Der japanische Kaiser, das repräsentative Staatsoberhaupt der Japaner, ist der aktuelle Kopf der ältesten, ununterbrochenen Erbmonarchie der Welt. Noch beansprucht Kaiser Akihito, der 125. Monarch nach der offiziellen Chronologie, den Chrysanthementhron. Heute behandle ich die Aufgaben des Kaisers und was über dessen Ursprung bekannt ist.

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Sun goddess Amaterasu By TI.A (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons
In der japanischen Geschichte wird die Sonnengöttin Amaterasu als Ahnherrin angesehen. Sie soll dem ersten Tenno (Kaiser), dem Jinmo Tenno, die Berechtigung zur Beherrschung Japans erteilt haben. Vor der Öffnung und Modernisierung Japans im 19. Jahrhundert war der japanische Kaiser vergleichsweise machtlos, denn die eigentliche Macht im Land war unter den einflussreichen Großgrundbesitzern verteilt. Auf die Regierung des Landes hatte der Kaiser also kaum Einfluss.

Mit der Meiji-Restauration 1889 kam eine neue Verfassung, die nach preußischem Vorbild dem Kaiser bedeutend mehr Einfluss und Macht verlieh. Nach dem Vorbild des deutschen Kaisers sollte auch der japanische Kaiser ein seinerzeit moderner und mächtiger Staatsoberhaupt werden.

Der Kaiser sollte nach dem ersten Artikel beispielsweise sollte die Kaiserlinie ununterbrochen und auf alle Ewigkeit über Japan herrschen und regieren, Oberbefehlshaber aller japanischen Truppen sein und die einzige Instanz sein, die Krieg erklärt, Frieden schließt und Abkommen unterzeichnet. Diese Änderungen durch die Meiji-Verfassung waren ihrer Zeit schwerwiegend und hoben den Kaiser zum mächtigsten Mann Japans.

Vergleicht man das mit der Rolle des Kaisers nach der Verfassung von 1947, so erkennt man dass der Kaiser von der Zeit an hauptsächlich symbolischen und zeremoniellen Charakter hat. Die Souveränität liegt seitdem nicht mehr beim Kaiser, sondern im japanischen Volk. Die Artikel dieser Verfassung besagten beispielsweise dass der Kaiser von nun an ein Staatssymbol ist, für die Zusammengehörigkeit aller Japaner steht und ein wichtiges religiöses Vorbild verkörpert.

Kaiser Akihito und Ehefrau Michiko- 168666
Emperor Akihito and empress Michiki By Nathanael T. Miller [Public domain], via Wikimedia Commons
Wichtig ist nun zu verstehen, dass von der Persönlichkeit des Kaisers aus keine direkte Machtausübung mehr möglich ist. Die Tätigkeiten des Kaisers sind heute hauptsächlich zeremonieller Natur und selbst diese bedürfen die Erlaubnis der Zivilregierung.

Der japanische Kaiser heute besitzt zwar nicht mehr die staatliche Gewalt wie er sie zur Meiji-Zeit noch inne hatte, ist aber für die japanische Bevölkerung noch immer eine äußerst wichtige Persönlichkeit, die sie an die geschichtsträchtige Vergangenheit ihres Landes erinnert. Viele Japaner besuchen jährlich den Kaiserpalast in Tokio um öffentliche Veranstaltungen des Kaiserhauses zu besuchen, und öffentliche Auftritte von Kaiser Akihito sind auch heute noch ein großes Ereignis.

Kaiser Akihito ist ein volksnaher Kaiser, nach der Atomkatastrophe von Fukushima zum Beispiel besuchten er und seine Frau Michiko die Evakuierten in einer Turnhalle nahe Fukushima um ihnen Trost zu spenden. Selbst über Kaiser Akihitos Privatleben ist vergleichsweise viel bekannt, so spielt er beispielsweise gerne Tennis (wodurch er auch seine einst bürgerliche Ehefrau Michiko kennengelernt hat) und das Streichinstrument Cello.

Um euch zu zeigen welche Aufgaben der japanische Kaiser nach der aktuellen Verfassung hat, liste ich euch nun die Aufgaben von Kaiser Akihito nach Artikel 7 der japanischen Verfassung auf:

  1. die Verkündung von Verfassungsänderungen, von Gesetzen, Kabinettsverordnungen und zwischenstaatlichen Verträgen
  2. die Einberufung des Parlaments,
  3. die Auflösung des Unterhauses
  4. die Bekanntmachung über die Durchführung der allgemeinen Wahl der Parlamentsmitglieder,
  5. die Bestätigung der Ernennung und Entlassung von Ministern und gesetzlich bestimmten anderen Angehörigen des öffentlichen Dienstes sowie der Vollmachten und der Beglaubigungsschreiben der Botschafter und Gesandten,
  6. die Bestätigung einer allgemeinen oder besonderen Amnestie, einer Strafherabsetzung, eines Erlasses der Strafvollstrekkung und einer Rehabilitierung,
  7. die Verleihung von Auszeichnungen,
  8. die Bestätigung von Ratifikationsurkunden und gesetzlich bestimmten anderen diplomatischen Urkunden,
  9. den Empfang fremder Botschafter und Gesandter,
  10. zeremonielle Feiern.

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