Auf Weltraumtour: Der äußere Kreis der Sailor-Kriegerinnen

Ebenso bekannt und beliebt wie Sailor Moon sowie ihr engerer Zirkel von Mitstreiterinnen sind die Kriegerinnen der äußeren Planeten.

Ihr habt euch bestimmt, genauso wie ich, schon mal gefragt, wieso zum Beispiel gerade Saturn anfänglich so überhaupt nicht gewollt war oder warum Pluto meist nur von der Seitenlinie mitspielen darf. Auch der Stärkeunterschied zwischen den Senshis der verschiedenen Kreise war, zumindest für mich, schon von Anfang an ein Rätsel. Die Kriegernamen der Figuren sind hingegen sehr schnell erklärt. Ein Blick in den nächsten Weltraumatlas reicht. Da nicht alle unsere Leser unbedingt Astronomie in der Schule belegten, mache ich mich auf eine kleine Reise zu den äußeren Gestirnen. Dabei habe ich schnell bemerkt, dass sich alle Charaktere in ihren Himmelskörpern wiederfinden. Für Fans von Sailor Moon und ihrem inneren Kreis geht es hier weiter.

Sailor Uranus – Tenno Haruka

Der Uranus ist von der Sonne aus gesehen der siebte Planet im Sonnensystem, seine astronomischen Symbole werden als Astronomisches Symbol des Uranusund Astrologisches Symbol des Uranus dargestellt. Beide Zeichen sind offiziell anerkannt, und ich vermute, dass Takeuchi-sensei sich für das letztere entschieden hat, da das erste leicht mit dem von Mars verwechselt werden kann. Unterscheiden sie sich doch bei genauem Hinsehen nur durch den Punkt im Inneren und die Ausrichtung des Pfeils. Sein Name stammt vom altgriechischen Uranos und bedeutet »Himmel«. Der Stern wurde 1781 von Wilhelm Herschel entdeckt und sollte ursprünglich auch nach ihm benannt werden. Da alle anderen zu diesem Zeitpunkt bekannten Planeten den Namen römischer Götter trugen, hat sich die internationale Weltraumorganisation schlussendlich für Uranus entschieden. Gott sei Dank, würde ich sagen, Sailor Herschel klingt wirklich mehr als ein bisschen befremdlich.

Uranus und Neptun sind sich physikalisch extrem ähnlich. Sowohl was die Masse als auch die Größe angeht, unterscheiden sie sich nur minimal. Uranus ist der drittgrößte Planet im Sonnensystem. Neptun folgt auf Platz vier. Die beiden sind auch die einzigen in unserem Kosmos, welche eine größere Menge Eis in ihrem Inneren tragen und deswegen auch Eisriesen genannt werden. Somit kommt die enge Verbindung der zwei Kriegerinnen nicht von ungefähr. Ebenso die strikte Abgrenzung zu den anderen könnte man hieraus erklären, denn die beiden sind nur schwer zu überreden, mit den restlichen Senshis zusammenzuarbeiten. Gleiches gilt für Pluto und Saturn. Beide sind in dem Zusammenhang schon wegen ihrer eher kurzen Auftritte mehr Gäste als feste Bestandteile im Team. Dieser Eindruck entsteht vor allem im Anime, wo nicht weiter auf das private Leben der vier zum Ende hin eingegangen wird. Im Manga leben sie zusammen und übernehmen die Erziehung von Hotaru, bis diese ihren Wachstumsschub der etwas anderen Art bekommt. Ich sage nur Wiedererweckung.

Während Jupiter braun bis rötlich erscheint, ist bei Uranus eine eher blaugrüne Färbung zu erkennen, daher auch seine Verbindung zum Himmel. Diese Farbgebung wird durch seine obere Wolkenschicht aus Methangas gesteuert. Das Gas absorbiert den rötlichen Teil des Sonnenlichts und lässt nur den blauen durch.

