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Interview mit Nino Kerl: “Tokyo kommt einem außerirdischen Planeten am nächsten”

Nino Kerl kennt die deutsche Anime-Community seit einigen Jahren als Moderator des Anime-YouTube-Formats NinotakuTV. Dieses betreibt Nino als Nebenprojekt zu weiteren Moderationsjobs unter der Webedia Gaming GmbH und der Kanal besitzt mittlerweile über 270.000 Abonnenten. Auch startet im Juli sein Anime-TV-Format All about Anime auf dem neuen Sender RTLII You. Sumikai sprach mit dem populären Moderator über Japan, Anime, die deutsche Szene und über seine persönlichen Ziele.

Das Interview begann mit der einleitenden Frage unsererseits: Was waren denn die kuriosesten Momente, die dir in Japan widerfahren sind? 

Nino: „Grundsätzlich erlebe ich sehr viele skurrile, witzige Sachen, die man als Westler nicht kennt. Es gibt diesen Film, Lost in Translation heißt er, und tatsächlich war der Impact beim allerersten Besuch in Tokyo am allergrößten. Denn wenn man das gar nicht kennt und zum ersten Mal dort ist, wirkt das alles doch sehr surreal auf einem. Ich sag immer, Tokyo ist die Stadt, die meiner Meinung nach einem außerirdischen Planeten am nächsten kommt.

Es ist eben alles anders: die ganze Atmosphäre, die Beschallung, das Verhalten der Menschen, die Art und Weise, wie man dort seinen Alltag gestaltet, die Faszination darüber, wie es diese Leute in dieser riesigen Stadt und Bevölkerungsdichte trotzdem schaffen, sich auf kleinem Raum zu arrangieren, sich nicht ständig in der U-Bahn anzurempeln und trotzdem noch die Zeit und Motivation finden, freundlich und zuvorkommend zueinander zu sein. Das sind einfach die unterschiedlichsten Sachen, die mich faszinieren.

Natürlich gibt es diese typischen Japanerlebnisse von irgendwelchen ausgefallenen Locations, ob es jetzt ein Katzencafé ist, wo man sich eine kleine Mieze mieten kann, um mit ihr zu schmusen, beziehungsweise die Maid Cafés sind. Oder auch einfach nur die Atmosphäre in der Fußgängerzone ist, die man so aus europäischen Ländern bzw. Nordamerika nicht kennt, wo man von überall beschallt, angebrüllt und angeblinkt wird. *lach*

Trotzdem funktioniert das alles sehr gut. Es ist der kontrollierte Wahnsinn. Denn, wie ich´s gerade sagte, jeder arrangiert sich dort mit der Situation und hält sich an gewisse Spielregeln. Das wird immer eindrucksvoll daran präsentiert, dass es dort keine Mülleimer gibt und trotzdem kein Müll auf der Straße liegt. Wenn man doch mal einen Schnipsel findet, dann muss man schon akribisch danach suchen. Der Hintergrund dazu ist, dass es mal ausgehend von einer Sekte einen Anschlag gab, wo irgendwelche Bomben in Mülleimern versteckt waren. Zum anderen sagt man sich: Das ist unsere Stadt, wir wollen sie sauber halten, also nehmt euren Müll mit nach Hause. Überquellende Mülleimer schaden eben dem Stadtbild und deswegen hält sich jeder daran. Das finde ich z. B. sehr faszinierend.

Oder ein weiteres Beispiel, ich war vor zwei Jahren auf Shueishas Jump Festa. Da gab es eine Bühnenshow mit den One Piece-Synchronsprechern. Zuvor wurde in der Halle kurz von einem Verantwortlichen erwähnt, dass man nicht filmen oder fotografieren darf. Nicht ein Arm mit einem Handy in der Hand ging nach oben. In Deutschland wäre das unvorstellbar. In Japan funktioniert das aber und das fasziniert mich extrem. Die dortige Disziplin, die einem auch vorgelebt wird, z. B. von örtlichen Dienstleistern, wie Züge. Diese haben dort keine Verspätung. Und sollte der Zug Verspätung haben, dann hat der Fahrgast die Möglichkeit, sich sein Geld zurückerstatten zu lassen. Das ist schon sehr extrem, aber ich finde, dass ein wenig von diesem Regelwerk und dem respektvollen Miteinander auch anderen Ländern außerhalb Japans ganz gut zur Gesicht stünde.

