Manga-Tipp des Monats: Tokyo Babylon


In den Anfangszeiten der Manga in Deutschland gehörten die vier Zeichnerinnen von CLAMP (u.a. Tokyo Babylon, X, Tsubasa: Reservoir Chronicle) fest zu denen, deren Werke regelmäßig veröffentlicht wurden. In den letzten Jahren ist es bei uns ruhig um die Gruppe geworden.

Am 30. Mai startet Meitantei Conan Kara Kurenai no Love Letter (Detektiv Conan: Der purpurrote Liebesbrief) in den deutschsprachigen Kinos. Über 130 Lichtspielhäuser werden den Film zeigen, der in Japan bereits zahlreiche Rekorde für sich verbuchen kann. Vor kurzem hat Carlsen Manga! außerdem bekannt gegeben, dass der bisher ausverkaufte erste Band der BBC-Adaption Sherlock nachgedruckt und somit wieder verfügbar ist.

Ende des Jahres wird Kazé, auf vielfachen Wunsch, den futuristischen Manga Inspektor Akane Tsunemori hierzulande veröffentlichen. Dies zeigt, wie beliebt Detektiv Geschichten bei uns gerade sind. Auch das Zeichner-Team von CLAMP hat sich öfter an einem detektivischen Stoff versucht. Ein sehr gelungener Versuch ist Tokyo Babylon.

Tokyo Babylon - Manga-Tipp des Monats: Tokyo Babylon
© 1991 CLAMP, Shinshokan Co., Ltd., Tokyo

Subaru und Hokuto Sumeragi sind aus der Provinz zusammen nach Tokio gezogen. Subaru ist, obwohl noch sehr jung, der mächtigste Yin-Yang-Meister seiner Familie und soll nun den spirituellen Schutz der japanischen Hauptstadt übernehmen. Die Geschwister lernen bald nach ihrer Ankunft den sympathischen Tierarzt Seichiro Sakurazuka kennen, mit dem sie sich bald anfreunden.

Subaru und Hokuto erleben in der Stadt viele mystische Abenteuer. Entweder bekommt der Yin-Yang-Meister offizielle Aufträge oder stolpert, was öfters der Fall ist, über Menschen, die seine Hilfe brauchen. Dabei trifft er auf Leute oder deren Geister, die ein schweres Trauma mit sich herum tragen. Dabei muss der Junge des öfteren große detektivische Fähigkeiten an den Tag legen, um hinter die eigentlichen Beweggründe seiner „Klienten“ zu kommen und ihnen zu helfen.

Bei seinen Versuchen den Menschen zu helfen, trägt Subaru meist selbst schwere körperliche und seelische Wunden davon. Seine Schwester und Seichiro helfen ihm so gut sie können. Aber niemand hat den Jungen auf das vorbereitet, was ihn noch erwartet, als Seichiro eines Tages seine dauer-freundlichen Maske fallen lässt.

Tokyo Babylon ist inhaltlich eine Mischung aus Drama, Mystery und ein wenig Comedy, wofür vor allem Hokuto mit ihrem schweren Fimmel für Cosplay sorgt. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Fantasy-Geschichte aussieht, entwickelt sich zu einem sehr kritischen Abbild des Großstadt-Lebens. Viele Menschen kümmern sich nur noch um sich selbst und kaum noch auf die Belange ihrer Mitmenschen achten.

Gerade diese Verbindung zwischen alltäglichen Problemen und einer Prise Magie machen die einzelnen Storys so interessant. Selbst wenn die Kapitel nicht sehr lang sind, schaffen es die Zeichnerinnen trotzdem sehr gut, die individuellen Probleme nachvollziehbar darzustellen. Mit den angesprochenen Themen wie Einsamkeit, Krankheit oder Mobbing wurde jeder schon einmal irgendwie konfrontiert, sodass es leicht fällt, sich in die Figuren hinein zu versetzen.

Die Kapitel schließen nicht immer mit einem Happy-End ab, obwohl ich solche lieber mag. Trotzdem sind die Ausgänge innerhalb der Handlung passend. Die einzelnen Bögen sind sehr stimmig aufgebaut und schaffen es schnell, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Diese abwechslungsreichen Inhalte sind grafisch, wie bei CLAMP nicht anders zu erwarten, äußerst stimmungsvoll umgesetzt, sodass Tokyo Babylon auch optisch ein Augenschmaus darstellt. Ein weiterer Grund weswegen der Manga seit vielen Jahren zu meinen Favoriten zählt.

X Clamp - Manga-Tipp des Monats: Tokyo Babylon
& copy; 1998 CLAMP, Kadokawa Shoten

Was bei den fünf Bänden Tokyo Babylon als erstes auffällt, ist das ungewöhnliche Format. Die einzelnen Bücher sind um einiges kleiner als normale Manga. Dafür hatte sich Carlsen damals entschieden, diese auf einem sehr hochwertigem Papier drucken zu lassen. Auf den matt glänzenden Seiten kommen die klaren Linien und ausdrucksstarken Abbildungen der Zeichnerinnen wirklich super rüber. Da war man als Leser auch bereit, einen für damalige Zeiten sehr ordentlichen Preis von sechs Euro für einen Band zu zahlen.

Tokyo Babylon ist ein Spin-Off zu CLAMPs-Erfolgsreihe X. Inhaltlich spielt die Story circa neun Jahre bevor die Handlung von X einsetzt. Anders als X, was nach bisher 18 Bänden noch auf eine Fortsetzung wartet, ist Toyko Babylon in fünf Bänden abgeschlossen. Diese erschienen in Japan zwischen 1990 und 1993, während sie hierzulande 2004 von Carlsen Manga! veröffentlicht wurden. Der Inhalt des vierten Manga-Bandes wurde 1992 größtenteils auch als Anime umgesetzt.


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Iliana
Seit frühester Kindheit Manga und Anime Liebhaberin, die einmal im Dunstkreis gelandet, diesen nie wieder verlassen hat. Und damit bis heute mehr als Glücklich ist. Weder Genre noch Medienmäßig festgelegt, also vielseitig interessiert und immer für eine neue, gute Story zu begeistern. Eine ziemlich große Naschkatze, auch wenn sie es sich schon gefühlte 1000 Mal abgewöhnten wollte. :)

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