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Kommentar: Werden Anime qualitativ immer schlechter?

Die schöne Welt der Anime – jede Season kommen ein paar neue Serien auf den Markt, wir haben viele Streaming-Anbieter und eigentlich ist die Welt perfekt für einen Anime-Fan, oder?

Wenn ich ehrlich bin, hat mein Interesse an Anime in den letzten zwei Jahren immer mehr nachgelassen. Das ist zwar irgendwie komisch, immerhin war Sumikai mal eine reine Anime-Webseite, aber es ist nicht ganz unbegründet. Zum einen finde ich nicht mehr in die „Szene“ rein, es wird mir irgendwie zu viel gemotzt und sich über Kleinigkeiten aufgeregt. Zum anderen ist das Umfeld seltsam geworden. Tja, und dann wäre da noch die Kleinigkeit mit der Qualität der Neuerscheinungen – dem eigentlichen Hauptproblem.

In dieser Frühlings-Season fällt das besonders auf. Nobunaga Teacher’s Young Bride? Was bitte ist das mal wieder für ein Quatsch? Bei Hitoribocchi no Marumaruseikatsu scheint das Produktionsteam Amok gelaufen zu sein und Afterlost oder RobiHachi sind irgendwie auch nur ein schlechter Scherz. Man mag das zwar nun an den persönlichen Geschmack aufhängen lassen, doch muss man ehrlich sein: Das ist halt echt nix.

Wo ist die erhoffte Qualitätssteigerung?

Klar gibt es in dieser Season auch ein paar Titel, die tatsächlich etwas taugen oder bei denen wenigstens die Animation nicht so aussieht, als hätten die Mitarbeiter keine Lust oder Zeit gehabt.

Immer wieder fallen Anime, die vielleicht eine interessante Story haben, durch mittelmäßige bis schlechte Qualität auf. Bestes Beispiel: My Sister is a Writer, für den sich das Team nach einer Weile im Abspann entschuldigt hat.

Obwohl gerade in der angelaufenen Anime-Season im Vergleich zu den Vorjahren erschreckend wenig Anime erscheinen, gibt es zum Beispiel durch den Nachfolger des sehr erfolgreichen One Punch Man hitzige Diskussionen, was unter anderem durch den Studiowechsel passierte. Zwar war die erste Folge kein Totalausfall. Doch ist die Messlatte, die Madhouse mit der ersten Staffel gelegt hat, viel zu hoch.

Es ist doch so: Japan sieht Anime als Exportschlager. Es ist halt etwas, das nur dieses Land produzieren kann und was sich gut verkauft. Tja, wo sie recht haben, Anime gehört zu Japan und Anime-Fans sind bekanntlich oft Menschen, die sehr einfach zu überzeugen sind. Ecchi zieht eigentlich immer (sei es im Westen oder in Japan direkt), ansonsten gilt das Fairy Tail-Prinzip: Freunde schaffen alles und nur zusammen ist man stark.

Zwar möchten die Studios mit ihren Produktionskomiteen und Auflagen auch Geld verdienen – trotzdem sollte vor allem eine faire Behandlung jener Mitarbeiter stattfinden. Denn diese sind die, die den Anime produzieren – der Firmenname ist nur ein eigentlicher Deckmantel. Die Bezahlung in der Branche ist gerade für Neueinsteiger so richtig schön mies. (Liebe Fairy Tail-Fans, bitte nicht lynchen, es ist nur ein Vergleich, ich hätte auch Naruto oder Black Clover schreiben können)

Aber die Industrie hat Blut geleckt, die Regierung fördert es und die westlichen Publisher kaufen fleißig. Dazu wird der Bereich On-Demand immer wichtiger, denn da ist aktuell das meiste Geld zu holen. Netflix und Crunchyroll spielen hier ganz groß mit, auch Amazon lässt sich nicht lumpen und in Deutschland haben wir mittlerweile drei Anbieter, die sich nur auf Anime konzentrieren.