Ich bin auch der Meinung, selbst für jemanden, der keine Affinität für Anime, Manga, Gaming u.s.w. hat, lohnt sich ein Besuch in Tokyo, weil es seinen Horizont wahnsinnig erweitert.

Wobei man abschließend vielleicht noch dazu sagen sollte, dass Tokyo eben nicht Japan ist. Wenn man aus Tokyo rausfährt, dann merkt man ganz schnell, dass das bis auf die Sprache nicht viel mit dem Land zu tun hat. Wenn man z. B. nach Kamakura fährt, dort am Strand steht, oder diese Tempeldörfer sieht, also dieses ganze ländliche Japan, dann wird einem schlagartig bewusst, wie groß die Kluft zwischen der ganzen Technologie, dem Fortschritt oder Wahnsinn ist. Und eben auch die Einfachheit des Landes, der Menschen, die dort ihrer Landwirtschaft nachgehen. Das ist wahnsinnig interessant und deckt ein extrem breites Spektrum ab.“

Die Anime-Summer-Season beginnt schon bald: Auf welche Neustarts freust du dich am meisten?

Nino: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass diese Season ein bisschen besser wird, als die im Frühjahr. Bei der letzten hatte ich das Gefühl, es waren einige hochkarätige Sachen dabei, wie Joker Game, Bunko Stray Dogs oder Ace Attorny. Der Rest war aber Einheitsbrei.

Bei der jetzigen Season schimmern ein paar große Namen hervor, wie z. B. Berserk, worauf ich mich freue. Dann wird es aber auch zahlreiche Sportanime geben. Ich bin tatsächlich großer Fan des Sportgenres. Da käme mit Battery ein Baseball-Vertreter und mit DAYS einer für Fußball. Dann gibt es mit Mob Psycho 100 noch eine neue Anime-Umsetzung zu einem Titel von ONE, was bestimmt interessant wird. Die zweite Staffel von Shokugeki no Soma, bzw. Food Wars!, wird sicherlich auch super.

Dazu kommen dann noch Anime-Filme, auf die ich mich freue. Z. B. der dritte Film von Digimon Adventure tri.. Ich fand die ersten beiden echt gut. Oder Kimi no na wa., da hat mich der Trailer schon sehr überzeugt. Und als großer One Piece-Fan freue ich mich natürlich auch auf One Piece Film Gold.“

Nino Kerl
Nino Kerl

Verfolgst du das Anime-Programm deutscher Simulcast-Anbieter und falls ja, könntest du dir vorstellen auch News zu diesem Thema in NinotakuTV aufzunehmen?

Nino: „Grundsätzlich verfolge ich das, wobei ich sagen muss, dass mir das momentan ein bisschen aus dem Ruder läuft. *lach* Da werden im großen Stil Lizenzen eingekauft und wird gefühlt jeden zweiten Tag ein neuer VoD- oder Simulcast-Anbieter aus dem Boden gestampft. Das ist natürlich auf der einen Seite eine ganz tolle Sache, weil man als Anime-Fan auf legalem Wege, und meist für wenig Geld, die Möglichkeit hat, aktuelle Serien anzuschauen.

