NO. 6 – Manga-Test

Dank EMA geht seit Oktober 2014 Atsuko Asanos und Hinoki Kinos NO. 6 über die deutsche Ladentheke. Der Manga basiert auf die gleichnamige Roman-Reihe von Asano-sensei und lief von 2011 bis 2013 in Kodanshas ARIA-Magazin. Das Werk ist mit neun Bänden abgeschlossen. AnimeY nahm für euch Volume 1 näher unter die Lupe.

Shion ist ein hochintelligenter Schüler, der in einer zukunftsvisionären Stadt namens NO. 6 ein scheinbar anständiges und sorgloses Leben führt. Eines Tages taucht in seinem Zimmer ein verletzter Junge namens Nezumi auf, der aus dem West-Block stammt – ein Ort, wo laut Shion Verbrecher leben, die von NO. 6 ferngehalten werden. Shion kümmert sich um den rätselhaften Nezumi und das, obwohl sich der Schüler in Schwierigkeit begibt, wenn er Flüchtlingen unterschlupf bietet. Doch am Tag darauf ist Nezumi verschwunden.

Vier Jahre sind seitdem vergangen. Aufgrund der Unterbringung von Nezumi wurden Shion und dessen Familie in eine ärmliche Gegend versetzt, sie verloren des Weiteren ihren angesehenen Status. Doch der Junge lässt sich nicht davon unterkriegen. Er wird plötzlich Zeuge von dem rätselhaften Tod eines Menschen und geht der Sache nach. Doch das hätte Shion lieber sein lassen sollen, denn nun gerät er ins Visier der Behörden. Dank Nezumis Auftauchen gelingt dem Jungen die Flucht. Dies führt jedoch die Konsequenz mit sich, dass er seine Familie und all seine Erinnerungen an die Stadt für immer begraben muss, um selber überleben zu können. Wie Shion damit wohl umgehen wird. Und wer ist der rätselhafte Nezumi beziehungsweise was verbirgt sich hinter NO. 6?

NO. 6 spielt in einer fiktiven, hochmodernen – scheinbar sorglosen – Stadt. Doch dem Leser dürfte gleich zu Beginn des Mangas klar werden, dass die Menschen dort nur unbewusst dem System »dienen«, quasi unter einer Glasglocke leben. Wer NO. 6 stets treu ist, dem passiert auch nichts, stellt er sich jedoch dagegen beziehungsweise hinterfragt gewisse Dinge, so wird derjenige zum Gejagten.

Der Startband von NO.6 gibt allerdings noch keine hintergründigen Fakten zur Stadt selber preis, sondern legt einen großen Fokus auf die Einführung der beiden Protagonisten Nezumi und Shion. Während Erster bereits seit Jahren gegen das System arbeitet und mit den Gegebenheiten als Abtrünniger vertraut ist, muss Letzterer sein bisher »schönes« Leben von einem Tag auf dem nächsten aufgeben. Das Werk wirft hierbei allerlei Fragen auf, die es zu klären gilt. Beispielsweise ist unklar, warum es Nezumi gerade zu Shion zog. Der Junge ist im Grunde der Auslöser dafür, dass dessen Leben sich auf Schlag änderte.

NO. 6 hat bisher einen kleinen Charakter-Pool. Neben Nezumi und Shion nimmt ein Mädchen namens Safu eine größere Nebenrolle ein. Diese hat ein Auge auf Shion geworfen und ist bereits mehrere Jahre mit ihm befreundet. Wie sich diese Beziehung nun entwickelt, jetzt wo Shion nicht mehr in NO. 6 lebt, wird sich zeigen. Der Romantik-Anteil fällt in NO.6 relativ gering aus. Allerdings darf sich der Leser auf kleine Shonen-Ai-Andeutungen zwischen Nezumi und Shion freuen.

Hinoki Kinos Zeichnungen entpuppen sich als shojotypisch. Der Leser entdeckt an einigen Stellen detailliert ausgearbeitete Kulissen, größtenteils liegt der Fokus aber auf attraktive Charakterdesigns und das zum Ausdruck bringen von Emotionen, was dem Werk sehr gut gelungen ist.

Eine utopische Stadt, die seinen Bewohnern die heile Welt vorgaukelt, in Wahrheit aber alles andere als paradiesisch ist, und darunter zwei junge Männer – Nezumi und Shion – die dem Ganzen nachgehen. Zugegeben, ähnliche Ausgangspunkte findet man auch in anderen zukunftsvisionären Erzählungen. Trotzdem ist es Atsuko Asano gelungen, eine Story zu kreieren, welche den Leser fesselt. Diese kommt mit Dramatik, Mystery und wenigen Shonen-Ai-Elementen. Hinoki Kino setzt Asano-senseis Geschichte zeichnerisch überzeugend um. Band 1 von NO. 6 bietet einen vielversprechenden Start in eine spannende Erzählung, welche Mystery-Fans zu empfehlen ist.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu NO. 6, Band 1.

NO.6 © 2011 Atsuko Asano, Hinoki Kino / Kodansha Ltd.
© 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH