»Blue Exorcist – Box 1« – DVDonTest

Blue Exorcist basiert auf den gleichnamigen Erfolgsmanga von Kazue Kato, der in der Jump Square publiziert wird. Produziert von dem hoch geschätzten Animationsstudio A-1 Pictures lief die 25-teilige TV-Serie im Frühling 2011 im japanischen Fernsehen. Neben der Vorlage, die seit März 2012 in dem Manga-Label läuft, ist der Anime bei Kazé von Juni bis Dezember 2012 komplett in vier Boxen auf DVD und Blu-ray erschienen. Die parallele Veröffentlichung gehört zu den Gründen, wieso das Franchise besonders im deutschen Sprachraum so große Popularität genießt und sich auf Conventions als Dauerbrenner schlechthin zählt. Nicht zuletzt liegt Letzteres an dem einzigartigen Design und den vielen Sympathieträgern der Serie allen voran energiegeladene Frohnatur Rin Okumura. Wir haben uns noch mal die Anfänge des Nachwuchs-Exorzisten in der DVD-Fassung angeschaut.


Rin Okumura wurde schon immer von seinen Mitmenschen anders behandelt. Dadurch lies der Junge sich leicht in Schlägereien verwickeln und richtete dabei oft Chaos an. Den Ruf als Raufbold hat er seinem Temperament zuschulden, so glaubte Rin zumindest. Verglichen mit seinem Zwillingsbruder Yukio, der erfolgreich in eine sehr angesehene Akademie aufgenommen wurde, ist Rin ein Nichtsnutz. Der Junge wuchs trotz allem wohlbehütet zusammen mit Adoptiv-Vater Shiro Fujimoto und Yukio in einem kirchlichen Heim auf, unwissend davon, was direkt vor seinen Augen verborgen war. Die Welt teilt sich in zwei Sphären auf, »Assiah« dem Diesseits und »Gehenna«, der Unterwelt sowie die Heimat der Dämonen. Normalerweise stehen die beiden Dimension unabhängig zueinander und würden nie zusammentreffen. Doch indem die Unterweltler Besitz von Personen oder anderen Lebewesen ergreifen, haben sie einen Weg gefunden, in die Menschenwelt einzudringen. Als Rin eines Tages nach einem Wutausbruch in blauen Flammen gehüllt ist, beginnt er merkwürdige Kreaturen zu sehen, die normale Menschen nicht bemerken. Sein Pflegevater eröffnet ihm eine Wahrheit, die ihm zeit seines Lebens vorenthalten wurde. Er ist das Kind eines Dämons und nicht irgendeines gewöhnlichen, sondern der Sohn des Höllenfürsten Satan.

Da nun der Bann gebrochen und das Blut in seinen Adern erwacht ist, machen die Schergen des Teufels Jagd auf Rin. Pater Fujimoto und die anderen Priester der Kirche schaffen nur mit Mühe, den Jungen zu beschützen. Doch da erscheint der leibhaftige Teufel und ergreift von Shiro Besitz, um seinen Sprössling durch die Höllenpforte nach Gehenna zu schleifen. Nur mit dem Preis seines Lebens gelingt es dem Exorzisten, Satan von seinem Vorhaben abzuhalten. Schwer von dem Verlust getroffen, schwört sich Rin an Shiros Grab, dass er stärker werden will, um Satan es heimzuzahlen und damit nie wieder jemand an seiner Stelle sterben muss. Aus diesem Grund tritt er in die Heiligkreuz-Akademie ein mit dem Eifer, seinem Vorbild gleich zu tun und der beste Exorzist aller Zeiten zu werden. Allerdings verlangt sein neuer Vormund und Schuldirektor Mephisto Pheles, dass Rin erneut die Schulbank drückt und stellt ihm eine Bedingung. Er darf seine blauen Flammen nicht vor den Augen anderer benutzen und muss das Geheimnis seiner dämonischen Abstammung bewahren. Besonders für Rin ist das eine Herausforderung, weil er sich schnell von seinen Gefühlen leiten lässt und in diesen Momenten seine Kräfte zum Vorschein kommen. Da steht dem angehenden Exorzisten noch ein beschwerlicher Weg bevor.

