»Arinas Sammelsurium« – Manga-Test

Arina Tanemura ist allgemein eher für ihre romantischen, humorvollen und bisweilen fantastisch-actiongeladenen Serien wie Shinshei Doumei Cross, Jeanne – Die Kamikaze Diebin oder ihrer neusten Geschichte My Magic Fridays bekannt. Im Februar 2013 erschien hierzulande jedoch mit bei TOKYOPOP, der in humoristischer und essayistischer Form den Werdegang, das (Arbeits-)Leben und die Persönlichkeit von Arina Tanemura selbst in Vordergrund rückt. Daneben erklärt die Mangaka beispielhaft, wie die Produktion eines Mangas funktioniert. In Japan erschienen die 42 drei bis sechs Seiten langen Kurzmangas unter dem Namen Arina no Tane in Shueishas Magazin Cobalt und wurden 2008 in einem Einzelband zusammengefasst veröffentlicht.

Zu Beginn des Einzelbandes erzählt die beliebte Künstlerin davon, wie sie ihre Leidenschaft für das Zeichnen allgemein und später dann für Mangas im Speziellen entdeckte. Dabei eröffnet Arina Tanemura interessante Einblicke in ihre Schulzeit und in ihrem Charakter, denn sie war nicht immer die routinierte Zeichnerin, die durch ihre klaren Linien und ihr Verständnis für Bildgestaltung auffiel. Tanemuras Kunstlehrer sah ihre Stärke mehr in der Emotionalität ihrer Bilder, als in der Ästhetik.

Weiterhin sammelt Tanemura in ihrem Sammelsurium diverse Erinnerungen, die dem interessierten Fan einen genauen Einblick in ihre Arbeitsweise und -gewohnheiten. So erfährt man, wie die jeweiligen Kapitel entstehen, die Terminierung der Abgabe gestaltet wird und welche Prozesse während des Zeichnens der Künstlerin am meisten Spaß machen. Im Zuge dessen stellt sie ihre drei Assistentinnen vor, die Tanemura teilweise seit ihrem Debüt kennt. Somit stellt das Gespann aus der Mangaka samt ihrer Assistentinnen die Protagonisten dieses tagebuchartigen Mangas.

Als Schmankerl eröffnet Arine Tanemura anfangs, welche Genres sie am liebsten liest. Anders als eventuell vermutet sind es nicht spannungsgetriebene und kitschige Romanzen, was an Arinas Sammelsurium deutlich wird. Denn im Kontrast zu ihren sonstigen Serien gestaltet die Zeichnerin die knappen Kurzgeschichten in den 42 Kapiteln mit auffallend wenig Panelbrüchen, sehr viel Slapstick-Comedy und einem sehr reduzierten SD-Stil, von dem lediglich abgewichen wird, wenn sie über ihre jeweiligen Serien spricht.

Wie der Titelzusatz Sammelsurium andeutet, springen die Kurzgeschichten in den Genres hin und her, wodurch sich Arina Tanemura einem sprichwörtlichen Potpourri bedient, um sich erzählerisch auszutoben. Von Traumwelten, über Reiseberichte bis hin zu Alltäglichem deckt die Mangaka alles ab. Einerseits erzählt sie von ihrer Schulzeit und der Familie, dann über ihre Arbeitswelt und die Struktur der Redaktion für das Manga-Magazin Ribon, in dem ihre Serien monatlich erscheinen, bevor sie von ihrem Urlaub auf den Malediven berichtet und schlussendlich alles unter einem gekonnt süßen wie ebenso humorvollen Hut subsumiert.

Bezogen auf den Originaltitel (Arina no Tane) wird deutlich, dass Arina Tanemura hier bildlich ihren Werdegang vom Samen (Tane) zur blühenden Blume erzählt, was das Cover des Oneshots auch bildlich untermauert.

In weiten Teilen des Bandes bewegt sich Tanemura im Yon-Koma-Stil, was die knappe Seitenzahl der jeweiligen Kapitel nahelegt. Aus diesem Grund kommt die Aussage der lose zusammenhängenden Einzelgeschichten schnell zum Vorschein, wodurch eine gewisse Kurzweil entsteht, die mit der Zeit in routiniertes und überdachendes Slice-of-Life abdriftet.

Bildsprachlich erhält der Fan von Arina Tanemuras Mangas einen regelrechten Stilbruch beziehungsweise eine strikte Abkehr von der bekannten und gewohnten Seherfahrung. Keine konturierten und mit starken Outlines betonten Gesichtszüge, ebenso wenig detaillierte Frisuren, Klamotten oder Hintergründe. Arinas Sammelsurium präsentiert sich durchweg rund, minimalistisch und in der Gestaltung der dargestellten Welt simpel, um sich mehr auf das erzählte Wort zu konzentrieren. Diese sind zweifelsohne auch das interessanteste an dem Einzelband.

Abschließend spricht Arina Tanemura mit Arinas Sammelsurium sowohl Fans ihrer Person und Geschichten an, wie auch Manga-Interessierte im Allgemeinen, denn neben tiefen Einblicken in ihr Leben gewährt die renommierte Künstlerin auch einen aufklärenden Blick in die Welt der Manga- beziehungsweise Comicproduktion. Somit kann meines Erachtens jeder Leser etwas Gewinnbringendes aus der Lektüre mitnehmen. Verwirrend an der Übersetzung fand ich, dass, bis auf eine Ausnahme, alle Preise in Yen belassen wurden. Diese hätte man als Randbemerkung in Euro umrechnen, oder direkt in Euro ausweisen können.
Nichtsdestotrotz bietet Arinas Sammelsurium nicht nur einen interessanten Fundus aus inhaltlichen Einblicken und Erkenntnissen, sondern auch einen souveränen Mix aus Genres und Stilen, die die ganze Welt der (Tanemura-)Mangas widerspiegeln. Fans und generell Interessierte erhalten mit diesem Einzelband eine kurzweilige Einführung in quasi beide Welten, wobei der Fokus ganz deutlich auf der fantastisch-romantischen Shojo-Welt Tanemuras liegt.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Leseexemplars zu Arinas Sammelsurium.

Details

Titel: Arinas Sammelsurium
Originaltitel: Arina no Tane (有菜の種)
Mangaka: Arina Tanemura
Erscheinungsjahr: 2008 (JP) 2013 (DE)
Verlag: Shueisha (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Comedy, Slice of Life, Special
Altersempfehlung: 13+
Preis: 6,50€
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842006705&chan=animey&asin=3842006705]

Arina no Tane © 2008 Arina Tanemura, Shueisha
Arinas Sammelsurium © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2013

2 KOMMENTARE

  1. Im erste Satz des Fazits steht “Arinas Sammeldurium” und nicht “Arinas Sammelsurium”. Bitte verbessern 😉

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