AnimeY Picks – Lieblinge der Kategorie LSBTTIQ

Die Abkürzung »LSBTTIQ« bezeichnet lesbische, schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle, intersexuelle und queere Personen. Und von diesen gibt es in Animes und Mangas allerhand Vertreter – man bedenke nur all die Boys-Love- und Girls-Love-Titel!

Generell ist man im Manga-/Animebereich sehr aufgeschlossen für sämtliche sexuellen Orientierungen und auch für den Körpertausch von Mann und Frau. So ist es schön, dass zum Beispiel der Anime Sailor Moon mit dem schwulen Paar Zoisite und Kunzite, den lesbischen Sailor Kriegerinnen Sailor Neptun und Uranus sowie auch dem Frauenkleider tragenden Bösewicht Fischauge sich nicht davor scheute, von der Norm abzweichen. Manchmal als Protagonist, manchmal nur als kleine Nebenfigur … Sänger Koji aus Bronze Zetsuai – since 1989, Shichinintai Jakotsu aus Inu Yasha, Rosenbraut Anthy aus Revolutionary Girl Utena, Modedesigner(in) Isabella aus Paradise Kiss und immer so weiter – wir lieben diese Charaktere und wollen sie nicht missen! Die Redaktion hat nun ihre Lieblinge gewählt:

Gina wählt Haruka Tenno (Sailor Moon)

Sie hat männliche Hobbys, kleidet sich eher maskulin und trotzdem steht Haruka in meinen Augen für eine selbstbewusste Frau. Ihre Beziehung zu Michiru/Sailor Neptun ist natürlich nicht nur rein platonisch. Einerseits vertraut Haruka wohl niemandem mehr als Michiru, anderseits kann auch mal ein wenig Eifersucht in ihr entflammen, wenn ein Mann Michiru umgarnt. Für mich ist Haruka ein sehr beispielhafter Charakter, der sowohl für Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe als auch für eine starke weibliche Persönlichkeit steht – insbesonders in der Manga-Adaption.

Etsu findet Asami Ryuichi reizvoll (Finder)

Zwar kann Asami nicht als beispielhaft und freundlich bezeichnet werden, doch trifft bei ihm die Aussage »harte Schale, weicher Kern« zu – zumindest in Bezug auf Takaba. Er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, wenn auch nicht zwingend durch legale Mittel und besitzt einen bestimmenden Charakter. Dazu kommt, dass er sich um das, was ihm wichtig ist, sorgt. Auch wenn es nicht immer offensichtlich ist. Gerade diese Punkte finde ich besonders ansprechend an ihm. Vor allem die Momente, in denen er Akihito gegenüber bestimmend und teils egoistisch reagiert, zeigen deutlich seine Zuneigung und Sorge zu dem Fotografen. Asami ist außerdem recht unnahbar und der Leser erfährt im Verlauf der Story nicht allzu viel von ihm. Doch gerade durch diese geheimnisvolle Art und seine Sexualität, die er frei auslebt, wirkt er interessant. Daher ist er in meinen Augen, sowohl optisch als auch charakterlich, ein mehr als reizvoller Mann.

Nelli schwärmt für Nuriko (Fushigi Yuugi)

Auf den ersten Blick scheint Nuriko lediglich eine attraktive junge Dame zu sein. Tatsächlich verbirgt sich hinter den feinen Frauengewändern und dem geschminkten, androgynen Gesicht aber ein Mann – und zwar ein körperlich sehr starker Suzaku*-Seishi (*Göttertier des Südens). Dieser ist außerdem über beide Ohren in den Kaiser von Konan verliebt. Zu Nurikos Unglück nimmt das Landesoberhaupt ihn jedoch gar nicht wahr, sondern hat nur Augen für die verfressene Heldin Miaka. Voller Eifersucht und recht heimtückisch bekämpft Nuriko deshalb zu Beginn seine Liebesrivalin, ohne dass das naive Mädchen etwas dafür kann. Das führt zu sehr witzigen, aber auch sehr gefährlichen Szenen, zumal es eigentlich Nurikos Aufgabe ist, Miaka, die Hüterin des Suzaku, zu beschützen! Aber ich halte es für unrealistisch, dass jeder Seishi, kaum dass er von seiner Lebensaufgabe erfährt, ohne zu zögern sein Leben für ein Mädchen aus einem fremden Land opfern würde.

