AnimeY Picks – Meist unterschätzter Titel

One Piece, Naruto, Bleach und Dragonball: Die Rangführer der Mangabranche sind jedem ein Begriff und Millionen fiebern ihnen hinterher. Doch gerade kleine unscheinbare Serien, von den Giganten überschattet, bringen uns die kreativsten oder herzzerreißendsten Handlungen und Charaktere. Wer uns am meisten beeindruckt hat, und wen wir euch daher vorstellen wollen, erfahrt ihr in diesem AnimeY Picks! Die Reihenfolge ist wie immer ohne Bedeutung.

Mangakania meint: Yuu Watases Fushigi Yuugi-Universum

Ähnlich wie CLAMP bei ihren Titeln Tsubasa RESERVoir CHRoNiCLE und xxxHolic schafft es Yuu Watase mit Fushigi Yuugi, Fushigi Yuugi – Genbu Kaiden und ihrem bisher nur in Japan veröffentlichten Oneshot Byakko Ibun, eine Reihen übergreifende Welt zu erschaffen. Die Hüterinnen der vier chinesischen Gottheiten werden darin aus unserer modernen Welt in die Parallelwelt eines Buches gezogen. Dort kämpfen sie nicht nur mit Waffen gegen sich bekriegende Königreiche, sondern auch gegen ihr eigenes grausames Schicksal an. Im Jahr 1995 hat es für die erste, mit 18 Bänden abgeschlossene Reihe, zu einem Anime gereicht. Ihr vorher spielender Nachfolger hatte dieses Glück leider nicht. Für mich ist Fushigi Yuugi sowohl grafisch als auch emotional auf einem sehr hohen Level.

Fushigi Yuugi: Genbu Kaiden, Band 13 © 2013 Yuu Watase/ Shogakukan Inc.

Juu meint: Mika Yamamoris Daytime Shooting Star

Die Rufe nach Titeln, die sich ein wenig mehr an das erwachsene Publikum wenden, werden mit der Zeit immer lauter. Einen guten Kompromiss zwischen Schulsetting und doch ernsteren Themen, sowie realistischen Gefühlen findet das deutsche Debüt von Mika Yamamori. Suzume zieht vom Land in die große Stadt Tokyo zu ihrem Onkel, wo sich das im wahrsten Sinne des Wortes Landei zurechtfinden muss. Hinzu kommen noch die verwirrenden Gefühle für ihren Lehrer und das Problem Freundschaften zu schließen. Aufgrund des gradlinigen Zeichenstils hatte ich Daytime Shooting Star schon bei der Ankündigung und auch später nicht auf dem Schirm gehabt. Eine Lehrer-Schüler-Beziehung ist doch immer wieder dasselbe – so dachte ich. Selten habe ich mich so getäuscht. Daytime Shooting Star stellt Suzumes Gefühlswelt realistisch und nachvollziehbar dar. Die Nebencharaktere sind mit Liebe gestaltet und keine einfachen Randfiguren, wie es viel zu oft der Fall ist. Für mich persönlich war Daytime Shooting Star eine Überraschung und ein toller Romance-Manga.

fallenshadow meint: Gin Tama von Hideaki Sorachi

Fast 60 Bände, mehrere Animes, Light Novels, Videospiele und Movies – in Japan darf sich Hideaki Sorachis seit 2003 in Shueishas Shonen Jump laufender Comedy-Sci-Fi-Manga Gin Tama nicht beschweren, was Beliebtheit betrifft. Im deutschen Raum sieht das vollkommen anders aus: Da erscheint bei TOKYOPOP am 13. Juli gerade einmal der 30. Band. Die Reihe gilt als Sorgenkind des Verlags und wird nur in sehr großen Zeitabständen fortgeführt. Dabei hat Gin Tama so einiges zu bieten.

