100 Jahre Anime: Magical Girls – Die Anfänge

Wusstet ihr schon, dass auch die ersten Magical Girls inzwischen ins Rentenalter kommen? In diesem Jahr wird das 100-jährige Jubiläum des Anime gefeiert. Zeit also, einen Blick in die zauberhafte Geschichte der Magical Girls zu wagen.

Bewitched – Verliebt in eine Hexe © 1964 ABC TV

Im ersten Teil des Specials gehen wir einmal ganz weit zurück in die Vergangenheit und stellen euch die Magical-Girl-Serien vor, die zwischen 1960 und 1980 den Markt beherrschten. Im nächsten Teil des Specials widmen wir uns den Magical Girls der 80er- und 90er-Jahre und zeigen euch, was diese spannende Jahrzehnte jenseits von Sailor Moon und Wedding Peach noch alles zu bieten hatten.

Die Geschichte der Magical Girls begann vor fast 60 Jahren und hat ihren Ursprung nicht in Japan, sondern in den USA. In einer Zeit, in welcher Frauen sich meistens noch um die drei Ks – Kinder, Küche und Kirche – sorgen mussten, wagte die in den 60ern gesendete Sitcom Verliebt in eine Hexe mit der Hexe Samantha, die ihrem nicht magisch begabten Ehemann Darrin immer wieder mit Magie aus der Patsche helfen muss, erste Emanzipationsversuche.

Magical Girls der 60er-Jahre

Die japanische Fassung Okusama wa Majo erfreute sich großer Beliebtheit im Land der aufgehenden Sonne und inspirierte gleich zwei Manga-Zeichner zu einer zauberhaften Geschichte. So entstand 1962 die Serie Himitsu no Akko-chan (Akko-chans Geheimnisse), die von Fujio Akatsuki für das Ribbon Magazin gezeichnet und 1969 als Anime umgesetzt wurde, und 1966 die Serie Mahōtsukai Sally.

Himitsu no Akko-chan
Himitsu no Akko-chan © 1969 Toei Animation

Akko-chan heißt eigentlich Atsuko Kagami. Sie besitzt einen Spiegel, der für sie schon immer eine besondere Bedeutung hatte. Als dieser zerbricht, entschließt sie sich dazu, diesen nicht einfach wegzuwerfen, sondern ihn zu begraben. Kurz darauf erscheint ein zauberhaftes Wesen, das von Akko-chans Hingabe so gerührt ist, dass es ihr einen magischen Spiegel als Ersatz schenkt. Mit diesem kann sich Akko-chan in jede beliebige andere Person verwandeln und übernimmt dabei deren Talente und Fähigkeiten.
Die Serie aus dem Jahre 1969 hat 94 Episoden. 1988 und 1998 erschienen zwei Neuauflagen von Himitsu no Akko-chan, welche 61 und 44 Episoden lang sind. Auch entstanden sieben Kinofilme und ein Live-Action-Film, welcher im September 2012 erschienen ist.

Mahoutsukai Sally
Mahōtsukai Sally © 1966 Toei Animation

Himitsu no Akko-chan gilt als das erste Magical Girl Manga, während Mahōtsukai Sally (Sally, die Hexe), welches 1966 ebenfalls im Ribbon Magazin erschienen und im gleichen Jahr animiert wurde, als der erste Magical Girl Anime geht.

Die Heldin Sally ist eigentlich die Prinzessin des magischen Königreichs Astoria. Sie kommt auf die Erde, um dort unter den Menschen Freunde zu finden. Auf ihrer Reise muss sie des Öfteren Magie anwenden, um ihren Freunden aus der Patsche zu helfen. Dabei wird sie nicht nur besser beim Zaubern, sondern gewinnt auch viel Lebenserfahrung dazu.
Der Anime zu Mahōtsukai Sally erschien 1966 und umfasst 109 Episoden. Eine Fortsetzung mit 88 Folgen erschien 1989. 1990 erfolgte ein Kinofilm.

In allen drei Serien werden die Grundsteine für typische Magical-Girl-Motive gelegt: so muss die Heldin ihre Zauberkraft geheim halten, da sie sonst mit Konsequenzen zu rechnen hat. Die Heldin versucht stets, anderen zu helfen, doch endet durch den Einsatz von Magie oftmals alles im Chaos. Auch muss sie sich mit ebenfalls magisch begabten Verwandten und Bekannten herumärgern. Die Heldin ist entweder ein ganz normales Mädchen, oder sie kommt aus einer anderen Welt, in der sie zum Beispiel eine Prinzessin ist.

Allerdings sind Akko-chan und Sally im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren, während Samantha aus Verliebt in eine Hexe eine erwachsene Frau ist. Dieser Wandel lässt sich dadurch erklären, dass Magical Girl Serien in Japan von Anfang an eine andere Zielgruppe hatten, als die US-amerikanische Sitcom. Deshalb werden bei Himitsu no Akko-chan und Mahōtsukai Sally auch andere Themen aufgegriffen, die besonders für Mädchen im beginnenden Teenager-Alter von Interesse sind: die erste Liebe, Probleme mit den Eltern und stressige Lehrer, sowie die Veränderung des eigenen Körpers.

