AnimeY Picks – Familienglück

Wie oft lernen wir eigentlich die Eltern unserer Lieblingscharaktere kennen?

Viele haben unter einem Familiendrama zu leiden oder leben als Teenager bereits allein, weil die Eltern aus verschiedensten Gründen permanent abwesend sind. Man denke nur an Marron Kusakabe alias Jeanne, die Kamikaze Diebin, die jeden Tag auf Post oder zumindest ein Lebenszeichen von Mutter und Vater gewartet hat. Eigentlich ist es doch traurig, dass viele unserer Helden nicht wie wir jeden Tag eine fürsorgliche Mutter und/oder einen liebevollen Vater um sich haben. Auch wenn Familie manchmal noch so nervig sein kann, zu Weihnachten, dem Fest der Liebe und der Familie, schenken euch die Redakteure ihre liebsten »Familienmomente« und geben gleichzeitig zu bedenken, dass »Familie« weit über die Definition Vater-Mutter-Kind(er) hinausgeht.

Nelli liebt die chaotische Familie Nohara (Shin-Chan)

Möchtegern-Macho Shin-Chan ist trotz seiner zarten fünf Jahre schon ein schlaues Kerlchen mit einem spitzen, respektlosen Humor. Und damit mischt er alles und jeden um sich herum auf – sei es die Hoppelhasen-Vorschule, eine Buchhandlung oder ein ganzes Schwimmbad. Am meisten und tagtäglich darunter zu leiden haben aber seine Eltern. Doch obwohl der Rotzbengel keinen bösen Witz auslässt und die reinste Nervensäge ist, lieben Mitsy und Harry ihren Sohn abgöttisch. Ganz typisch dazu fällt mir die Folge Keiner liebt mich ein:

Shin-Chan hat im Kindergarten ein Bild gemalt, welches er gerne seinen Eltern zeigen möchte. Aber diese vernachlässigen ihn zur Zeit, da sie nur noch Augen für den süßen, kleinen Nachwuchs Daisy haben – nebenbei bemerkt, kennt Haushund Lucky Vernachlässigung nur all zu gut. Deshalb reagiert Shin-Chan mit Trotz, was die Eltern wiederum wütend macht. Als er wegläuft und Mitsy zufällig seine Zeichnung findet, fällt endlich der Groschen: Ihr Sohn hat ein Bild der Familie gemalt, und zwar eines, auf dem die beiden Kinder gleich lieb behandelt werden. Owww!!! <3 Am Ende der Folge knuddeln Mitsy und Harry ihren Shin im Elternbett und überhäufen ihn mit Liebe, was fast schon wieder zu viel des Guten für den Kleinen ist.

Aber auch sonst wird Mitsy nie müde, ihren Jungen mit dem Fahrrad zur Vorschule zu fahren, wenn er mal wieder den Schulbus verpasst hat. Und wenn jemand Außenstehendes mit Shin schimpft, stellen sich seine Eltern schützend vor ihn. Oder die beiden stehen Todesängste aus, wenn ihr Sohn mal wieder im Wasser Toter Mann spielt … Zu Shin-Chans Verteidigung muss man übrigens noch sagen, dass ihm die platte Flirt-Masche wohl mit Opa Garys Genen in die Wiege gelegt wurde. Alles in allem sind die Noharas eine verrückte, sympathische Familie mit liebevollen Macken.

Gina mag das Verhältnis der Kurosaki-Familie (Bleach)

… insbesondere möchte ich hier das Vater-Sohn-Gespann von Ichigo und Isshin erwähnen. Klar, Isshin hat schon sehr verrückte Erziehungsmethoden, um diese geht es mir jedoch nicht. Ich gehöre zu jenen Menschen, die in einem nahezu reinen Frauenhaushalt aufgewachsen sind. Sowas wie eine Vaterfigur hatte ich nie, wenn ich mir allerdings eine wünschen könnte, dann doch bitte so einen coolen, liebevollen und fürsorglichen Vater, wie Isshin es  ist. Eine der Szenen, die sich aus Bleach echt in mein Gehirn gebrannt haben, war jene kurze, unbedeutend wirkende, in welcher der sonst so flippige Isshin seinen trauernden Sohn vor dem Grab seiner Mutter – beziehungsweise Isshins geliebter Ehefrau – auf warmherzige Art Halt gab. Das ist für mich einfach »Familie«!

Laniify betet die Mutter-Tochter-Beziehung zwischen Toru und Kyoko Honda an (Fruits Basket)

Selten hat man eine so innige Familienliebe und Freundschaft zwischen Mutter und Tochter gesehen wie bei diesen beiden. Früh haben beide den geliebten Ehemann/Vater verloren und mussten seitdem zu zweit den harten Alltag bestehen. Dabei könnten die zwei Mädels nicht unterschiedlicher sein: Kyoko auf der Seite als Ex-Gang-Mitglied, die selbstbewusst, voller Enthusiasmus und kindisch ist. Auf der anderen Seite ihre Tochter Toru, unschuldig, fleißig und manchmal sehr tollpatschig. Gerade deswegen ergänzen sich die beiden sehr gut und sind die besten Freundinnen.

