Interview: Osora über ihre Karriereanfänge und Inspirationen

Osora besuchte in diesem Jahr im Rahmen der Leipziger Buchmesse die Manga-Comic-Con. Bekannt ist die Mangaka durch Titel wie Sie liebt gefährlich und The Once Within, die beide bei Tokyopop erschienen. Sumikai erhielt die Gelegenheit, der sympathischen Osora ein paar Fragen zu stellen.

Sumikai: Herzlich Willkommen in Deutschland auf der Manga-Comic-Con. Konnten Sie ein paar Eindrücke von der Veranstaltung oder von Deutschland gewinnen?

Osora: Ich habe bereits in Japan an solchen Comic Conventions teilgenommen. Sowohl die deutschen als auch japanischen Comic Cons sind sehr lebhaft. Die Stimmung ist bei beiden sehr gut. Ich hatte anfangs Angst, dass die deutschen Leser meine Manga eher weniger kaufen werden. Jetzt, wo ich jedoch hier war, konnte ich allerdings sehen, dass das gar nicht stimmt. Es hat mich sehr gefreut, dass die Leser meine Manga tatsächlich kaufen. Auch fiel mir auf, dass auf deutschen Conventions wesentlich mehr Cosplayer sind, die durch die Hallen laufen. Das fand ich sehr schön, weil es die Veranstaltung sehr prunkhaft und glänzend macht.

Sumikai: Sie sind seit 2012 als Mangaka tätig. Können Sie uns ein wenig darüber erzählen, wie ihre Karriere als Mangaka begann und welchen Herausforderungen Sie sich ganz zu Beginn ihrer Karriere stellen mussten?

Osora: Ich zeichne schon von klein auf an. Allerdings fing ich erst während meiner Zeit als Studentin an einer Universität an, mich mehr mit dem Zeichnen von Manga zu beschäftigen. Da ich sehr schüchtern bin, habe ich es die erste Zeit geheim gehalten und nur für mich getan. Ich erinnere mich jetzt noch daran, wie angespannt ich war, als ich erstmals einer anderen Person meine Zeichnungen gezeigt habe. Um weitere Meinungen zu bekommen, veröffentlichte ich dann Titel online oder als Dojinshi. Durch meine Online-Manga entdeckte mich irgendwann ein Redakteur und ich bekam die Gelegenheit, als Mangaka zu debütieren.

Was die Herausforderung angeht: Mein Debüt-Manga entstand in Zusammenarbeit mit einem Autor. Ich hatte zunächst Angst, ob ich das, was sich der Autor vorstellt, wirklich umsetzen kann. Auch war ich nicht sicher, ob meine Fähigkeiten hinsichtlich des Zeichnens ausreichen, da ich noch viel dazu lernen muss.

Zu Beginn hatte ich auch noch nicht so viele Leser und bekam das Gefühl, als würde ich mit mir alleine Tischtennis spielen beziehungsweise dass ich in einer Einbahnstraße sitze, in der nichts zurückkommt. Aber als mich dann der erste Fanbrief erreichte, war ich total hin und weg.

Sumikai: Wie entsteht bei ihnen – grob zusammengefasst – eine neue Manga-Geschichte? Angefangen beim Sammeln von Ideen bis hin zum Storykonzept?

Osora: Zunächst schreibe ich ganz grob auf ein Notizblatt, was ich gerne zeichnen möchte und zeichnen sollte – z. B. die Skizze von einer Szene oder ein spezieller Satz. All dies entsteht meistens nach einem Meeting mit meiner Redakteurin – quasi auf dem Weg mit dem Zug nach Hause. Manchmal aber auch kurz vor dem Schlafengehen, also kurz bevor ich ins Land der Träume versinke *lacht*. Danach versuche ich, all dies in ein Szenario oder Plotverlauf zu packen.

Sumikai: Was ist ihnen beim Zeichnen besonders wichtig? Worauf legen Sie in ihren Zeichnungen am meisten Wert?

Osora: Natürlich gibt es immer Dinge, die in Zeichnungen rein müssen beziehungsweise rein sollten. Aber für mich ist es wichtig, dass das Spielerische erhalten bleibt – sprich, das alles, was ich gerne reinbringen möchte, auch Teil der Geschichte wird. Ich bin der Meinung, wenn ich keinen Spaß bei der Sache habe, dann merken es die Leser auch und hätten weniger Spaß am Lesen. Daher ist für mich der Spaß beim Zeichnen sehr wichtig. Damit es jedoch kein Egotrip wird, versuche ich natürlich am nächsten Tag, wenn ich meine Gedanken ein wenig ordnen konnte, den Plot erneut durchzugehen. Ich prüfe dann, ob der Plot tatsächlich ansprechend für den Leser sein könnte. Ich zeichne demzufolge nicht nur für mich, sondern denke dabei auch an den Leser.

