Okinoshima | Bekommt Japan bald ein neues Weltkulturerbe?


Die heilige Insel Okinoshima könnte schon bald zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt werden. In Japan wäre sie damit die insgesamt 21. Stätte auf der Welterbeliste der UNESCO. Dass dies derzeit kontrovers diskutiert wird, ist vor allem auf folgende Tatsache zurückzuführen: Frauen wird der Zutritt zum heiligen Areal seit Jahrhunderten verwehrt.

Okinoshima (沖ノ島, die abgelegene Insel) ist eine im Japanischen Meer gelegene Insel, die trotz ihrer geringen Größe von 0,97 Quadratkilometern eine große kulturelle und religiöse Bedeutung hat. Die ‚heilige Insel‘, wie man in Japan häufig sagt, liegt zwischen Kyushu und der koreanischen Halbinsel und hat daher bis ins 9. Jahrhundert als wichtiger Stützpunkt für den kulturellen und religiösen Austausch gedient. Hier haben Seeleute auf ihrem Zwischenstopp für eine sichere Weiterfahrt und den Erfolg ihrer Missionen gebetet. Heute lebt auf Okinoshima lediglich ein Priester, der den heiligen Schrein von Okitsumiya pflegt.

Okinoshima Okitsumiya - Okinoshima | Bekommt Japan bald ein neues Weltkulturerbe?
Seit Jahrhunderten werden auf Okinoshima religiöse Rituale durchgeführt © www.okinoshima-heritage.jp
Gottheiten und Nationalschätze | Der kulturelle und religiöse Reichtum Okinoshimas

Im heiligen Schrein Okitsumiya (沖津宮) wurden damals wie heute die drei weiblichen Munakata-kami (宗像三女神) – die Meeresgöttinnen – verehrt. Zwischen 1954 und 1971 hat man auf Okinoshima insgesamt 80,000 Artefakte geborgen, die als japanischer Nationalschatz deklariert wurden. Die Artefakte sind Überbleibsel der zahlreichen Geschenke und Opfergaben, die die Seefahrer den hier ansässigen Gottheiten erbrachten. Unter ihnen befinden sich wertvolle Opfergaben, wie z.B. Reich verzierte Bronzespiegel aus China, Goldringe, Ornamente, Vasen, Gläser und Juwelen.

Okinoshima | Kein Zutritt für Frauen

Die nahezu unbewohnte Insel ist für den Großteil der japanischen Bevölkerung nicht zugänglich. Wer einen Fuß auf das heilige Areal setzt, muss sich zuerst nackt ausziehen und ein spirituelles Reinigungsritual für Körper und Geist vollziehen. Frauen haben damals wie heute keinen Zugang auf die Insel, was vielerorts kontrovers diskutiert wird.

Okinoshima Purification - Okinoshima | Bekommt Japan bald ein neues Weltkulturerbe?
Auf Okinoshima werden jahrhundertealte Traditionen am Leben erhalten: dazu zählt die spirituelle Reinigung von Körper und Seele © www.okinoshima-heritage.jp
Bald die 21. UNESCO-Welterbestätte Japans?

Gemäß Angaben der japanischen Kulturbehörde hat ein Beratungsgremium der UNESO nun vorgeschlagen, Okinoshima zum Weltkulturerbe zu ernennen. Sollte das Kommittee dem Vorschlag bei seinem nächsten Treffen im Juli 2017 zustimmen, dann wäre die Insel offiziell die 21. UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte Japans. In die Welterbeliste der UNESO eingetragene Stätten stehen unter dem Schutz der internationalen Konvention für das Kultur- und Naturerbe der Menschheit. Die 1972 von der UNESCO verabschiedete Konvention ist das bedeutendste Instrument, um Kultur- und Naturstätten „außergewöhnlichen und universellen Werts“ zu erhalten.

„Die UNESCO sollte sich schämen, die Insel überhaupt in die Liste aufgenommen zu haben“

Der Vorschlag, Okinoshima in die Welterbeliste der UNESCO einzutragen, wird bereits jetzt kontrovers diskutiert. Rajan Zed, der Präsident der universellen Gesellschaft der Hindus, hat die Kommiteevorsitzenden des Gremiums bereits aufgefordert, die Insel von der Liste zu streichen. Dabei ließ er verlauten, dass Frauen ein Anrecht auf Geschlechtergleichstellung und Chancengleichheit haben und dass die „Geschlechterdiskriminierung auf Okinoshima“ unangemessen ist. Rajan Zed kritisiert dabei auch die UNESCO selbst:  „Zu den zwei globalen Prioritäten der UNESCO gehört die Gleichstellung der Geschlechter und daher sollte die Organisation keine Stätten honorieren, die es ablehnen, Frauen mit Gleichberechtigung und Respekt zu behandeln“.

Ob die Kritik an der UNESCO Einfluss auf die Entscheidung im Juli haben wird, bleibt noch abzuwarten. Fest steht, dass die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur noch im Juli eine Entscheidung fällen wird. Vom 02. bis zum 12. Juli findet nämlich die insgesamt 41. Gremiumssitzung des UNESCO-Welterbe-Kommittees in Krakau statt.

Quelle: Japan Times


TEILEN
xPlicitNao
Publiziert zu den Themenbereichen Kultur, Gesellschaft, Lifestyle, Musik, Film und Urban Japan

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Dein Kommentar
Dein name