Ich erinnere mich noch an die Szene, in der Toru wieder ein Gespräch mit ihrer Mutter einfällt. Sie wollte arbeiten gehen und nicht auf die Highschool, aber ihre Mutter meinte, sie solle diese Chance nutzen, die sie selbst nie hatte. Da verstand Toru, dass Kyoko die ganze Zeit nur für sie gearbeitet hatte, damit Toru ein schönes Leben führen konnte.

Alles scheint wunderbar, bis Kyoko bei einem Autounfall verstirbt. Seitdem wird Toru von Schuldgefühlen geplagt, weil sie sich am Todestag ihrer Mutter nicht ordentlich von ihr verabschiedet hatte … Dennoch gibt die Tochter nicht auf, weil sie für ihre Mutter weiterhin fröhlich sein will. Glücklicherweise findet sie mit der Soma-Familie einen neuen Halt in ihrem Leben.

Ich finde die Beziehung so rührend, weil ich mich selbst darin wiedererkennen kann. Auch ich habe lange Zeit mit meiner Mutter allein gelebt, wodurch sie mir sehr nahesteht. Wir sind eigentlich mehr Freundinnen als Mutter und Tochter. Und immer zur Weihnachtszeit kehre ich nach Hause zurück und freue mich auf das Wiedersehen mit ihr.

Thobias bewundert die Okazakis (CLANNAD)

Besonders die Folgen 17 bis 19 von ~After Story~ sind für mich die emotionale Hölle. Ich kann mich aufgrund persönlicher Umstände sehr mit der Vater-Sohn-Beziehung von Tomoya und Naoyuki identifizieren und finde ganz speziell, dass die Versöhnung unendlich schön ist. Generell hat mich das Bild der Familie in CLANNAD sehr geprägt. Einerseits die (nun) heile Familie Furukawa, wo Vater, Mutter und Tochter harmonisch zusammenleben und den Außenseiter Tomoya sogar aufnehmen. Andererseits eben das zerrüttete Verhältnis von Tomoya zu seinem Vater (die Mutter starb früh). Selbst die Nebenfiguren (allen voran die Ibukis und Ichinoses) haben dramatische Familienschicksale zu verarbeiten. Allein durch diesen Aspekt ist CLANNAD einer meiner All-Time-Favorits, der meine Vorstellung von Familienbande sehr beeinflusst hat.

Zusammenhalt, Verständnis und final das Zusammenkommen sowie eine – wenn nötig – Aussöhnung sind meiner Ansicht nach der Grundpfeiler für ein harmonisches, friedliches sowie glückliches Miteinander. Die Besinnung darauf ist einer der Gipfel im Reifeprozess. Und unter einer ganz dicken Schicht Drama verdeutlicht CLANNAD das gut sowie in meinem Falle auch nachhaltig.

Grim kann sich das Schmunzeln bei der verschrobenen Kirisaki-Familie nicht verkneifen (Nisekoi)

Zu Weihnachtszeit kommt die ganze Familie zusammen. Da bildet auch die kriminelle Unterwelt keine Ausnahme. Die Kirisaki-Familie hat sich bisher jedes Jahr daran gehalten trotz der Tatsache, dass der Vater Anführer einer Gangsterbande ist und die Mutter einen multinationalen Konzern leitet. Doch ist nicht alles im Lot zwischen Chitoge und ihren Eltern. Besonders von ihrer Mutter, die sehr selten daheim ist und selbst dann äußerst beschäftigt, ersehnt sie sich etwas traute Zweisamkeit. Und bis dato hatte Hana Kirisaki stets versäumt, ihre Tochter mit einem Weihnachtsgeschenk zu beglücken. Nun liegt es an dem zukünftigen Schwiegersohn Raku, das distanzierte Verhältnis zwischen Tochter und Mutter aufzutauen und das diesjährige Weihnachtsfest zu retten.

So überzeichnet Nisekoi manchmal sein mag, so hat die Serie auch ein paar herzerwärmende Momente. Es ist nicht so, dass die Mutter Chitoge kaltherzig gegenübersteht. Die Beziehung ist eher von Missverständnissen geplagt. Und wiedermal lautet die Devise: Seine Gedanken und Gefühle auszusprechen, statt alles in sich hineinzufressen, hat noch niemandem geschadet!

Heartaches wünscht sich eine Outers Family (Sailor Moon)

Es gibt da eine Szene, die lässt mich regelmäßig schmelzen wie Eis in der Sonne: Haruka und Michiru kehren zu Beginn der fünften Staffel nach Hause zurück. Sie wohnen nicht länger in ihrem Apartment; das haben sie nach der dritten Staffel verlassen und damit all die Teenagerängste, die man eben so hat, wenn man die Welt vor dem Untergang bewahren muss.

