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The Piano Forest © Makoto Isshiki / THE PIANO FOREST Film Partners © VIZ Media Switzerland SA.

Mit The Piano Forest brachte Kazé im April 2012 eine Anime-Verfilmung aus dem Jahre 2007 heraus. Wir warfen einen Blick in die Blu-ray-Ausgabe und verraten euch, was der Movie zu bieten hat.

Worum geht es?
Der aus reichem Hause stammende Shuhei Amamiya zieht von Tokio in eine Kleinstadt und besucht dort die Morisaki-Grundschule. Aufgrund seiner Vorliebe fürs Klavierspielen beginnen die Mitschüler ihn zu ärgern. Sie erzählen ihm schaurige Geschichten von einem Piano im Wald – dieses könne man angeblich nicht spielen, aber dennoch erklingen nachts Klaviertöne. Ein anderer Schüler namens Kai mischt sich ins Gespräch ein und legt sich mit den Streitsuchenden an. Angeblich sei ausgerechnet Kai derjenige, der dieses Piano spiele und genau dies möchte er Shuhei nun gerne beweisen. Kai führt den Neuling in den Wald und präsentiert ihm das gute Stück. Doch Shuhei merkt schnell, dass er das Klavier nicht spielen kann. Um so verblüffter ist der Junge, als Kai loslegt …

Die Story
Die Handlung basiert auf Makoto Isshikis preisgekröntem Piano no Mori: The Perfect World of Kai-Manga. Im Mittelpunkt stehen die beiden Grundschüler Kai und Shuhei, die sich für das Piano begeistern, aber deren Motiv für das Spielen des Instruments nicht unterschiedlicher sein kann.

Die Handlung schreitet im Slice-of-Life-Stil relativ schnell voran und der Zuschauer bekommt Einblicke in den Alltag der beiden Jungen. Letztendlich konkurrieren diese in einem Wettbewerb, dessen Ausgang eine schöne aber auch sozialkritische Botschaft hinterlässt. Zwischendurch bietet die Story einige Schmunzelmomente, die aus den Interaktionen der Charaktere resultieren – mit Kai erhält man hier nämlich eine dickköpfige Frohnatur.

Die Idee
The Piano Forest ist ein Musikdrama, das sich nicht nur auf die unterschiedliche Lebensweise beziehungsweise die verschiedenen Lebenserfahrungen der Protagonisten bezieht, sondern auch Gesellschaftskritik ausübt. Die Geschichte kommt mit der klaren Botschaft, Individualismus sowie Vielfältigkeit Vorrang zu geben, anstatt Perfektionismus zu erzwingen oder einfach nur jemanden nach schematischen Kriterien zu bewerten. In diesem Fall bezieht sich das ganze selbstverständlich auf das Pianospielen: Natürlich ist es eher kontraproduktiv das Stück eines Künstlers 1:1 zu kopieren, man sollte dem Werk eine gewisse Eigennote verleihen.

The Piano Forest © Makoto Isshiki / THE PIANO FOREST Film Partners
© VIZ Media Switzerland SA.

Die Charaktere
Mit Kai Ichinose kommt hier eine hitziges Kerlchen ins Geschehen, das ein freies, wenn auch armes Leben im sozialen Brennpunkt führt. Er spielt das Piano ungezwungen und aus freiem Willen. Und dies bereits im jungen Alter, wo Kai das Klavier im Wald entdeckte.

Shuhei Amamiya ist das genaue Gegenteil von Kai. Er stammt aus einer reichen Musikerfamilie, bekommt das Klavierspielen quasi aufgezwungen und seine Angehörigen verlangen stets Erfolge sowie perfekte Auftritte. Zum Ende des Films zieht Shuhei eine lehrreiche Konsequenz, was er Kai zu verdanken hat.

Wichtige Nebenfiguren sind von Beginn der ehemalige Meister-Pianist Sosuke Ajino sowie in der Schlusshälfte des Streifens die Grundschülerin und Wettbewerbsteilnehmerin Takako.

Man muss dazu sagen, die Charakterkombination ist nichts Neues: auf arm trifft reich. Und auch das Schicksal von Ajino ist sicherlich kein unbekanntes Phänomen in einem Drama.

