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Anime-Seiten-Kooperationsprojekt Vol. 17: Production I.G

Ein Gespräch mit dem Mitbegründer, CEO und Präsident Mitsuhisa Ishikawa

Japanische Anime sind heute beliebter als je zuvor. In diesen Interviews mit Anime-Studios werden die Hintergründe der Prozesse beschrieben und Emotionen aufgezeigt, die in die Herstellung von Anime einfließen.

Dies ist ein groß angelegtes Projekt in Zusammenarbeit mit Anime-Nachrichtenseiten auf der ganzen Welt, wie der Anime-Nachrichtenseite Anime!Anime!, Tokyo Otaku Mode, der chinesischen Seite Bahamut und vielen mehr. Für Deutschland ist Sumikai bei diesem Projekt dabei.

Production I.G
Der Hauptsitz von Production I.G in Mitaka, Tokyo.

Zu den bekanntesten Werken von Production I.G gehören: Ghost in the Shell, Psychopass, Kurokos Basketball, Haikyu!!, Legend of the Galactic Heroes: Die Neue These, B: The Beginning, Ultraman.

Production I.G. ist bei Anime-Fans auf der ganzen Welt wegen seine anspruchsvollen Anime wie Ghost in the Shell und Psycho-Pass sehr beliebt. Das Studio hat auch einige der wichtigsten Franchise-Unternehmen und Künstler unserer Zeit hervorgebracht, darunter Mamoru Oshii, bekannt von Ghost in the Shell und Ghost in the Shell Innocence, Kenji Kamiyama, bekannt von Eden of the East und Ultraman, Wit Studio, bekannt durch Attack on Titan und Signal.MD, bekannt durch Birthday Wonderland. Ihr Einfluss auf die Animeindustrie ist unermesslich.

Wir haben uns mit Mitsuhisa Ishikawa, Gründer, Präsident und CEO von Production I.G
zusammengesetzt, der für die Leitung all dieser talentierten Künstler verantwortlich ist, um in diesem langen Interview die Geschichte des Unternehmens und seine Vision für die Zukunft zu diskutieren.

Das Interview führte Eiwa Ishijima.

90% eines Anime hängt vom Animator ab.

Ishijima: Sie haben ihre Karriere beim etablierten Studio Tatsunoko Pro begonnen. Aber wie sind Sie überhaupt zur Animeindustrie gekommen?

Ishikawa: Ursprünglich habe ich bei einer „Kuruma Ningyo“ Puppen-Theatertruppe eine Ausbildung gemacht. Es war eine Wandertruppe, die auf Tournee von einer Region zur anderen gezogen ist und eines Tages kam auch die Gelegenheit im Ausland aufzutreten und sie ließen mich in Japan zurück! Während ich darauf wartete, dass sie zurückkommen, sah ich oft Anzeigen für Tatsunoko Pro in einem Jobmagazin,und ohne wirklich zu wissen, welche Art von Arbeit das war, fing ich bei dem Unternehmen an. Ich habe zwar Anime an sich nicht besonders gemocht, aber ich bewunderte das Charakterdesign von Judo Boy und Speed Racer. Das das Werke von Tatsunoko Pro waren, hab ich erst erfahren nachdem ich schon bei dem Studio angefangen hatte. Durch eine Laune des Schicksals bin ich schließlich bis über beide Ohren in diese Branche reingestolpert.

Wenn ich zurückdenke, war ich schon immer mehr vom Puppentheater fasziniert als von Kabuki mit menschlichen Darstellern. Ich mag auch Realfime, aber vielleicht bin ich einfach von Natur aus mehr von Anime angetan.

Production I.G Eingang
Der Eingang von Production I.G befindet sich direkt neben einer Pizzeria.

Ishijima: Welche Art von Arbeit haben Sie bei Tatsunoko Pro gemacht?

Ishikawa: Etwa 15 Monate lang war ich Produktionsassistent bei Golden Warrior Gold Lightan und Mirai Keisatsu Urashiman. Danach arbeitete ich vier Jahre lang in der Filmherstellungsleitung als Desk und Line Producer. Ehrlich gesagt, das Jahr als Produktionsassistent war so hart, dass ich kaum zum Schlafen kam, aber ich bekam viele Schlüsselbilder und Zwischenbilder zu sehen und das hat viel Spaß gemacht.
Ich glaube, das war der meiste Spaß, den ich je im Leben mit Anime hatte.

