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Detektiv Conan, Box 1 – Kleiner Mann ganz groß

Detektiv Conan zählt bei vielen Anime-Fans zu den Serien, mit denen man aufgewachsen ist. Nun holt Kazé die Serie endlich nach Deutschland.

Jeder, der sich schon einmal einen Film zu Detektiv Conan angesehen hat, kennt die Grundidee der Story. Diese stellt natürlich auch den Anfang des Anime dar. Shin’ichi Kudo gilt als der Sherlock Holmes seiner Zeit, auf den selbst die Polizei immer wieder zurückgreift, um schwierige Fälle zu lösen. Der junge Detektiv drückt nebenbei die Schulbank und ist auch dort sehr begehrt. Mit seiner Mitschülerin Ran Mori verbindet ihn eine engere Freundschaft, auch wenn das Mädchen gern mehr wäre als „nur“ eine Freundin.

Als Ran Shin’ichi dazu überreden kann, mit ihr einen Freizeitpark zu besuchen, stolpert Shin’ichi direkt über das nächste Verbrechen. Das löst er natürlich meisterhaft. Gleichzeitig fallen ihm Männer in Schwarz ins Auge. Als er diese verfolgt, wird er überrascht und bekommt ein geheimnisvolles Gift verabreicht, das ihn schrumpfen lässt. Shin’ichi muss jetzt als 7-jähriger Junge seinen Alltag bewältigen. Ran gegenüber stellt er sich als Conan Edogawa vor. Da Rans Vater Kogoro Mori als Privatdetektiv arbeitet, beschließt Shin´ichi sich bei ihr einzuquartieren…

Detektiv Conan
© 1996 Gosho Aoyama / Shogakukan, YTV, TMS

In Japan läuft der Anime zu Detektiv Conan seit 1994. Ein Ende ist aktuell noch nicht in Sicht. Inzwischen liegen von der Serie mehr als 860 Episoden vor, zu denen sich mittlerweile 21 Movies gesellt haben. Während Kazé bei den Filmen sehr kontinuierlich am deutschen Release arbeitet, wurden für die Serie bisher nur die ersten 102 Folgen bestätigt.

Hierzulande löste der kleine Detektiv 2002 seinen ersten Fall. Die Serie lief lange Zeit auf RTL II im Nachmittagsprogramm, zusammen mit Sailor Moon und Pokémon. Während es in Japan üblich ist längere TV-Specials zu zeigen, wurden diese bei uns auf Doppelfolgen verteilt. Ähnliches versuchte man auch mit den ersten Filmen. Diese wurden ebenfalls in zwei Teilen ausgestrahlt.

Der Geist ist groß, der Körper klein

Detektiv Conan ist im Prinzip eine Aneinanderreihung verschiedener Einzelfälle, die der kleine Detektiv löst. Als roter Faden bleiben die Charaktere, die Conan bei seinen Fällen begleiten. Oft stolpert der kleine Schnüffler eher zufällig über seine Fälle, oder bekommt sie durch die Arbeit Moris frei Haus geliefert. Eigentlich ist der Junge ja bei dem Privatdetektiven untergekommen, um so mehr Informationen über die Männer in Schwarz zu erhalten. Diese spielen innerhalb der weiteren 33 Folgen keine Rolle mehr.

Gleichzeitig sorgen die verschiedenen Fälle für eine große Abwechslung innerhalb der Handlung. Mal muss Conan einen Mord aufklären, dann geht es mal wieder um eine Schatzsuche. Auch wenn sich das Schema innerhalb der Episoden nicht wirklich verändert. Vor allem bei den Fällen, die Conan zusammen mit Kogoro aufklärt, fällt dies auf. Der große Privatdetektiv versucht sich eher schlecht an der Aufklärung, bis er einen seiner narkoleptischen Anfälle bekommt und plötzlich mit der perfekten Lösung um die Ecke kommt. Wirklich absolut glaubwürdig.

Detektiv Conan
© 1996 Gosho Aoyama / Shogakukan, YTV, TMS

Muss in einem Krimi alles Sinn machen?

Vor allem am Anfang werden noch sehr viele Fragen, auch von den Figuren selbst, gestellt. Dieselben stellen sich die Zuschauer im Laufe der Serie immer wieder. Das ambivalente Verhalten Kogoros funktioniert rein logisch für ein paar Folgen, allerdings nicht über die Länge von knapp 25 Episoden. Irgendwann wird die Umsetzung unglaubwürdig. Wer vorher 15 Minuten ziemlich viel Blödsinn zusammen ermittelt, der kommt in den letzten drei Minutten sich nicht durch eine spontane Erleuchtung auf die richtige Lösung.

Ähnliche Probleme bekommt man, wenn man sich über die Beziehung Ran Conan und Shin’ichi Gedanken macht. Denn hier wird zu Anfang angedeutet, dass Ran Zweifel an der Geschichte des kleinen Conan hat. Diese werden aber durch sehr einfache Tricks zerstreut und dann später nicht wieder aufgegriffen. Wenn man allerdings bedenkt, dass die beiden eigentlich zusammen aufgewachsen sind, ist die Ähnlichkeit schon auffällig.

