Mehr als nur eine Bezeichnung für Fans – die Hintergründe des Otaku

Otaku-Sein in Japan

In Deutschland und auch generell im Ausland ist der Begriff „Otaku“ weit verbreitet. Gemeint sind damit meist Animefans und Cosplayer. In Japan wird der Begriff jedoch eigentlich ein wenig anders verwendet.

Otaku steht für Personen, die sich für spezielle Dinge sehr begeistern, alles darüber in Erfahrung bringen und deshalb auch beispielsweise Fanartikel, wie Figuren und Videos, sammeln. Besonders bekannt sind die Otaku, die sich für Idole, Girl Groups, oder Schauspieler, Manga und Anime, Computerspiele, oder andere bestimmte Themenbereiche wie Mathematik und Physik interessieren.

Der Begriff „Otaku“ taucht erstmals 1980 auf und wird besonders vom Autor, Herausgeber und Kolumnist Akio Nakamori (Geburtsname: Shibahara Yasumoto, geb. 1. Januar 1960) geprägt. Die ersten Begriffe sind genauer genommen „Otakuzoku“, „Otakki“ oder auch „Otakka“. Während dem Bubble-Boom (1986-1999) werden die Fans von Anime, Science Fiction und Computer-Spielen immer öfter als „Otaku“ bezeichnet.

Otaku
Unordentlicher Otaku-Raum © By Danny Choo from Tokyo, Japan – Ultimate Otaku Room, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23252187

Nakamoris Eindruck der Menschen, denen er diese Bezeichnung gibt, ist allerdings nicht sonderlich positiv. Im Gegenteil: Im Zuge seiner Recherche besuchte er viele Conventions und fühlte sich immer mehr befremdet. Die Leute vor Ort entsprachen dem typischen Nerd-Klischee – unsportliche Stubenhocker, über- oder untergewichtig – wahrscheinlich unbeliebt in der Schule. Dementsprechend war die Bezeichnung „Otaku“ auch eher als Beleidigung gemeint und wurde ähnlich verwendet, wie die englischen Wörter „Nerd“ oder „Geek“.

Im Jahr 1989 wurde dann der Mädchen-Serienmörder Tsutomu Miyazaki gefasst, der durch die Medien den Beinamen „Otaku-Mörder“ erhielt. Grund dafür waren die Unmengen  von Comics und Videos, die er besaß, und seine Tendenz, sich von seiner Umwelt zu isolieren. Zusätzlich beschuldigte er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung einen gewissen „Rattenmann“ aus einem seiner Comics,  die Morde begangen zu haben.

Shimoneta
Ayame Kajou Cosplay © By Pikawil from Laval, Canada – Montreal Comiccon 2016 – Ayame Kajou, CC BY-SA 2.0, Link

Die folgende Diskussion prägte die Deutung des Wortes „Otaku“ sehr. In den Augen der Öffentlichkeit gelten Otakus nun als unfähig, normale zwischenmenschliche Beziehungen zu führen. Auch wurde behauptet, dass dies der Grund dafür sei, dass sie untereinander die Anrede als „Otaku“ bevorzugen würden, statt sich mit Namen anzusprechen. Das starke Interesse mancher männlicher Otakus an jungen Mädchen sorgte für weitere Vorurteile und Ablehnung, da diese Vorliebe mit der umstrittenen Mordserie in Verbindung gebracht wurde. Aber auch das andere Geschlecht ist vor Anschuldigungen nicht sicher. Die Begeisterung vieler Frauen für Yaoi-Manga wurde dementsprechend als Pendant zu den Interessen der männlichen Otakus gesehen.

Allerdings wurde nicht nur die unterstellte kriminelle Energie der Otaku-Gemeinde kritisiert. Auch ihre Individualität und die Betonung ihrer persönlichen Wünsche wurde nicht gern gesehen. Dies hängt damit zusammen, dass Individualismus in Japan oft negativ bewertet und mit Egoismus gleich gesetzt wird. Zusätzlich werden die Männer und Frauen als kindisch angesehen.

In den 1990er Jahren versuchte der Publizist und sogenannte „Otaku-Kritiker“ Hachîro Taku den Begriff in ein etwas besseres Licht zu rücken. Dazu kritisiert er öffentlich das bis dahin düstere und negative Bild eines Otaku, indem er als Medienfigur Takohachîro auftritt, dessen Merkmal das Otaku-Sein ist. Aus diesem Grund hält er zum Beispiel als Hauptmerkmal eine Sammelfigur von japanischen Musikerinnen in seiner Hand. Er ist vor allem mit seinen Auftritten in den Kabarett-Sendungen: „元気が出るテレビ- Genki ga deru terebi“ und „生だら- Sei dara“ berühmt. Trotzdem hat sich das stereotypische Bild auch durch ihn kaum geändert: Noch immer gelten leicht fettige (lange) Haare, Brille und eine auffallende, etwas schräge Persönlichkeit als typische Erkennungsmerkmale, weshalb sich die Otakus auch weiterhin einer Menge Intoleranz gegenüber stehen sehen.

Quellen:

NiconicopediaPixivmiddle-edgeAnohitohaima

3 Kommentare

  1. Schade dass man so in die finsterste Ecke gedrängt wird. Ich habe eine ps4 und zocke gern (inkl. Technik kram). Sammle mangas und comics. Habe Haustiere und Tadaaa einen job. Und fahre gerne vespa kreuz und quer durch die ch. Es stimmt schon dass ich etwas zurück gezogen lebe aber böse bin ich deswegen noch kange nicht (ausser in games).

  2. Aus diesem Grund hasse ich es auch, wenn sich diese ganzen Möchtegern-Cosplayer in den ganzen Anime-Conventions als Otakus bezeichnen. Die denken auch, dass es eine einfache Bezeichnung von Anime-Fans ist, aber wissen oft nicht, dass das eigentlich negativ gemeint ist. Ich mein, man sollte schließlich keine Wörter in den Mund nehmen, deren Bedeutung man nicht kennt.

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