Die Animation
Die Animation von Studio Madhouse ist in meinen Augen durchschnittlich. Der Zuschauer findet hier statische Hintergründe vor, die weniger eine lebendige stattdessen eher eine verträumte Atmosphäre bieten. Im Fokus der Produktion steht die Animation eindeutig nicht, vielmehr das musikalische Drumherum und das Drama um die erwähnten Protagonisten.

Der Sound
Die Hintergrundmusik ist nicht aufdringlich. Bestimmte Szenen sind passend zum Thema mit Klavierklängen untermalt. Legen die Protagonisten mit dem Piano los, so hört der Zuschauer Titel von Mozart und Chopin, die in real von Vladimir Ashkenazy eingespielt wurden. Ein kleiner Tipp: Hört beim Wettbewerb mal genauer hin, hier werden zwar dieselben Klavierstücke gespielt, aber dies stets auf eine andere Weise, um eben auch zu zeigen, dass die Charaktere es auf ihre Art darstellen.

Die Synchronisation
Die Blu-ray-Edition kommt mit mehreren Vertonungen, ich selber werde nun auf die deutsche im Vergleich zur japanischen eingehen. Christian Zeiger schlüpft in die Rolle von Shuhei, macht dabei einen guten Job, wenngleich man ihn stimmlich keinen Grundschüler abnimmt, vielmehr einen Jugendlichen. Shuheis Originalbesetzung (Ryûnosuke Kamiki) ist in dem Punkt die bessere Wahl, da seine Stimme jünger klingt. Bei Kai liegt nun das komplette Gegenteil vor. Während Lukas Schust hier eine gute Kinderstimme abgibt, klingt Aya Ueto im Japanischen wie eine erwachsene Frau – logisch, was anderes ist Ueto schließlich nicht. Ich empfinde es in beiden Vertonungen etwas störend, zwei Grundschüler zu sehen, aber nur einen zu hören. Nahezu gleich zum japanischen Original klingen Emilie Kundrun als Takako und Alexander Doering in der Rolle von Sosuke Ajino.

The Piano Forest © Makoto Isshiki / THE PIANO FOREST Film Partners
© VIZ Media Switzerland SA.

Extras
Die standardisierte Amaray-Hülle kommt lediglich mit einem Wendecover. Auf der Blu-ray-Disc von The Piano Forest an sich sind keinerlei Extras vorhanden.

Fazit
The Piano Forest ist in meinen Augen die perfekte Mischung für einen Familienfilmabend. Hier wird das Leben zweier unterschiedlicher Grundschüler durchleuchtet, die sich beide für das Piano begeistern und das Instrument mit einer anderen Grundhaltung spielen. Geschmückt ist das ganze mit kindlichem Humor und Leichtsinn. Ebenso begeistert der Film mit sozialkritischen Elementen, die zum Nachdenken anregen. Empfehlen kann ich The Piano Forest nicht nur Klassikliebhabern, sondern auch jenen, die Alltagsdramen mögen.

Info
Piano Forest
Original Name: ピアノの森
Transkription: Piano no Mori
Studio: Madhouse
Deutscher Publisher: Kazé
Regisseur: Masayuki Kojima
Drehbuch: Ryuta Hourai
Musik: Keisuke Shinohara
Erschienen am: Juli 2007 in Japan, April 2009 in Deutschland
Synchronisation: Elektrofilm Postproduction Facilities GmbH
Dialogregie: Petra Barthel
Länge: 97 Minuten
Freigegeben ab: 0 Jahre
Genre: Drama
Sprachen: Japanisch, Deutsch, Französisch, Italienisch
Medium: DVD und Blu-ray

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11 KOMMENTARE

  1. Oh nein, da sind sie wieder, diese absurden Prozentwerte…

    Bitte, bitte, bitte überlegt es euch echt, diese endlich wegzunehmen. Emotionen, Gefühle und Gedanken lassen sich einfach unmöglich in ein starres Prozentkorset zwängen, das je nach Tageslaune auch noch unterschiedlich ausfallen würde. Anime & Manga verdienen es als Kunstform schlicht nicht, nach puren Zahlen beurteilt und verglichen zu werden, denn das geschieht bei solch einer Einteilung zwangsläufig…

    Dabei macht ihr hier doch so eine tolle Arbeit, und dann so etwas…=(

    • die Bewertungsbox ist sicherlich Geschmackssache, aber du kannst sie doch für dich persönlich auslassen ;). Ist doch jedem das seine, ob er sich die Prozente anschaut oder eben nicht. An der Textqualität allgemein ändert sich doch nichts.