Aber wie maximiert man sein Geld? Richtig, man spart, wirft aber trotzdem viele Anime auf den Markt! Nicht nur, dass die Mitarbeiter oft sehr schlecht bezahlt werden, nein die Studios lagern auch immer öfters aus. Bei My Sister is a Writer wurden die Key Animations gleich von einem Studio im Ausland produziert, weil es halt billiger ist. Aber das sieht man diesen Anime halt auch an.

Bei der Masse fällt es natürlich immer mehr auf. Gerade bei der Frühlings-Season kann man immer mehr Stimmen lesen, die sich kritisch äußern. Viele sagen mittlerweile, dass dies eine der schlechtesten Season ist. Auch wenn es zu jeder Season diese Stimmen gibt, fällt es mittlerweile auf, dass es irgendwie mehr werden.

Bereits in der letzten Season waren einige qualitativ schlechte Anime dabei, trotzdem wird immer mehr produziert. Noch dazu fragt man sich mittlerweile, warum werden bestimmte Geschichten adaptiert? Weil sie gut sind? Nein – weil sie perfekt das widerspiegeln, was Anime-Fans wollen.

Klar, Anime waren schon immer auch gute Werbung für einen Manga und ein Antrieb, um den Merchandise hoch zu treiben. Siehe Gundam, wo es ein riesen Angebot an Merchandise gibt oder gerade hier Naruto. Vollgestopft mit Filler, da der Manga nicht hinterher kam, aber durch den Anime verwandelte sich das Franchise in eine Goldgrube.

Die Frage ist nur, wieso machen wir das eigentlich noch mit? Klar kann man nicht immer Perlen wie Violet Evergarden erwarten, aber immer nur dem einen Esel folgen, weil dieser Geld beim Laufen fallen lässt, wirkt sich nun mal zwangsläufig auf die Qualität aus. Man könnte durchaus einige interessante Manga adaptierten und auch ruhig etwas weniger pro Season auf den Markt werfen. Qualität statt Menge und nicht andersherum.

Der Fan ist nichts weiteres als eine Zahl

Bleibt die Frage, wieso funktioniert das Prinzip? Tja liebe Fans, nicht zuletzt weil ihr es euch anschaut. Außerdem, liebe Publisher: Weil ihr alles kauft, was nicht bei drei auf dem Markt ist (Streaming eingeschlossen). Solange man nicht endlich mal etwas kritischer wird (und nicht nur bei deutschen Synchros, liebe Berufsmotzer), sendet man kein Signal, das in Japan beachtet wird.

Aber nö, es wird lieber inhaliert. Und so geht das Konzept auf – zwar gibt es unter den Fans einige kritische Stimmen, denen ich auch oft Beipflichten muss, wenn ich es lese, aber bei den meisten ist das schlichtweg egal. Es ist Anime, es ist gut und wer was dagegen sagt, hat keine Ahnung.

Hoffen wir also, dass man in Japan auf die eigene Szene hört, denn da werden die Stimmen immer lauter und auch die Verkaufszahlen zeigen dort deutlich, dass irgendetwas nicht stimmt.

So und nun würde mich mal interessieren, welchen Anime ihr in dieser Season als eurer Highlight betrachtet! (Achtung, die Mobile Version unserer Seite hat keine Kommentarfunktion).

In diesem Sinne,

Micha und Animespiegel.