Auf der anderen Seite komme ich noch aus der Zeit, wo man nach einem neuen Anime-Release gelechzt hat, wo so etwas noch einen Seltenheitswert hatte und es etwas Besonderes war, Anime auf VHS oder DVD zu kaufen. Nicht falsch verstehen, ich wünsche mir nicht die alten Zeiten zurück. Aber ich finde, durch die Digitalisierung und diesem immensen Angebot hat dieses Anime-Onlineangebot ein bisschen was von einem Ramschtisch. Es fehlt mir der Zauber und die Freude danach, dass ein Titel lizenziert wurde.

Es ist nun mal ein Geschäft und die Publisher oder VoD-Anbieter merken natürlich, dass da durchaus Geld zu holen ist. Vor allem im Home Entertainment scheint der Anime-Bereich der einzige zu sein, der ständig wächst. Rational oder aus wirtschaftlicher Sicht der Publisher betrachtet ist das natürlich nachzuvollziehen, dass man versucht, große Titel über bestimmte Plattformen und auf legalem Wege an den Anime-Fan bringen zu wollen.

Natürlich möchte ich darüber berichten, dass diverse Titel irgendwo starten. Was ich allerdings nicht machen kann, ist meine zehn News-Slots dafür zu verwenden, zehn neue Simulcast-Titel anzukündigen. Wenn nun ein besonders großer Titel dabei ist, dann wird er in der Sendung erwähnt. Aber ich muss immer gucken, dass ich die zehn Slots der Sendung abwechslungsreich fülle. Und für mich persönlich ist die Ankündigung, dass eine Lizenz gekauft wurde oder das ein Anime auf DVD/Blu-ray erscheint etwas wertiger als der Start eines Titels auf einer Onlineplattform. Aber das ist natürlich eine rein emotionale Aussage. Ich möchte damit nicht die Wichtigkeit einer solchen Meldung schmälern. Um das jedoch abdecken zu können, müsste ich wahrscheinliche eine zweistündige Sendung machen.“

Nino Kerl - Entwickler
Nino Kerl

Bei unseren Lesern kam dein Format “Die besten Anime von A-Z” gut an. Kannst du dir vorstellen, dieses in ein paar Jahren noch mal zu wiederholen oder ähnliches Format für andere Themen durchzuführen (z. B. für Anime Openings/Endings)?

Nino: „Wenn mich in ein paar Jahren noch jemand sehen will *lach*, mache ich natürlich eines. Grundsätzlich hat mir das wahnsinnig Spaß gemacht. Ich muss aber dazu sagen, dass das in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen wäre, wenn ich von meinen NinotakuTV-Admirälen, wie ich sie nennen, keine Unterstützung bei der Recherche und Aufbereitung bekommen hätte. Das lief jetzt ein ganzes Jahr und endet im Juli mit dem ultimativen Voting, bei dem alle 27 Gewinner zur Wahl gestellt werden. Die Leute haben jetzt noch die Möglichkeit, ihre Top 10 zu wählen, was dann sicherlich einen guten Abschluss ergibt.

Was es bei RTLII You geben wird, ist ein ähnliches Format. Allerdings werden die Platzierungen hier nicht von der Community gewählt, sondern von mir, da öfter mal gewünscht wird, dass ich meine Meinung zu gewissen Sachen sage oder meinen Geschmack mit einfließen lassen soll. Deshalb wird es dort ab dem 3. Juli um 16:10 Uhr ein Top-10-Listen-Format geben, das sich ähnlich anfühlt und nach Genres sortiert ist. Vielleicht werden dadurch noch andere Titel mit einfließen, die beim Community-Ranking nicht mit dabei waren. Eventuell auch, weil sie zu dem Zeitpunkt noch nicht ausgestrahlt wurden – z. B. Seraph of the End und One-Punch Man.