Magical Girls der 70er-Jahre

Erst in den 70er-Jahren werden die Heldinnen älter und auch die Handlung der Magical Girl Serien bekommt einen erwachseneren, teilweise düsteren Touch. So werden zum Beispiel rivalisierende Magical Girls eingeführt und auch der Fanservice kommt langsam auf.

Fushigi na Melmo © 1971 Tezuka Productions

Osamu Tezuka, der hierzulande vor allem durch Astro Boy und Kimba, der weiße Löwe bekannt geworden ist, zeichnete 1970 den Manga Fushigi na Merumo (Zauberhafte Melmo), welcher 1971 als 26 Episoden langer Anime umgesetzt wurde.
Die Heldin Melmo ist das älteste von drei Kindern. Ihre Mutter starb bei einem Verkehrsunfall, als Melmo neun Jahre alt war. Im Himmel erfüllt Gott der Mutter aber einen Wunsch: sie darf Melmo als Geist eine Flasche überbringen, die mit Bonbons gefüllt ist.
Mit diesen kann Melmo fortan nach Belieben ihr Alter ändern: mit roten Bonbons kann sie sich in ein kleines Kind, oder ein Baby, verwandeln, mit blauen Bonbons wird sie erwachsen. Isst sie von beiden gleichzeitig, verwandelt sie sich in einen Fötus und kann daraufhin einen Formwandel durchführen, der sie zu einem Tier macht. Auch kann Melmo die Bonbons mit anderen teilen.

Fushigi na Merumo war als Aufklärungsserie geplant, in der auch Themen wie Pubertät und Erziehung zu Sprechen kamen. Zudem gilt die Serie als eine der ersten Anime mit Fanservice in Form von Pantyshots, da Melmos Kleidung trotz Verwandlung immer dieselbe Größe hat.

Cutie Honey
Cutie Honey © 1973 Toei Animation

Während Fushigi na Merumo in Deutschland kaum jemand kennen dürfte, erfreut das folgende Magical Girl dank der Ausstrahlung des 1997er-Remakes auf Sat.1 großer Beliebtheit: Cutie Honey. Diese stammt vom Manga-Zeichner Go Nagai und erschien von 1973 bis 1974 im Weekly Shonen Champion Magazin vom Akita Shoten Verlag.

Die Heldin Honey Kisaragi bekommt von einem mysteriösen Wissenschaftler die Fähigkeit verliehen, sich in verschiedene Kämpferinnen zu verwandeln. Mit dieser Kraft soll die fortan Dämonen bekämpfen. Honey glaubt, ein normales Mädchen zu sein und versteht nicht, warum die Bösewichte Jagd auf sie machen. Erst im Verlaufe der Serie erkennt sie, dass sie eigentlich ein weiblicher Androide ist, dessen besondere Kraft aus Luft Materie entstehen lassen kann.

Mit dem Anime zu Cutie Honey, der 1973 erschienen ist und 25 Episoden umfasst, wurden weitere Magical Girl Motive eingefügt: Verwandlungssprüche, Einleitungsphrasen und Attacken-Namen, die nackte Verwandlungssequenz und Kämpfe mit Zauberkraft. Cutie Honey richtete sich dabei vor allem an ein männliches Publikum, während das 39 Folgen lange Remake von 1997 für Mädchen und junge Frauen konzipiert worden ist.
Cutie Honey inspirierte des Weiteren mehrere OVAs, einen Live-Action-Film aus dem Jahre 2004 und eine Live-Action-Serie mit 25 Episoden, die 2007 erschienen ist.

Majokko Megu-chan
Majokko Megu-chan © 1974 Toei Animation

Die dritte und letzte Magical Girl Serie aus den 70er-Jahren, die wir euch vorstellen wollen, heißt Majokko Megu-chan (Meg, das Hexenmädchen). Diese erschien 1974 als 72 Episoden langer Anime und basiert auf einem Manga von Tomo Inoue und Akio Narita.

Die Heldin Meg ist 15 Jahre alt und eine Anwärterin auf den Thron des Hexenlandes und hat eine Rivalin, die Non heißt. Meg wird als Teil ihrer Prüfung zur Erde geschickt. Dort kommt sie bei der früheren Hexe Mami Kanzaki unter, welche einen Zauberspruch benutzt, um die Erinnerung ihrer Familie zu manipulieren und Meg somit in diese zu integrieren. Meg, die noch nie eine Familie hatte, tut sich schwer mit der neuen Situation und lernt die Aufs und Abs zwischenmenschlicher Beziehungen und die Abgründe der menschlichen Gesellschaft kennen. So thematisiert Majokko Megu-chan unter anderem häusliche Gewalt, Affären und Selbstmord.

Ihr seht also, dass Magical Girls schon vor 40 Jahren kritische Themen angesprochen haben und das kein Neuzeit-Phänomen ist, welches durch Madoka Magica aufgekommen ist.
Im zweiten Teil unseres Specials werden wir uns den schrillen 80er-Jahren und den durch RTL II geprägten 90er-Jahren widmen und euch zeigen, was neben Studio Pierrot und Sailor Moon noch alles den Markt beherrschte.

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