Manga & Anime

AnimeY Picks: Einmal Apokalypse, bitte! (»Skull Party«-Special)

Nachdem am 28. Oktober 2015 der vierte sowie damit finale Band von Melanie Schobers Skull Party erschien, AnimeY ein Interview mit der österreichischen Zeichnerin führte und euch die zwölf wichtigsten Charaktere aus der Handlung vorstellte, wollen wir diesen Pick der Manga-Reihe widmen. Weitere Artikel im Rahmen unseres Skull Party-Specials sind geplant. Für Fans der Serie heißt es also besonders, in nächster Zeit die Augen auf unserer Webseite offenzuhalten. Passend zum in Skull Party ausgebreiteten Endzeitszenario präsentieren wir euch dieses Mal eine kleine Auswahl von Werken mit apokalyptischen Themen. In einer anschließenden Umfrage ist wie üblich dann eure Meinung gefragt. Welcher Untergangstitel aus der Manga-/Anime-/Game-Szene hat es euch besonders angetan?

fallenshadow möchte Mitglied werden bei Skull Party

SKULL PARTY 4 © by Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2015/Melanie Schober

Was wäre das für ein Pick im Rahmen des Skull Party-Specials, wenn Melanie Schobers Vierteiler nicht darin vorkommen würde? Darum möchte ich die Liste sogleich mit dem fantastischen Endzeitszenario aus österreichischer Feder beginnen. Protagonist Emil Schwarz lebt mit seiner zerrissenen Familie in einer Welt, in der die schlimmsten Befürchtungen der Menschheit wahr geworden sind. Der Klimawandel hat die Pole geschmolzen und den Meeresspiegel steigen lassen. Ein Teil der Kontinente liegt nun unter Wasser. Lebensmittel sind knapp. Die Erde steht kurz vorm letzten Atemzug. Das Volk wird von der Regierung insgeheim medikamentös ruhig gestellt. Doch Widerstand tut sich in Form der Skull Party, gegründet von Emils Vater, auf. Fünf mystische Kristallschädel gibt es in der Welt, welche einerseits genug Energie besitzen, um die Elite auf den nächsten bewohnbaren Planeten zu bringen, andererseits laut Skull Party aber auch dazu in der Lage sein sollen, die Erde doch noch retten zu können.

Skull Party ist nicht einfach nur ein Manga, in dem es darum geht, wieder einmal die Welt vorm Untergang zu bewahren. Obwohl dies das Hauptproblem für das Story-Universum an sich darstellt, gerät es doch überraschend in den Hintergrund. Ins Rampenlicht drängt sich dagegen die familiäre Lage des Protagonisten, sodass es schnell sehr persönlich und extrem emotional wird. Die komplexe Handlung wirft Seite um Seite Fragen auf, welche sich mit der Zeit langsam zu Antworten entflechten. Um in die Zukunft blicken zu können, muss sich Emil dafür erst einmal einer längst vergessenen Vergangenheit stellen. Ich liebe die mystischen Aspekte in Skull Party, die auf die verschiedensten Kulturen anspielen. Gleichzeitig bietet Melanie Schober mit dem Manga spannende Unterhaltung in einem wunderschönen, detaillierten Zeichenstil, regt aber auch zum privaten Nachdenken an, wie es denn nun mit unserer Welt tatsächlich bestellt ist.

Grim ist völlig hingerissen von planetarian

©2006 Key/Visual Art’s/ PROTOTYPE

In einer nahen Zukunft brach ein heftiger Krieg aus, in dem sich die Nationen mit biochemischen sowie nuklearen Waffen bekämpften und die einstige blühende Zivilisation völlig zugrunde richteten. Nun steht die Menschheit am Rande der Auslöschung. Wegen autonomen Kriegsmaschinerien, die jeden eliminieren, der nur einen Fuß in ihr Territorium setzt, gibt es kaum einen sicheren Flecken mehr auf der Erde. Ein Soldat hat es geschafft, in die Ruinen einer verlassenen Stadt zu flüchten. In einem verwahrlosten Gebäude, das einmal ein Planetarium darstellen sollte, sucht er Unterschlupf. Dort begegnet der Soldat einem Android-Mädchen namens Yumemi, das anscheinend vor dem Krieg hier zurückgelassen wurde und all die Zeit ihre tägliche Routine durchführte. Nach Jahrzehnten, in denen keine Menschenseele sich hierher verirrt hat, nimmt der Roboter gleich an, wieder einen neuen Kunden bedienen zu dürfen. Trotz der Tatsache, dass die Anlage zerstört ist, möchte Yumemi ihm einen Sternenhimmel zeigen. In dieser Welt, die von dichten dunklen Wolken umgeben ist.

