»Die kleine Prinzessin Sara« (Manga-Bibliothek) – Manga-Test

Nach Fünf Fälle für Sherlock Holmes und Die Abenteuer des Tom Sawyer baut TOKYOPOP seine Manga-Bibliothek-Reihe weiter aus. Seit Mitte November 2013 dürfen sich die Literatur-Fans unter den Lesern über den englischen Kinder-Klassiker Die kleine Prinzessin Sara (im Original A Little Princess) von Frances Hodgson Burnett freuen. Dies ist nicht der erste Titel aus der Manga- und Anime-Szene, welcher die dramatische Kindheit von Sara Crewe in den deutschsprachigen Raum bringt. Ältere Fans erinnern sich eventuell an die gleichnamige, 46 Episoden lange Serie, welche erstmals 1992 über die Bildschirme flimmerte. Der Anime liegt komplett auf DVD bei KSM vor. Ebenfalls bekannt sein dürfte der nächste Titel in TOKYOPOPs Manga-Bibliothek. Am 17. Februar 2014 erscheint Eine fröhliche Familie. Bei einem Preis von zwölf Euro fällt Die kleine Prinzessin Sara günstiger aus, als die bisherigen Werke in der Linie.

Mit sieben Jahren muss Sara Crewe ihre Heimat Indien verlassen und das Londoner Mädchen-Internat von Miss Minchin besuchen. Aufgrund des Reichtums ihres Vaters genießt das Kind allerlei Privilegien und wird schnell zur Vorzeigeschülerin. Unter den Klassenkameradinnen findet Sara nicht nur Freundinnen, sondern auch Neider. Ein harter Schicksalsschlag trifft sie an ihrem 11. Geburtstag. Ihr Vater ist an einer Krankheit verstorben und sein Vermögen verloren. Von einem Moment auf den anderen steht Sara mittellos da. Miss Minchin degradiert das Mädchen zu einer armen Dienstbotin ohne Aussichten auf eine rosige Zukunft. Sara bleibt nur noch ihre Fantasie und ein unerschütterlicher Wille, um in dieser dunklen Zeit den Idealen einer Prinzessin treu zu bleiben, welche den Menschen Träume und Hoffnung gibt.

In der Zwischenzeit zieht ins Nebenhaus ein kranker Gentleman aus Indien ein. Mr. Carrisford sucht unerbittlich nach der kleinen Sara, da er sich die Schuld daran gibt, ihren Vater nicht nur in den Ruin, sondern auch in den Tod getrieben zu haben. Sein Anwalt Carmichael glaubt das Mädchen in Russland. Dabei lebt Sara direkt auf der anderen Seite der Wand.

A Little Princess gehört zu Frances Hodgson Burnetts (1849-1924) beliebtesten Werken. Andere bekannte Titel von ihr sind Little Lord Fauntleroy (Der kleine Lord) und The Secret Garden (Der geheime Garten). Die Erlebnisse der kleinen Sara erschienen erstmals im 1888 gedruckten Roman Sara Crewe: or, What Happened at Miss Minchin’s Boarding School. Danach wurde die Handlung erweitert, sodass 1905 schließlich die heute verbreitete Fassung herauskam. Die Geschichte erhielt auch eine deutsche Übersetzung. Mir selbst liegt als Vergleich die (leider gekürzte) Fassung Sara, die kleine Prinzessin aus der Kinderbuch-Klassiker-Reihe vom Verlag Arena vor.

Freunde des Originals dürften bei der Szenenauswahl der Manga-Adaption zufrieden sein, denn Azuki Nunobukuro (Zeichnungen) und Tetsuya Mihara (Text) bleiben nahe an der ursprünglichen Story, auch wenn nicht alles eins zu eins übernommen wird. So stellt das Duo Saras Wunsch, wie eine Prinzessin zu sein, von Anfang an in den Mittelpunkt. Wichtige Charaktere wie die Schülerinnen Ermengarde, Lottie und Lavinia sowie das Dienstmädchen Becky als auch die Bettlerin Anne sind auch mit dabei. Selbst Miss Minchins Schwester Amelia hat es in die Geschichte geschafft. Tierische Begleitung erhält Sara in schweren Stunden von der Maus Melchizedek, und die Puppe Emily spendet ihr Trost. Wer stattdessen etwa fehlt, ist der Sekretär von Mr. Carrisford, der mit dem indischen Diener Ram Dass im Roman einmal im Geheimen Saras heruntergekommenes Dachkämmerchen begutachtet. Diese wenig aussagekräftige Rolle wird wohl kaum jemand im Manga vermissen.

