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The Empire of Corpses – eine Welt, in der die Wirtschaft von Toten lebt

John Watson auf gefährlicher Mission

Mit The Empire of Corpses holte Kazé den ersten Anime-Film, der auf Basis eines Romans von Project Itoh entstanden ist, nach Deutschland und spendierte dem Streifen vorher auch noch ein Kinoevent. Wir warfen einen Blick in die Blu-ray-Edition.

Die Geschichte spielt in London des 19. Jahrhunderts. Ein paar Jahre sind vergangen, seitdem es Victor Frankenstein gelungen ist, den ersten Toten zurück ins Leben zu holen. Trotz des gesellschaftlichen Unmuts über dieses Vergehen, wurde die Leichentechnologie im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil des Lebens. So werden in der Gegenwart seelenlose Körper als Diener, Fabrikarbeiter, Kriegssoldaten oder wandernde Bomben eingesetzt.

Der junge Wissenschaftler John Watson belebt seinen toten Freund Friday mittels des sogenannten Seelenstoffs wieder. Da er an dem Serum geheime Forschungen durchführt, verstößt Watson gegen das Gesetz. Denn der Seelenstoff gilt als Staatsgeheimnis. Seine Forschungen werden von einem Agenten der Regierung enthüllt und so spannt man ihn prompt in eine Mission mit ein. Und diese wird zu einem gefährlichen Abenteuer.

Watsons Mission ist, einen russischen Leichentechniker aufzuspüren, der mithilfe von bewaffneten Leichen seine Ideale durchsetzen möchte. Auch ist das Geheimnis um Frankensteins Forschungen für Watson ein wichtiger Punkt. Denn er möchte, das Friday seine Seele zurückbekommt. Seine Spurensuche führt ihn nicht nur in fremde Länder, sondern auch auf die Fährte von Victor Frankensteins einst ins Leben erweckter Kreatur …

The Empire of Corpses
Kulisse aus The Empire of Corpses

»Die Leichentechnologie voranzutreiben bedarf keines Anlasses.«

Wissenschaft, die keine Grenzen kennt. Einst zum Wohle der Menschen geschaffen, hat sie im Endeffekt doch ihre Tücken. Einer der Prozesse, den die Hauptfigur im Laufe des Geschehens verstehen muss. Die Story wird übrigens sowohl immer komplexer als auch verstrickter und blickt in die Schwächen wie auch Stärken der menschlichen Natur. John Watson sieht das Enthüllen von Frankensteins fortgeschrittener Leichentechnologie zu Beginn als Gelegenheit, das Versprechen, was er seinem Freund Friday einst gab, einzuhalten.

Doch je mehr Fakten der junge Mann herausfindet, um so mehr muss er sich die Frage stellen: Welche Auswirkungen hätte es auf die Menschheit, wenn Frankensteins Methoden künftig an allen Leichen Anwendung finden? Und was könnten sie in den falschen Händen verursachen? Dabei greift The Empire of Corpses nachdenklich stimmende und gesellschaftskritische Aspekte auf, da man sich die aufgeworfenen Fragen auch in unserer heutigen Gesellschaft stellen sollte. Die letzte halbe Stunde des Films überschlägt sich allerdings ein wenig zu sehr mit irritierenden Erklärungen um die menschliche Seele.

The Empire of Corpses
brutale Auseinandersetzung

Allgemein betrachtet erwarten den Zuschauer in The Empire of Corpses allerlei Science-Fiction-Elemente, die in einer Kulisse des 19. Jahrhunderts eingebaut wurden, eine Zeit in der Machtkriege und Religion einen großen Einfluss auf die Politik beziehungsweise Gesellschaft ausübten. Watsons Abenteuer beschreitet er nicht alleine. Neben Friday wird er von einem Agenten namens Frederick Barnaby begleitet, dessen lässige Art und Weise der sonst eher düster und betrübten Atmosphäre wenige Schmunzelmomente schenkt. Wenig später gesellt sich noch die schöne Hadaly Lilith dazu.