Eine Visual Novel von den Machern von Clannad, Kanon und Little Busters!, da kann man sich gleich darauf einstellen, ein paar Tränen zu drücken. Ich mag Geschichten wie diese, die sich auf einen kleinen Schauplatz und wenige Protagonisten konzentrieren. Es hat schon was von einer Charakterstudie. Was mir hier ans Herz geht, ist ein Charakter, der sich nicht mal bewusst ist, in was für einer bedrückenden Situation er sich befindet. Selbst wenn es sich dabei um einen Roboter handelt. Yumemi wartet tagein, tagaus auf Kunden und versteht nicht mal, was da draußen los ist. Aber die treue Seele empfindet auch keine Einsamkeit. Das Gefühl wurde nicht einprogrammiert. Stattdessen dreht sich ihre Welt völlig darum, ihrem Kunden eine Freude zu bereiten. Es ist wirklich interessant, die Grenzen ihres Programmes nachzuvollziehen und irgendwie auch lustig. Der namenlose Soldat ist wiederum anfangs von ihrem zutraulichen Verhalten genervt, wollte er doch hier nur Unterschlupf suchen, bis sich die Lage da draußen beruhigt hat. Wo sie anfangs für ihn einen Haufen Schrott darstellte, taut der Soldat allmählich auf, je mehr er sich auf den Androiden einlässt. Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Geschichte aufgegriffen und als Kurzfilm umgesetzt wird. Wenn ihr auch die Story erleben wollt, planetarian ~the reverie of a little planet~ findet ihr für günstiges Geld auf Steam.

Nelli war gebannt von X-1999

CLAMPs Endzeitserie X-1999 erzählt die Geschichte von den sieben Erddrachen und den sieben Himmelsdrachen. Erstere wollen die Menschheit vernichten und damit den Planeten wieder rehabilitieren lassen. Letztere möchten die Erdenbewohner im Glauben daran retten, dass diese eines Tages aufhören, der Umwelt und somit ihrer Heimat zu schaden. Die Schlüssel dazu bilden wiederum Bannkreise (»Kekkai«), welche die Erde beschützen, jedoch nach und nach in den selbstmörderischen Kämpfen der beiden Parteien fallen. Viele Traumseher haben in ihren Visionen bereits den Untergang der Welt 1999 erblickt. Derjenige, der allein das Schicksal der Erde und der Menschen in den Händen hält, ist nun der junge Kamui, welcher seinem Namen nach dazu auserkoren wurde, die Macht Gottes zu »vertreten« oder zu »jagen«. Im Jahr 1999 kehrt er nach Tokyo zurück, wo Kamui seine Kindheitsfreunde Kotori und Fuuma wiedertrifft. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Zwei Enden von X-1999 kennen wir bereits. Das Film- und das Serien-Finale zeigen mit ihren beiden Alternativen die Misere unseres Helden auf: Denn egal, für welche Seite er sich entscheidet … kein Ende bietet ein wirklich geringeres Übel. Und nachdem man gehört hat, dass die Mangaserie aufgrund zunehmend gewalttätigerer Szenen nicht mehr bedenkenlos vom japanischen Verlag publiziert werden konnte, ist dort wohl auch kein positives Ende zu erwarten. Aber seien wir ehrlich: X-1999 könnte nach der blutigen Spur der Verwüstung, die CLAMP hinterlassen hat, auch nicht mehr positiv enden. Wollen wir auch gar nicht.

©1999 CLAMP/Kadokawa Shoten Publishing Co., Ltd., Bandai Visual Co., Ltd., Marubeni Corporation, Shelty Co., Ltd., Sega Enterprises Ltd., Victor Entertainment Inc., Animation Studio Mad House Co., Ltd., Movic Co., Ltd.

Mangakania bewundert Nausicaä aus dem Tal der Winde

© 1984 Hayao Miyazaki Nibariki GNH
© Universum Film GmbH

Auch wenn eines der Topwerke aus dem Hause Ghibli nicht mit düsterer, gewalttätiger Apokalypsenstimmung aufwartet, so spielt es doch nach den Dunklen Tagen, in denen die riesigen Feuergiganten alles in Chaos versetzten. Wir folgen der Prinzessin Nausicaä eines verdrängten Dorfes, die voller Tatendrang und guter Laune durch die zerfurchte Welt wandelt. In ihren Augen sind die bedrohlichen Giftpflanzen und aggressiven Insekten des sich immer weiter ausbreitenden Waldes des Todes keine Gefahr, wodurch sie regelmäßig mit ihnen interagiert, um Beweise für ihre gute Natur zu finden. Doch das friedliche Leben wird rasch beendet, als das Transportflugzeug eines Nachbarlandes in ihrem Tal abstürzt. Darin befindet sich nichts Geringeres als der Embryo eines Feuergiganten. Und diesen möchte die kriegerische Anführerin Kushana unter allen Umständen haben – um ihn erneut auszubrüten. So beginnt für Nausicaä, die den Wald und ihre Bewohner liebt, ein Kampf gegen die Militärgewalt der torumekischen Armee, für den Schutz ihres Dorfes und für den Erhalt sowie den Frieden des Waldes inklusive seiner Bewohner …

