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100 Jahre Anime: Das Produktionskomitee-System

Des Öfteren gerät das sogenannte Produktionskomitee-System in Kritik, welches bei der Herstellung von Anime aber auch von TV-Dramen oder Verfilmungen Anwendung findet. Doch was ist das überhaupt? Wodurch kam dieses System zustande? Und welche Alternativen existieren?

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Kurz vor der Jahrtausendwende stieg die Anzahl der Anime-Produktionen durch den immensen Erfolg von Serien wie Neon Genesis Evangelion. Mittlerweile werden jährlich an die 200 bis 300 Anime kreiert. Um diese Projekte finanzieren zu können, entstanden die Produktionskomitees (製作委員会, seisaku iinkai). Bei diesen schließen sind mehrere Institutionen mit unterschiedlichen Interessen zusammen, um ein Franchise aufzubauen.

Attack on Titan Vol. 1
Attack on Titan ist in den vergangenen Jahren zu einem großen Franchise bestehend aus Manga-, Anime- & Game-Adaption, Merchandise, Realverfilmungen und anderen Fanattraktionen herangereift. Tendenz steigend!

In der Regel leitet ein Produzent diese Zusammenarbeit in die Wege. Beispiel: Kodansha beschließt, dass ein gewisser Manga eine Anime-Adaption erhält, setzt schließlich einen Produzenten ein, der das gesamte Projekt organisiert. So können beispielsweise Produktionskomitees zwischen Verlage, Vertriebe, Spielzeughersteller, Spieleentwickler, Animationsstudios und/oder TV-Sender entstehen, die den geplanten Anime finanzieren. Selbstverständlich hat jeder dieser Partner Erwartungen. Ziel Nummer 1 ist es, die Produktionskosten zu decken – natürlich stehen grundsätzlich gewinnbringende Absichten im Vordergrund.

Doch womit versucht man die Kosten zu denken?

Dies geschieht einerseits durch den Verkauf von dazugehörigen Produkten – beispielsweise DVDs, Blu-ray-Discs, Merchandise, Musik, Manga, Light Novel etc.. Eine weitere wichtige Rolle spielt jedoch der internationale Lizenzverkauf, worauf wir allerdings in einem separaten Artikel näher eingehen werden.

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Die unterschiedlichen Absichten der Kooperationspartner in einem Produktionskomitees beeinflussen das kreative Schaffen und somit auch die Individualität des Anime. Denn Regisseure und andere Mitwirkende müssen die Interessen sowie Wünsche der einzelnen Finanzgeber bei der Umsetzung beachten, obwohl eventuell andere kreative Ideen im Raum stehen. Beispiel: Eine japanische Plattenfirma ist Teil des Produktionskomitees. Diese bestimmt den Komponisten und die Theme-Song-Darsteller des Anime. Es geht aber noch weiter. Wenn die Plattenfirma beispielsweise auch Künstler unter Vertrag hat, die ebenso als Synchronsprecher (Seiyu) tätig sind, ist es nicht unwahrscheinlich, dass einer oder auch mehrere dieser eine tragende Rolle im Anime ergattern. Damit nimmt beispielsweise die Produktion von Image-Songs ihren Lauf. Die Auswahl erfolgt dabei nicht nach dem Prinzip »das passt zum Anime«, sondern danach, welchen Artist möchte die Plattenfirma gewinnbringend vermarkten. Wie eng Seiyu mit dem Anime-Markt verbunden sind, erklärten wir bereits.

Anime, Musik, Manga, Merchandise u.v.m. – auch das „Nanatsu no Taizai“-Franchise wächst

Woran erkennt der interessierte Zuschauer, welche Parteien an einem Produktionskomitee mitwirken?

Das ist tatsächlich schwierig bzw. nicht vollständig nachvollziehbar. Als Urheber wird im Copyright des Anime-Projektes stets nur der Name des Franchise in Verbindung mit 製作委員会 (Produktionskomitee) erwähnt. 

Wenn diese Art der Finanzierung tatsächlich die Kreativität und Individualität eines Anime-Projektes hemmt, dann sollte man sich über andere Möglichkeiten unterhalten.

Crowdfounding als Alternative

Mecha-ude © 2016 Trif Studio & Sae OkamotoImmer populärer wird in den vergangenen Jahren das Crowdfounding. Wie funktioniert diese Finanzierungsform? Künstler, Schöpfer oder Animatoren suchen zur finanziellen Unterstützung ihrer Projekte den direkten Kontakt zu Fans und anderen Interessenten, die ihnen Geldsummen spenden können. Abhängig von der beigetragenen Summe erwarten dem Spender attraktive Extras – z. B. Name in den Credits, Illustrationen, Merchandise.

Dass Crowdfounding-Kampagnen erfolgreich sein können, bewies zuletzt jene zu Sae Okamotos MECHA-UDE. Allerdings gibt es auch solche, bei denen das Ziel nicht erreicht wurde – beispielsweise Kazuya Sasaharas Reboot-Anime-Projekt zu Dai-Shogun. Der Erfolg einer Kampagne hängt wahrscheinlich großteils davon ab, wie viel Unterstützung oder Werbung diese in der Medienwelt erhält. Allerdings wohl auch von der Attraktivität des vorgestellten Projektes.

Zusammenarbeit mit ausländischen Sponsoren

Auf dem japanischen Markt könnte es hinsichtlich der vielen Anime-Projekte schwierig werden, potenzielle Sponsoren zu finden, da diese meist ausgelastet sind. Warum also keine Kooperationen mit westlichen Sponsoren eingehen?

Die Rote Schildkröte Plakat © Universum Film
Die Rote Schildkröte Plakat © Universum Film

Ab und zu erwägen Studios wie z. B. Madhouse mit der Marvel-Anime-Reihe und zuletzt Ghibli mit Red Turtle eine Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen. Dennoch scheinen japanische Verantwortliche die Produktion eines Anime nur sehr ungerne in westliche Hände zu geben.

Der Grund mag natürlich sein, dass eine derartige Kooperation größere Risiken birgt. Schließlich besitzen ausländische Sponsoren ebenso gewisse Erwartungen, die im Endeffekt erfüllt werden müssen. Soll heißen, es könnte eine ähnliche Problematik entstehen, wie mit den Produktionskomitees. Der große Unterschied: Das Ganze wird auf internationaler Ebene ausgetragen.

Was meint ihr zu dem Thema: Sind Anime tatsächlich zu kommerziell geworden und fehlt es ihnen manchmal an Kreativität?

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