Hideaki Sorachi vermengt japanische Historie mit Sci-Fi-Elementen. Das alte Edo mit seinem berühmten Verbot, Schwerter zu tragen, wie es Kenshin-Fans zur Genüge kennen, trifft auf Aliens, einer noch bestehenden Shinsengumi und moderne Technik. Es ist eine überraschende Kombination, die aber grandios ineinandergreift und der Story das gewisse Etwas gibt. Unsere Protagonisten Gintoki, Shinpachi und Kagura nehmen als Mitglieder der Alles-Agentur jeden noch so bescheuerten Auftrag an. So geraten sie in gefährliche Situationen, die nur zu oft überspitzt humorvoll verlaufen und mit einer Moral enden. Aber auch ernste oder gar traurige Momente inklusive Kampfszenen tauchen in der Handlung auf und erzeugen so eine ansprechende Mischung mit klarem Schwerpunkt auf der Comedy-Seite. Öfters als gedacht habe ich mich schon beim Lesen emotional von den Geschehnissen berührt gefühlt, nur um im nächsten Kapitel vor mich hinzukichern. Eine Fülle von erinnerungswürdigen Charakteren mit den verschiedensten Macken wertet das Gin Tama-Universum weiter auf. Einmal richtig reingelesen wollte ich gar nicht mehr aufhören.

GIN TAMA © 2003 Hideaki Sorachi/SHUEISHA
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2015

Thobias meint: Honey & Clover von Chika Umino

Eine wunderschöne Geschichte übers Erwachsenwerden, Freundschaften knüpfen und selbstständige Leben. Eigentlich ein Titel, der älter gewordene Fans ansprechen dürfte. Viel Humor, faszinierende und tiefgründige Charaktere, einiges an Drama und ein Hauch Romantik. Das alles gepaart mit dem warmen Stil von Chika Umino (Charakterdesign bei Eden of the East), der gekennzeichnet ist von weichen Linien, wenig Kanten und hellen Kontrasten. Eine Gruppe Studenten an einer Kunstakademie lernen die Wirrungen des Lebens kennen. Mache ich das richtige? Wenn ja, was kann ich damit später anfangen? Auf der Suche nach Antworten finden und verlieren sie sich selbst, suchen Hilfe in Liebe und Freundschaft, finden Enttäuschung aber wachsen am Ende trotzdem. Abgeschlossen in zehn Bänden erschien die Serie hierzulande bei TOKYOPOP, floppte jedoch vehement und erfuhr keine zweite Auflage. All jene, die diese Serie wahrgenommen haben und verfolgten, haben garantiert etwas für sich daraus mitgenommen. In den Jahren 2005 bis 2006 entstand bei J.C. Staff ein Anime mit insgesamt 38 Folgen in zwei Staffeln inklusive zwei OVAs. Ich kann euch diese Serie nur empfehlen, wenn ihr beispielsweise Silver Spoon mochtet.

Ranma meint: Meine Nachbarn die Yamadas

Ein Studio Ghibli Film in dieser Liste? Ja, denn im Gegensatz zu den Werken von Hayao Miyazaki, bekommen die Animes der anderen Regisseure deutlich weniger Aufmerksamkeit als die des Meisters. So wie einer meiner Lieblingsfilme des Studios. Meine Nachbarn die Yamadas wurde bereits 2008 von Universum Anime veröffentlicht und war leider kein großer Verkaufserfolg. Denn wie das Label mehrmals über Facebook und Co. verlauten ließ, waren die Zahlen so gering, dass ein Blu-ray-Release im Rahmen der Studio Ghibli Blu-ray Collection nicht geplant ist. Dabei ist das Werk von Isao Takahata (Die Legende der Prinzessin Kaguya) für mich der humorvollste Anime des beliebten Studios.

Die Alltagsgeschichten sind gespickt mit unzähligen kuriosen Einfällen. Eine übergeordnete Story gibt es nicht, wodurch sich die Geschichte auf das Leben der liebenswerten Figuren konzentriert. Von der Omi, die sich mit Bikern anlegt, bis zum kleinen Mädchen, das im Einkaufzentrum vergessen wurde, sind die einzelnen Abschnitte abwechslungsreich gestaltet. Der unfertige beziehungsweise gekritzelte Zeichenstil wirkt zunächst etwas abschreckend, doch wenn man sich darauf einlässt, verfällt man leicht dem Charme des Films.

© 1999 Hisaichi Ishii – Hatake Jimusho – GNHB
© 2008 Universum Film GmbH

Nun interessiert uns natürlich: Kennt ihr auch solch kleine Spartentitel, die in keiner Top-Verkaufszahlenliste auftauchen, die aber dennoch eine Empfehlung wert sind? Schreibts in die Kommentare, wir freuen uns!

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1 KOMMENTAR

  1. Eindeutig “Gin Tama”. Es ist extrem schade, wie eine derart geniale Reihe so in Deutschland unterzugehen scheint =(.

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