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HomePopkulturAnimeChinesische Animationsstudios entdecken den japanischen Arbeitsmarkt für sich

Unter harten Arbeitsbedingungen geschaffen: Anime

Chinesische Animationsstudios entdecken den japanischen Arbeitsmarkt für sich

Anime verzaubern weltweit Millionen Menschen und lassen sie den Alltag um sich herum vergessen. Doch kaum einer macht sich Gedanken darum, unter welchen Arbeitsbedingungen sie produziert werden und wie es eigentlich den Leuten geht, die Tag für Tag alles dafür geben, dass ein Anime zum Erfolg wird.

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Animatoren sind meist als Freiberufler tätig und fallen dadurch nicht unter die Regelung des Mindestlohns. Laut einer Umfrage im Jahr 2019 waren nur 14,7 Prozent von ihnen festangestellt. Dies lässt den großen Rest mit unsicheren Arbeitsbedingungen zurück.

Traumberuf mit Tücken

Bei einer Erhebung fand man heraus, dass das Jahresgehalt eines Animators bei gerade einmal 1,25 Millionen Yen liegt, umgerechnet etwa 9.120 Euro. Daher haben viele einen weiteren Teilzeitjob, um sich über Wasser zu halten.

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Zudem kommt noch der Zeitdruck hinzu, der sich verstärkt, je näher die Deadline rückt. Überstunden gehören in japanischen Animationsstudios ebenso zum Alltag.

Chinesische Unternehmen haben darin eine Chance für sich erkannt und es werden immer mehr, die vom Festland nach Japan expandieren. So ist Colored-Pencil Animation Design (Produzent von u.a. „Obey Me!“ und „Quanzhi Gaoshou“) bereits 2018 den Schritt gegangen, ein Tochterunternehmen in Tokio zu errichten – quasi dem Herzen des Anime.

Chinesische Verlockung

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Die Colored Pencil Animation Japan lockt mit Vollzeitanstellungen und einem lockeren Arbeitsumfeld. Auch für Wohn- und Reisekosten zum Arbeitsplatz werden Zuschüsse bezahlt. Außerdem wurde ein Gleitzeitsystem eingeführt. Hochschulabsolventen bekommen etwa 2,5 Millionen Yen als Jahresgehalt (ca. 18.240 Euro) ausgezahlt.

Es gilt das Motto: „Der Zuschauer kann den Anime nur dann richtig genießen, wenn auch die Macher beim Animieren glücklich waren.“

Leider ist es nicht üblich, die Animatoren finanziell zu beteiligen, selbst wenn der Anime ein großer Erfolg ist, da das Budget oft sehr knapp ist und das Animationsstudio selbst kaum mehr verdient.

Animationsbranche im Wandel

Doch langsam beginnt ein Wandel in den Köpfen japanischer Studiochefs. Aktuelle Erfolge wie der Anime „Demon Slayer“ zeigen nämlich, dass sich ein höheres Budget für Produktionskosten auszahlt und jeder einzelne daran auch beteiligt werden sollte. Obendrein belebt Konkurrenz bekanntlich das Geschäft, und der Bewerberpool für die anspruchsvollen Arbeiten in den Animationsstudios wird durch das Interesse der chinesischen Firmen nur kleiner.

Yasuhiro Irie, Animationsregisseur und Präsident der Japan Animators and Directors Association, gibt zu, dass er früher wenig von der Arbeit eines Animators gehalten hatte. Doch nun sei seine Branche im Wandel und die neue Dynamik sorge auch dafür, dass sich die Arbeitsbedingungen verbessern.

Wir können also gespannt sein, was japanische und chinesische Animationsstudios in den nächsten Jahren auf die Leinwand bringen werden und ob wir die besseren Produktionsbedingungen der Anime auch zu spüren bekommen werden.

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