Das war auch der Zeitpunkt an dem ich begriff, dass 90% des Anime vom Animator abhängt. Auch Qualität und Zeitplan hängen davon ab, wie gut man mit den Animatoren zurechtkommt. Da wusste ich, was ich mit meinem Leben machen wollte.

Selbst in einem Produktionsumfeld, in dem so viele Mitarbeiter in so verschiedenen Bereichen arbeiten, sind die Animatoren noch etwas Besonderes. Sie sind wie launische Götter, denen man nicht mit den üblichem Methoden beikommen kann. Man darf sich nicht einfach nur damit begnügen, Gehälter und Verträge zu regeln. Du musst extrem feinfühlig im Umgang mit den Animatoren sein.

Ishijima: Es scheint mir, dass sie ihre Philosophie im Umgang mit den Animatoren auch im direkten Zusammenhang mit dem heutigen Production I.G steht.

Über die Künstler, die die Eigenständigkeit von Production I.G möglich gemacht haben und Kyoto Animation

Ishijima: Was haben Sie noch während ihrer Zeit bei Tatsunoko Pro gelernt? Zum Beispiel besondere Tricks für das Management von einen Manager, den sie wirklich respektiert haben?

Ishikawa: Hmm…. Natürlich war ich damals noch sehr jung. Ich dachte immer, dass die „alten Leute“ nutzlos wären und die Manager inkompetent, weil sie immer nur Golf spielten und zum Essen ausgingen, während so viele talentierte kreative Köpfe auf ihre Chance warteten. Ich war ziemlich dreist und sagte sogar zu Herrn Kuri (Ippei Kuri, damals Präsident und CEO von Tatsunoko Pro sowie der Charakterdesigner von Muteking, The Dashing Warrior). „Ich respektiere sie als Künstler, aber als Manager sind sie nutzlos.“ Ich erinnere mich, dass er mich fragte, was für einen Groll ich gegen ihn habe(verlegenes Lachen).

Mitsuhisa Ishikawa beim Interview
Mitsuhisa Ishikawa fing überraschend in der Animeindustrie an.

Ishijima: Wow (lacht). Sie müssen sehr leidenschaftlich gewesen sein, um so offen zu sein…..

Ishikawa: Als ich selbst Manager wurde, begann ich, die Position und Denkweise von Kuri zu verstehen. Ich war wirklich voll von jugendlichen Eifer. Was habe ich mir nur dabei gedacht, das zu ihm zu sagen?

Ishijima: Haben Sie sich deshalb dazu entschieden, Tatsunoko Pro zu verlassen und unabhängig zu werden?

Ishikawa: Ich schätze schon. Ich empfand es so, als ob die Firma an ihre Grenzen gestoßen war, als ich sah, wie so viele fantastische Animatoren gingen, weil sie in einem so großen Unternehmen nicht gebraucht wurden. Andererseits lud mich Takashi Nakamura (Schlüsselbildregie bei Akira) ein, am Urashiman-Projekt teilzunehmen, und Koichi Mashimo (Hauptverantwortlicher Regiesseuer bei Urashiman) machte eine besondere Ausnahme, um meinen Namen in den Vorspann mit aufzunehmen. Die Künstler waren immer alle sehr gut zu mir.

Dabei dachte ich mir, dass wenn ich schon aufhören sollte, dann wollte ich mich erst noch Projekte verwirklichen, mit denen ich zufrieden sein konnte. Projekte, bei denen aufgeweckte junge Künstler, die zukünftigen Pfeiler der Anime-Industrie, im Mittelpunkt stehen. Also hab ich dann um die Leitung der Serie Zillion zu ergattern, die gerade bei uns in der Entwicklungsphase war, so viele talentierte Künstler kontaktiert wie nur möglich.

Nakamura und Mashita, Goto (Takayuki Goto, jetzt Firmendirektor bei Production I.G.), der Studio Chime sponserte, Hiroyuki Okiura (Jin Roh-Regisseur), der damals bei Osakas „Anime R and Mu“ war, Kazuchika Kise (Ghost in the Shell Arise, Production I.G. Firmendirektor), Mizuho Nishikubo (Hauptverantworlicher Regiesseur bei Miyuki) und Oshii halfen alle in Teilzeit. Kyoto Animation war auch sehr hilfreich und halfen beim letzten Schliff.

