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Nachgefragt: Warum legales und nicht illegales Anime-Streaming?

Im digitalen Zeitalter nimmt Anime-Streaming immer weiter zu. Deutschland mag von der Internet-Bandbreite her zwar noch nicht optimal ausgebaut sein, dennoch finden pro Season reichlich Simulcast-Titel Einzug in den deutschsprachigen Raum. Inwiefern beeinflusst jeder einzelne die Produktion von Anime, wenn er die Titel legal bezieht?

Zwischen welchen Lizenzarten unterscheidet man?

Publisher wie beispielsweise Kazé, peppermint anime, Nipponart und Anime House erwerben Lizenzen für den Verkauf von DVDs und Blu-rays – zwischen beiden Medien wird übrigens unterschieden, demzufolge kommen zwei unabhängige Lizenzverträge zustande.

Video-on-Demand-Anbieter wie Crunchyroll, Wakanim und Anime on Demand machen von dem Erwerb von Internetrechten Gebrauch. Wiederum kaufen Sender wie ProSieben MAXX TV-Rechte. Weiterhin differenziert man beispielsweise zwischen Kinorechten, Mobilerechten und den Merchandise-Lizenzen.

Die meisten Publisher kaufen jedoch gleich mehrere Lizenzen gebündelt, wenn sie Titel erwerben.

Bedingungen, die an eine Anime-Lizenz geknüpft sind

Dies lässt sich nicht pauschalisieren und wird von jedem Lizenzgeber unterschiedlich gehandhabt. Allerdings gibt es gewisse Anforderungen, die üblicherweise gestellt werden. So wird die Laufzeit der Lizenz geregelt. Wenn diese abgelaufen ist, darf der Titel hierzulande nicht mehr vertrieben, gestreamt oder ausgestrahlt werden. Des Weiteren legt man vertraglich fest, an welches Medium die Lizenz geknüpft ist (Kino, TV, DVD, Blu-ray, VoD etc.). Zudem werden die Lizenzgebühren bestimmt. Dabei handelt es sich um einen Prozentsatz, der vom Gesamtumsatz an den Lizenzgeber geht – demnach eine Gewinnbeteiligung.

Wie läuft das Ganze bei Streaming-Lizenzen, wollten wir von Crunchyroll wissen …

Inwiefern beeinflusst das legale Anschauen von Anime-Serien – egal ob auf Crunchyroll oder anderen Plattformen – dass eine Serie eine Fortsetzung erhält oder eben nicht?

Der legale Konsum von Anime im Westen kann die Chance darauf durchaus erhöhen. Einerseits erhalten die Lizenzgeber so natürlich die Einnahmen durch die anfängliche Lizenzierung, andererseits kriegen sie auch verlässliche Zahlen zur Beliebtheit der einzelnen Anime. Hinzu kommt dann noch in unserem speziellen Fall die zusätzliche Aufteilung unserer Einnahmen mit Japan (dazu weiter unten mehr). Man merkt ja schon an größeren Serien wie „Food Wars“ oder „My Hero Academia“, dass heutzutage nicht alles einfach nach einer Staffel „offen“ gelassen wird – der Erfolg im Westen trägt da durchaus seinen Teil zu bei, da dies ja auch direkt mit dem erhöhten legalen Konsum von Anime korreliert.

Ein weiterer Aspekt, der in den letzten Jahren immer größer geworden ist, sind die Co-Produktionen. Crunchyroll sitzt beispielsweise seit nun schon über zwei Jahren in diversen Produktionskommittees und bezahlt aktiv die Produktion von Serien wie z. B. „Masamune-kun’s Revenge“, „A Place Further than the Universe, citrus“, „Classroom of the Elite“ oder „Recovery of an MMO Junkie“ mit. Auch Netflix trägt finanziell immer mehr zur Produktion von diversen Anime bei. Das zu bezahlen, wäre nie möglich, ohne die Unterstützung der Leute, die ihre Anime legal schauen. Wenn nun eine dieser Serien außerordentlich oft legal geschaut wird, merkt das dementsprechend somit direkt eine der finanzierenden Firmen hinter dieser Serie.