      • Wegschauen hat noch nie Probleme gelöst…

        Jeder interpretiert Prozentwerte anders, und sie verführen viele zu sehr dazu, nur über den Text zu fliegen (wenn überhaupt…) und direkt auf die Zahlen zu schauen. Das tut dem Werk unrecht, das tut dem Autor unrecht, und das tut einer Kunstform unrecht. Wenn ihr schon Wertungen haben müsst, dann lasst die ganzen Unterwertungen weg und vergibt nur 1-3/3, oder vielleicht noch 1-5/5, aber so ist das doch wirklich nicht sinnvoll.

        Ihr wollt doch ernst genommen werden, genauso wie eure Texte und das Medium allgemein. Dann noch mit Prozentwertungen zu hantieren, die, ich wiederhole mich gerne, je nach Tageslaune und zuvor gesehenen Medien anders ausfallen, ist dem Ganzen irgendwie nicht würdig =(.

    • Na ja, die Bewertungsbox dient zur Orientierung und wird von vielen Lesern auch gerne gesehen. Daher wird sie bleiben, auch wenn Deiner Meinung nach eine Beschreibung reicht.

      • Wenn ihr schon unbedingt eine Orientierung haben wollt, warum dann nicht wenigstens eine etwas sinnvollere/seriösere? 1-3/3 oder 1-5/5 meinetwegen. Prozentwerte sind schlicht und nachweislich so dermaßen „fehleranfällig“ und vom Tag/der Laune/der Motivation/der Erfahrung abhängig, dass das viel zu schade ist, auf so etwas zu bauen…

        • Öh so einfach funktioniert unser System nicht, jeder Wert setzt sich aus verschiedene Unterpunkte zusammen und diese Orientieren sich an jeweils 2 Referenzen. Die Unterpunkte sind hier nicht gelistet, weil es die Box riesig machen würde, aber da durch ist die Bewertung durchaus „seriöser“ als Sterne oder so. Und jede Berechnung beruht auf %, wir zeigen sie halt nur an.

          Tja um zum Schluss, hast Du schon mal eine wirklich zu 100% neutrale Bewertung gesehen? Die ist unmöglich.

          In sofern werden wir dieses System nicht ändern, denn es ist durchdachter als man vielleicht auf den ersten Blick sehen kann.

          • Jeder Wert aus verschiedenen Unterpunkten, die sich auch noch an zwei Referenzen orientieren? Aber dadurch wird doch ein System, was garnicht objektiv sein kann, nur unnötig kompliziert gemacht.

            Und gerade weil es keine 100% neutrale Bewertung geben kann, sind jede immer detailliert werdende Versuche doch von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Text ist dafür da, sich ein Bild von dem zu machen, was der Autor über das Werk denkt. Solch detaillierte Wertungen sind aber immer anfechtbar, ein begründeter Text nie.

            Der Text liest sich bspw. eher so, als dass die Idee, die Animation und die Charaktere viel eher eine 8.0 verdient hätten. Ein anderer könnte genau das Gegenteil sagen und behaupten, dass sich alles wie eine 7.0 liest. Und genau deshalb sind solche viel zu detaillierten Wertungen, geschweige denn Unterwertungen, wirklich too much, um in meinen Augen das Anrecht zu haben, seriös zu sein.

          • Hm, aber da siehst Du doch das Problem, man kann es eh nicht allen reicht machen. Was jeder für sich heraus liest ist immer anders. Zum scheitern ist es nicht verurteilt, denn auch bei dem, was Du vorgeschlagen hast, wird es immer dabei bleiben, dass jeder was anderes liest und irgendwer wieder die Objektivität anzweifelt. Wenn wir nun jedesmal das System ändern würden, hätten wir nichts mehr anderes zu tun. Außerdem sind „nur“ Texte ja toll, aber Du vergisst, dass so etwas auch Werbung ist und gefunden werden muss und dabei spielt das System ne große Rolle.