Production I.G bei der Arbeit
Bei Production I.G wird konzentriert am neuen Projekt gearbeitet.

Ishijima: Das ist auf jeden Fall ein hoch dekoriertes Team! Haben Sie irgendwelche besonderen Erinnerungen an die Truppe, die Sie gerne teilen möchten?

Ishikawa: Ja, und zwar als ich mit Okiura ins Gespräch kam. Er war sehr beschäftigt, weil er der hauptverantwortliche Animationsregisseur von Black Magic M-66 war, aber ich sagte ihm, dass Nakamura seine Hilfe brauchte und versprach, ihm Nakamuras Schlüsselbildzeichnungen und X-Sheets zu schicken. Dadurch habe ich ihn mit an Bord bringen können.

Ishijima: Sie konnten sich also einigen, gerade weil sie wussten, wie viel Wert die Zeichner darauf legen mit anderen talentierte Animatoren in einem Projekt zusammen zu arbeiten. Wie sind Sie mit Kyoto Animation in Kontakt gekommen?

Ishikawa: Ich habe Kyoto Animation während der Produktion mit der Endverarbeitung betraut und ich habe sie sehr dafür bewundert, wie hervorragend sie sich an das Budget und den Zeitplan hielten. Als ich dabei war, gleichgesinnte Künstler zusammenzubringen, dachte ich mir, egal wo wir unterkommen, wenn wir Kyoto Animation auf unserer Seit haben, würde sich schon alles fügen. Ich war persönlich in Kyoto, um sie zu fragen.

Als ich mich selbstständig machte, sagte Hatta (Hideaki Hatta, CEO von Kyoto Animation), ich solle die Verantwortung und die Firmenleitung übernehmen, und er investierte und half uns, in Gang zu kommen. Ich bin so dankbar für ihre Unterstützung, auch jetzt noch.

Ishijima: Sie hatten noch keine Projekte in der Tasche, und trotzdem haben Sie es geschafft, die Zustimmung der Leute zu bekommen. Übrigens, wie alt waren Sie damals?

Ishikawa: 27.

Ishijima: So jung… aber Sie wurden Produzent bei Zillion.

Ishikawa: Beim Vertrieb gab es Leute, die uns unterstützten mit den Worten „Es könnte doch spaßiger sein, die Jungs von Ishikawa einfach machen zu lassen“. Doch letzten Ende habe ich direkt mit der Firma gesprochen und sie unter Tränen angefleht und schließlich ließen sie „I.G Tatsunoko“ ein eigenes Projekt haben. Es war das erste Mal, dass ich vor Leuten geweint hatte (verlegenes Lachen). Ich brauchte auch Geld und ging sogar so weit, meine Eltern und meinen Bruder um einen Vorschuss auf mein Erbe zu bitten.

Mitsuhisa Ishikawa 3
Mitsuhisa Ishikawa erhielt mit 27 Jahren bereits sein eigenes Projekt.

Ishijima: Sie sind so weit gegangen und mussten trotzdem „Tatsunoko“ im Namen haben. Warum war das so?

Ishikawa: I.G war Goto’s Idee. Es sind unserer Initialen. Ich war es, der Tatsunoko hinzufügen wollte. Ich dachte, es wäre einfacher, Arbeit zu bekommen. Und sie waren gut zu mir gewesen. Beim Menschen wohnen manchmal zwei Seelen in einer Brust.

Animatoren sind die Hauptdarsteller beim Anime

Ishijima: Nach der Unabhängigkeit konzentrierten Sie sich eine Weile auf TV-Anime. An welche Werke haben Sie starke Erinnerungen aus dieser Zeit?

Ishikawa: Legend of the Galactic Heroes Original-Serie Folgen 3, 9, 12, 13, 14, 18, die Patlabor OVA Folgen 1, 3, 5 und Mami the Psychic. Galactic Heroes war für Kitty Films. Masao Maruyama (jetzt Vorstandsvorsitzender MAPPA) bei Madhouse hat uns besonders viel geholfen. Von Maruyama lernte ich, kompromisslos in der Vorproduktion, Planung und Ausstattung zu sein.

