Kommentar: Ist die Kritik um Ghost in the Shell begründet?

Anime als Hollywood-Film erhitzt immer wieder die Gemüter.

Paramount Pictures Ghost in the Shell sorgt im Moment für hitzige Debatten. Auf der einen Seite heißt es „schlechte Umsetzung“, auf der anderen „gute Adaption“. Einig wird man sich natürlich mal wieder nicht – ein Kommentar.

Aber ist der Film nun wirklich schlecht, wie viele Leute behaupten? Tja, ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich finde den Film recht gelungen und das als riesen Ghost in the Shell-Fan.

Ja, der Film erzählt die Geschichte anders! Ja, es fehlen ein paar Elemente! Ja, die Schauspielerin ist keine Japanerin! Oh mein Gott, es ist Scarlett Johannson, die manch einer in The Avengers übrigens gut fand, aber das nur am Rande.

Okay, und nun? Der Punkt mit „keine Japanerin“ wird sogar recht gut erklärt zum Ende des Films. Und das die Story etwas umgebaut wurde, damit die Geschichte in einen Kinofilm passt – na ja, das ist nun nichts Neues.

Zugegeben: zu Anfang wird mir die Geschichte zu schnell erzählt, aber wenn man sich etwas darauf einlässt, ist sie gar nicht schlecht. Die Idee, die Story auf diese Weise zu erzählen, ist durchaus gelungen und eine interessante Neuinterpretation der eigentlichen Geschichte.

Liebe Ghost in the Shell-Fans und Kritiker, manchmal sollte man etwas über den Tellerrand schauen. Ich bin ein riesen großer Fan des Franchise, immerhin gehörte es mit zu meinem Einstieg in die schöne bunte Welt des Anime, und ja, ich nehme einiges sehr genau, meine Kollegen wissen ein Lied davon zu singen, aber muss man sich echt immer anstellen?

Was sollte man denn erwarten? Eine 1:1-Umsetzung der Geschichte? Sorry Leute, wenn wir mal ganz genau sind, ist die Geschichte des erstens Films auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, und noch genauer genommen, ist die Story nicht gerade gut erzählt worden. Aber gut, es ist ein Klassiker und bei Klassikern ist man immer sehr kritisch. Nur die Kommentare sind teilweise viel zu überzogen und wenn man den Film gesehen hat, merkt man recht schnell, dass manches nicht stimmt.

Mir ist besonders ein Kommentar im Kopf geblieben: „Anime-Filmumsetzungen sind immer schlecht“, na ja gut, nimmt man Dragon Ball stimmt das sogar. Der Film war verdammt schlecht, und was Japan da produziert, ist oftmals auch nicht gerade gut – zum Beispiel Patlabor. Tolles Franchise; Serie und Film, reden wir lieber nicht drüber. Hier setzt sich Ghost in the Shell allerdings weit von ab, die Qualität ist nicht schlecht und die Welt gut in Szene gesetzt. Wesentliche Komponenten der Geschichte wurden auch nicht verändert.

Trotzdem erstmal kräftig draufhauen und da kommen wir dann mal zu den Profikritikern. Die Süddeutsche Zeitung hat einen interessanten Artikel dazu veröffentlichtErotische Tagträumerei aus den Schreibstuben Hollywoods„. Dort wird inbesondere Scarlett Johansson kritisiert, Sexobjekt u.s.w..

Dazu kann man eigentlich nur sagen: Leute, die Frau kann gut schauspielern, ob das nun eine Glanzleistung ist, will ich nicht beurteilen, mir reicht es. Ob sie jetzt gut aussieht oder nicht, bewertet mal die Leistung, denn diese ist gar nicht schlecht und passt sehr gut zur Story.

Außerdem kritisiert der Autor des Artikels die Art der Aufnahmen, alles schon mal da gewesen. Auch hier kann man eigentlich nur sagen: was erwartet man denn? Soll Hollywood eigentlich jedes Mal einen Mega-Blockbuster abliefern? Ganz ehrlich, Ansprüche, die so hoch angesetzt sind, werden sowieso nur enttäuscht. Und vielleicht mal bedenken, dass Ghost in the Shell zwar bekannt, aber aktuell keinen großen Hype hinter sich hat.

Uns so zieht sich das durch einige Kritiken, an die Süddeutsche noch gerichtet: Es ist ein Cyborg kein Roboter.

Ach und Leute, kein Mangaka und kein Studio etc. arbeitet ohne Gewinnabsichten. Von irgendwas muss man nun mal leben. Eure Ideologie in allen Ehren, aber kommt bitte in die Realität zurück.

Außerdem hat gerade Ghost in the Shell es nicht verdient, aus den Schatten des etwas kleineren Kreises von Anime und Manga zu treten? Wie erreicht man mehr Menschen als mit einem Hollywood-Film? Okay, mit Essen, aber das wäre nun wirklich etwas sehr kurios.

