Manuel Scheuernstuhl: Anime öffnen eine Tür zu einer anderen Welt.

Mob Psycho 100 bekommt von Crunchyroll eine deutsche Vertonung spendiert und dem Hauptcharakter verleiht Manuel Scheuernstuhl seine Stimme. Passend dazu befragten wir ihn zu seinem Karriereanfang als Synchronsprecher und zu seiner Rolle als Mob.

Sumikai: Was inspirierte dich dazu Synchronsprecher zu werden und wie fandest du den Weg in diese Branche?

Manuel: Mit acht Jahren wollte ich unbedingt Schauspieler werden, weshalb ich mit Unterstützung meiner Mutter von einer Schauspiel-Agentur aufgenommen wurde. Nach ein paar kleineren TV-Projekten wurde ich für ein Casting für eine Kinder-Serie angefragt. Zum Glück habe ich damals die Rolle bekommen, durch die ich den Weg in die Synchronbranche mit jungen Jahren fand.

Sumikai: Was bereitet dir am meisten Spaß: das Synchronisieren von realen Darstellern oder Trickfilmfiguren, und warum?

Manuel: Beides macht gleich viel Spaß. Bei Trickfilmen kann man besonders gut übertreiben. Hingegen ist bei Realverfilmungen die detailgetreue Arbeit sehr spannend. Gerade die Abwechslung ist perfekt.

Sumikai: Welche Unterschiede gibt es bei der Synchronisierung einer Anime-Figur und einer realen Person?

Manuel: Bei einer Anime-Figur werden die Stimmbänder durch diverse Kämpfe und dem grundlegenden „Übertriebenen“ meist mehr belastet als bei der Synchronisation einer realen Person. Wenn der Take nicht zu oft wiederholt werden muss, kann aber gerade das extrem spaßig sein! 😉 Oft muss ich bei Anime-Charakteren auch Laute machen, die bei der Synchronisation einer realen Person normalerweise nicht vorkommen. „Ouh, Öhh, grrrrrr“ oder Ähnliches :).

Sumikai: Existieren bestimmte Dinge, die dir beim Synchronisieren schwerfallen und falls ja, welche?

Manuel: Ich synchronisiere ja auf Hochdeutsch. Obwohl ich in Bayern aufgewachsen bin, kann ich bis auf ein paar Floskeln nicht wirklich bayrisch. Es gibt aber ein paar Kleinigkeiten in der Aussprache mancher Wörter, die selten mal beim Sprechen auftauchen. Zum Beispiel wird in der süddeutschen Umgangssprache das „e“ bei „gern“ etwas länger gesprochen, als im perfekten Hochdeutsch.

Da wird dann kurz dran gearbeitet und dann passt des scho! 🙂

Sumikai: Da viele wahrscheinlich keine Vorstellung davon haben, wie es hinter den Kulissen aussieht: Wie verläuft grob zusammen gefasst die Aufnahme von einer Anime-Serie? Über welchen Zeitrahmen geschieht dies in etwa und wie viel Zeit hast du, um dich auf deine Arbeit vorzubereiten?

Manuel: Grundsätzlich verläuft die Aufnahme einer Anime-Serie genauso wie die einer Realverfilmung. Der Sprecher steht in einem Studio. Vor ihm liegt ein Drehbuch mit dem deutschen Text, den er dann nach einem Countdown von 3 Sekunden parallel zu der Sequenz in das Mikrofon spricht, die er vor sich auf einem Bildschirm sieht. Das restliche Team gibt dann Anweisungen, wie man den Take (= ungefähr 1 Satz und z. B. Atmer) noch verbessern könnte, bis der dann im Kasten ist. Und dann wird am nächsten gearbeitet … Und so weiter …

Der Zeitraum der Aufnahme richtet sich ganz nach der Serie. Meistens sind es aber ein paar Wochen. Bei größeren Projekten mit Casting kann ich mich dann dort schon einmal auf die Rolle einstellen und bei der Aufnahme vor Ort bekomme ich dann meistens Sequenzen von der Handlung zu sehen. Da die Serie ja schon in Japanisch veröffentlicht war, habe ich mir bei Mob auch noch die 1. Staffel angeschaut. Zusätzlich erklärt der Regisseur einem die Charakterzüge und arbeitet gemeinsam daran, bis man die richtige Stimmlage für die Rolle gefunden hat.

Sumikai: Man sagt der Synchronbranche nicht gerade leichte Konditionen nach. Welche Erfahrungen konntest du bisher im Synchrongeschäft sammeln?

Manuel: Bis heute machte mir das Sprechen jede Menge Spaß. Ich bin sehr dankbar ein Teil dieser Branche zu sein und zu dieser auch noch etwas beitragen zu können.

Sumikai: Als Magazin für japanische Popkultur darf diese Frage wohl auch nicht fehlen: Schaust du privat Anime? Gibt es vielleicht eine Trickfilmfigur, die dich während der Kindheit/Jugend begleitet hat?

Manuel: Ich habe schon vermutet, dass diese Frage kommt :). Aber ja, manchmal schaue ich auch Anime, weil sie mich teilweise echt faszinieren. Kenne mich aber in den ganzen Universen nicht so gut aus, weil ich auch nur die Mainstream-Titel gesehen habe. In meiner Kindheit habe ich Serien wie Yu-gi-oh! und Pokémon geschaut. Auch von dem Film „Chihiros Reise ins Zauberland“ habe ich noch eine DVD ;).

Shigeo Kageyama
Shigeo Kageyama alias Mob

Sumikai: Mit Mob Psycho 100 startet ein weiterer Anime in deutscher Sprache bei Crunchyroll, bei dem du die Hauptrolle spielst. Welche Eindrücke hinterließ die Serie bei dir und stellte Mob für dich in irgendeiner Form eine Herausforderung dar?

Manuel: Bei Mob Psycho 100 gefällt mir besonders der Kontrast zwischen dem stets neutralen und ruhigen Mob (außer bei 100%) und den ganzen anderen verrückten und lauten Charakteren. Auch der besondere Wechsel des Zeichenstils hat meiner Meinung nach etwas. Jede Rolle ist in irgendeiner Form eine Art Herausforderung, die aber auch Spaß macht. Ich war aber im Nachhinein sehr froh, dass ich auf Mob besetzt wurde, wenn ich dann meine Kollegen für ihre Rolle durch das Studio brüllen hörte. Mob war da im Vergleich wirklich sehr angenehm zu sprechen.

Sumikai: Man kennt deine Stimme auch aus Yamada-kun and the Seven Witches und Pokémon!. Gibt es eine Anime-Rolle, die dir am meisten Spaß bereitet hat?

Manuel: Mob, weil es bisher auch meine aufwendigste Anime-Rolle war.

Sumikai: Zu guter Letzt: Was fasziniert dich an japanischen Trickfilmproduktionen und was denkst du, macht deren Reiz aus?

Manuel: Sie öffnen eine Tür zur einer anderen – für dem Laien unbekannte – aber sehr aufregende und abwechslungsreiche Welt. Und ein bisschen abgedreht sind sie auch oft :)!

Wir bedanken uns bei Manuel Scheuernstuhl für das Interview!

Weitere Informationen zur Manuel Scheuernstuhl findet ihr auf seiner offiziellen Webseite.

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