Shin-Ei Animation betreute viele junge Teammitglieder von Mami the Psychic und Chimpui. Persönlich mag ich Mami the Psychic sehr, aber besonders die Episode 46, „Yuki no Furu Machi wo“ (Die schneebedeckte Stadt), die von Shinya Sadamitsu („Crayon Shin-chan„) geleitet wurde. Damals bei der I.G. war es unser Ziel, die besten Subunternehmer zu werden.

Ishijima: Wie sah Ihr Konzept dabei aus?

Ishikawa: Die Art von Studio, zu dem die Leute mit Aufträgen kommen, weil sie sich um Qualität, Zeitplan und Budget kümmern. Die beste Art von Studio, die es noch Jahrzehnte später geben würde.

Ishijima: Ah, eine Art Animatorengilde.

Ishikawa: Ja. Aber während wir den Patlabor-Film bearbeiteten, bemerkte ich nach einer Weile, dass wir bei den Credits unter Produktionsassistenz zwar vertreten waren aber der Name der Firma, der dort stand, war der Generalunternehmer, der uns beauftragt hatte. Da fragte ich mich auch, ob die uns veralbern wollten! (lacht)

Hier war ich mir wieder uneins. Während ich ehrlichen Herzens wirklich wollte, dass wir die besten Subunternehmer werden, machte ich mir auch Gedanken, dass wir mit so einem niedrigen Budget nicht überleben könnten.

Dann begannen wir zu versuchen, unser Territorium zu schützen, indem wir Hauptauftragnehmer wurden. Mit Patlabor 2: The Movie haben wir in die Gründung einer eigenen Firma, Ink, investiert.

Patlabor 2 der Film Poster
Patlabor 2 der Film führt zur ersten Firmengründung.

Ishijima: Vom Subunternehmer bei Patlabor 1 auf einmal gleich zum Hauptauftragnehmer bei Patlabor 2 und dann noch mit eigenen Investitionen?

Ishikawa: Im Anime Bereich gab es nicht wirklich jemand anderen, der sich so komplett in die Waagschale warf und wahrscheinlich haben wir es gerade deswegen so weit geschafft. Mein Instinkt ist es, dass, egal ob man in Menschen oder Projekte investieren will, wenn die Zeit reif ist, muss man alles geben. Normalerweise ist es gut, geizig zu sein, aber bei so einer Gelegenheit kann man es sich nicht leisten, kleinlich zu sein.

Ishijima: Wenn wir von Investitionen ins Personal von I.G reden, dann muss man wohl Mamoru Oshii erwähnen.

Ishikawa: Als ich Oshiis Storyboards für den ersten Patlabor-Film sah, zitterte ich vor Aufregung, aber tief im Inneren dachte ich mir, Anime ist vielleicht nur so etwas wie eine Zugabe zum Manga. Aber als ich die Storyboards für Teil 2 sah, wirkte es wirklich filmisch. Also dachte ich, wir müssen in diese Filme investieren, auch wenn wir alles andere auf Eis legen.

Ishijima: Womit wir zu Ghost in the Shell kommen. Haben Sie Oshii beauftragt, den Film zu machen?

Ishikawa: Nein. Kodansha kam mehrmals zu uns, um darüber zu sprechen, das Werk in einen Anime umzusetzen, aber wir haben sie abgelehnt. Später kam Oshii zu uns und sagte mit Begeisterung, wir müssten den Manga lesen und dass es schwierig sei, aber wenn wir ihn in einen Film verwandeln wollten, dann müssen wir es so und so machen. Bandai’s Shigeru Watanabe ( Royal Space Force: The Wings of Honneamise) ermutigte uns ebenfalls.

Oshii wollte es tun und er hatte bereits einen Vorschlag, so dass es nicht nötig war, dass ich ihm ein Angebot machte. Als er sagte, dass er es tun würde, begannen wir, die Umgebung für ihn zu schaffen, um es möglich zu machen, und wir waren besonders stolz auf das System, das wir eingerichtet haben, damit wir Leute, die die Art von Bildern zeichnen konnten, an die Oshii dachte, jederzeit erreichen konnten.

Die Ergebnisse waren erstaunlich. Oshiis Storyboards sind seltsam mächtig und haben ein wunderbares Gleichgewicht. Und dann gibt es noch Nishikubos Geschicklichkeit in der Inszenierung und Kises Können bei den Schlüsselbildzeichnungen. Der Film wurde in Japan und international gut aufgenommen und Oshii galt als Meister seiner Kunst. Ich denke, das lag daran, dass wir wussten, wie wir den Künstlern ihren Freiraum lassen konnten.