Wie bereits Fünf Fälle für Sherlock Holmes und Die Abenteuer des Tom Sawyer kommt auch dieses Werk im Hardcover-Format daher und fällt von den Maßen größer aus, als die durchschnittlichen Mangas von TOKYOPOP. Die vorherrschende Farbe ist passend zu Saras Lieblingskleid Rosa. Das Titelbild und die Rückseite des Buchs präsentieren euch Szenen aus dem Manga in Farbe. Im Inneren entdecken die Käufer zudem vier bunte Illustrationen, welche die Geschichte einleiten. Azuki Nunobukuro zeichnet in einem zuckersüßen Stil. Die Internatsschülerinnen besitzen große Kulleraugen und mit Rüschen besetzte Kleidung. Jegliche Verzierung fehlt jedoch bei Saras Dienstgewand, um so den ärmlichen Aspekt hervorzustreichen. Die Köpfe der Kleinen sind proportional überdimensioniert geraten. Dies verstärkt den Niedlichkeitsfaktor. Hintergründe sind ausreichend vorhanden, um sich ein Bild von der Umgebung machen zu können, werden ansonsten aber gerne durch Rasterfolie ersetzt. Das Charakter-Design der Figuren bleibt zwar individuell, doch besitzt der Zeichenstil im Großen und Ganzen keinen Wiedererkennungswert. Zudem könnte die Darstellung von Personen, welche in der Originalhandlung keine nähere äußerliche Beschreibung erhalten haben, an den bisherigen Vorstellungen der Leser vorbeisausen. Wie viele stellten sich etwa Saras Vater als jungen, blonden Mann mit blasser Haut vor? Aber aufgrund der fehlenden Informationen von Frances Hodgson Burnett ist dieser Punkt natürlich Geschmackssache.

Mit Die kleine Prinzessin Sara hat sich TOKYOPOP ein Werk ins Sortiment geholt, welches ältere Leser und Kenner des Animes in süße Erinnerungen schwelgen lässt. Empfohlen wird der Titel ab zehn Jahren, ist aber auch durchaus für Jüngere geeignet, falls diese mit der japanischen Leserichtung klarkommen. Die Manga-Adaption bietet eine gute und einfache Alternative für all diejenigen, welche schon immer einmal wissen wollten, worum es in dem zugrunde liegenden Roman geht, aber eine gezeichnete Version bevorzugen. Da die Geschichte zur Kinderliteratur zählt, könnten sich Manga-Fans ohne irgendeinen Zugang zum Titel beim Werk schnell langweilen, denn ein Happy End ist vorprogrammiert. Zudem mag Azuki Nunobukuros Zeichenstil die Bilder in einem freundlichen Licht erstrahlen lassen, doch besitzt dieser ansonsten keine Besonderheiten, um ihn in Erinnerung zu halten.

Wir bedanken uns bei TOKYOPOP für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Die kleine Prinzessin Sara.

Details

Titel: Die kleine Prinzessin Sara (Manga-Bibliothek)
Originaltitel: 小公女 (マンガジュニア名作シリーズ) [Syokojo (Manga Junior Meisaku Series)]
Mangaka: Azuki Nunobukuro
Erscheinungsjahr: 2012 (JP), 2013 (DE)
Verlag: Gakken Education (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Shojo, Historie, Slice of Life, Drama
Altersempfehlung: ab 10
Preis: 12 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3842009321&chan=animey&asin=3842009321]

Manga Junior Meisaku Series: Syokojo (A Little Princess) © 2012 Azuki Nunobukuro, Gakken Education
Manga-Bibliothek: Die kleine Prinzessin Sara © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2013