Aber, ob ich so was Ähnliches noch mal auf meinem Kanal mache: mal schauen. Tatsächlich haben wir uns überlegt, so etwas Ähnliches noch mal für Filme, OVAs oder Charaktere zu machen. Nur stellt sich hier die Frage, wie man das bebildert. Es ist teilweise unmöglich, einen Trailer zu einem alten Ghibli-Film zu finden. Deswegen sind mir da auf YouTube ein bisschen die Hände gebunden. Bei RTLII You sieht es ein wenig anders aus. Da kann ich mehr Bildmaterial verwenden und zeigen.“

Stellt deine neue Sendung All about Anime eine gewisse Herausforderung für dich dar und falls ja, inwiefern?

Nino: „Natürlich ist es eine Herausforderung. Zum einen ist es schmeichelhaft für jemanden wie ich, der mit dem Anime-Programm auf RTLII groß geworden ist. Hätte mir jemand vor 15/16 Jahren gesagt, dass ich irgendwann Teil dieses sagen wir mal “Anime-Projektes von RTLII” werde, dann hätte ich gesagt: Na klar, das glaubst du wohl selber nicht. Das ist für jemanden, der das aus der Kindheit miterlebt hat, eine Ehre. Auch wenn das Umfeld gar nicht mal so einfach ist. Es gibt nun mal viele Kritiker, die das komplette RTL-Umfeld kritisieren, was ich auch total gut verstehen kann. Und das macht auch einen Teil dieser Herausforderung aus. Dass ich versuchen möchte, mir treu zu bleiben und mir von keinem reinreden zu lassen. Also das tue, was ich eben auch auf meinem Kanal mache: nämlich gut recherchierten, professionell produzierten und halbwegs seriös und charmant präsentierten Content zu bieten.

Das ist natürlich schon eine Herausforderung, mal davon abgesehen, dass mein Output noch mal etwas größer ist. Denn den Video-Kanal zu füllen ist schon relativ viel Arbeit, weil ich hier eben alles ringsum allein mache. Ich betreue die Social-Media-Kanäle, kümmere mich um die Vermarkung, selbst Gewinnspielpreise verschicke ich selber. Das nimmt eben sehr viel Zeit weg. Da stecken zahlreiche Absprachen z. B. mit den Publishers oder Rechteinhabern dahinter.

Durch den Content von RTLII You wird das natürlich noch mehr. Und was eben viele auch nicht wissen: Ich mache YouTube nicht von Zuhause aus, bin also kein klassischer YouTuber. Ich bin Angestellter bei der Webedia Gaming GmbH und dort Creative Director. D.h. ich mache eigentlich was völlig anderes *lach*, bin also für Konzepte verantwortlich, die bei uns gebucht werden. Ninotaku war ursprünglich nur mein zweites Standbein, was ich mir erhalten wollte, weil Anime und Moderation einfach meine große Leidenschaft sind.

Ich freue mich aber auf diese Herausforderung. Und jetzt gilt es eben abzuwarten, wie das auf RTLII You anläuft.“

Vor NinotakuTV konntest du bei der Gamepro Erfahrungen mit der Gaming-Community sammeln. Gibt es große Unterschiede zu den Anime-Fans?

Nino: „Ja, das äußert sich meiner Meinung nach am meisten auf Conventions. Auf Anime-Conventions habe ich bislang die Erfahrung gemacht, dass dort ein freundliches Miteinander herrscht. Die Leute sind dort zuvorkommend, rücksichtsvoll und gerade wenn es mal darum geht mit anzupacken, z. B. ein Foto zu machen, dann bietet sich jemand an. Ich finde auch dieses Gedrängel, wenn es irgendwas umsonst gibt, nicht so schlimm.

Genau das finde ich auf Spielemessen immer ein bisschen Schade. Auf der Gamescom habe ich zum Beispiel das Gefühl, dass der eine dem anderen nichts gönnt. Wenn dann z. B. einer auf der Bühne steht, was ich immerhin auch mache *lach*, und dann T-Shirts in die Menge wirft, die dann vier Nummern zu groß oder zu klein sind, hat man wirklich Angst, dass die sich gleich tot hauen. Man erlebt große Männer, die kleine zierliche Jungs oder Mädels mit Gewalt zur Seite drücken, um ein T-Shirt zu bekommen. Ich will jetzt nicht sagen, dass alle Gamer so sind *lach*, aber das ist ein Verhalten, was mir auf Messen sehr auffällt. Zumindest ist es meine subjektive Wahrnehmung.