Project Itoh bediente sich in seiner Geschichte an Mary Shelleys Roman Frankenstein, der 1818 erstmals anonym veröffentlicht wurde. Hinsichtlich der Charaktergestaltung dienten Project Itoh einerseits reale Persönlichkeiten – wie z. B. Frederick Gustavus Burnaby oder der Erfinder Thomas Alva Edison – anderseits aber auch Roman-Figuren als Vorbild. Hadaly Lilith ist beispielsweise die Titelfigur aus Villiers de l’Isle-Adams Roman Edisons Weib der Zukunft. John Watson lautet wiederum nicht nur der Name des Protagonisten aus The Empire of Corpses, der ist nämlich ebenso eine Figur aus Sherlock Holmes von Sir Arthur Conan Doyle.

Inmitten der vielen wandernden Toten versprüht die Animation Lebendigkeit.

Wit Studio überzeugt in seiner Animation mit vielen Details. Es fängt bei den Kulissen und Statisten an. Ob durch Wasserdampf, Funkeln, blinkende oder sich bewegende Elektronik, irgendwas passiert im Hintergrundgeschehen immer. Selbst Zombiegruppen agieren immer unterschiedlich und individuell. Hier wurde nichts vereinfacht hineingeworfen, um die Story glaubhaft zu transportieren. Worauf Zuschauer ebenso achten sollten: die ausdrucksstarke Mimik der Charaktere. Auch hier stecken Feinheiten drin, die den Gesichtsausdruck weniger steif wirken lässt. Begleitet wird das Szenario von angenehmen orchestralen aber auch orientalen Klängen, die je nach Stimmung dramatischer oder ruhiger ausfallen.

The Empire of Corpses
Auf abenteuerliche Reise.

Neben dem japanischen Original mit Untertiteln liegt auch die deutsche Tonspur bei. Rene Dawn-Claude übernahm bei Oxygen Sound Studios die Tonregie. Der erfahrene Synchronsprecher Sebastian Schulz (u. a. Trunks aus Dragon Ball Z) verleiht John Watson seine Stimme und gibt dessen angespannte und verzweifelte Gefühlslagen authentisch wieder. Konrad Bösherz (z. B. Ichigo aus Bleach) schenkt wiederum Friday seine Stimme. Er hat nur wenige Dialoge, aber gerade in einer Schlüsselszene zwischen Friday und Watson, wo Bösherz enorm viele wortlose Töne wiedergeben musste, überkommt einem als Zuschauer eine Gänsehaut. Der restliche deutsche Cast überzeugt ebenso mit einer sehr souveränen Performance, sodass man die Vertonung empfehlen kann.

The Empire of Corpse überzeugt mit einer fesselnden düster gehaltenen Geschichte, die auf die den Erzählungen um Frankenstein basiert und den Zuschauer zum Nachdenken anregt. Die zweite Hälfte des Filmes überschlägt sich ein wenig mit Erklärungen, was irritieren kann. Dennoch erwarten dem Zuschauer Storywendungen, mit denen er nicht gerechnet hätte. Zudem überzeugt die deutsche Synchronisation auf ganzer Linie. Wer Geschichten mit Horror-, Science-Fiction-, Krimi- und Abenteuer-Elementen mag, der sollte The Empire of Corpse nicht verpassen.

Info
The Empire of Corpse
Original Name: 屍者の帝国
Transkription: Shisha no Teikoku
Studio: Wit Studio
Deutscher Publisher: Kazé
Regisseur: Ryoutarou Makihara
Drehbuch: Midori Goto, Hiroshi Seko, Koji Yamamoto
Musik: Yoshihiro Ike
Erschienen am: 28. April 2017
Synchronisation: Oxygen Sound Studios, Berlin
Dialogregie: René Dawn-Claude
Länge: 120 Minuten
Freigegeben ab: 16+
Genre: Mystery, Science-Fiction
Sprachen: Japanisch, Deutsch
Medium: Blu-ray, DVD
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The Empire of Corpses

Story - 85%
Idee - 80%
Animation - 90%
Charaktere - 85%
Sound - 90%
Synchronisation - 90%

87%

Wer Geschichten mit Horror-, Science-Fiction-, Krimi- und Abenteuer-Elementen mag, der sollte The Empire of Corpse nicht verpassen.

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