Blue Exorcist entstand auf Vorlage des Mangas von Kazue Kato, der ebenso von Kazé im deutschsprachigen Raum veröffentlicht wird und von denen zehn Bände derzeit erhältlich sind. Für die 25-teilige Anime-Serie führte Tensai Okamura (Wolf’s Rain, Darker than Black) Regie. Wer den Manga gelesen hat, wird merken, dass das Animationsstudio sich Zeit bei der Umsetzung gelassen hat. Damit wollte man einerseits den dramatischen Momenten Akzente setzen. Diese zeigen auf, welches starke Band zwischen dem Adoptiv-Vater Shiro und seinen Söhnen bestand. Letztlich gibt Shiros Fürsorge und Aufopferung Rin den Antrieb den steinigen Weg als Exorzist zu beschreiten. Wo stellenweise neben den durchaus ernsten Momenten Humor in dem Anime eingestreut ist, passt eine solche Art der Umsetzung besser, um die richtige Dosierung zu treffen. Andererseits wurde sich die Zeit genommen, um die Stärke der Serie auszuspielen, nämlich die Charaktere. Jede der Figuren hat seine eigene Persönlichkeit und Hintergrundgeschichte. Auch wenn manche davon klischeehaft sind, die stimmige Chemie zueinander macht dies wieder weg. Es gibt auch vereinzelt Material, wie zum Beispiel Episode 6, das nur im Anime vorkommt. Man wollte den Fokus auf den Alltag an der Akademie legen, böse Zungen würden dies als Filler bezeichnen, jedoch macht so ein Einblick die Charaktere noch liebenswerter. Generell muss ich sagen, dass man in dieser Umsetzung sehr originalgetreu war. Schließlich wurde die Autorin bei der Produktion eingebunden und sollte unter anderem das Drehbuch überschauen.

Protagonist Rin ist streitlustig, etwas naiv und ein richtiger Faulpelz. Doch in anderen Situationen zeigt er großes Herz und seine Entschlossenheit. Die Gebrüder Okumura könnten dabei nicht gegensätzlich sein. Yukio ist fleißig, clever, hat eine besonnene Seite und wird zudem von den Schülern bewundert. Natürlich baut sich dadurch eine Rivalität zwischen den Geschwistern auf, aber trotz der Anspannung bleiben sie am Ende des Tages Brüder, die einander zur Seite stehen. Ich hab auch das Gefühl, dass dieses Verhältnis wirklich gut getroffen ist. Schade finde ich dabei, wie schnell Rin die neue Situation akzeptiert, wo sein Leben so stark aus der Bahn geworfen wurde. Da fehlt es mir an Tiefe. Die anderen Charaktere kommen auch in den weiteren Episoden zum Zuge. Ryuuji mag vom Äußeren furchterregend ausschauen, aber da überrascht der Junge, wie engagiert er den Exorzisten-Unterricht angeht. Das Mädchen Shiemi macht einen niedlich, unschuldigen und gutherzigen Eindruck. Die romantische Beziehung zu Rin, wenn man es denn so nennen möchte, hat einen sehr ungewohnten Geschmack. Vor allem weil Shiemi in ihrem Leben wenig Kontakt mit ihren Mitmenschen hatte, ist sie wie Rin entschlossen, sich zu verändern. Diese Überschneidungen in manchen Facetten kann man ebenso bei den anderen Figuren finden. Und da wäre noch Mephisto, der zeitweise eiskalt wirkt und sich dann wieder sehr albern verhält. Mit seinem zwielichtigen Spielchen im Hintergrund macht er den Eindruck eines zweiten Antagonisten.

