100 Jahre Anime – Magical Girls: Die 80er- und 90er-Jahre

Wusstet ihr schon, dass auch die ersten Magical Girls inzwischen ins Rentenalter kommen? In diesem Jahr wird das 100-jährige Jubiläum des Anime gefeiert. Zeit also, einen Blick in die zauberhafte Geschichte der Magical Girls zu werfen.

Im ersten Teil unseres Specials haben wir uns die 60er- und 70er-Jahre genauer angesehen. In den 60er-Jahren waren Magical Girls vor allem Prinzessinnen und Hexen aus einer anderen Welt, die, wie ihre Zielgruppe, zwischen 10 und 12 Jahren alt waren. In den 70er-Jahren wurden die Magical Girls erwachsener und auch die Themen der Serien wurden düsterer und erotischer. Im zweiten Teil des Magical Girl Specials geht es nun um die 80er- und 90er-Jahre.

Magical Girls der 80er-Jahre: die Studio Pierrot Ära

Bis in die 80er hinein galt Toei Animation als das einzige Magical-Girl-Animationsstudio. Diese Monopolstellung änderte sich aber durch Serien wie Magical Princess Minky Momo von Ashi Productions und die Studio-Pierrot-Serien Mahō no Tenshi Creamy Mami (1983), Mahō no Yosei Persia (1984), Mahō no Star Magical Emi (1985), Mahō no Idol Pastel Yumi (1986) und Mahō no Stage Fancy Lala (1988).

Minky Momo
Magical Princess Minky Momo © 1982 Ashi Productions

Auch Minky Momo greift, wie die Vorgängerserien aus den 60er- und 70er-Jahren, das Motiv der Prinzessin mit Zauberkräften auf und gilt als der Vertreter des Genres. Momo hat nämlich die Kraft, sich in eine erwachsene Person zu verwandeln. Dabei nimmt sie auch deren Fähigkeiten an und wird so unter anderem zu einer Polizistin, einer Meisterdiebin oder ähnlichem. Was am Anfang der Serie noch viel Spaß macht, nimmt zum Ende immer düstere Züge an.

Der Anime zu Minky Momo erschien 1982 und umfasst 63 Episoden. Es folgten mehrere OVAs, unter anderem ein Crossover mit der Serie Creamy Mami. In den 90er-Jahren erhielt Minky Momo mit Magical Princess Minky Momo: Hold on to your Dreams einen erwachseneren Reboot, in dem eine andere Momo aus dem Meereskönigreich Marinerursa die Hauptrolle spielt. Im Verlaufe der Serie treffen die beiden Momos sogar aufeinander.

Von Studio Pierrot stammen aber die meisten Magical-Girl-Serien, die in den 80er-Jahren im japanischen Fernsehen gezeigt wurden. Der Grundstein wurde 1977 durch einen Zusammenschluss der Animatoren und Regisseure Yūji Nunokawa, Mitsuo Uenashi und Hiroko Tokita gelegt. Aus dieser Gruppe entstand im Mai 1979 das Animationsunternehmen Studio Pierrot, welches unter anderem für Nils Holgersson, Frau Pfeffertopf und Saber Rider und die Starsheriffs verantwortlich ist.

Magical Girls von Studio Pierrot sind sich in vielen Dingen ähnlich: es sind stets Mädchen im Teenager-Alter, die sich mit zauberhaften Gegenständen verwandeln und dabei nicht nur älter werden, sondern auch besondere Fähigkeiten erhalten.
Darauf werden sie zum Beispiel Idols (Creamy Mami, Pastel Yumi, Fancy Lala), oder Stars in einer Zaubershow (Magical Emi), oder einfach nur Hüterinnen der Gerechtigkeit, die ein fremdes Land retten müssen (Persia).

Alle haben gemeinsam, dass sich die Zaubergegenstände gut als Merchandise verkaufen lassen können – denn welches kleine Mädchen würde schon „Nein“ sagen, wenn es den Zauberstift von Pastel Yumi oder Fancy Lala durch die Luft schwingen kann, während die Serie im Fernsehen läuft?

Magical Girls der 90er-Jahre: Die RTLII-Ära

Während die meisten Leser dieses Artikels vielleicht zum ersten Mal von Minky Momo gehört haben, dürften die folgenden Magical Girls doch wirklich jedem bekannt sein. Dazu beigetragen hat vor allem ein Sender: RTLII.