Hierbei möchte ich allerdings auch die Chance nutzen, um einen Irrglauben aufzuklären, der sich ein wenig in der Community festgesetzt hat: Dass Anime ausschließlich als Werbung für den Manga oder die Light Novel produziert werden. Dies mag vielleicht die Hauptmotivation des jeweiligen Manga-/Light-Novel-Publishers sein, jedoch sitzen in so einem Produktionskommittee ja noch viele andere Firmen – TV-Sender, die es bei sich ausstrahlen wollen, Musikproduzenten, die CDs verkaufen möchten, Merchandisehersteller und evtl. sogar Crunchyroll oder Netflix, die es von Anfang an mitproduzieren, um es dann im Westen zu vermarkten.

Wenn ein solcher Anime also nicht fortgesetzt wird, liegt es eher daran, dass sich z. B. die Gesamteinnahmen nicht überschlagen haben, nicht daran, dass von Anfang nur eine „Werbestaffel“ geplant war. Wenn ein Anime für sich selbst erfolgreich genug ist, kann da durchaus eine Fortsetzung produziert werden – auch wenn der „gewünschte Werbeeffekt für die Vorlage“ bereits erzielt wurde. Serien wie „Attack on Titan“, „Food Wars“ oder „My Hero Academia“ belegen das wunderbar und zeigen, wie wichtig die Unterstützung aus dem Westen ist.

Food Wars!
Food Wars! / Bild: Yuuto Tsukuda, Shun Saeki/Shueisha, Totsuki gakuen Douga

Nennt uns doch bitte mal ein Beispiel, wie sich der Gewinn des japanischen Lizenzgebers in etwa berechnet, wenn Konsumenten eine Anime-Episode (oder -Serie) bei Crunchyroll anschauen?

Crunchyroll bezahlt Japan effektiv auf zwei Arten: einmal die „normalen“ Lizenzgebühren und dann zusätzlich die 50% Beteiligung an den Einnahmen. Ersteres ist dabei die Standardgebühr, welche jeder zahlen muss, der sich die Rechte an einem Anime sichern will. Diese variiert je nach Anime und setzt sich meist aus der Bezahlung für viele verschiedene Rechte, wie die Lizenz für den Stream, für eine Discauswertung, für Merchandise und diverse andere zusammen. Die Höhe dieser Summen ist aber natürlich vertraulich.

Was bei Crunchyroll jedoch besonders ist, ist die 50%-ige Beteiligung mit Japan. Grundsätzlich gehen 50 % aller Einnahmen durch eine Person an die Macher der Serie, die besagter Zuschauer konsumiert hat. Wenn man also seine 5 € im Monat zahlt und dabei 50 % der Zeit „Naruto“ und 50 % der Zeit „Food Wars“ schaut, erhält jede der beiden Parteien jeweils 1,25 €. Die anderen 2,50 € nutzen wir dann, um Server, Personal und weitere Kosten zu decken. Dieselbe Aufteilung gilt dabei natürlich auch für die Werbeeinnahmen bei kostenlosen Nutzern. Durch dieses System ist gegeben, dass man als Zuschauer auch direkt die Leute unterstützt, deren Serien man konsumiert.

Allein durch diese 50%-ige Beteiligung konnten wir Japan bereits über $100 Millionen zukommen lassen – zusätzlich zu den normalen Lizenzgebühren und Selbstbeteiligungen durch Co-Produktionen!

Was setzt ihr als Streaming-Plattform dem Argument entgegen, Anime nicht legal beziehen zu wollen, da der Hauptabsatzmarkt der japanischen Produzenten die DVD/Blu-ray oder Merchandise-Verkäufe sind?

Dem würde ich entgegenbringen, dass es schlicht eine falsche Annahme ist. Der Discmarkt in Japan macht nur einen kleinen Bruchteil der Einnahmen des Anime-Marktes aus. Wenn man sich den Anime Industry Report ansieht, kann man sehen, dass bei über 2 Billionen Yen an Einnahmen in 2016 die Discverkäufe lediglich knapp unter 79 Milliarden Yen betrugen.

Im Vergleich hierzu brachte der nicht-japanische Markt ganze 767 Milliarden ein – also beinahe das Zehnfache! Auch die Merchandise-Verkäufe liefern hier „nur“ 562 Milliarden Yen. Die Einnahmen außerhalb Japans nehmen also sogar den ersten Platz ein, wenn es darum geht, die Industrie mitzufinanzieren. Die Discverkäufe in Japan sind also bestenfalls ein Indikator zur Beliebtheit (und dadurch dem Erfolg) einer Serie, aber keinesfalls etwas, dem man die absolut allerhöchste Wichtigkeit zuschreiben sollte.