© 1992 Toei Animation Co.Ltd © Naoko Takeuchi/PNP

Wie alle Gasriesen besitzt Uranus ein eigenes Ringsystem, auch wenn die einzelnen Teile sehr schmal und durch große Leerräume getrennt sind. Deswegen erkennt man sie nur schwer. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Planet eine riesige Korona (zwei Uranusradien) besitzt, deren große Hitze bremst praktisch alle kleineren Partikel ab. Somit sind die einzelnen Ringe sehr staubarm. Auch besitzen nicht alle eine runde Form oder liegen in der Äquatorebene. Eine gute Vorstellung davon liefert der Animeangriff, den Uranus zu Anfang verwendet. Dort hat der Planet zwar Ringe, diese liegen, wenn man so will, quer über der Oberfläche und kreuzen sich, wobei dies eher der künstlerischen Freiheit der Zeichnerin als tatsächlichen Begebenheiten geschuldet ist. Des Weiteren hat auch Uranus natürlich seine eigenen Monde, immerhin 27 mit einer Größe zwischen 10 und 1600 Kilometern sind inzwischen bekannt. Die Erforschung ist aktuell nicht abgeschlossen, da kann also noch so einiges entdeckt werden. Vielleicht findet eine blickige Sonde ja irgendwann den Uranuspalast gut unter den dicken Wolken versteckt.

Sailor Neptun – Kaio Michiru

Neptun ist, von der Sonne aus gesehen, der achte und damit äußerste Planet in unserem Sonnensystem. Nach Uranus ist er der viertgrößte, und zusammen bilden die beiden als einzige aktuell bekannten Vertreter die Gruppe der Eisriesen. Seinen Namen verdankt der Planet dem römischen Meeresgott, und auch sein Zeichen wurde von diesem adaptiert. Sein Symbol ♆ ist dem Dreizack des Gottes nachempfunden. Diesen findet man auch auf allen wichtigen Accessoires von Sailor Neptun wieder, sowohl ihr Stab als auch der Spiegel sind mit ihm verziert. Neptun kann zurzeit immerhin schon 14 Monde sein Eigen nennen, wobei der größte, Triton, mit 2700 Kilometern Durchmesser die Trabanten von Uranus locker aus dem Feld schlägt. Da der Planet nach dem römischen Herrn des Meeres benannt wurde, hat man für seine Monde Namen untergeordneter Meeresgötter gewählt.

Neptun gehört wie alle äußeren Planeten zu den Gasriesen, und auch seine blaue Farbe wird, wie bei Uranus, durch Methan an seiner Oberfläche verursacht. Aktuell geht die Astronomie davon aus, dass ebenfalls die Zusammensetzung der beiden mehr oder weniger einheitlich ist. Da er den größten Abstand zu Sonne hat, bekommt der Himmelskörper auch nur sehr wenig Wärme von dieser ab und kann so Temperaturen von – 218 °C vorweisen. Somit ist Neptun der kälteste Planet in unserem Sonnensystem. Kein Wunder also, dass Michiru zeitweise ein eher frostiges Wesen an den Tag legt. Ausgleichend zu Harukas aufbrausendem Gemüt ist sie eher der ruhige Gegenpart, und die klassische kühle Schönheit kann ihr nun wirklich niemand absprechen.

Im Gegenzug zum kalten Kern geht auf der Oberfläche Neptuns so richtig die Post ab, dynamische Stürme mit knapp 2100 km/h tummeln sich dort. Nirgends in unserem Kosmos wurden höhere Geschwindigkeiten gemessen als in der Atmosphäre des Meeresgestirns. Von Orkanen zu sprechen, wäre hier zwar fast untertrieben, dass diese zu Neptuns Attacken gehören, ist aber perfekt gewählt. Auch im Anime hat man sich bei der Darstellung ihrer Angriffe sehr genau an die Physionomie des Neptuns gehalten, denn Michirus Planet verfügt über ein feines azurfarbenes Ringsystem, das aus mehreren ausgeprägten Ringen und ungewöhnlichen Ringbögen besteht.

Im ostasiatischen Raum wird Neptun wörtlich als »Meerkönig«-Stern übersetzt, also kann auch Michiru ihre königliche Herkunft aus dem Namen ihres Gestirns ableiten. Gasriese muss man sein, und schon steckt die royale Herkunft im Namen. Da hat Usagi wirklich Glück gehabt, dass sie die Prinzessin aller Prinzessinnen ist, wobei Michiru in dieser Rolle gewiss auch eine gute Figur abgegeben hätte.