Magical Girls der 90er-Jahre unterscheiden sich von ihren Vorgängerinnen vor allem dadurch, dass nun der Fokus auf Superhelden und Kämpfe wechselt. Aus Einzelkämpferinnen werden Teams, deren Verwandlungs-Outfits bestimmten Farbcodes unterliegen: so ist die Hauptfigur meistens Pink, die Intelligente beziehungsweise Schüchterne Blau oder Grün, der Sonnenschein Gelb, die Rebellin Rot oder Orange und die Mysteriöse Violett. Auch nimmt die Bedeutung von Zaubergegenständen, die sich gut als Merchandise verkaufen lassen, weiter zu.
Da sich Magical Girls erst in den 90er-Jahren vollends in der westlichen Welt etablierten, gelten Heldinnen-Teams bis heute bei uns als der Archetyp des Genres.

Sailor Moon - Movie 3: Reise ins Land der Träume
Sailor Moon – Movie 3: Reise ins Land der Träume © Toei Animation Co.Ltd, Naoko Takeuchi/PNP

Sailor Moon ist für Magical-Girl-Anime das, was Pokémon für Abenteuer-Anime ist. Es wird wohl keinen Menschen geben, der beim Anblick dieser ikonischen zwei Zöpfe nicht an das Mädchen mit den Zauberkräften denkt, so wie selbst der Szene fremde Menschen beim Anblick der gelben Elektro-Maus den Namen Pikachu im Kopf haben.
Usagi Tsukino ist ein ganz normales 14-jähriges Mädchen und eine naive Heulsuse, bis eine sprechende Katze namens Luna ihr eine magische Brosche schenkt, mit deren Hilfe sie sich in Sailor Moon verwandeln kann und für Liebe und Gerechtigkeit kämpfen soll. Aber Usagi ist auch die wiedergeborene Prinzessin des Mondkönigreichs.

So viele bereits bekannte Motive auf einmal! Neu ist diesmal, dass Sailor Moon nicht alleine kämpft, sondern im Laufe der Serie Mitstreiterinnen bekommt. Zudem wird sie von einem männlichen Sidekick namens Tuxedo Mask unterstützt, der neben schlauen Sprüchen allerdings nicht viel auf dem Kasten hat.

Sailor Moon stammt aus der Feder von Naoko Takeuchi und wurde 1992 von Toei Animation adaptiert. Die Serie umfasst stolze 200 Episoden in fünf Staffeln. Die deutsche Erstausstrahlung erfolgte am 13. Oktober 1995 auf ZDF. Ab der zweiten Staffel übernahm RTL II die Ausstrahlung.
Neben drei Kinofilmen gibt es noch eine 49 Episoden lange Realserie und mehrere Musical-Adaptionen. 2014 erfolgte ein Reboot der Serie unter dem Namen Sailor Moon Crystal. Dieser ist stärker am Manga orientiert und richtet sich an ein erwachseneres Publikum, als die Serie aus den 90er-Jahren.

Wedding Peach
Wedding Peach © 1995 Toei Animation / nipponart

Ebenfalls auf RTLII erschien am 23. April 2001 die Serie Wedding Peach, die von Nao Yazawa gezeichnet worden ist. Diese zählt chronologisch aber zu den 90er-Jahren, da die japanische Erstausstrahlung am 5. April 1995 auf TV Tokyo erfolgte. Die Gesamtlänge der Serie beträgt 51 Episoden und vier OVA-Episoden, die unter dem Titel Wedding Peach DX erschienen sind.

Auch Momoko Hanasaki ist ein ganz normales Mädchen, das mit ihren 13 Jahren auf die Mittelschule geht und von der ersten großen Liebe träumt. Ihr erscheint keine sprechende Katze, sondern sie besitzt einen Ring ihrer verschollenen Mutter, in welchem magische Kräfte innewohnen. Ihre Mutter ist nämlich ein Engel und Momoko hat ihre Kräfte geerbt. Fortan muss sie als Wedding Peach mit ihren Mitstreiterinnen Lily und Daisy – später auch Salvia – gegen Teufel und Dämonen kämpfen, die den Menschen ihre Liebesenergie entziehen wollen.

In Wedding Peach kommt ebenfalls ein unnötiger männlicher Sidekick vor. Dieser heißt eigentlich Limone, wird in der deutschen Version aber zu Kiiro umbenannt. Während Tuxedo Mask wenigstens etwas in den Kampf eingreifen kann, ist Limone aber ein gänzlich unbrauchbarer Dummschwätzer, der stets auf einer Himmelstreppe erscheint.

