Insider sprach über »2016 Krise« der Anime-Branche

Mitwirkende in Anime-Projekten machen kein Geheimnis aus den Problemen der japanischen Anime-Industrie. Wir berichteten bereits häufiger über dieses Thema. In einem Interview mit dem japanischen Businessmagazin Harbor Business Online sprach ein Insider über die „2016 Krise“.

Werfen wir einen Blick zurück: Im Oktober 2016 mussten zwei Anime-Neustarts aufgrund produktionstechnischer Probleme verschoben werden. So gingen Long Riders! und Brave Witches später an den Start. Wiederum debütierte Occultic;Nine plangemäß am 8. Oktober, allerdings entfernten Streaming-Services wie GYAO und AbemaTV die ersten beiden Folgen der Serie nur zwei Wochen später von ihren Portalen.

Occultic;Nine
Occultic;Nine © Project OC9/Chiyo st.inc.
Was genau ist damals passiert?

Der Insider erzählt, im vergangenen Jahr seien ihm Gerüchte von einer „2016 Krise“ zu Ohren gekommen. Die Situation werde immer schlimmer. Aktuell würde sich die Produktion von Anime-Serien dermaßen überschlagen, dass die Branche sie nicht mehr bewerkstelligen könne. Viele Animatoren hätten keine andere Wahl – sie müssen weitere Aufgaben annehmen und kämen nicht hinterher.

2016 sei diesbezüglich der Gipfel erreicht worden. Beispielsweise arbeite man normalerweise 4 bis 6 Wochen an den Layouts und der Key Animation. Durch den Zeitplan sei der Rahmen jedoch heutzutage kleiner. Einige Projekte würden z. B. verlangen, dass die Layouts und Key Animation binnen einer Woche abgeschlossen seien. Laut des Insiders hätte man vor einigen Jahren schon von einem Gipfel gesprochen. Die Situation habe sich allerdings verschlimmert. Zum Thema Bezahlung berichtet die Person, dass Animatoren in der Regel nur ein paar 1000 Yen für einen Einzelschnitt erhalten, der sowohl Layouts als auch Key Animation enthält. Dies sei viel zu niedrig, weshalb Animatoren oftmals an mehreren Projekten gleichzeitig arbeiten. Dies führe ebenso zu Engpässen in der Produktion.

Die Tatsache, dass Animatoren freiberuflich arbeiten, werde auch zum Problem. An einem TV-Anime seien heutzutage circa zwanzig Mitwirkende beteiligt, die von jemandem koordiniert werden. Da viele von ihnen an mehreren Projekten arbeiten, wodurch Terminüberschneidungen auftreten, werde die Koordinierung all dieser Animatoren zu einer enormen Belastung. Sofern eine Person ihren Zeitplan nicht einhalten könne, müsse der Rest Mehrarbeit in Kauf nehmen, um die verloren gegangene Zeit wieder einzuholen. Dies mache den Zeitplan anfälliger für einen kompletten Zusammenbruch. In solchen Fällen würden TV-Stationen die Ausstrahlung oftmals abbrechen. Stimmt der Zeitplan zum Debüt des Anime bereits nicht, dann ändere sich dies auch im Verlauf der Serie nicht, da er nun mal schon durcheinander sei.

Durch das harte Arbeitsumfeld scheitert die Einarbeitung junger Animatoren.

Der Industrie fehle es laut des Insiders an Arbeitskräften, um Nachwuchsanimatoren auszubilden. Aktuell gäbe es viele Mitarbeiter, die noch nicht einmal die Grundlagen ihres Handwerks beherrschen. Sobald sich die Arbeit staple und der Zeitplan enger werde, müssten selbst die hochrangigen Animatoren weitere Aufgaben übernehmen. Genau dies würde die Qualität der Animation negativ beeinflussen, was im Endeffekt der Animationsregisseur mit seinen Korrekturen ausbügeln muss. Ohne die Ausbesserungen hätte der heutige Anime überhaupt keine Qualität, so der Insider.

Der Anime-Industrie sollte bewusst werden, dass sie sich ändern muss.

Der Insider lobt, dass Anime durch die Agentur für kulturelle Angelegenheiten mehr Prestige bei Kunstfestivals und anderen Events bekommen hätten. Zudem bekäme die Anime-Industrie durch Cool Japan, einer Initiative des japanischen Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie, mehr Aufmerksamkeit im Ausland. Indirekt unterstütze der Staat demnach diese Branche. Doch bevor sich deren Struktur verändern könne, müsse sie sich dem bewusst werden, dass Veränderungen notwendig seien. Wer wohl künftig den ersten Schritt zu dieser Entwicklung macht?

Long Riders!
Long Riders! © Hiroshi Miyake-Ichijinsha / Long Riders! Production Committee

Quelle: Harbor Business Online

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