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Kommentar: Anime – legal, illegal, total egal?

Immer wieder fällt mir eine Sache auf: Anime werden gerne und viel auf illegalen Quellen geschaut und in vielen Diskussionen, die ich bereits führen durfte, gab es die lustigsten Argumente, wieso man nicht bereit ist zu zahlen.

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Also mal vorweg, es geht jetzt nicht um Anime, die nicht in Deutschland lizenziert sind. Hier verstehe ich das gut, denn gerade in meinem Lieblingsgenre Slice of Life verhungert man oft. Gut, ich bestelle mir die Anime aus Japan, aber das kostet nicht gerade wenig und nicht jeder versteht dann, was da gesagt wird.

Aber was ist den mit den ganzen lizenzierten Anime?

Es ist doch so, seitdem peppermint anime angefangen hat, Simulcast in Deutschland anzubieten, erscheinen immer mehr Serien pro Season mit deutschen Untertiteln, ganz legal für eigentlich kleines Geld. Crunchyroll kostet 4,99 Euro im Monat und man kann alles schauen oder man wartet 7 Tage und schaut dann kostenlos. Akiba Pass ist mit 8 Euro auch nicht teuer und selbst Anime on Demand ist bei 3 Monaten umgerechnet 10,33 Euro auch nicht teuer (wenn man 12 Monate nimmt dann sind es auch nur 8 Euro). Dann noch Amazon Prime und Netflix, die auch nicht so teuer sind, und natürlich haben wir noch Clipfish, wo man halt etwas Werbung hinnehmen muss, dafür aber umfangreiches Angebot bekommt. Auch bei Daisuki.net muss man halt Werbung hinnehmen, hat dafür aber HD-Qualität (auch wenn das Angebot nicht ganz so umfangreich ist).

Aber selbst hier hören wir immer wieder: Das ist mir zu teuer, ich schaue lieber bei …

Und Disks?

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Also wenn wir uns mal umschauen, was ein Volume kostet, landet man schnell bei 30 Euro oder aufwärts (manchmal auch günstiger). Hier kommen allerdings noch Produktionskosten und Lizenzgebühren obendrauf. Eine Lizenz aus Japan für ein Disc-Release ist zu Anfang zwar nicht so teuer wie eine Lizenz für einen aktuellen Anime, sie werden aber je nach Alter günstiger während Disc-Lizenzen im Preis in der Regel stabil bleiben.  Bei Disc kommen dann noch weitere Kosten dazu, zum Beispiel Synchronsprecher, die auch Geld kosten.

Bleibt also unter dem Strich: An Angeboten mangelt es nicht. Klar, wir haben nicht die gleiche Auswahl, wie in Japan, aber die Publisher müssen ja auch irgendwie etwas verdienen. Das ist der Sinn hinter einer Firma, also wird abgewogen, was sich lohnt und was nicht.

Ist mir zu teuer!

© sunrise
© sunrise

Okay, dieses Argument lasse ich durchaus bei Disk-Releases gelten, aber dann muss man halt sparen. Es ist ja nicht so, dass alle Volumes an einem Tag erscheinen. Man kann sich nun mal nicht alles auf einmal kaufen. Auch das Argument: „Es kommt aber hier so spät auf dem Markt“, gut, das ist klar. Einen Anime zu synchronisieren usw. dauert halt. Im Fall von Attack on Titan, wo das Material nicht den Weg zu uns aus Japan gefunden hat – na ja, zugegeben doof gelaufen. Dann muss man halt warten.

Beim Streaming lasse ich diese Aussage aber nicht gelten. Das Angebot ist da und nur weil man der Meinung ist, diese 5 oder 8 Euro sind zuviel, fröhlich auf illegalen Seiten zu gehen ist kein Argument.

Überlegen wir doch mal, wer verdient eigentlich an einem Anime alles mit?

Gehen wir mal von einer Adaption aus:

  • zuallererst wäre da der Mangaka
  • der Verlag
  • das Animationsstudio

Oftmals ein Fernsehsender, wenn er die Rechte verwertet und natürlich der Publisher in Deutschland.

Dazwischen findet man ganz viele kleine Mitarbeiter, wie ein Animator oder ein Übersetzter. Diese Menschen müssen ja auch von irgendwas leben. Klar, es gibt noch Merchandise Lizenzen, die auch Geld in die Kasse spülen usw.. Jedenfalls nimmt man das alles, hat man die Summe, die man für die Produktion ausgeben kann und jeder bekommt sein Gehalt und Gewinn.

Schaut man einen Anime illegal, freut sich das Portal, weil es einen mit Werbung vollbomben kann und der Video-Hoster, der einen noch mal extra mit Werbung zubombt. Wenn man Pech hat auch noch ein Virenentwickler, weil man eine Werbung mit einem lustigen Virus abbekommen hat, die bei einigen Hostern leider immer wieder darunter sind.

Jetzt überlegt mal: Wir alle sagen doch „Wir lieben Anime“ oder? Wen wollt ihr unterstützen? Die der ersten Liste oder die der zweiten Liste?

Ein weiteres Argument ist übrigens, dass man die gleiche Videoqualität bei einem illegalen Portal bekommt. Da war vor Kurzem ein User derartig überzeugt, dass kein Gegenargument geholfen hat.

Aber stimmt das nun wirklich?

Nehmen wir Crunchyroll als Beispiel: Für 4,99 Euro kann man auf HD-Qualität die Videos anschauen. Zahlt man nicht, muss man ein klein wenig Werbung ertragen und hat SD-Qualität.

