»Girls Love Twist« – Manga-Test

Ein süßes, grünäugiges Mädchen lächelt einem vom Cover des ersten Girls Love Twist-Bandes entgegen. Doch der Schein trügt manchmal und in dieser Reihe von Ayumi Komura besonders. Unter dem Originaltitel Usotsuki Lily läuft die Serie in Shueishas Margaret seit 2009. Im Mai 2013 erschien der erste Band der Comedy-Reihe bei TOKYOPOP. Am 17. Februar 2014 dürfen sich Fans hierzulande auf Volume vier von aktuell 14 Teilen gefasst machen. Derselbe Verlag brachte zudem im Oktober den Einzelband Girls Love Twist ZERO heraus. Dieser gibt Hintergrundinformationen zu den Nebencharakteren.

Die 15-jährige Hinata Saotome fasst ihr Glück nicht, als der gut aussehende Junge En sie bittet, seine Freundin zu werden. Kurz darauf wandelt sich die Freude aber schnell in Missmut, da der Schüler ein leidenschaftlicher Crossdresser ist. Als Frau verkleidet zieht er die Blicke der Burschen nur so auf sich. Dabei steckt hinter dieser Kostümierung nicht etwa der Wunsch, selbst ein Mädchen sein zu wollen, sondern Ens tiefe Verehrung für das weibliche Geschlecht sowie dessen Hass gegenüber allem Männlichen. Letzteres geht so weit, dass En sogar Spiegel einschlägt, wenn er sich darin in seiner normalen Erscheinung als Junge sieht.

Trotz dieses eigenwilligen Hobbys wirft Hinata nicht das Handtuch und bleibt mit En zusammen. Es folgen unter anderem – mit kleineren Schwierigkeiten – der erste Kuss, ein Feuerwerk und das Schulfest, bei dem es auch Hinata mit Crossdressing versucht.

Mit diesen Informationen und der Anmerkung zu Beginn des Artikels ist es nicht mehr schwer zu erraten, dass die vermeintliche Schönheit auf dem Cover des ersten Bandes niemand Geringeres ist als En Shinohara, Mädchenverehrer Nummer Eins in der Welt von Girls Love Twist. Mangaka Ayumi Komura lässt es sich dabei nicht nehmen, den Männerhasser während der Handlung in allerlei Kleidungsstücken zu präsentieren. Von der normalen Schuluniform über den geblümten Yukata bis hin zu einem schicken Maid-Outfit bietet der erste Band bereits eine große Palette. In den Fantasien der Jungs dürfen Leser En auch in Bikini und Badeanzug inklusive Brüste bestaunen – sehr zu Hinatas Widerwillen, welche solche Gedanken über ihren Freund ablehnt. Die Kostümierung des Jugendlichen fällt sogar perfekt genug aus, um die anderen Mädchen vergessen zu lassen, dass er eigentlich ein Junge ist. Da darf En auch schon einmal beim Girl-Talk mitmischen, wenn sich Schülerinnen etwa über das Rasieren der Beine austauschen. Bei so einer femininen Ausstrahlung wundert es wenig, dass der 15-Jährige in so mancher Situation eher wie ein Mädchen als wie ein Kerl reagiert.

Verglichen zu En präsentiert Hinata trotz ihrer romantischen Vorstellungen auch eine bestimmende, resolute Seite, die dem Freund auch schon einmal einen Schlag auf den Kopf verpasst, wenn er ihr zu viel Unfug treibt. Um das Thema Crossdressing genügend auszuschlachten, darf Hinata im ersten Band in den Kleiderschrank ihres Bruders greifen. Der Comedy-Gehalt von Girls Love Twist, welcher den Großteil der Handlung einnimmt, lebt von der Verschiedenheit Ens und Hinatas, die trotz der Hindernisse zusammenbleiben. Bei dem großen Fokus auf den beiden rücken andere Figuren in den Hintergrund. Neben den Freunden Naota und Komachi gibt es auch gleich zwei Zwillingspärchen, die aus heiterem Himmel auftauchen, doch nur die Mädchen bekommen eine Namensvorstellung. Zudem beißt sich das Charakter-Design der Jungs mit Naotas. Aus den Dialogen geht aber zum Glück klar hervor, wer gerade am Wort ist.

Die Kapitel erzählen einzelne Episoden, welche jeweils ein neues Dilemma in der frischgebackenen Beziehung erläutern. Zwischendurch platziert liegen Kommentare der Manga-Zeichnerin. Nach sechs Abschnitten folgen mit der Bonus-Story Erblühen acht Seiten darüber, wie En zu seiner etwas merkwürdigen Leidenschaft gekommen ist. Danach gliedern sich noch fünfzehn 4-Panel-Strips rund um die Charaktere aus Girls Love Twist ein. Ayumi Komuras Zeichenstil eignet sich für diese Art von Geschlechtstausch formidabel, weil es bei den Kopfformen für Mädchen und Jungs kaum bis gar keinen Unterschied gibt. Auch die Augen fallen überall groß sowie leuchtend aus, sodass Frisuren und Klamotten ein Hauptaugenmerk bilden, um die Personen äußerlich zu identifizieren. Gezeichnete Hintergründe tauchen nur als Randerscheinung auf. Wenn erst einmal deutlich ist, in was für eine Umgebung sich die Figuren befinden, muss die Szenerie einer Fülle von Rasterfolien weichen, die als Platzhalter fungiert. Bei den Zeichnungen vermisse ich persönlich Bilder, welche schon einmal eine ganze oder gar eine Doppelseite einnehmen, um so die Aufmerksamkeit des Betrachters einzuheimsen. Der erste Band kommt mit 224 Seiten daher und kostet 6,95 Euro.

Wenn jemand einen Shojo-Manga mit Comedy pur sucht, um einmal richtig abzuschalten, und sich keine Gedanken macht, ob alles in sich schlüssig sowie logisch nachvollziehbar ist, dann ist der- oder diejenige mit Girls Love Twist gut beraten. Mal ehrlich: Wer kommt schon mit einem Typen zusammen, ohne sich vorher wenigstens zu informieren, was für ein Mensch er ist? Der Manga bietet kurzweilige Unterhaltung, welche hauptsächlich darauf beruht, dass die Charaktere in Klamotten des anderen Geschlechts durch die Gegend rennen. Bei einer Länge von bisher vierzehn Bänden ist jedoch fraglich, ob sich das Thema Crossdressing wirklich so lange humorvoll ausschöpfen lässt, ohne Langeweile beim Leser auszulösen. Interessierte sollten einen Kauf lieber zweimal überdenken, anstatt eventuell zu schnell zuzugreifen und später zu bereuen.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Girls Love Twist, Band 1.

Details

Titel: Girls Love Twist, Band 1
Originaltitel: うそつきリリィ (Usotsuki Lily), Vol. 1
Mangaka: Ayumi Komura
Erscheinungsjahr: 2010 (JP), 2013 (DE)
Verlag: Shueisha (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Comedy, Romance, Slice of Life, Shojo
Altersempfehlung: ab 13
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842006632&chan=animey&asin=3842006632]

Usotsuki Lily © 2010 Ayumi Komura, Shueisha
Girls Love Twist © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2013