Einzigartig ist das Charakterdesign von Kazue Kato, dem hervorragend im Anime Leben eingehaucht wurde. Für die Comedy-Einlagen behielt man den Chibi-Look bei. der Chibi-Look beibehalten. Im Kontrast dazu steht die scharfe und saubere Umsetzung, die A-1 Pictures schon in Serien wie Sword Art Online, Working!! und Oreimo unter Beweis stellte. Im Fall von Blue Exorcist spielt beides sehr gut zusammen. Besonders die Hintergründe in der Akademie und anderen Schauplätzen wurden wunderbar eingefangen. Einige Ecken zeigen, wie viel Mühe sich gegeben man sich gab, die Orte detailliert auszuarbeiten. Die Kampfszenen weisen flüssige Animation auf und sind einwandfrei ausgeführt. Blue Exorcist bietet aber nicht nur etwas fürs Auge, sondern auch für die Ohren. Die Musik stammt von Hiroyuki Sawano, der sehr geschätzt für die Soundtracks von Guilty Crown und zuletzt Attack on Titan sowie Kill La Kill ist. In Blue Exorcist hört man passend zum religiösen Szenario und der Prämisse der Geschichte viele orchestrierte Stücke. Dazu mischen sich noch verschiedene Pop- und Rock-Klänge. Entsprechend der Stimmung werden diese wohlüberlegt eingesetzt. Die Rockgruppe UVERworld performte den Vorspann Core Pride, den man ebenso im DVD-Menü zu hören bekommt. Der Abspann Take Off von der südkoreanischen Band 2PM ist ein toller Ohrwurm, zu dem die Tanzeinlagen auch gerne in Conventions nachgeeifert werden.

Disc

Die erste Box, welche Kazé Ende Juni 2012 veröffentlichte, enthält die Episoden 1 bis 7 mit einer Laufzeit von 175 Minuten auf zwei Discs. Ich kann die FSK-Wertung von 16 Jahren nicht so recht nachvollziehen. Die ersten zwei Folgen mögen etwas düsterer sein als der generelle Tenor, aber so hart empfinde ich sie auf keinen Fall. Ihr habt die Möglichkeit zwischen japanischer und deutscher Sprachfassung zu wählen. In der DVD-Variante kommt der Ton wie üblich im Dolby Digital 2.0 und einem 16:9-Bild-Format. Auch wenn sich für den Durchschnittszuschauer keine Mängel bemerkbar machen, bei so einer Qualitätsproduktion wie Blue Exorcist lohnt es sich, zur Blu-ray-Fassung zu greifen. Vor allem in den Action-Szenen und wenn Rin sein blaues Feuer einsetzt, könnte es besser ausschauen. Die Originalfassung kommt mit deutschen Untertiteln, welche schwarz umrandet und in einer gelben Schriftart sind. Wirklich gut gelungen ist Kazé die Lokalisierung. Für die deutsche Synchronisation wurde das G&G Tonstudio beauftragt, das einiges an Erfahrung im Bereich Spiele und Anime mitbringt. Death Note, Fullmetal Alchemist und Darker than Black zählen zu ihren Arbeiten. Meiner Meinung nach kann sich Blue Exorcist in die Riege spitzenmäßiger Synchronisation anschließen, da bei der Besetzung wirklich ein hervorragender Job geleistet wurde.