Was wiederum das Verhalten im Internet angeht: Ob das nun die Gaming- oder Anime-Community ist, es gibt überall schwarze Scharfe. Das ist sowieso eine Sache, die ich sehr skeptisch verfolge. Dieses Verhalten unter dem Mantel der Anonymität im Internet nimmt meiner Meinung nach sehr erschreckende Züge an. Wenn das das Spiegelbild unserer Gesellschaft ist, dann wird´s ganz finster. Dann werde ich einer der ersten sein, der sich bewirbt, wenn der Mars besiedelt wird.

Ich sage immer, es ist wichtig, seine Meinung zu äußern. Und es ist auch immer wichtig, Kritik zu äußern. Weggucken ist halt doof, das hat die Vergangenheit oft genug gezeigt. Nur sollte man in der Lage seine, seine Meinung A) mit Argumenten zu untermauern, und nicht einfach Dinge zu behaupten, teils absurde Theorien aufzustellen, die nur auf gefährlichem Halbwissen gestützt sind, und B) sollte man das auch sachlich tun. Und das ist etwas, was ich leider vermisse.

Ich bin mit meiner Community wirklich gesegnet. Da sind wahnsinnig liebe Menschen dazwischen. Aber auch hier gibt es Leute, die sich einfach nicht zu benehmen wissen. Die dann beigehen und andere beschimpfen, beleidigend und ausfallend werden, und dies aus den absurdesten Gründen. Da wird dann über einen nicht vorhandenen Geschmack belehrt, wenn Fairy Tail besser als Full Metal Alchemist abschneidet.

Oder auch das Beispiel Dragon Ball-Synchro, es ist ein Wahnsinn *lach*. Da fällt mir nichts anderes mehr ein. Das ging sogar so weit, dass mir vorgeworfen wurde, dass ich von Kazé Geld bekommen hätte. Da fühlte ich mich durchaus genötigt, Stellung dazu zu beziehen, weil so etwas im Internet schnell eine Eigendynamik nimmt. Das kann eben auch meinen Beruf schaden und 15 Jahre harte Arbeit in der Medienbranche einen unschönen Knick verpassen. Meine Loyalität ist immer beim Zuschauer, war bei der Gamepro beim Leser und beim Radio beim Zuhörer. Zumal das eben schon deshalb ein dummer Vorwurf ist, weil ich Angestellter bin. Wenn es im Rahmen einer Kooperation oder Zusammenarbeit einen Geldfluss gibt, dann landet es in die Webedia-Kasse. Daher nahm ich damals Stellung dazu, auch wenn ich damit nicht alle überzeugen konnte.

Will ich auch gar nicht. Mir ist es wichtig, ab und zu einen Punkt zu machen, obwohl ich mich bei solchen Sachen gerne bedeckt halte. Ich finde es immer albern, Konflikte vor dem Publikum auszutragen. Ich möchte einfach nur mein redaktionelles Format machen, keinen Quatsch, und auch keine Klicks durch fragwürdige Titel generieren. Ich möchte einfach nur mein Newsformat machen und freue mich darüber, wenn es gut ankommt und die Leute die Arbeit dahinter sehen und anerkennen. Aber ich fürchte, solange ich in den Medien und auf YouTube unterwegs bin, werde ich mich auch immer wieder damit arrangieren müssen, dass es Leute gibt, die diese Anonymität ausnutzen, um über mich oder meine Arbeit herzuziehen. Da muss man dann, auch wenn es schwerfällt, drüberstehen.“

Nino Kerl
Nino Kerl

Wie gehst du mit der teils heftigen Kritik gegen dich um? Wird man da mit der Zeit bedachter, mit dem was man schreibt/sagt, oder wirst du dich dennoch künftig zu gewissen Themen kritisch äußern?