Ich habe mir ein paar Video-Hoster angeschaut:

  • Streamcloud dürfte wohl der bekannteste sein, die Qualität ist aber maximal SD
  • Vivo hat ebenfalls nur SD (nebenbei, wenn ich noch einmal eine Werbung für diese dämliche „die deutsche Methode“ sehe, raste ich aus. Ach, und die Viruswerbung ist gar nicht nervig)
  • Flash X ist auch nur SD (wobei, hier bin ich mir nicht sicher, könnte auch schlechter sein)
  • Cloud Time ratet mal: SD
  • YouWatch SD
  • usw.

Keiner dieser ganzen Hoster würde HD anbieten und das hat einen logischen Grund: Es ist teuer. Traffic kostet und die Server müssen Leistung haben. Das haben sie aber nicht und wäre auch ökonomisch nur durch Werbung nicht zu finanzieren, es sei den man heißt YouTube.

Mein Lieblingsargument: Aber Proxer sagt, sie seien legal!

© Norihiro Yagi/Shueisha
© Norihiro Yagi/Shueisha

Sagte Kino.to auch und was ist passiert? Keines dieser Angebote ist legal, da kann ein Admin noch so viel behaupten, wie er möchte. Streaming anbieten ist und bleibt illegal, wenn man keine Lizenz hat. Und auch das Argument, dass man ja nur verlinkt, gilt nicht. Das wurde auch schon sehr oft vor Gericht geklärt. Gut ich muss auch zugeben, nachdem ich mir Proxer mal genau angeschaut habe: Sie verlinken auch zu legalen Angeboten, aber der größte Teil liegt bei anderen Hostern.

Genauso ein Kandidat ist Pure Anime, nur das hier die Subs teilweise eine Katastrophe sind (jedenfalls bei drei Stichproben). Wenn der Charakter etwas sagt, sollte es auch unten drunter stehen, stand es aber nicht. Ebenfalls nicht unbekannt ist Elite Anime.

Jetzt mal davon ab, dass sie alle durch die Bank weg (BS übrigens auch) illegal sind und durch Werbung Geld verdienen, obwohl sie keine Lizenz besitzen, gibt es noch ein anderes Argument.

Wenn ein Anime als Fansub durch eine Subgruppe erscheint, bietet die Subgruppe diesen auch an. Auf Nachfrage bei einer dieser Gruppen merkte man sehr schnell, dass sie es gar nicht lustig finden, ihre Subs auf eben solchen Portalen zu finden. Verständlich, sie haben die Arbeit und Kosten und bekommen von Werbeeinnahmen keinen Cent. Fair ist das also auch nicht, oder?

Man kann es drehen, wie man will, solche illegalen Seiten bedienen sich ohne auf den Lizenzgeber, den Lizenznehmer oder wenigstens einer Subgruppe zu achten.

Ach ja und das Argument: Wir entfernen aber lizenzierte Anime oder bieten sie nur noch auf Englisch an.

Was das Entfernen angeht: Viele schreiben es, kaum einer macht es. Und ob nun Deutsch oder Englisch, ist völlig egal, es ist dann auch nicht erlaubt.

Ungefähr genauso unsinnig ist das Argument: „Es ist eine rechtliche Grauzone“.

Nein, ist es nicht, kein Studio in Japan findet das wirklich toll, ihre Anime so im Netz zu finden und sie tun auch etwas dagegen. Leider ist es mit diesen Portalen so: Eins geht unter, zwei andere entstehen. Hydraeffekt könnte man sagen. Ein schönes Beispiel ist da Movie4K (oder 2), das Portal schloss und nun gibt es 6 andere Seiten, die daraus entstanden sind. Und selbst wenn es ganz klar eine Grauzone wäre: Macht es das besser?

Sehr lustig sind auch Webseiten, die sich auf einen Anime spezialisiert haben. Gerade One Piece und Naruto Webseiten. Naruto, Moment da war doch was? Ach ja, der ist bei Crunchyroll im Angebot.

Auch das Anschauen von Streams ist umstritten. Es gibt Urteile die sagen „Illegal“ andere Urteile … na ja, da wird sich noch gestritten. Aber gut, besser ist es, wenn es eine Grauzone bleibt. Aber der Grundsatz besagt: Nur wenn das Angebot nicht als illegales Angebot gekennzeichnet ist. Klar schreibt sich das keiner auf die Webseite, aber wir alle haben ja ein wenig Grips im Kopf.

Das letzte Argument: Ich finde deutsche Synchronisation doof.

Kann man ganz schnell wegwischen, schaltet den Ton auf Japanisch und den Untertitel auf Deutsch, fertig. (Kleines Update: ich meine hier nicht, das man einen Anbieter nicht zeigen soll, wenn sie eine Synchronisation vermasselt haben. Ich spreche hier die an, die „Ich mag keine deutschen Sychros“ als Ausrede benutzen, um Anime illegal zu schauen)

Zum Schluss:

Ich möchte euch gar nicht belehren, auch wenn es sich so liest. Ich schreibe hier nur meine Meinung. Ihr müsst selbst wissen, was ihr macht und was euch am liebsten ist. Aber vielleicht sollte man beim nächsten Mal, wenn man ruft „Ich liebe Anime“, nachdenken, ob man sie wirklich liebt oder nur inhaliert. Und überlegt auch mal, wer denn da bei solchen angeboten Geld verdient? Aus reiner Freundlichkeit stellt keiner so eine Streamingwebseite auf die Beine, natürlich stecken dahinter Gewinnabsichten.

Was meint ihr denn? Ist es euch egal oder achtet ihr penibel darauf, dass der Anime nicht lizenziert ist, oder schaut ihr nur bei legalen Angeboten?

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