Production I.G wERKE
Ghost in the Shell gehört zu den bekanntesten Werken von Production I.G.

Ishijima: Die I.G hat berühmte Meisterwerke und Regisseure hervorgebracht, aber genau das liegt an den Animatoren, die sie unterstützen, und Sie haben sich bereits von Anfang an stets um diese gekümmert.

Ishikawa: Einfach ausgedrückt glaube ich, ich habe immer diesen Umgang gepflegt, weil ich ihre Arbeit als toll und wunderschön empfunden habe. Wenn du keine guten Animatoren hast, kannst du keinen guten Anime machen. Animatoren spielen die Hauptrolle in der Animation. Ich denke, Animatoren sind cooler als Schauspieler und Darsteller in Fernsehdramen und Filmen.

Die Organisation ändert sich, aber Production I.G bleibt die gleiche

Ishijima: Nach Oshiis Smash-Hits Ghost in the Shell und Innocence sahen die 2000er Jahre TV-Anime wie Ghost in the Shell: Stand Alone Complex und Blood +, immer mehr Werke mit Production I.G als Hauptverantwortlichem. Glauben Sie, das war eine Art Wendepunkt?

Ishikawa: Nach Ghost in the Shell begannen wir mit der Expansion in Spiele und Filme rund um die Stand Alone Complex Serie. I.G erwarb die Rechte Stand Alone Complex als Anime umzusetzen durch einen Vertrag mit Kodansha direkt. Deshalb konnte die I.G bei der Zusammenstellung des Produktionskomitees die Führung und die Ausgabe von Rechten an die beteiligten Unternehmen übernehmen.

Ishijima: Sie haben sich also von einem Subunternehmer zu einem Rechteausgeber entwickelt.

Ishikawa: Ich denke, es war ein notwendiger Schritt, vom Lizenznehmer und Produzent zum Rechteinhaber und Lizenzvergeber zu wechseln. Die Production I.G hat ihre Struktur zeitgemäß angepasst, aber der Einsatz war ziemlich groß. Das Wagnis hat sich ausgezahlt und es ist viel Geld in die I.G geflossen, und wir haben auch die Möglichkeit bekommen, den Umfang unserer Aktivitäten mit TV- Serien und Spielen zu erweitern.

Zum Abschweifen: Maruyama ist der Produzent, vor dem ich den größten Respekt habe. Wie ich bereits erwähnt habe, sind seine Planung und seine Koordination wirklich fantastisch. Selbst in 100 Jahren könnte ich es mit ihm nicht aufnehmen. Wenn es jemanden gibt, der sein Nachfolger werden könnte, dann denke ich, dass es Bones‘ Masahiko Minami sein wird. Ich könnte nie so gut sein wie er.

Ich für meinen Teil habe mich darum bemüht, wie man das Produktionskomitee und die Unternehmensstrukturen reformieren kann. Ich denke das war meine Art und Weise Maruyama Respekt zu zollen.

Ishijima: Im Hinblick auf die Unternehmensstruktur haben sie neben der Gründung von I.G Port auch für den digitalen Vertrieb Lingua Franca gegründet, den Zusammenschluss mit dem Verlag Mag Garden durchzogen und sind eine Partnerschaft mit Netflix eingegangen. Sie bemühen sich also weiterhin um die Vielseitigkeit und die Expansion des Geschäfts.

Ishikawa: Als wir I.G Port gründeten und an die Börse gingen, sagten uns die Leute, dass
„Animeunternehmen verarmen“ und „es wird ein Alptraum werden“, obwohl Anime-Studios so viele coole Sachen gemacht hatten. Ich wollte dieses Image ändern. Wenn wir diese unterschiedlichen Firmen gründen, fragen wir uns: „Was können wir Interessanteres machen?“, weil wir stets versuchen, uns an etwas Neues heranzuwagen.