            Man kann es sehen wie man will, ob man nun die Bewertung doof findet oder den Text oder wie auch immer, so eine Bewertung hat durchaus ihre Vorteile, ob Du sie nun objektiv oder nicht findest, nun das müssen wir akzeptieren. Das wir es nicht jeden Recht machen können, wissen wir und das wir nicht jedesmal das System ändern werden, dürfte auch verständlich sein.

            Also kurz gesagt: Tut uns leid, dass Du es nicht gut findest, aber es bleibt.

          • Zitat:

            „Hm, aber da siehst Du doch das Problem, man kann es eh nicht allen reicht machen. Was jeder für sich heraus liest ist immer anders.“

            Ja eben, aber dafür sind Texte doch da! Mit einer detaillerten Bewertung gaukelt ihr doch nur eine Objektivität vor, die es garnicht geben kann.

            Zitat:

            „denn auch bei dem, was Du vorgeschlagen hast, wird es immer dabei bleiben, dass jeder was anderes liest und irgendwer wieder die Objektivität anzweifelt.“

            Begründete Texte sind begründet. Eine Wertungsschwankung zwischen 84% & 85% jedoch nicht, weil das mehr oder weniger reine Willkür ist und je nach Motivation, Tagesform etc. pp anders ausfällt.

            Zitat: „Außerdem sind „nur“ Texte ja toll, aber Du vergisst, dass so etwas auch Werbung ist und gefunden werden muss und dabei spielt das System ne große Rolle.“

            Inwiefern wird eine Kritik mit Bewertung schneller gefunden als ohne?

          • Texte fallen auch anders aus 🙂 je nach Tagesform formuliert man anders. Eine Review ist nie objektiv, ansonsten wären sie ja alles gleich.

            Und zur Werbung: Rich Snippets nennt sich das 🙂

            Allerdings haben wir jetzt auch genug diskutiert. Fakt ist nun mal, dass wir das System auch weiterhin benutzen werden. Text ist wichtig, ja, aber andere wollen halt eine Bewertungsbox und uns pauschal die Objektivität abzusprechen, ist etwas unpassend. Insbesondere weil Du mir zustimmst bei der Aussage, dass man aus Texten selbst heraus lesen kann was man möchte. Wenn ich das also richtig verstehe, möchtest Du eine Review, aus der Du heraus lesen kannst, was Du möchtest, also sprichst Du auf der einen Seite die Objektivität ab, auf der anderen Seite möchtest Du sie gar nicht. Na ja kein Thema, dann schau Dir die Box einfach nicht an. Ich wiederhole mich noch mal, dass System ist so aufgebaut, dass es objektiver als bei vielen anderen Seiten ist. Natürlich werde ich nicht alles hier aufschlüsseln, denn dann würde es kopiert werden und dafür steckt da zu viel Arbeit drin, aber es ist so aufgebaut, dass es die größt mögliche Objektivität bietet, den Faktor Redakteur kann man aber nicht beeinflussen und in sofern kann man weder vom Text noch von einer Bewertungsbox davon ausgehen, dass sie zu 100% Objektiv sind, man kann es halt nur versuchen so viel davon wie Möglich in eine Review unterzubringen, mehr aber auch nicht.

            Uns ist übrigens wichtiger, dass eine Review nicht von Firmen beeinflusst wird, sprich egal wer uns etwas schickt, niemand hat einen Sympathie oder „Werbekunden“ Bonus.

          • Zitat: „Texte fallen auch anders aus 🙂 je nach Tagesform formuliert man anders.“

            Ja, aber dort begründet man seine Meinung ja. Niemand begründet aber den Unterschied zwischen 84 & 85 %. Und darin liegt eben der Riesenunterschied.

            Zitat: „Wenn ich das also richtig verstehe, möchtest Du eine Review, aus der Du heraus lesen kannst, was Du möchtest, also sprichst Du auf der einen Seite die Objektivität ab, auf der anderen Seite möchtest Du sie gar nicht.“

            Relative Objektivität ist dann gegeben, wenn sie begründet ist. Das ist bei den Bewertungen, siehe Zitat 1, aber eben nicht wirklich gewährleistet, beim Text jedoch schon.

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