Alles in allem: gebt den Film einfach mal eine Chance und seid nicht zu „überkritisch“. Klar, muss man ihn nicht mögen, aber nur weil ein Klassiker es nach Hollywood geschafft hat, ist er nicht automatisch schlecht. Ein gutes Popcorn-Kino bietet er alle Male.

8 Kommentare

  1. Kann dem Kommentar nur zustimmen, hatte den Film am zweiten Tag gesehen und war abgesehen von, „schade die Szene x und y hätte ich auch noch gerne gesehen…“ oder, „öhem die Erklärung war jetzt etwas knapp, ob das auch Leute verstehen, die den Anime nicht gesehen haben?“ vom Film sehr angetan. In der Tat hatte ich mich im Kino mehrmals selbst dabei ertappt, wie meine Kinnlade noch offen stand, da ich nicht erwartet hatte dass etliche Szenen so Detailverliebt umgesetzt wurden.

  2. Danke.

    Danke dafür, dass es auch endlich Kritiker gibt, die auf „Ghost in the Shell“ eine ähnliche Meinung haben wie ich.

    Ja, der Film War nicht 1:1 wie der Anime. Ja, Scarlett Johansson ist KEINE Japanerin. Ja, die Story wurde ein kleines bisschen anders erzählt als im Anime. War dieser denn nich ebenfalls vom Manga abweichend? Viele Grundelemente sind im Film erhalten geblieben. Und der Film sah bombastisch aus!

    Außerdem hätte der Film wahrscheinlich weit weniger Zuschauer in der „westlichen Welt“ ins Kino gelockt, hätte man statt einem westlichen „Power House“ wie Scarlett Johansson als Major (ein in der westlichen Welt weit bekanntere Gesicht als eine sehr gute japanische Darstellerin) durch einen asiatischen Cast ersetzt.

    Ich selbst bin ein großer Fan von „GitS“, und klar hätte ich gerne einne japanischeren Cast gewünscht, habe aber auch verstanden, dass daß nun mal nicht immer geht. Außerdem hat es mich tierisch gefreut, dass Johansson die Tolle im Film bekommen hat 😀

  3. Ich stimme allem zu.
    War erst vor kurzem im „Ghost in the Shell“ Film.
    Auch wenn die Story etwas umgeschrieben wurde finde ich sie stimmig.
    Auch wie sie die Stadt und alles drumherum gestaltet haben ist sehr gut.

    Ich war auch ein Skeptiker dieser Realverfilmung aber ich war angenehm überrascht.

    Man sollte einem Film immer eine Chance geben.

  4. Der Film war Seelenlos. Nicht weil Scarlett Johannson keine Asiatin ist, sondern weil die beste Szene des Originals konsequent ausgespart wurde (das Ende als Motoko sich noch einmal mit Batou unterhält). Sie ist mit dem Cyberspace verschmolzen und es wird die Gleichwertigkeit von biologischem Leben und KI angedeutet. Stoff der für eine teure Hollywood-Produkion zu riskant ist, stattdessen wird die typische „ich muss meine düstere Vergangenheit lüften und Rache für diese nehmen-Story“ erzählt. Ist jedenfalls meine Meinung. Bin übrigens insgesamt kein großer Gits-Fan (zu Pseudophilosophisch), habs eher mit Gunnm. (Bitte bitte Carlsen bring doch mal ne‘ Neuauflage raus, besonders von Last Order.)😉🙏

    • Bin deiner Meinung ^^ würde noch ergänzen, dass ich die Erklärungen zu massentauglich empfand. Was man im Anime nebenbei durch aufmerksames Zuschauen erfährt, musste hier gleich am Anfang explizit erklärt werden, damit man nicht zu viel selbst Nachdenken muss („Seele = Ghost und Körper = Shell“).

      Scarlet J. hat es gut gemacht; ich denke dennoch, dass sie schon zu sehr mit Black Widow besetzt ist. Ja, sie mag gut als Actionheldin sein, aber neue Gesichter finde ich doch spannender.

  5. Kann deiner Kritik nur teilweise zustimmen, finde du reagierst/provozierst etwas zu stark. Ich kenne und mag den Anime, aber habe den Film nur wegen Scarlet gesehen. Finde im nachhinein, war er Bildgewaltig, gute Hauptdarstellerin, Story Abwandlungen zu banal und viel zu wenig Japaner in Tokio, nicht mal Müllmänner!

    • wg. der „fehlenden Japaner“: schau dir die original Mangazeichnungen an oder den Film von 1995, sie sind alle oft sehr westlich gezeichnet worden, die Müllmänner, auch Motoko, insofern ist das schon korrekt, Alledings fehlten mir mehr Szenen mit Aramaki

  6. Guter kommnentar. Ich hab mir den Film angesehen und er hat mir gefallen. Sobald die BD da ist wird sie auch gekauft. Natürlich ist der Film nicht so philosophisch wie die Anime-Filme, sondern mehr auf Action ausgelegt. Dennoch sehenswert.

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