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Nachgefragt: Warum legales und nicht illegales Anime-Streaming? Teil 2

Zuletzt befragten wir Crunchyroll zu dem Thema, inwiefern legales Anime-Streaming die Anime-Produktion unterstützt. In unserem zweiten Teil befassen wir uns mit weiteren Faktoren aus der Sicht von KAZÈ und dessen kostenpflichtigen Streaming-Dienst Anime on Demand.

KAZÈ gehört zu jenen deutschen Publishern, die sowohl Streaming- als auch DVD- und Blu-ray-Lizenzen erwerben. Zwischen allen drei genannten Lizenzen wird unterschieden und man erwirbt sie separat voneinander. Die einzelnen Lizenzverträge legen unter anderem die Lizenzgebühren und Lizenzlaufzeiten fest. Welche Bedingungen zudem an die Verträgen geknüpft sind, das variiert unter den japanischen Lizenzgebern.

Ein erheblicher Kosten- und Risikofaktor ist für Publisher die Minimumgarantie, um die Lizenz überhaupt ergattern zu können. Bei dieser garantiert der Publisher dem Lizenzgeber eine Mindestabnahmemenge, die bereits im Voraus komplett an die Japaner bezahlt wird. Beispiel: Man setzt sie auf 2000 verkaufte DVDs an. Diese bezahlt der Publisher noch vor dem eigentlichen Verkaufsstart an den Lizenzgeber – er geht demnach in Vorkasse. Um kein Minusgeschäft zu machen, müssen die 2000 DVDs an den Mann gebracht werden. Eine Geldzurückgarantie gibt es keine, wenn die Anzahl nicht erreicht wird. Erst wenn der Verkauf die 2000-Markte überschreitet, macht der Publisher ein Plus. Ab diesem Zeitpunkt gehen lediglich die prozentualen Lizenzgebühren an den Lizenzgeber.

Kostenfaktor – eine Ausrede fürs illegale Beziehen von Anime

Neben dem Discverkauf bietet KAZÈ mit Anime on Demand einen eigenen Streaming-Service an. Während beispielsweise Crunchyroll einem Accountbesitzer die Option bietet, mit bestimmten Einschränkungen (z.B. Zeitverzögerungen, Einblendung von Werbung) komplette Serien kostenlos anzuschauen, bietet Anime on Demand lediglich die erste Folge kostenfrei an.

Yoshihiko Umakoshi, My Hero Academia Artikelbild 5

Auf illegalen Seiten kostet das Anschauen nichts. Aber auch bei vielen legalen Anbietern kann man ganze Serien kostenlos schauen. Warum macht es einen Unterschied, ob man eine Serie hier oder da schaut?

Das sind zwei verschiedene Dinge. Der Unterschied zwischen legalen und illegalen Angeboten besteht zuerst einmal daran, dass letztere keine Lizenzgebühren zahlen und somit kein Geld zurück in die Anime-Industrie fließt. Da Animes rein privat finanziert werden, bedeutet das einen Einnahmenverlust, der die Existenz der Studios und zukünftige Produktionen bedroht. Außerdem besteht bei illegalen Seiten natürlich immer die Gefahr, sich mit Malware zu infizieren.

Kostenlose und kostenpflichtige legale Streaming-Angebote unterscheiden sich in der Art, wie Einnahmen für die Lizenzgebühren generiert werden. Bei ersteren geschieht das über Werbung. Für einen werbefreien, legalen und sicheren Streaming-Zugang in optimaler Qualität müssen Nutzer dann natürlich einen geringfügigen Betrag entrichten, damit dieses Angebot überhaupt zur Verfügung gestellt und zudem die Finanzierung der Anime-Produktionen über Lizenzgebühren sichergestellt werden kann.

Welchen Einfluss nehmen illegale Streams auf euer Anime-Angebot – ob nun digital oder als Disc-Release?