Doremi
Magical Doremi © 1999 Toei Animation / KSM Anime

Nach Planeten-Kriegerinnen und Engeln kehren in den 90er-Jahren auch die Hexen, die besondere Prüfungen ablegen müssen und mit ihrer Zauberkraft im Alltag gute Dinge verrichten, wieder zurück. In Magical Doremi zaubern sich Doremi Harukaze, das ebenfalls ganz normale und tollpatschige Mädchen, und ihre Mitstreiterinnen, in die Herzen des Publikums.

Doremi hat ebenfalls eine Brosche und einen Zauberstab, aber mehr als nur ein Maskottchen. Neben Majorca, der in einen Hexenfrosch verwandelten Hexe, gibt es noch mehrere Elfen, darunter Doremis eigene Elfe Dodo. Allerdings liegt in Magical Doremi der Fokus eher auf Comedy und Slice of Life, als auf Kampf-Action. Die Mädchen gehen zudem noch auf die Grundschule, weswegen es weniger romantisch zugeht, als in Sailor Moon und Wedding Peach.

Magical Doremi toppt Sailor Moon in der Länge um eine Episode. Die Serie begann 1999 in Japan und startete am 31. August 2001 auf RTLII. Sie ist mit 201 Episoden abgeschlossen.

Jeanne, die Kamikaze-Diebin
© Arina Tanemura / SHUEISHA / Tōei Animation

Das älteste Magical Girl der 90er-Jahre-Reihe ist mit 16 Jahren Marron Kusakabe aus Kamikaze Kaito Jeanne. Der Manga von Arina Tanemura wurde 1999 ebenfalls von Toei Animation in 44 Episoden umgesetzt. Die Erstausstrahlung begann vier Tage vor Magical Doremi, nämlich am 27. August 2001 auf RTLII.

Marron ist zwar keine Mondprinzessin, dafür aber die Reinkarnation von Jeanne d’Arc. Sie ist zwar kein Engel, kämpft aber im Namen Gottes gegen Dämonen. Für romantische Momente sorgt ihr Love-Interest Chiaki Nagoya, doch der ist gleichzeitig ein Magical Boy namens Sindbad und Jeannes Rivale.

Jeanne hat zwar keine Mitstreiterinnen, dafür steht ihr aber der kleine Engel Fynn Fish zur Seite. Gemeinsam müssen sie wertvolle Kunstobjekte stehlen, in denen sich die Brut Satans versteckt hält. Dabei benutzt Jeanne allerdings keinen Zauberstab: sie kämpft mit Tanzbändern, die in der rhythmischen Tanzgymnastik zum Einsatz kommen.

Card Captor Sakura
Card Captor Sakura © 1999 Toei Animation / Universum Film GmbH

Zu guter Letzt kämpft sich auch in Card Captor Sakura eine einzelne Heldin durch das Leben: Sakura Kinomoto ist 10 Jahre alt und muss die magischen Clow Cards einsammeln, welche in alle Winde verstreut wurden und reichlich Unheil stiften. Sie zaubert ebenfalls allein, doch erhält sie Unterstützung durch ihre beste Freundin Tomoyo und dem Maskottchen Kero-chan.

Im Vergleich zu den anderen Magical Girls ist Sakura nicht nur deutlich jünger, sie hat auch keine Verwandlung an sich: Tomoyo schneidert ihr nämlich stets das passende Outfit für ihre Karten-Jagd. Bei dieser Jagd muss Sakura auch nicht immer kämpfen: viele Clow Cards stellen ihr auch ein Rätsel. Auch Sakura hat mit Shaolan Li einen Magical Boy als Rivalen.

Card Captor Sakura wurde in Japan am 7. April 1999 erstausgestrahlt. Nach Deutschland kam die Serie, die zudem vier Kinofilme hat, am 11. Oktober 2003. Auch wurde sie nicht auf RTLII gezeigt, sondern lief auf Pro Sieben. Seit dem Juli 2016 zeichnen CLAMP zudem an einer Fortsetzung des Manga, die den Titel Card Captor Sakura: Clear Edition trägt.

Im dritten Teil des Specials erwarten euch die Magical Girls der letzten 17 Jahre, die das Genre auf den Kopf gestellt haben. Neben der bekannten Serie Madoka Magica werden wir euch unter anderem Senki Zessho Symphogear näher vorstellen.

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here