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5 Kommentare

  1. Generell werden die Anime nicht schlechter. Klar, die erhöhte Quantität bringt auch quantitativ mehr qualitativ „schlechtere“ Serien mit sich. Früher war auch schon „schrottiges“ mit dabei, hat man im Westen aber wohl auch nicht so zu Gesicht bekommen wie heute, wo fast alles legal streambar. Die Perle in dieser Season, für mich auch mit einer der besten Anime der letzten Jahre, ist „Kimetsu no Yaiba (Demon Slayer)“. Und über Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten, so stehe ich auch auf so einfachen kawaii-getränkten Slice of Life Non-sense wie Hitoribocchi. Die katastrophalen Arbeitsverhältnisse der Produktionen bei verschiedenen Serien werden ja zunehmend international publik und stossen nicht gerade auf Begeisterung bei den Anime-Fans. Vor allem, wenn das dann auch in den Animationen deutlich sichtbar wird. Beispielsweise im Frühjahr 2018 bei der Serie „Märchen Mädchen“. Die letzteren Episoden waren sowas von extrem schlecht in der Animation, daß es auch zum vorzeitigen Abbruch der Serie kam. Schließlich wurde die Serie dann aufgearbeitet und vor kurzem abgeschlossen. Ein gutes Bild hat das nicht auf das Studio geworfen und so was macht sich letztlich auch wirtschaftlich negativ bemerkbar. Von daher werden diese Umstände und Verschlechterungen nicht die Zukunft des Anime sein.

  2. Für mich ist das schon seit Jahren nichts mehr neues. Masse statt Klasse.
    Ich selber mache das auch nicht mehr mit. Im Vergleich zu früher schaue ich auch deutlich weniger Animes. Auch aus zeitlichen Gründen. Im Grunde genommen konsumiere ich da deutlich bewusster und selektiere stärker aus, weil ich meine wertvolle Zeit nicht mit Schrott und oft auch nicht mit durchschnittlicher Einheitsware vergeuden will. Was nach „Standard“ aussieht wird gnadenlos aussortiert. Ich behaupte mal, dass ich mir im laufe der Jahre da ein gutes Gespür für entwickelt habe.
    Übrig bliebt dann der bescheidene Rest, der wirklich gut ist. Klar, nicht immer gleich ein Meisterwerk, aber zumindest etwas, was wirklich mal was anderes probiert und für nette Unterhaltung sorgt.

    Ich glaube übrigens nicht, dass Animes allgemein qualitativ schlechter werden. Es sind einfach nur immer mehr geworden. Da ist entsprechend quantitativ auch mehr Schrott mit dabei. Die Perlen gibt es ja immer noch und ich glaube nicht, dass es damals deutlich mehr von denen gab. Sollte ich mich da irren kann man mich natürlich auch korrigieren.

  3. Ich denke, das die westliche Käufer auch einige paar weniger geliebten Anime im paket mit kaufen müssen um eigentlich an die eigentlichen Anime Lizenz ran zubekommen. Aber sonnst kann man den Beitrag beipflichten- aber eigentlich ist die Entwicklung ganz normal, den wo Quantität statt Qualität als Vorgabe existieren. Man soll auch im Kopf behalten, das die Animes hauptsächlich die Manga pushen sollen, mehr nicht. Nun kommen ab und zu nun die westlichen Einkäufer, mit denen man zusätzlich Geld verdienen kann.

  4. Also ich muss euch beiden Beiplichten. Vor allem Crunchyroll lizensiert (fast) jeden Scheiß. Dabei hoffen sie, dass ein Megahit dabei ist, wie beim der letzten Season „The Rising of the Shield Hero“, ein typischer Isekai-Spross, mit Waifu-Bait, die an den männlichen Beschützerinstinkt appelliert. Auch durchaus interessant ist das Raphtalia in der zweite Folge gezwungen wird zu kämpfen und das Internet felsenfest davon überzeugt zu seiein scheint, dass Naofumi sie nie zu irgendetwas gezwungen hätte. Es wird bei den Diensten vor allem auf die Zahlen geguckt, so werden bei Anbietern wie AOD, WAKANIM und Amazon Prime Video nur „besondere“ Anime ausgewählt, sei es in ihrer Qualität bzw. ihr Potential beliebt zu sein. Auch ich wünsche mir mehr Qualität und Abwechslung in der Season. Das ist natürlich auch Schuld der Anime Studios, aber der größte Teil des Problems ist der Zuschauer, der keine Erwartungen oder Qualitätsstandards hat, der alles abnickt. Das zu ändert, wird jedoch sehr schwierig. Wenn es mehr Bedarf nach Qualität gibt, wird es welchen geben. Man muss nur wollen.

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