Auch jetzt denke ich, dass wir in den letzten 30 Jahren immer in einer prekären Lage waren. Alle fünf Jahre versuche ich, das Unternehmen auseinander zu nehmen und wieder besser zusammenzusetzen. Wir sind im Moment etwa drei Jahre in diesem Zyklus, also setze ich all meine Energie ein, um eine neue Struktur zu schaffen. Dafür lasse bei der eigentlichen Produktion den Wünschen der jungen Kreativen und Produzenten Vorrang gegenüber meinen Ideen. Das Ergebnis ist, dass wir seit den 2000er Jahren die
Möglichkeit hatten, mehr TV-Serien und Projekte zu machen, die von Shonen Jump Manga inspiriert waren.

Production I.G Auszeichnungen
Production I.G kann sich über zahlreiche Auszeichnungen freuen, die sie in den letzten Jahren erhielten.

Ishijima: Tatsächlich scheint es so, dass seitdem sie angefangen haben an TV-Anime zu arbeiten, die Projekte einen etwas anderen Geschmack haben. Andererseits bemerkt man bei den Werken, dass sie durchgegehend so etwas „I.G“ Typisches haben. Was glauben sie, warum das so ist? Abgesehen davon, dass sie einen sehr hohen Standard haben…..

Ishikawa: Liegt es nicht daran, dass wir den Animatoren so viel Aufmerksamkeit schenken? Um einen guten Anime zu machen, braucht man einen guten Regisseur, aber um das Beste aus einem Regisseur herauszuholen, müssen die Animatoren die Gelegenheit haben wirklich zu glänzen. Das Ziel eine Umgebung zu schaffen, in der die Animatoren Glanzleistungen vollbringen können, ist für das Unternehmen immer gleich geblieben, und deshalb habe ich die Investitionen dafür nie bereut.

Ishijima: Ihre Einstellung zu den Animatoren hat sich seit I.G. Tatsunoko wirklich nicht geändert.

Ishikawa: Was die Qualität betrifft, so haben wir das Niveau einer Kinoproduktion als Standard anvisiert und selbst wenn wir für das Fernsehen arbeiten, verfolgen die Animatoren und das Produktionsteam den gleichen Ansatz. Dann wieder gibt es Vor- und Nachteile. Es ist schwer, bei einem langen Projekt Luft zu holen, und deshalb machen wir bei I.G viele Serien über eine oder zwei Cour (eine Cour = drei Monate in der wöchentlichen Tv-Ausstrahlung). Toei Animation zum Beispiel macht Shows mit mehr als vier Cour, und da muss man anders an die Qualitätserhaltung herangehen.

Effizienz ist ein unvermeidliches Problem in der Anime Produktion.

Ishijima: Worüber sind Sie besorgt, wenn es heutzutage darum geht, einen Porduktionsplan zu formulieren?

Ishikawa: Das ist nicht allein auf die I.G beschränkt, aber im Grunde genommen laufen die Leute im Anime Geschäft Gefahr in eine Krise zu geraten, wenn sie nicht effizient sind. Zum Beispiel heißt es, das die Personal- und Arbeitskosten bei einer Produktion mittlerweile für den einzelnen Mitarbeiter teils höher sind als für den Regisseur, aber die Hälfte der Zeit ist Wartezeit. Es ist ineffizient.

Ishijima: Sie meinen die Zeit, während man auf die Fertigstellung der Schlüsselbilder warten muss. Wenn man so darüber nachdenkt, ist das sicherlich Zeit, die man für etwas Anderes nutzen könnte.

Ishikawa: Wenn Sie das Problem dieser Verschwendung und das daraus entstehende Defizit lösen wollen, dann nicht durch noch ineffizientere Methoden wie mehr Arbeitskräfte oder über Nacht zu arbeiten, sondern indem man mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und das Umgestalten des Arbeitsprozesses das Produktionssystem an sich neu designt. Gelingt das, können Sie die gewonnene Zeit und Arbeitskraft letztendlich zu mehr Qualität und Umsatz umwandeln.

In diesem Punkt hat Kamikaze Douga sein Qualitätsniveau erhöht, indem es sinnlose Überstunden beseitigt hat, und ich finde das wunderbar. Man spürt wirklich die Liebe zur Arbeit und zum kreativen Team. Ich habe viel Respekt vor ihnen.

Sanka Flugzeug von The Sky Crawlers
Mit The Sky Crawlers entstand ein etwas anderes Projekt. An den Film erinnert im Studio eine Nachbildung des Sanka Flugzeuges.

Ishijima: Kamikaze Douga arbeitet ja auch mit ausländischen Unternehmen zusammen. Glauben Sie, dass eine gewisse operative Effizienz für die internationale Entwicklung unerlässlich ist?