Als wir sie wiedertreffen, sind sie auch als Paar gefestigt, machen sexuelle Anspielungen und wirken glücklich und zufrieden. Jetzt steigen sie also aus einem von Harukas unzähligen, teuren Gefährten (einem schwarzen Flitzer in diesem Fall), Haruka trägt einen babyblauen Anzug und eine Tüte mit Baguette, Michiru ein adrettes Trenchcoat-Kleid in Flieder. Hotaru kommt auf sie zugestürmt. Sie wurde neugeboren und ist dennoch schnell herangewachsen. Mit dem Enthusiasmus eines Kindes erklärt sie Haruka-Papa und Michiru-Mama, dass sie mit Setsuna-Mama die Einstein’sche Relativitätstheorie gepaukt hätte – und entdeckt dann einen Schmetterling, dem sie fröhlich hinterherläuft. Hinter ihr ist Setsuna aufgetaucht, die zivile Identität von Sailor Pluto, an ihrem Posten an der Tür zu Raum und Zeit so wahnsinnig allein. Es ist nicht nur, dass die Wächterin von Zeit und Raum plötzlich eine Familie hat: Sie hat sie zusammen mit Michiru und Haruka, die vermutlich dachten, niemals eine Familie haben zu dürfen. Immerhin sind sie ein lesbisches Pärchen und dürfen zu diesem Zeitpunkt in Japan noch nicht mal heiraten. Als Sailor Kriegerinnen hätten sie sowieso nicht damit gerechnet. Doch Hotaru macht dieses Familienglück mit drei Müttern perfekt. Sie ist so etwas wie der »Messias« der Outer Senshi, während es Usagi für die Inners ist.

Der einzige Wehrmutstropfen: Im Anime ist die Familienzusammenführung etwas unglücklich gelöst, weil Hotaru schnell altern wird, hat Pluto sie ihrem Vater weggenommen. Im Manga ist sie Waise. Nichtsdestotrotz: Sie haben es alle so wahnsinnig verdient, einander zu haben. Und auch, wenn man nach Hotarus Verschwinden, dank des Schmetterlings, überall nach ihr sucht, außer in ihrem eigenen Zimmer, in dem sie schließlich natürlich ist – sie passen gut aufeinander auf. Und lieben sich sehr.

Yanio zeigt sich gerührt vom harmonischen Zusammenleben der Izumis (Digimon)

Die erste Staffel der Animeserie des Digimon-Franchise hat wohl bei vielen von uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen, gerade wenn es um Freundschaft und Familie geht. Während unsere jungen Helden zum einen mit ihren Digimon-Partnern zu einer großen Familie zusammenwachsen, ist es speziell Charakter Koshiro Izumi, besser bekannt als Izzy, der bei diesem Thema ein bewegendes Schicksal durchlebt. Als die Kinder nach dem ersten Aufenthalt in der Welt der Digimon kurzzeitig nach Hause zurückkehren, wird in Folge 31 (Der achte Digiritter) das Familienverhältnis der Izumis genauer beleuchtet.

Wie wir in einer Rückblende erfahren, haben Masami und Kae Izumi den kleinen Izzy nur adoptiert, nachdem seine leiblichen Eltern bei einem Unfall ums Leben kamen. Obwohl diese Nachricht für den Jungen, der alles eher versehentlich mitbekommt, ein ziemlicher Schock ist, merkt man doch deutlich, wie stark das Band zwischen Izzy und seinen Adoptiveltern noch ist. Auch wenn es in dieser Folge nur einige kurze Szenen sind, zeigen sie sowohl sehr fürsorgliche Eltern als auch einen lieben Sohn, der wohl das Wunschkind einer jeden Familie ist. Obwohl alle Beteiligten über die wahren Verhältnisse Bescheid wissen, geben sie sich große Mühe als Familie zusammenzuhalten und sich Liebe wie auch Vertrauen zu schenken. Dass es Izzy dabei sehr schwer fällt, diese Familienidylle zu durchbrechen, merkt man an seinem schlechten Gewissen, als er versuchen muss, die Existenz von Tentomon vor seinen Eltern zu verheimlichen.

Trotzdem ist diese Szene meiner Meinung nach einer der schönsten Familienmomente der Serie, da sie zeigt, dass die Liebe der Familie nicht immer etwas mit direkter Verwandtschaft zu tun haben muss.

Nelli kann sich keine bessere Familie als die Tamiyas vorstellen (Switch Girl!!)

Nika hat eine großartige Familie, die immer zusammenhält und für die sie sehr zu beneiden ist! Mutter und Schwester Rika teilen ihre Switch-Modus-Macke; der Vater in der Familie stellt den ruhenden Pol dar. Die Frauen bilden ein unschlagbares, eingespieltes Team, wenn es um Gerechtigkeit und Rabatt-Shopping geht. Und wenn alles nichts hilft, müssen eben die Männer ran: Papa-Tamiya bändigt mit seiner Aura wildgewordene Katzen und Arata, der als Nikas Freund mittlerweile schon zur Familie gehört, muss sich notfalls für die Damen entblößen. Am liebsten hat man die Charaktere deshalb im Off-Modus, weil sie dann mega schrullig und ungemein sympathisch-unperfekt sind.

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