Stats

Anzeige
Home Popkultur Anime Internationale Anime-Fans diskutieren online über Political Correctness in ihren Lieblingsserien

Internationale Anime-Fans diskutieren online über Political Correctness in ihren Lieblingsserien

In der animierten Welt ist so ziemlich alles möglich. Geht das in der heutigen Zeit noch?

Früher wurden Anime in Japan produziert und in der Regel auch nur dort veröffentlicht. Wenn die Serien international lizenziert werden, gehören Anpassungen bei der Geschichte und den Figuren dazu. Viele Fans kritisieren aber, dass die Serien so umgeschnitten werden, dass sie irgendwann keinen Bezug mehr zum Original haben.

Der große internationale Anime-Boom begann in den 1990er Jahren, aber selbst zu diesem Zeitpunkt waren internationale Veröffentlichungen noch die Ausnahme. Heute hat sich die Lage sehr verändert. Mittlerweile ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Anime weltweit lizenziert werden und oft gleich nach ihrem japanischen Release international im Stream erscheinen.

Anime erobern die Welt

Mit dem weltweiten Zugang zu den Serien wächst das internationale Publikum, das mithilfe des Mediums die gesellschaftlichen Werte Japans kennenlernt und reflektiert. Aus diesem Grund werden vermehrt Diskussionen geführt, ob Anime nicht mehr auf Political Correctness achten sollten. Ein japanischer Twitter-Nutzer, der sich darüber Gedanken machte, trat eine große Online-Diskussion über das Thema los.

Mehr zum Thema:  2019 - ein Jahr der Tragödie und des Triumphes für Japans Anime-Industrie

Er schreibt, dass viele Menschen einen falschen Eindruck von Japan haben, der von Manga und Anime herrührt, bei denen die Künstler ihre eigene Sicht einbringen. Die Meinungsfreiheit ist grenzenlos, sodass jeder Künstler sich seine eigene Welt erschaffen kann. Wenn in einem Anime bewusst nicht auf politische Korrektheit achtet, wird diese Sicht sich international ausbreiten.

Der Schreiber erhielt viele positive Reaktionen auf seinen Tweet. Einige weisen aber auch darauf hin, dass die japanische Kultur einen geschlossenen Kulturkreis darstellt, in dem Kunst und Kultur eine wichtige Rolle spielen und zur Perfektion gebracht wurden. Einerseits sei es natürlich schön, wenn andere diese Kunst anerkennen und sie sich überall auf der Welt verteilt.

Diese Argumentation stellt die Produzierenden aber auch vor neue Herausforderungen. Der internationale Vertrieb läuft via Stream heute schneller als je zuvor. Auf den Übersee-Märkten, wo Anime lange eine kleine Nische besetzten, sind sie mittlerweile Mainstream geworden. Demzufolge ist der Zugang für nicht-japanische Konsumenten ebenfalls wesentlich einfacher geworden, aber die Palette an Dingen, an denen westliche Zuschauer Anstoß nehmen könnten, nahm ebenso zu.

Es muss nicht immer Mainstream sein

Allerdings musste sich der japanischen Twitter-Nutzer auch mit einigen gegenteiligen Meinungen auseinandersetzen. Einige Nutzer merkten an, dass auch die Mitarbeiter, die die Projekte realisieren, internationaler geworden sind. Kaum ein Anime wird noch zu 100 Prozent nur von Japanern produziert.

Demzufolge sei es selbstverständlich, dass das Medium internationaler werde, auch von den Inhalten her. Einige Kommentatoren hoffen, dass Anime eine Möglichkeit für Künstler werden, ihre Meinung frei zu äußern und andere dazu animieren, dies ebenfalls zu tun.

Rein finanziell gesehen ist es nur logisch, dass die Produzenten versuchen, die Anteile an potenziell anstößigen oder missverständlichen Inhalten zu minimieren, denn dadurch öffnet sich ein wesentlich größerer Markt für eine Serie. Allerdings stellt die Tatsache, dass ein bestimmtes Weltbild transportiert wird, auch immer wieder einen Grund dar, warum die eine oder andere Serie erfolgreich wird.

Twitter

Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren:

Rolling Sushi - der Japan-Podcast

Rolling Sushi - Japan für die Ohren

2 Kommentare

  1. Ich persönlich schaue Anime weil ich der Internationalisierung oder besser gesagt der Gleichschaltung von Literatur und Film entkommen möchte.
    Animes aus Japan ermöglichen einen Einblick in eine ambivalente Gesellschaft die unter ihrer Oberfläche um ein vielfaches tiefgründiger ist, als der sonst gewohnte Einheitsbrei aus den USA.
    Unter der grellbunten und schrillen Oberfläche dieser Kunst liegen wahre Schätze verborgen und diese so typische japanische Kunstform sollte man nicht dem Wohlwollen einiger weniger Leute opfern.
    Wenn Animes ihre japanische Seele verlieren, verlieren sie auch ihre Wirkung und Einheitsbrei gibt es wirklich schon genug!

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here