigiert, was ich gerne anders haben wollte. Beim Casting der Schauspieler übernahm ich eine beratende Rolle. Die Filmumsetzung fand ich im Endeffekt sehr interessant, meine Assistentin weinte sogar. Das ist denke ich auch der sehr guten schauspielerischen Leistung zu verdanken, über die ich sehr überrascht war. Beim Casting hatte ich anfangs tatsächlich gewisse Bedenken, da die Darsteller nicht völlig meinen Vorstellungen entsprachen. Als ich das eigentliche Schauspiel dann sah, verflüchtigten sich meine Bedenken.

This Lonely Planet
Bild: Mika Yamamori/Shueisha Inc.

Sumikai: Im November 2017 startete in Deutschland Ihr neuer Manga This Lonely Planet. Was inspirierte sie zu dieser Geschichte beziehungsweise woher nahmen Sie Inspirationen für die Charaktere?

Yamamori: In Daytime Shooting Star kreierte ich zwei völlig unterschiedliche Männertypen. Daher war ich der Meinung, dass ich alle wesentlichen Charakterzüge von Männern bereits dargestellt habe. Die große Herausforderung bei This Lonely Planet war, einen neuen männlichen Charakter zu erschaffen, der noch nicht in Daytime Shooting Star vorkam. So entstand letztendlich Akatsuki Kibikino. Die Person ist allerdings komplett erfunden und ich weiß nicht genau, woher die Idee kam. Natürlich kann es sein, dass mich Filmfiguren oder Personen in meinem Umfeld inspirierten. Demnach sind bei This Lonely Planet zuerst die Charaktere entstanden und danach die Geschichte.

Sumikai: Würde es Sie nach mehreren Oneshots und zwei längeren Shojo-Serien wie Daytime Shooting Star und This Lonely Planet reizen, Geschichten anderer Genre zu kreieren?

Yamamori: Zu einer Fantasy-Geschichte hätte ich definitiv viel Lust. Ich bin momentan großer Fan einer Serie namens Dungeon Meshi [*], die ich den deutschen Lesern ausdrücklich empfehle. Diese Geschichte brachte mich dazu, mich mehr mit Fantasy zu beschäftigen. Davor war ich gar nicht interessiert. Ich hab mich bei Herr der Ringe sogar gefragt, warum es dort Charaktere mit langen Ohren gibt. Bis ich dann gelernt habe, dass es in der Fantasy-Welt die Rasse der Elben gibt *lacht*. Ich habe mir sogar eine Enzyklopädie der Fantasy-Welt besorgt, wodurch ich viel dazulernen konnte. Allerdings bin ich der Meinung, dass es schwierig ist, eine Romanze in eine Fantasy-Welt einzubauen, weil es darin eher ums Abenteuer geht. Neben Fantasy würde ich mich allerdings auch gerne mal im Boys-Love-Bereich versuchen.

[*] Dungeon Meshi ist eine Manga-Serie von Ryoko Kui, die unter anderem im Ranking aus dem Jahr 2016 und 2017 von Kono Manga ga Sugoi! aufgeführt war aber auch eine Nominierung bei den elften Manga Taisho Awards erhielt.

Sumikai: Welche Tipps würden Sie jungen Nachwuchstalenten auf dem Weg mitgeben, die mit ihren Manga-Geschichten erfolgreich sein möchten? Gibt es ihrer Meinung nach eventuell eine Art “Rezept”, für eine erfolgsversprechende Geschichte?

Yamamori: Ein Erfolgsrezept für eine gute Story würde ich selber gerne wissen *lacht*. Ich  möchte jungen Mangaka auf dem Weg geben, dass sie sich für viele Sachen interessieren und nicht nur nach eigenem Interesse handeln, sondern auch versuchen, Bereiche zu erforschen, die ihnen gar nicht so bekannt sind. Wie in meinem Fall zum Beispiel das Fantasy-Genre. Von meiner Assistentin Kamechan habe ich diesen Aspekt gelernt. Sie ist sehr versiert und interessiert sich für viele Dinge. Sie schaut sich auch TV-Serien an, für die sie sich nicht interessiert, um die Thematik auf sich wirken zu lassen, sie zu vertiefen und zu verstehen. Zum Beispiel habe ich im Fantasy-Bereich von meiner Assistentin gelernt, dass sich die Elfen nicht mit den Zwergen verstehen. All dies sind meiner Meinung nach wichtige Aspekte für Mangaka, die Ideen für ihre Geschichten suchen.

Sumikai: Und zu guter Letzt, möchten Sie unseren Lesern beziehungsweise Ihren deutschen Fans noch ein paar Worte hinterlassen?

Yamamori: Das ist immer die schwierigste Frage *lach*. Ich habe durch meinen Aufenthalt Deutschland sehr ins Herz geschlossen. Auch war ich sehr überrascht über den herzlichen Empfang und bin sehr dankbar dafür. Ich möchte mich künftig dafür bedanken indem ich als Boys-Love-Mangaka erneut nach Deutschland komme *lacht*. Das kann ich zwar noch nicht 100%ig versprechen, aber ich möchte auf jeden Fall wiederkommen und mich auf irgendeiner Weise bedanken.

Sumikai bedankt sich bei Mika Yamamori, dass sie sich die Zeit nahm, unsere Frage zu beantworten.

1 Kommentar

  1. 10000000 dank für diesen Beitrag 🙂

    Ich bin dir so dankbar, weil ich gehofft hatte Kaze veröffentlicht eig auch noch was.

    Ich will selbst Mangaka werden, und Mika ist mein grooooße Vorbild daher ist das eine rießige Hilfe

    danke danke :9

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