Sailor Pluto – Maio Setsuna

Pluto ist zurzeit der größte bekannte Zwergplanet, und sein astronomisches Symbol zeigt das Astronomisches Symbol des Pluto, wobei auch dieses Zeichen Astrologisches Symbol des Plutomitunter benutzt wird. Das erste ist zwar nicht gerade kreativ, aber immerhin hat es noch für ein eigenes Emblem gereicht. Wieso sich die Zeichnerin allerdings für das abgewandelte P entschieden hat, ist mir persönlich ein Rätsel. Das andere Zeichen hätte ich eigentlich schöner gefunden. Der Pluto wurde nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt. Tradtionell tragen alle Planeten die Namen römischer Götter, zum Zeitpunkt seiner Entdeckung gehörte auch Setsunas Schutzstern noch in diese Kategorie. Da hat er Glück gehabt, die meisten anderen Zwerge mussten sich mit Kennnummern zufriedengeben. Da würde Setsuna in der Riege der Kriegerinnen schon ziemlich gegen den Strom schwimmen, Sailor 134340 klingt nicht nur unkonventionell, sieht auch ziemlich na ja aus. Sie kommt schon selten genug vor und fällt durch ihre spezielle Rolle als Wächterin der Zeit auch so bereits aus dem Rahmen. Fast könnte man meinen, Takeuchi-sensei wusste bereits damals, dass Pluto bald nicht mehr so wirklich dazugehören würde. Inzwischen wurde der Kuipergürtel weiter erforscht, und es konnten mehrere Objekte von plutoähnlicher Größe entdeckt werden. Viele davon tragen inzwischen eigene Namen wie zum Beispiel Eris, somit wäre also noch Material für die nächste Generation Kriegerinnen vorhanden.

Seit seiner Entdeckung am 18. Februar 1930 galt der Zwerg als der äußerste Planet unseres Sonnensystems. Genau wie die meisten anderen hat Pluto einen natürlichen Satelliten, den verhältnismäßig großen Charon. So wird mitunter auch vom »Doppelsystem Pluto-Charon« gesprochen, da der Stern an sich nur knapp doppelt so groß ist wie sein Trabant, vergleicht man zum Beispiel Erde und Mond haben wir ein Verhältnis von 1:4. Charon ist in der griechischen Mythologie der Fährmann der Unterwelt und wird meist in einem schwarzen Umhang dargestellt, was unter Umständen auch Setsunas eher dunkel gehaltenes Outfit als Sailor-Kriegerin erklärt. Bis am 24. August 2006 die Internationale Astronomische Union den Begriff »Planet« neu definierte, waren die Verhältnisse im Kosmos klar. Zu diesem Zeitpunkt wurden immer neue, ähnliche große Flugkörper im sogenannten Kuipergürtel entdeckt, was dazu führte, dass Pluto seinen Planetenstatus verlor und zum Zwergplaneten degradiert wurde.

Über die Beschaffenheit von Pluto ist aktuell ebenso wenig bekannt wie über Setsunas Vergangenheit im Manga/Anime. Was wir zur Zeit wissen, ist, dass Pluto einen Durchmesser von lediglich 2370 Kilometer besitzt und somit deutlich kleiner ausfällt als die sieben größten Monde in unserem Sonnensystem. So gesehen ist Zwerg also gar nicht mal so falsch. Was seinen Aufbau angeht, ist er wahrscheinlich Triton sehr ähnlich. Wenn man bedenkt, dass dieser nicht nur kältere Temperaturen, sondern auch größere Ausmaße erreicht, ist das schon ein starkes Stück. Durch diese Verbindung passt Pluto also sehr gut in die Gruppe der Outer-Senshis, auch wenn er so gesehen keinen Planetenstatus mehr innehat.

