Seiji Kishi: Heutzutage würde keiner mehr mit 28 Anime-Regisseur werden.

Anime-Regisseur Seiji Kishi, der unter anderem für Werke wie Assassination Classroom und Asobi Asobase bekannt ist, war in diesem Jahr zu Gast auf der Connichi in Kassel. Wir haben mit ihm ein kurzes Gespräch geführt.

Sumikai: Da einige Anime-Zuschauer sich das oftmals nicht vorstellen können: Welche Aufgaben übernehmen Sie als Regisseur von Anime-Serien bzw. -Filme?

Kishi: Ein Regisseur führt natürlich die Regie. Man kann diesen Beruf mit dem eines Schiffkapitäns vergleichen, die Mitarbeiter stellen dabei die Crew dar. Ich sorge dafür, dass alle an einem großen Ziel arbeiten und in eine Richtung schauen. Zudem koordiniere ich die Abteilungen, arbeite einen präzisen Plan aus und versuche, einen interessanten Anime zu schaffen.

Asobi Asobase in Nett
Asobi Asobase

Sumikai: Sie sind bereits mehrere Jahre als Anime-Regisseur tätig. Wie kamen Sie zu diesem Beruf und inwiefern hat sich diese Berufung in den vergangenen Jahren zum Positiven oder Negativen gewandelt?

Kishi: Seitdem ich damals am Zeichentisch saß und in dieser Branche angefangen habe, wollte ich Regisseur werden. Ich habe es immer und immer wieder gesagt, bis eines Tages ein Produzent sagte: „Ok, versuch‘s!“. So wurde ich dann schließlich wirklich Regisseur. Mein Timing war einfach gut. Ich war 28, die Anime-Branche war noch nicht so etabliert und die Art, wie ein Anime hergestellt wird, war im Umschwung. Die Digitalisierung begann damals, alles war im Wandel. Heutzutage würde keiner mehr mit 28 Anime-Regisseur werden, ich hatte einfach einen guten Zeitpunkt ausgesucht.

Ein großer Vorteil meines Berufs ist die Verantwortung. Ich entscheide, welche Projekte ich annehme, wie die Projekte verlaufen und welches Produkt am Ende den Kunden erreicht. Entsprechend bekomme ich dann auch die Rückmeldung des Publikums. Ein großer Nachteil ist auf jeden Fall der Schlafmangel, ich schlafe rund drei Stunden am Tag. Wahrscheinlich werde ich irgendwann daran sterben! (lacht)

Sumikai: Mit Asobi Asobase läuft Ihre neuste Arbeit aktuell hierzulande bei Crunchyroll im Simulcast. Was macht Ihrer Meinung nach den Charme dieser Serie aus und gab es besondere Herausforderungen?

Kishi: Der besondere Charme der Serie ist vor allem, dass es sich hierbei um eine Komödie handelt, die auf Dialoge basiert. Dies war aber auch gleichzeitig die Herausforderung. Es gab bereits eine Vorlage, welche schon von sich aus einen Witz veranschaulichte. Ich musste versuchen, diesen Witz nicht im bewegten Bild zu verlieren und ihn gleichzeitig noch mal doppelt so lustig zu gestalten.

Radiant Cover
Radiant

Sumikai: Mit Radiant startet bald eine weitere neue Arbeit von Ihnen, die auf Basis von einem französischen Manga entsteht, der hierzulande beim Verlag Pyramond erscheint. Können Sie uns evtl. ein paar Dinge über Ihre Arbeit an diesem Projekt erzählen?

Kishi: Wir sind für dieses Projekt nach Frankreich gereist, dort kam auch der Autor des Comics Tony Valente her, und haben uns dort alles angesehen. Wir konnten die sozialen Problematiken deutlich spüren und der Rassismus wurde für uns wirklich greifbar. Uns half das sehr bei der Arbeit an dem Projekt. Natürlich kennen wir auch in Japan Rassismus, allerdings sind wir ein Inselstaat und daher ein wenig autonomer als die europäischen Länder, welche immerhin direkt aneinandergrenzen. Unsere Wahrnehmung ist daher eine völlig andere als die der Franzosen. Wir konnten alles am eigenen Leib erfahren und daher die komplette Story viel besser nachvollziehen.

Sumikai: Vielen Dank für das Gespräch!

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