Sumikai: Haben sie bestimmte Rituale beim Zeichnen, wie zum Beispiel Süßigkeiten essen, Musik hören, etc.?

Osora: *lach* Rituale hab ich dabei keine, aber ich schaue während meiner Arbeit oft Filme – besonders Horror- und Suspence-Filme. Die Spannung, die diese Filme an sich haben, helfen mir dabei, wach zu bleiben.

Sumikai: Sie liebt gefährlich entstand in Zusammenarbeit mit dem Autor Shun Narita. Wie war die Zusammenarbeit mit Narita-sensei?

Osora: Da es mein Debüt-Manga ist, habe ich sehr viel durch die Zusammenarbeit gelernt. Der Ablauf sah so aus, dass ich von Narita Shun-sensei in Romanform den Ablauf der Geschichte bekam. Daraus habe ich schließlich den Sprechblasentext entwickelt und es in Zeichnungen umgesetzt. Dieses Schema behielt ich auch bei meiner neusten Serie bei. Ich gehe demzufolge bei dieser genauso vor. Bis zum Start von Sie liebt gefährlich habe ich noch nie zuvor so viele Gewalt- und Blutszenen gezeichnet. Daher war ich auch sehr verunsichert, ob ich diese gut aufs Papier bekomme. Aber dadurch, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, mich dieser Herausforderung zu stellen, habe ich das Gefühl, dass mein Repertoire größer geworden ist und ich flexibler geworden bin. Durch die Zusammenarbeit konnte ich also sehr viel dazulernen.

The Ones Within
© Osora 2015 / KADOKAWA CORPORATION

Sumikai: Im Februar 2017 startete in Deutschland ihr neuer Manga The Ones Within. Was inspirierte sie zu dieser Geschichte und können sie bereits abschätzen, wie umfangreich die Erzählung sein wird – z. B. bezogen auf die Anzahl der Bände?

Osora: Meine Herangehensweise bei der Geschichte von The Ones Within lief im Wesentlichen so ab, dass ich erst die Charaktere und dann die Story entworfen habe. Für mich stand von Anfang an lediglich fest, dass die Geschichte in einem abgeschlossenen Raum stattfindet, in dem sich Mädchen und Jungen aufhalten. Allerdings stand ebenfalls fest, dass es eine ernstere und lange Story wird. Dies beides waren die Pfeiler, die ich mir zu Beginn gesetzt habe. Die genaue Länge der Geschichte steht bisher noch nicht fest, allerdings plane ich circa zehn Bände.

Sumikai: Sie kreierten bereits Geschichten mit verschiedenen Genres. Existiert ein Genre, an dem sie sich gerne mal versuchen würden? Falls ja, aus welchem Grund?

Osora: Mir gefallen Geschichten, in denen es viele Charaktere gibt, die in keiner Weise miteinander verwandt sind und miteinander agieren – die also zu einer Art Pseudofamilie werden. In diesem Rahmen würde ich gerne eine Slice-of-Life- oder Romance-Geschichte kreieren.

Sumikai: Welche Tipps würden sie jungen Nachwuchstalenten auf dem Weg mitgeben, die mit ihren Manga-Geschichten erfolgreich sein möchten? Gibt es ihrer Meinung nach eventuell eine Art “Rezept”, für eine erfolgsversprechende Geschichte?

Osora: Auch wenn es mal hart wird oder man einfach mal nicht weiter weiß ist es wichtig, am Ball zu bleiben und immer weiter zu zeichnen. Was den Erfolg angeht: Ich selber sehe mich nicht als erfolgreich, daher fällt es mir schwer, Tipps zu geben. Ich frage mich jedes Mal, ob das alles richtig ist, was ich da mache. Ich kämpfe also jedes Mal mit der Angst, wenn ich vor dem Manuskript sitze. Ich bin auch der Meinung, dass sich bei solchen Projekten die eigenen Vorlieben, Träume oder Komplexe widerspiegeln. Deswegen gibt es auch immer wieder Szenen, die mir selber peinlich sind und die ich nicht gerne anschaue. Aber spätestens, wenn mir die Leser Feedback geben, habe ich zum ersten Mal das Gefühl: Das war richtig, wie ich es gemacht habe. Mein Tipp bleibt daher, niemals aufzugeben und immer weiterzumachen.

Sumikai: Möchten sie unseren Lesern bzw. ihren deutschen Fans noch ein paar Worte hinterlassen?

Osora: Ich denke, dass ich auch in Japan noch eine Mangaka bin, die noch sehr viel zu lernen hat. Ich freue mich daher umso mehr, dass meine Serien übers Meer hinaus gelesen werden. Ich bin über die Gelegenheit sehr dankbar, dass ausgerechnet aus diesem Meer an Manga in Japan meine Werke ausgewählt wurden, um hier in Deutschland veröffentlicht zu werden.

Sumikai bedankt sich bei Osora für das Interview.

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