So muss sich Miaka erst die Freundschaft ihrer Gefährten erarbeiten. Und Nuriko wird ihr eine sehr gute Freundin, pardon, ein sehr guter Freund. Er hat eine sehr schrullige, hinterlistige Seite sowie auch eine sehr ernsthafte, gutherzige. Zwar gibt der schwule Transvestit die Frauenkleidung und seine Liebe schließlich auf (der Manga ist so alt, das zählt nicht als Spoiler!), doch bleibt er einzigartig und hat sich für immer einen Platz in meinem Herzen verdient – auch wenn ihm das Herz von Kaiser Hotohori natürlich lieber gewesen wäre. 😉 PS: Meine #2 ist der schwule Jakotsu, einer der sieben Shichinintai aus Inu Yasha.

Heartaches vergöttert Michiru Kaioh (Sailor Moon)

Die Dynamik Butch/Femme wurde Mitte des 20. Jahrhunderts geprägt und sie scheint wie die Gottmutter der Femmes: experimentierfreudig mit ihrer Friseur, stets schick gekleidet, jedes Kichern, jeder geistreiche Kommentar und jedes Lächeln sitzt – und auf ihr lastet natürlich der Fluch, den man als Femme leider nur allzu gut kennt: Sie wird ständig für hetero gehalten. Obwohl sie doch nur Augen für eine, ihre Butch hat. Doch auch, wenn eine gewisse Elsa Grey Michiru ihrem Gegenstück, ihrer Seelenverwandten, vorstellte – kommt es nicht vielen Zuschauern so vor, als ob Elsa nicht auch Michirus Typ ist? Ob da mal etwas ging? Denn eins ist klar: Michiru ist lesbisch und lässt mit ihren ständigen Sexanspielungen (Ohren spitzen in Staffel 5!) auch keinen Zweifel daran, dass sie als Powerfrau mit Haruka ausschließlich nur freundschaftlich kuschelt. Wobei, kuscheln werden die zwei bestimmt auch ziemlich viel.

Laniify entscheidet sich für Yoshinori (Yubisaki Milktea)

Ich kann weder sagen, dass ich Yoshinori besonders mag, noch dass ich ihn wirklich abstoßend finde. Das mag jetzt etwas widersprüchlich klingen, aber ich habe mich für ihn entschieden, weil er in meinen Augen eine Besonderheit darstellt und deswegen interessant wirkt.

Achtung, Spoiler! Yoshinori führt nämlich ein Doppelleben: In der Schule ist er ein ganz normaler Junge, der sich für Mädchen und Sport interessiert, perverse Witze macht und seine Kindheitsfreundin ärgert. Doch in seiner Freizeit setzt er sich gerne eine Perücke auf und leiht sich die Klamotten seiner hübschen älteren Schwester, um selbst eine Frau zu sein. Das »verqueere« an ihm ist, dass er nicht wirklich zur Frau werden will, aber mit seiner weiblichen Gestalt seiner Idealvorstellung von Frau näher kommt. Ja, das klingt erst einmal total verrückt, ist es auch! Tatsächlich stellt sich heraus, dass Yoshinori sich wahrhaftig in sein weibliches Ich verliebt hat. Außerdem gefällt es ihm gar nicht, dass er allmählich immer männlicher wird und daher nicht mehr als Frau gelten kann. Er wird von zwei anderen Mädchen begehrt, die jedoch scheinbar keine Chance gegen Yuki, sein anderes Ich haben. Um es noch verrückter zu machen, verkleidet sich Yoshinori so, weil er einem anderen Mädchen näher kommen will. Und er tröstet in dieser Rolle seine Kindheitsfreundin, ohne zu wissen, dass er der Grund für ihren Liebeskummer ist. Als ob das nicht reichen würde, verliebt sich auch sein bester Freund in seine feminine Rolle und Yoshinori lässt dessen Annäherungsversuche sogar zu, obwohl er nicht schwul ist. Was für eine verqueere Welt!