Nino: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, weil ich jemand bin, der weder von seiner Privatperson noch von seinem Umfeld irgendwas preisgibt, und auch eigentlich keine Inhalte produziere, die eine große Angriffsfläche bietet: mir kann da eigentlich nicht so viel passieren. Aber es gibt dann immer wieder Leute, die finden dann doch irgendeinen Grund, um mich an den Pranger zu stellen, und wenn der Grund noch so absurd ist. Damit steht und fällt dann auch so ein bisschen meine Reaktion aus.

Es gibt einfach Sachen, die sind so weit an der Nase herbeigeholt. Die lese ich einfach, grinse und denke mir: Woher nimmt diese Person die Motivation, so etwas zu tun oder zu schreiben? Hätte er oder sie nur zwei Minuten Recherche in Kauf genommen, wüsste er oder sie, dass das nicht stimmt. Aber wenn ich anfangen würde, mit jedem zu diskutieren: keine Chance. Ich versuche solche Diskussionen zu vermeiden. Denn wenn ich mich dazu äußere, kommt wieder eine Antwort, weitere User schalten sich ein, und dann bläst sich das zu etwas auf, was ich eigentlich nicht möchte. Ich reagiere auf so etwas wirklich nur bei Extremfällen, wie bei dem Dragon Ball-Beispiel.

Ab und zu bin ich auch gezwungen, jemanden zu blocken. Das muss dann noch nicht einmal gegen mich gehen, sondern wenn z. B. irgendwelche Randgruppen diskriminiert oder Dinge geäußert werden, die ich unter meinen Videos nicht möchte. So etwas passiert aber sehr selten.

Es ist natürlich auch von der Tagesform abhängig. Manchmal nimmt man sich das schon Mal zu Herzen, auch wenn man es nach einer halben Stunde wieder von einer gesunden Distanz aus betrachtet. Und dann gibt es aber auch Tage, wo einem das nicht so nahe geht. Grundsätzlich tue ich mich immer wahnsinnig schwer mit Kritik, egal ob sachlich oder laut geäußert, die ich so rein gar nicht nachvollziehen kann. Die Leute stürzen sich auf noch so banale Dinge, und damit tue ich mich dann ein wenig schwer, weil die Frage nach dem Warum zurückbleibt.

Auch wenn ich wie ein alter Mann klinge, aber ich sag immer: Wenn das auf so einer Ebene schon nicht funktioniert, und wegen Dinge, wo wirklich niemand zu Schaden kommt, ein Lauten gemacht wird, wenn man da schon nicht auf einer sachlichen Ebene zusammenkommt, wie soll denn das große Ganze funktionieren? Es kann nicht klappen und es wird immer schlimmer.

Selbst wenn man seinen Senf dazu abgibt, ein Internet-Troll fühlt sich davon nicht angesprochen. Witzigerweise passt dazu mein Ninotaku-Introlied. In den Lyrics gibt es eine Textstelle „Why do they call me troll, why don´t they want to feed me?” und handelt mehr oder weniger von einem Typen, der frustriert dasitzt, weil keiner mehr auf seine Hasskommentare eingeht. Das ist wirklich das Beste, was man machen kann. Wenn man die Trolle füttert, wird´s nur noch schwieriger. Wegschauen ist natürlich auch nicht nur eine Option, man muss den Leuten gewisse Grenzen setzen.“

Man hört oft aus Fankreisen, du hättest Anime und Manga in Deutschland etabliert. Kann man das so pauschalisieren oder spielen hier deiner Meinung nach noch andere Faktoren eine Rolle? Und worin siehst du persönlich deine Rolle in der deutschen Anime-Szene bzw. welche Ziele hast du dir mit NinotakuTV und All about Anime für die Zukunft gesetzt?