© 1984 Hayao Miyazaki Nibariki GNH
© Universum Film GmbH

Nausicaä ist ein wunderschöner Titel aus dem Studio Ghibli, der einem viel über unnötige Rache und falsche Weltbilder vermittelt. Obwohl der Giftwald auf den ersten Blick vernichtend wirkt, kann er überhaupt nichts dafür; der Boden ist seit dem Krieg verseucht. Nur, weil die Oumus genannten Rieseninsekten gefährlich, mächtig und unansehnlich wirken, sind sie doch nicht aggressiv. Diese verteidigen einfach nur ihren Lebensraum und  ihre Familien. Mit beeindruckender Bildgewalt, etwas Legendeneinfluss und herrlichster Soundtrackunterstützung können wir in diesem Streifen verfolgen, wie die Menschheit ihre vergangenen Fehler wieder und wieder und wieder wiederholt. Rache, Zorn und Tod sorgen nur für immer mehr Zerstörung. Doch um etwas Gutes zu finden, sollte man rausgehen und über den ersten Eindruck hinausblicken …

Katara kann Texhnolyze nicht vergessen

© Texhnolyze Production Committee / Madhouse
© nipponart 2006

In dem 22 Episoden langen Anime verfolgen wir unter anderem die Geschichte von Ichise, der in einem Kampf ein Bein und einen Arm verliert. Gerettet wird er von einer Texhnolyse-Wissenschaftlerin, welche ihm Prothesen anbringt. Die beiden leben in einer unterirdischen Welt, der Stadt Lukuss, in der Gangs die Gesetze vorgeben. Neben dem Handlungsstrang um Ichise werden noch solche anderer Personen aufgegriffen, beispielsweise Kazuho Yoshii, einem Mann von der Oberfläche, Ran, einem Mädchen, das in die nahe Zukunft sehen kann, oder Kyogo Onishi, dem Anführer einer der Gruppierungen von Lukuss.

Auch wenn die Zusammenhänge anfangs nicht dargestellt werden, klärt sich ein Teil während des Verlaufs der Geschichte auf. Allerdings bleibt auch manches offen, ein paar Ereignisse wirken schon fast verwirrend unnötig, weil die Menschen einfach nur gedankenlos töten und sich selbst verlieren. Da ich Texhnolyse begann zu schauen, ohne zu wissen oder zu ahnen, dass es ein wirklich endgültiges Endzeitszenario darstellt, erschrak mich vor allem die Entwicklung der Geschichte, in denen Menschen in ihren Gewalthandlungen versinken. Von daher wird diese Geschichte wohl immer in meinem Gedächtnis bleiben als ein Beispiel, wie Leute sich vergessen können und so alles dem Untergang weihen.

Grim feiert Humanity Has Declined

© 2012 ROMEO TANAKA, SHOGAKUKAN / FAIRY COMPANY

Jinrui wa Suitai Shimashita oder auch Humanity Has Declined ist einer solcher bizarren und verrückten Serien, auf die man nur im Anime-Segment trifft. Es beginnt schon mit dem plötzlichen Einstieg, dass die Menschheit fast komplett ausradiert wurde und eine neue Spezies auf dem Thron des Planeten Erde sitzt – nämlich kleine, putzige Feen. Die winzigen Geschöpfe sind zu allem imstande, können sich aus dem Nichts vervielfältigen und genauso wieder verschwinden. Die letzten übrigen Menschen stehen am Neuanfang unserer Zivilisation, und ein namenloses Mädchen dient als Vermittlerin zwischen den Völkern. Denn auch wenn die knuffigen Feen danach nicht ausschauen – weil diese ständig ein Grinsen auf ihren Gesichtern haben – können sie mit ihren Launen äußerst unheimlich sein. Allerdings kann die Protagonistin mit Süßigkeiten, die sie eigens herstellt, die Feen im Zaum halten.

Der Anime ist einfach herrlich abgedreht, obwohl auf dem Papier die Serie ein paar dunkle Töne anschlägt, passieren völlig abstruse Dinge, und man kann niemals voraussehen, wohin die Handlung überhaupt möchte. Prominente Szenen sind zum Beispiel ein Toastbrot, was aus lauter Selbstmitleid Harakiri begeht, und ein Haufen gerupfter/geköpfter Hähnchen, die zu Ave Maria über eine Klippe springen. Neben den Absonderlichkeiten hat die Serie aber clever geschriebene Dialoge zu bieten, und auch die Protagonistin hat eine fiese, zynische Seite, mit der sie viele Situationen kommentiert. Wer was Originelles und Witziges sucht, das sich völlig gegen alle Normen und Erwartungen wendet, ist mit diesem Anime gut beraten.

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