Sailor Saturn – Tomoe Hotaru

Saturn ist der zweitgrößte Planet in unserem Sonnensystem. Seit alters her wird er auch als Ringplanet bezeichnet. Seine äußeren Ringe sind von der Erde her mit bloßem Auge zu erkennen. Den Namen verdankt der Planet dem römischen Gott des Reichtums und der Ernte. Saturns astronomisches Symbol, das ♄, ist dessen stilisierte Sichel. Es verwundert schon, dass Saturn in Sailor Moon die Kriegerin des Todes darstellt, gilt doch die Ernte als Zeichen für Leben und Fruchtbarkeit. So gesehen ist ihre Ankündigung, dass sie das Alte zerstören muss, damit etwas Neues entstehen kann, eine Neuinterpretation des Erntegedankens. Die Erde wird von der vergangenen Ernte befreit, um eine neue Aussaat zu ermöglichen. Auch wurde der Stern als Symbol für Maß und Ordnung gesehen. Saturn hatte aber auch seine dunklen Seiten. So wurde er als Bote des Unglücks verstanden. Der Ringplanet brachte Sorgen, Krankheiten und harte Arbeiten mit sich. Dieser Punkt passt sehr genau zu Hotaru, wird sie anfangs doch als kränklich und nicht bei guter Gesundheit dargestellt.

Auch der Saturn gehört zu den sogenannten Gasriesen, der eine besonders geringe Dichte aufweist. Alle seine Bestandteile sind unter Normalbedingungen wesentlich leichter als Wasser, kein anderer Planet in unserem Sonnensystem kann diese Fähigkeit vorweisen. Aktuell sind 62 Monde bekannt, die den Saturn auf verschiedenen Bahnen umkreisen. Der größte, Titan, besitzt einen Durchmesser von 5150 Kilometer. Diese  Reifen tauchen im Manga zumindest einmal auf, als Sailor Saturn ihren ersten Auftritt hat und ihre Attacke durchführt. Dabei werden sie als Zeichen ihrer Kraft gezeigt.

Ähnlich wie auf dem Neptun geht es auch auf dem Saturn stürmisch zu. An seinem Südpol wurde ein Hurrikan ähnlicher Sturm mit einem Durchmesser von 8000 Kilometern entdeckt, der aber so gar keine Anstalten macht, sich von dort wegzubewegen. Ein Wirbelsturm dieser Größe würde bei uns einen einen ähnlichen Schaden anrichten, wie Pharaoh 90 im Anime, als er die Erde erreichte. Wenn man von den allgemeinen Begebenheiten ausgeht, würde dieser Sturm sich auch nicht weiterbewegen, als der Oberfiesling in der Serie gekommen ist.

Saturn hat das auffälligste Ringsystem aller Gasriesen. In der Antike galt er als der entfernteste der fünf bekannten Planeten. Seit 2005 wird der Himmelskörper mithilfe der Sonde Cassini beobachtet, welche bereits am Anfang ihrer Arbeit ein schweres Gewitter entdeckte. Die dabei entstandenen Blitze hatten etwa tausendmal mehr Energie als ihre Artgenossen auf der Erde. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Sturm der stärkste war, der jemals in unserem Sonnensystem aufgetreten ist. Auch hier kann man eine ungeheure Zerstörungskraft erkennen, die Sailor Saturn in ihrer Rolle als Vernichterin alle Ehre macht. Der Saturn ist also wie seine Kriegerin nicht unbedingt das, was man lebensfreundlich nennt. Er war der fünfte der im Altertum bekannten Planeten, für diese lange Bekanntheit fallen ihre Auftritte in der Geschichte leider ziemlich rar aus.

BISHOJO SENSHI SAILOR MOON © 1993 Naoko Takeuchi / Kodansha Ltd.
PRETTY GUARDIAN SAILOR MOON, Band 7 © 2012 EGMONT Verlagsgesellschaften mbH
PRETTY GUARDIAN SAILOR MOON, Band 8 © 2012 EGMONT Verlagsgesellschaften mbH
PRETTY GUARDIAN SAILOR MOON, Band 9 © 2012 EGMONT Verlagsgesellschaften mbH
PRETTY GUARDIAN SAILOR MOON, Band 10 © 2012 EGMONT Verlagsgesellschaften mbH

Anzeige