Ein weiteres Paradoxon ergibt sich des Öfteren aus den Tätern. Manchmal werden diese direkt gezeigt, oft aber auch durch schematische Gestalten ersetzt, die dann die Tat begehen. Beim Zuschauer drängt sich dann aber die Frage auf, wie eine Figur der Konfektionsgröße 38 zu einem Täter der Variante Bierbauch werden kann und das innerhalb von nur 20 Minuten. Viel länger dauert so eine Folge nicht.

Die guten alten Zeiten

Selbstverständlich kann die Animation mit der heutigen nicht mehr mithalten. Aber das muss sie auch nicht unbedingt. Immerhin sind die ersten Episoden inzwischen knapp 23 Jahre alt. Teilweise also älter als die Zuschauer, wenn man von den jüngeren Fans ausgeht, welche die Serie immer noch für sich begeistern kann. Natürlich gibt es Defizite bei der Darstellung, aber gerade diese kleinen Makel machen Detektiv Conan in meinen Augen so liebenswert. Auch wenn sie manchmal seltsame Formen annehmen.

Die Box unterliegt einer Alterfreigabe von 12 Jahren, was dazu führt, dass bestimmte Dinge nicht gezeigt werden, oder eine entsprechend abstrakte Darstellung erhalten. Dies fällt direkt in der ersten Episode auf, denn wenn es jemanden bei voller Fahrt den Kopf wegreißt, erwartet man eigentlich Blut und das nicht zu knapp. Dies kann bei einer entsprechenden FSK natürlich nicht gezeigt werden, sodass man nur eine weiße Fontäne sieht. Diese sorgt bei den älteren Zuschauern wahrscheinlich eher für ein kleines Grinsen, als dass es noch wirklich an einen Krimi erinnert.

Auch die Synchronisation ist nicht auf dem Stand, den der Zuschauer aus den aktuellen Conan-Movies gewohnt ist. Das damalige MME Studio verfügte aber einfach auch noch nicht über die Erfahrung, auf die heutige Anbieter zurückgreifen können. Was allerdings positiv auffällt, ist dass man den Sprechercast der wichtigsten Charaktere bis in die heutige Zeit halten konnte. So ist Tobias Müller seit der ersten Episode Conan Edogawa / Shin’ichi Kodu, während Guiliana Jakobeit als Ran Mori die Zuschauer durch die verschiedenen Geschichten und Erscheinungsformen begleitet.

Die Sache mit dem Ton

Die deutsche Übersetzung ist dem Niveau der damaligen Zeit entsprechend mal besser und mal schlechter gelungen, wobei das zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung gar nicht groß aufgefallen ist. Zum Teil weil einfach die Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Heute achtet der Zuschauer natürlich vermehrt auf Aspekte, wie Synchronisation der Lippenbewegung oder ein Gesichtsausdruck passend zur Tonlage. Dies funktioniert bei den Filmen natürlich um Längen besser, aber auch diese kleinen Schnitzer gehörten damals halt noch irgendwie dazu.

Gleichzeitig fehlt auf den Discs leider die Vergleichsmöglichkeit zu den Originalstimmen, denn diese enthalten nur die deutsche Sprachfassung Detektiv Conan. Während Kazé bei Serien wie Bleach oder Sailor Moon auch die originale Tonspur mitgeliefert hat, fehlt diese aktuell leider. Einen Umstand, den ich persönlich sehr bedauere, denn so könnte man wenigstens dieses absolut nervige Opening durch das Original ersetzen.

Vergangenheit kontra Zukunft

Kazé veröffentlicht die ersten 34 Episoden Detektiv Conan auf insgesamt 6 DVDs. Diese werden in einer schön gestalteten Box geliefert. Das Karo-Muster der Box erinnert dabei ein wenig an den Hut von Sherlock Holmes, den nicht nur Shin’ichi glühend verehrt. Das ebenfalls enthaltene Booklet dient gleichzeitig als Episodenguide.

Einen Punkt müssen die alten und neuen Fans aber bedenken, bevor sie sich die Box zulegen. Von den bisher knapp 860 Episoden wurden 308 ins Deutsche übersetzt. Kazé plant aktuell die Veröffentlichung von einem Drittel dieser Folgen. Selbst, wenn sich der Publisher dazu entscheidet, die fehlenden noch übersetzten Teile herauszubringen, wie geht es weiter? Wird man dazu übergehen auch die restlichen Folgen zu synchronisieren? Und wie lang wird die Serie insgesamt noch gehen? Wie weit wird Kazé beim Release neuer Folgen mitziehen? Sehr viele Fragezeichen, zu denen bisher niemand eine zufriedenstellende Antwort geben kann. Vieles wird vom Erfolg der ersten drei Boxen abhängen.

Detektiv Conan
© 1996 Gosho Aoyama / Shogakukan, YTV, TMS

Info
Detektiv Conan – Box 1
Original Name: 名探偵コナン
Transkription: Meitantei Conan
Studio: TMS Entertainment
Deutscher Publisher: Kazé
Regisseur: Kenji Kodama, Yasuichiro Yamamoto u.a.
Drehbuch: Jun´ichi Ii´oka
Musik: Katsuo Ono
Erschienen am: 17. März 2017
Synchronisation: MME Studios GmbH, Berlin
Dialogregie: Wolfgang Ziffer, Karin Lehmann u.a.
Länge: 850 Minuten
Freigegeben ab: 12 Jahre
Genre: Krimi, Comedy
Sprachen: Deutsch
Medium:Disk

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