Anime und Manga unterm Radar #2: Video Girl Ai

Die Pubertät ist eine schwierige Lebensphase voller Aufs und Abs, emotionalem Drama und Peinlichkeiten. Aber es ist auch meist die Zeit der ersten großen Liebe, der ersten sexuellen Erfahrungen und der Frage danach, wer man sein will und welchen Weg man gehen wird. In Video Girl Ai begleiten wir Yota Moteuchi durch diese Zeit. Doch es ist keine normale Highschool-Geschichte, denn da ist ja auch noch das Video Girl, das der Serie ihren Titel gibt.

Alles begann mit einem defekten Videorekorder

Der Manga stellt uns den sechzehnjährigen Yota Moteuchi vor. Er ist ein schüchterner Teenager, der in seine Klassenkameradin Moemi verliebt ist. Diese scheint in ihm jedoch nur einen guten Freund zu sehen und gesteht ihm sogar, dass sie in seinen besten Freund Takashi verknallt ist. Obwohl das ein herber Schlag für Yota ist und sein Liebeskummer ihn fortan umso mehr quält, verhält er sich wie ein guter Freund, nimmt sich selbst zurück und bestärkt Moemi in ihren Gefühlen. Auf dem Nachhauseweg erscheint ihm die geheimnisvolle Videothek Gokuraku, die nur von Menschen mit reinem Herzen gefunden werden kann. Die Filme, die dort in den Regalen stehen, lassen beim Abspielen ein sogenanntes Video Girl in der realen Welt erscheinen, das dem Kunden mit seinem Kummer helfen soll.

Zu Hause angekommen legt Yota die Kassette ein und kaum läuft der Film einige Sekunden, sitzt das Mädchen von der Filmhülle in seinem Zimmer. Ai erklärt ihm, dass es ihr Auftrag ist, ihn zu trösten. Als Videogirl hat sie keine eigenen Gefühle und kann sich dementsprechend auch nicht in jemanden verlieben. Da aber der Videorekorder, auf dem Yota sie abgespielt hat, kaputt ist, kommt es ganz anders…

Die äußeren Werte

Masakazu Katsuras Zeichenstil ist ausgefeilt und sehr charakteristisch. Wer andere Werke von ihm gelesen hat, wird seine Figuren sofort wiedererkennen. Obwohl Ai starke Ähnlichkeit mit beispielsweise Ami aus DNA² hat und Yota ein bisschen aussieht wie Yunta aus derselben Serie, schafft Katsura es, die optischen Hüllen mit neuen, eigenständigen Charakteren zu füllen. Seine Zeichnungen bringen sowohl die humorvollen Szenen, als auch die Emotionen der Charaktere zum Glänzen und machen den Manga somit auch zu einem optischen Erlebnis. Positiv fällt auf, dass Yotas zeichnerische Darstellung sich über den Verlauf der Handlung hinweg verändert und somit auch seine innere Entwicklung nach außen transportiert.

Humor, nackte Haut und Gefühle

Ais frecher Charakter sorgt für viele lustige Szenen zwischen ihr und den anderen Figuren. Es macht ihr Spaß, Yota aufzuziehen und ihn mit ihren weiblichen Reizen durcheinander zu bringen. Dennoch erleben wir auch eine sehr einfühlsame Seite, die ihr dabei hilft, Yota wirklich zu trösten und zu unterstützen. Zwischen den beiden etabliert sich eine Art freundschaftliche Geschwisterbeziehung – zumindest versucht Ai, sie so zu definieren, doch ihre eigenen Gefühle für Yota mischen sich immer mehr ein, während sie dennoch versucht, ihre Aufgabe als Video Girl zu erfüllen.

Video Girl Ai © Masakazu Katsura
Video Girl Ai © Masakazu Katsura

Im Laufe der Geschichte tauchen noch mehr Charaktere auf, die in dem Chaos mitmischen und die Liebesgeschichte mit ihren eigenen Absichten verkomplizieren. Aber es geht auch nicht nur um Liebe: Yotas Traum ist es, Bilderbücher zu zeichnen, doch er glaubt nicht genug an sich und sein Talent, um ihn zu verfolgen. Generell mangelt es ihm an Selbstbewusstsein und er weiß in vielen Situationen nicht, wie er sich verhalten soll. Durch seine Zurückhaltung und sein unsicheres Abwarten, arten Konflikte und Missverständnisse entsprechend aus, was für jede Menge Drama und Verwicklungen sorgt, die jedoch nicht aufgesetzt oder erzwungen wirken.

Video Girl Dilemma

Über 13 Bände hinweg fragt man sich, ob Ais Gefühle für Yota eine Chance haben. Und das nicht nur wegen Yotas Schwärmerei für Moemi und der daraus entstehenden Rivalität: Als Video Girl ist Ai kein echter Mensch und hat nur eine begrenzte Laufzeit. Die Entscheidung, sich deswegen lieber auf emotionale Distanz zu begeben, scheint nachvollziehbar. Doch so einfach ist es nicht. Plötzlich besteht die Hoffnung, dass Ai ein richtiger Mensch werden kann, doch ihr mysteriöser Erschaffer hat auch noch ein Wörtchen mitzureden… So bleibt die Geschichte bis zum Schluss spannend und ich sage es hier ganz ehrlich: Ich habe jedes Mal geweint, wenn ich das Ende gelesen habe.

Teenager-Drama nicht nur für Teenager

Video Girl Ai erzählt eine Geschichte, die trotz des magischen Elements der Video Girls realistisch wirkt. Yotas Entwicklung vom unsicheren Teenager zu einem jungen Mann, der endlich Entscheidungen trifft und für seine Träume eintritt, ist auch beim dritten Mal noch spannend genug und emotional berührend. Der Fanservice und die Slapstick-Einlagen lockern das Geschehen wunderbar auf und wissen zu unterhalten, doch sie lassen auch genug Platz für die charakterliche Entwicklung der Figuren und die emotionale Dramatik der Geschichte.

2 KOMMENTARE

  1. Danke fuer die schoene Erinnerung und Schande ueber mich, dass Ai ganz verstaubt in Schrank und Hirn ihr Dasein fristet. Ich gelobe Besserung, indem ich beides mal wieder entstaube. 😉

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