Corny schmachtet Sheller an (Rock’n’Roll Kids)

Seinen ersten Auftritt in der Serie Rock’n’Roll Kids (Original Aishite Night) hat Sheller nach einem Konzert der Beehives in Tokyo, wo er dem coolen Sänger und Frontman Joe seine Begeisterung für dessen Musik, darüber hinaus aber vor allem für ihn als Mann kundtut. Diese sehr direkte Art bringt Joe ganz schön in Verlegenheit und das brachte mich immer regelmäßig zum Schmunzeln, da er ihm seine Liebe bis zum Ende der (Manga-)Serie immer wieder aufs Neue offenbart.

Was Joe zunächst jedoch nicht ahnt: Sheller ist ebenfalls Musiker und auf dieser Ebene mit seiner Band Kiss Relish Joes Rivale bei einem großen Bandcontest in der Hauptstadt, wo er Joe auch glatt den ersten Preis wegschnappt. Dieser sieht in Sheller jedoch keinen Erzrivalen, was ihm ja bei den häufigen Liebesbekundungen eh schwer fallen dürfte, sondern einen super Ansporn für sich als Musiker. Und so werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, als Joe auf Shellers Vorschlag einer gemeinsamen Tour eingeht: Sheller kann seinem geliebten Joe nah sein und der wiederum kann seiner Band einen größeren Bekanntheitsgrad über die eigene Heimat hinaus verschaffen.

Das klingt jetzt alles sehr nach Boys Love, ist es aber nicht. Denn Joe hat seine geliebte Yakko und Sheller liebt seine Marino über alles, die seine Flirtversuche mit Humor versteht und sich schnell mit Hashizo sowie auch Yakko anfreundet. Im Manga taucht Sheller im vorletzten Band mit seinem Baby auf und besucht auch als enger Freund von Joe dessen Hochzeit mit Yakko. Ich liebe Shellers kesse und ehrliche Art, Joe Komplimente zu machen. Außerdem mag ich seinen Style – ich steh‘ auf geschminkte Typen!!!

Nelli feiert Mister 2 (One Piece)

Ja, schon wieder noch eine weitere Wahl von mir. Aber dieser Charakter darf einfach nicht bei der Abstimmung fehlen! Mister 2, auch bekannt unter den Namen Bon Curry oder Bentham, ist einer der bekanntesten und schrillsten Transvestiten im Anime- und Mangauniversum. Sein Piratenschiff, die Swanda Express, ist natürlich in dieselben zarten Weiß- und Rosé-Töne getaucht, wie ihr Captain gekleidet ist! Die schräge Ballerina gehört zu den Topagenten der Baroque-Firma, einer kriminellen Organisation mit dem Ziel, den perfekten Staat zu gründen, in welchem das Recht des Stärkeren gilt. An seiner Bezifferung lässt sich ablesen, dass Bon Curry einer der ranghöchsten Agenten ist und deshalb ein (ursprünglich) sehr harter Gegner für die Strohhutbande. Ich sage ursprünglich, weil der anfänglich recht bösartige Gegenspieler im Laufe der Serie Freundschaft mit Ruffy und Co. schließt und dem Bandenoberhaupt sogar das Leben rettet.

Denn Bon Curry ist im Grunde eigentlich eine gute Seele. So liebt er es, mit der gesamten Crew seiner Leidenschaft, dem Ballett, zu fröhnen, und folgt dem Kodex des »Okama Way«, der im Großen und Ganzen Freundschaft prädigt. Mit den Teufelskräften der Transen-Frucht lebt er den Transvestit voll aus und kann sich in jede Person verwandeln, die er einmal mit der linken Hand im Gesicht berührt hat – was einen irren Überraschungseffekt im Kampf gegen Feinde mit sich bringt. Was die menscheneigenen Kräfte (»Ballett-Kenpo«) anbelangt, so kann er sich zwar im Kick-Fight mit Schiffskoch Sanji messen, war ihm jedoch unterlegen. Sein Transgender-Outfit legt er zwar irgendwann ab, aber die schwanengleiche, beinbehaarte »Anmut« seiner Bewegungen, insbesondere der typischen Pirouetten, bleibt (zumindest uns im Gedächtnis). Trotz allem ist Bon Curry oder Mister 2 nicht der größte Transvestit bei One Piece! Getoppt wird er von seinem großen Vorbild, der Dragqueen Emporio Ivankov. Ich mag solch liebevoll schrullige Charaktere wie Bon Curry einfach. Das Französeln rundet dies nur ab! Bon-chan, je t’aime! ♥ *bisou*