Nino: „Ne, also ich würde das so niemals sagen. Das ist viel zu hochgegriffen. Ich sag´s mal so: Wenn ich tatsächlich dazu beigetragen haben sollte, dass das Thema Anime in Deutschland ein bisschen an Bedeutung und Seriosität gewonnen hat, sprich, wenn ich ein dazu beitragen konnte, Anime aus diesem Klischee-Schubladen zu holen, dann würde mich das sehr stolz machen. Aber ich bin nur ein ganz kleines Licht in einer großen Industrie. Wenn jemand durch meine Inhalte auf Anime aufmerksam wurde und meint, dass ich mit meinen Inhalten was Gutes tue, macht mich das sehr stolz.

Aber ich würde niemals so weit gehen und mich als Alleinverantwortlicher sehen. *lach* Dafür ist auch meine Reichweite bei Weitem nicht so groß, dass ich solche Dinge bewirken könnte. Für ein nischiges Segment und ein Newsformat habe ich „viele“ Abonnenten, aber ich bin kein YouTube-Popstar mit 3 Millionen Abonnenten und das will ich auch nicht sein. Ich bin Nino Kerl und Journalist, das war ich seit meiner Ausbildung beim Radio und das will ich auch sein.

Ich sehe mich als jemanden, der den Versuch startet, dass Anime die Aufmerksamkeit kriegt, die es verdient, dass Anime nicht belächelt wird, dass Anime nicht in diese Klischee-Schubladen gesteckt wird und dass auch Leute, ohne jemals einen Anime gesehen zu haben, sich mal hinsetzen und sagen: Okay, ich schaue mir jetzt mal einen Ghibli-Film an. Das wäre so meine Vision und mein Wunsch. Einfach dazu beizutragen, dass Anime ein seriöses Image in den westlichen Breitengraden kriegt.“

Last but not least, eine Frage, die uns am Herzen liegt: Was hältst du von deutschen Mangaka und könntest du dir vorstellen einheimische Künstler in deiner Sendung vorzustellen?

Nino: „Grundsätzlich bereitet mir das Thema Manga immer so ein bisschen Bauchschmerzen, weil ich wahnsinnig gerne vielmehr darüber machen würde. Das Problem bei Manga ist die Bebilderung. Bei Anime habe ich den Vorteil, dass wir vom Bewegtbild sprechen – Trailer, Videoausschnitte, Pilotepisoden. Hier gibt einfach Sachen, womit ich meine News unterfüttern kann. Bei Manga wird´s ganz schwierig. Alle paar Monate wird vielleicht ein Manga-Trailer produziert, was für ein Videoformat, wie meines, sehr dankbar ist. Ansonsten kann ich da nicht so viel machen. Gescannte Manga-Seiten anzeigen, das darf ich nicht. Und um die Freigabe dafür zu kriegen, das würde Monate dauern. Das ist für eine wöchentliche Taktung, wie sie bei mir der Fall ist, nicht zu realisieren.

Entsprechend verhält es sich auch mit dem Bereich deutsche Mangaka. Es ist ein bisschen schwer für mich, darüber zu berichten. Es gibt tatsächlich diverse Ideen, die davon weggehen, dass man Manga-Berichte bebildern muss. Ich hab mit deutschen Manga-Publishers darüber gesprochen und Ideen bzw. ein Konzept vorgeschlagen, um die hiesigen Talente zu fördern. Das ist leider alles ein bisschen im Sande verlaufen, weil ich einfach nicht dazu komme. Aber es gibt gewisse Bestrebungen, was zu machen. Es gibt so viele talentierte junge Menschen da draußen, für die man eine Bühne bieten müsste, auf der sie sich präsentieren können. Und ohne zu viel verraten zu wollen, es wird tatsächlich demnächst ein Projekt mit einer deutschen Künstlerin geben.“

Sumikai bedankt sich bei Nino Kerl für das Interview.

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