Die Werbewirkung für noch unbekannte Titel, die man Fansubs früher einmal zugesprochen hat, gibt es heute so nicht mehr. Mittlerweile decken die legalen Simulcast-Anbieter das aktuelle japanische Programm nahezu flächendeckend und zeitnah ab. Illegale Seiten sind jetzt nur noch Zweitverwerter, die beispielsweise den Content direkt von Anime on Demand kopieren und dann illegal weiterverbreiten. Von daher sind illegale Streams vor allem eine Gefahr für die Finanzierung, Entwicklung und Verbesserung legaler Angebote und Veröffentlichungen.

Anime on Demand bietet jeweils nur die erste Episode kostenlos an. Habt Ihr keine Angst, dass die Fans danach zu illegalen Streams abwandern und die Serie dort weitergucken?

Die kostenlose erste Episode ist ein Angebot an alle Interessierten, zum einen Anime on Demand qualitativ auszutesten und sich andererseits auch einen Eindruck von einer Serie zu machen, bevor sie Geld dafür ausgeben. Das gilt natürlich insbesondere für DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen. Hier sagen viele Fans ja, dass sie illegale Angebote nutzen, um Serien erst mal anzutesten, bevor sie die oft recht hohen Preise für die Disc-Releases zahlen. Dafür stellt ihnen Anime on Demand eine legale Alternative zum Reinschnuppern zur Verfügung.

Hier gehen dann aber die Meinungen auseinander, was man unter „antesten“ versteht. Viele Fans bestehen als Ausrede für illegale Portale darauf, sich eine Serie erst komplett anzuschauen, bevor sie bereit sind, eine Entscheidung zu treffen, ob ihnen der Titel denn auch Geld wert ist. Das ist dann so, als ginge man ins Kino und würde erst nach dem Film entscheiden, ob man das Ticket dafür bezahlen will.

Ich denke, wer nach der ersten Folge interessiert genug ist, weiterschauen zu wollen, ist damit an dem Punkt, wo es gerechtfertigt wäre, für eine werbefreie Fassung Geld auszugeben. Und wer noch ein paar Episoden mehr zur Entscheidungsfindung braucht, kann diese ja auch einzeln günstig auf Anime on Demand leihen. Davon abgesehen, knapp 10 Euro im Monat für den uneingeschränkten Zugriff auf den gesamten Anime-on-Demand-Katalog, inklusive aller Synchronfassungen, sind ja nun wirklich bezahlbar.

bleach Vol 2 screen
© Tite Kubo/Shueisha, TV TOKYO, dentsu, Pierrot

Wertet ihr die Beliebtheit der Serien auf Anime on Demand aus und beeinflusst das auch eure Disc-Sparte (z. B. nachträglicher Erwerb der Disc-Rechte)?

Natürlich schauen wir uns an, wie Titel auf Anime on Demand funktionieren, um daraus ein mögliches Home-Entertainment-Release später besser kalkulieren zu können. Publikumsstruktur und Erwartungshaltungen sind in beiden Bereichen aber auch sehr verschieden. Da spielen also noch viele andere Faktoren in den Entscheidungsprozess mit hinein.

Einige eurer Konkurrenten bieten zumindest Teile ihres Sortiments auch werbefinanziert und mit Einschränkungen an. Könnte man damit nicht noch mehr Nutzer erreichen?

Eine Werbefinanzierung war für Anime on Demand nie eine Option. Bei uns stand immer die Streaming-Qualität im Vordergrund, und darüber versuchen wir uns von anderen Anbietern abzuheben, neben unserem großen Back-Katalog gerade auch an synchronisierten Titeln. Klar erreicht man mit Gratisangeboten mehr Leute, aber das bedeutet ja nicht, dass dadurch die Einnahmen auch höher ausfallen. Das sind einfach zwei völlig verschiedene Finanzierungsmodelle, die man schwer direkt miteinander vergleichen kann.

Anime on Demand verzeichnet über die letzten Jahre jedenfalls ein sehr gesundes Wachstum. Das ist ein gutes Zeichnen dafür, dass unsere Art des Angebots den Fans auch das Geld wert ist.

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