(Kleine Anmerkung zur Grafik: Es ist bitte zu beachten, dass „Internet Distribution“ hier „Domestic“ – also nur innerhalb Japans – ist. Westliche Streamingdienste zählen hier zu „Overseas“ und machen dabei auch einen beträchtlichen Anteil der Gesamtsumme aus.)

Quelle: AJA

 

Was haben die Japaner schlussendlich von einer Lizenzierung außerhalb Japans?

Selbstverständlich möchten die Anime-Produzenten Geld verdienen. Ziel ist es, große Lizenzpakete international an den Mann zu bringen. Ist z. B. der Anime in Deutschland erfolgreich, lockt man hierzulande gegebenenfalls Merchandise-Interessenten an, die Lizenzen für Fanartikel kaufen.

Außerdem tragen Auslandslizenzen einen großen Teil dazu bei, die immensen Kosten eines Anime-Projektes zu finanzieren. Man kalkuliert sie bereits von Beginn an bei der Sicherstellung der Produktionskosten mit ein. Soll heißen: Ohne internationale Lizenzen lassen sich also die Ausgaben nicht decken, was selbstverständlich kontraproduktiv wäre. Das ist übrigens ein sehr gängiges Bestreben in der Filmbranche. Kein teurer Hollywood-Blockbuster lässt sich allein durch den Verkauf von Produkten im Produktionsland finanzieren.

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4 Kommentare

  1. Ansich finde ich den Artikel ebenfalls informativ, aber ich finde die Aussage etwas fraglich dass das Ausland eine so wichtige Rolle für die japanische Animeproduktion ausmacht, da man ansonsten mehr Titel umsetzen oder fortsetzen würde die im Ausland populär sind.
    Der japanische Markt ist weiterhin der Absatzmarkt Nummer 1, was unteranderem daran liegen könnte das man dort deutlich mehr Geld generieren kann als wie im Ausland.
    Streaming im legalen Sinne unterstützt durchaus, aber das ist eher ein kleiner Teil im Vergleich zu dem Merchandise etc. Gewinn innerhalb Japans.
    Damit das Ausland auch wirklich den japanische Markt unterstützen kann bzw. genau so relevant wird wie dre japanische, ist es weiterhin notwendig diesen über BDs, Merchandise etc. zu unterstützen.
    Crunchyroll und Co. werden kaum den Animemarkt in Japan retten mit ihren Streamingeinnahmen….vielleicht Netflix, aber die investieren eher nach Japan womit die Japaner kein wirklichen „Minus“ machen können durch die finanzierte Produktion zu 100%

    Ansonsten….ich finds echt schade dass der Katalog nicht international angepasst ist und wir in DE weiterhin weniger zu Gesicht bekommen als die USA und solange sich das nicht ändert, wird man wohl weiterhin auf andere Methoden ausweichen.
    Kann man teilweise verstehen, warum jeden Monat Geld zahlen wenn vieles nur auf „anderem“ Wege zu holen ist. Steam hat ja gezeigt das sowas einfach ist wenn „alle“ das selbe haben „bis auf sehr sehr sehr wenige Ausnahmen“.

    • Worauf stützt du denn die Aussage, dass westliche Lizenzen nicht wichtig seien, wenn ich mal fragen darf? Der Artikel dokumentiert es eigentlich sehr genau, dass es anders herum ist. Und selbst die Japaner belegen dies in ihren Wirtschaftsstatistiken.

      • Es macht einen großen Unterschied ob ich nun sagte „nicht wichtig“ oder „weniger wichtig“, erst recht wenn ich davon sprach das weiterhin BD Käufe, Merchandising etc. auch im Ausland notwendig ist um den Markt zu unterstützen.
        Meine Aussage beruht allein darauf, das allein Crunchyrolls Einnahmen im Streamingsegment nicht ausreichend sind, wenn man die anderen Bereiche im Ausland ignoriert.
        Ich würde mir ungern wünschen das Leute irgendwann so weit sind, das sie davon ausgehen das mit einem Abo auf CR allein der Markt mehr als ausreichend unterstützt wird und man sich nicht an „mehr“ beteiligen muss.

        Ansonsten hab ich die Frage in den Raum gestellt, wie es sein kann das bei einem relevanten westlichen Markt nicht mehr Titel umgesetzt werden, Fortsetzungen erhalten etc. die im Westen beliebt sind. JoJos Studio ist vor kurzem geschlossen worden, obwohl der Titel sich recht großer Beliebtheit hier im Westen erfreut.

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