Ishikawa: Ja, das tue ich. Koreanische und taiwanesische Studios können Hintergründe und
Charakterentwürfe in einer Woche produzieren, die in Japan zwei oder drei Monate dauern würde. Manchmal sind diese ausländischen Unternehmen Konkurrenten, aber manchmal arbeitet auch man gemeinsam an einem Projekt und wenn die Produktion nicht effizient ist, wird es nicht funktionieren.

Auch weil unsere Kollegen im Ausland allgemein sprachbegabt sind, glaube ich, dass wenn wir so weitermachen wie bisher uns in fünf Jahren niemand mehr Arbeit geben wird. Die Situation ist nicht so rosig, dass man sich dann einfach zu Netflix retten kann.

Ishijima: Sie denken, es ist eine prekäre Situation.

Ishikawa: Glücklicherweise hat die I.G viele Projekte und viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Wenn wir jedoch einfach so weitermachen, dann ist die Zukunft sehr ungewiss. Das ist in der Tat eine prekäre Situation.

Aber gerade weil es im Moment etwas riskant ist, glaube ich, dass sich auf jeden fall ein Weg findet den Spieß umzudrehen, wenn wir nur ernsthaft genug nach vorne schauen und die Sache richtig anpacken. Ich hab es nicht so mit der Geduld, aber jetzt ist die Zeit, in der wir uns sorgfältig auf den Ernstfall vorbereiten müssen.

Das Gleiche gilt für Projekte. Ich bin zuversichtlich, dass die Projekte, die in zwei oder drei Jahren aus diesen Wehen geboren werden, die Menschen wirklich bewegen werden. Dies sind vielleicht die schwierige Zeiten, aber sie machen auch den meisten Spaß und es fühlt sich wirklich so an, als gäbe es Dinge, die es wert sind, getan zu werden.

Ishijima: Wir freuen uns auf was Neues!

Ich will ein Stütze sein, um die Lücke zu füllen.

Ishijima: Dürfen wir sie am Ende noch nach Ihren persönlichen Ansichten fragen?

Ishikawa: Vorhin habe ich über Wehen und prekäre Situationen gesprochen, aber aus persönlicher Sicht geshen, darf niemand genau das tun, was er will. Allein das tun, was einem gefällt, und mit nach mir die Sintflut die Geschäftswelt hinter sich zu lassen, wäre unverantwortlich. Als ich jung war, war ich oft wütend auf ältere Menschen, aber jetzt, da ich der Ältere bin, will ich den jungen Leuten etwas zurückgeben.

Mitsuhisa Ishikawa 4
Mitsuhisa Ishikawa will noch viel mehr mit seinem Studio erreichen.

Ishijima: Sie sind Leiter des Bildungsprogramms „Anime Tamago“ und unterstützen auch die Dokumentenaufbewahrung im I.G Archivraum. Also schätze ich, dass das einige der Möglichkeiten sind, wie sie sich für die jüngere Generation einsetzten.

Ishikawa: Ja, das sind einige von ihnen. Das haben wir Leuten wie unserem Archivleiter Michiko Yamanaka zu verdanken, der sich um alle unsere Anime Materialien kümmern will, um sie der Zukunft zu überlassen, und auch den Mitgliedern im Animationsverband, die sich ernsthaft der Ausbildung von Animatoren widmen. Wenn mein Name und meine Existenz diesen Menschen nützlich sein können, dann will ich für sie eine „Stütze“ sein.

Ishijima: Eine „Stütze“? Sie meinen, sie wollen diesen Menschen helfen und sie ermutigen?

Ishikawa: Oh nein, nichts so Großartiges wie das. Ich möchte nur die Lücke füllen, in denen die Menschen leidenschaftlich versuchen, etwas zu tun, aber das Gefühl haben, dass etwas fehlt. Das meine ich mit Stütze. So wie ich es sehe, scheint „Träger“ genau der richtige Ausdruck zu sein. Das ist es, was ich sein will.

– Ganz anders als die (verlegenes Lachen) lästigen alten Leute, von denen sie vorher gesprochen haben.

Ishikawa: Ja. Ich will tun, was ich in meiner jetzigen Position tun kann.

Nun bist Du gefragt, Du kannst dem Studio eine Nachricht schicken:

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