Mich überrascht, dass man Dennis Saemann, der Hauptfigur Rin seine Stimme leiht, noch nicht so oft gehört hat. Die einzig andere erwähnenswerte Rolle wäre Akira aus Dance in the Vampire Bund. Dafür macht er gleich von Anfang an einen sicheren Eindruck und schafft die verschiedenen Facetten von Rin rüberzubringen. Tobias Diakow, der den Bruder Yukio spricht, hat genau den sanften Klang in der Stimme, die die besonnene Art des Vierauges braucht. Kana Hanazawa, die im Original Herzchen Shiemi ihre Stimme gibt, besitzt eine einzigartige Stimme, welche schwer nachzuahmen und sehr häufig für einen bestimmten Charaktertypus genommen wird. Rieke Werner, die Shiemi wiederum im Deutschen spricht, schafft es trotzdem glänzend dem Mädchen einen liebenswerten und süßen Eindruck zu verleihen. Auch sie hört man als Prinzessin der Nacht Mina Tepes in Dance in the Vampire Bund oder auch in Highschool of the Dead als Protagonistin Rei. Lediglich bei Direktor Pheles macht sich ein starker Unterschied zum Original bemerkbar. Da seine Seiyuu Hiroshi Kamiya momentan äußerst beliebt ist, nicht zuletzt wegen seiner Rolle als Leutnant Levi (Attack on Titan), kann dieselbe Wirkung schwer erreicht werden. Im Deutschen bekommt der undurchsichtige Schulleiter eine etwas andere Note. Generell wurde sich ziemlich Mühe bei der Vertonung gegeben. Insbesondere sind die Riten beim Exorzismus äußerst authentisch getroffen, die dadurch richtig Gänsehaut erzeugen.

Bonus

In der limitierten DVD-Box hat Kazé ordentlich physische Extras beigelegt. Zum einen enthält sie zwei Postkarten, mit hübschen Original-Artwork, das im Japanischen die ersten Volumes ziert. Zum anderen gibt es für die DVD exklusiv ein 44-seitiges Booklet. Darin enthalten sind Interviews mit Kazue Kato und dem Regisseur, Konzeptzeichnungen von den Charakteren, Dämonen sowie Schauplätzen. Als besonderes Goodie sind fünf Tarotkarten beigelegt (The Fool, The Magician, The High Priestess, The Empress und The Emperor), die Figuren aus Blue Exorcist inspirieren. Auf der Disc selbst befindet sich als Bonus nur die übliche Trailer-Auswahl von Kazé-Produkten.

Verpackung

Blue Exorcist kommt in der DVD-Variante in einem Digipack, welches in einem Pappschuber steckt. Das Frontcover auf der Box zeigt Rin in einer entschlossenen Pose, hinter dem sein Adoptiv-Vater steht. Wo die Beziehung einen besonderen Stellenwert einnimmt und Shiro auch nach seinem Tod innerhalb der Serie präsent bleibt, passt das Motiv wirklich gut zum Start des Animes. Umrandet wird das Cover mit einer goldenen Kontur, was sich farblich etwas mit dem Blau beißt. Der Pappschuber ist nicht gerade stabil und man hat Angst etwas einzuknicken. Das Digipack gestaltet sich von außen bloß mit Ornamenten auf blauen Hintergrund. Da stört das übliche Manko nicht mal, dass das FSK-Logo im Gegensatz zum Schuber aufgedruckt ist. Schade, dass nicht zumindest wie bei der Blu-ray das zweite Motiv für die Rückseite verwendet wurde. Wenn man die Box öffnet, gibt es noch einen Bannkreis zu sehen. Das Innlay ist da hübscher gestaltet. Sowohl da als auch auf den beiden Discs finden sich die bisher vorgekommenen Schauplätze in aufwendigem Artwork wieder: das Heim von den Gebrüdern Okumura, die Heiligkreuz-Akademie, der Kräuterladen mit anschließendem Garten und die Kathedrale zur »Blauen Nacht«.

Blue Exorcist ist ein großartiger Shonen-Anime, der mit einer Mischung aus Action, Übernatürlichem und Dramatik sowie einer Prise Humor überzeugt. Zwar bietet die Geschichte keine außergewöhnliche Prämisse, aber A1-Pictures hat sie hervorragend ausgeführt. Kazue Katos Charaktere sind wunderbar in Anime-Form adaptiert und ihr Zusammenspiel macht wirklich Spaß beim Zuschauen. Der mitreißende Einstieg wird durch den späteren Verlauf abgebremst. Dafür besticht die Serie mit einer charmanten Charakterdarstellung. Sowohl die Optik als auch die Musik sind erstklassig und unterstreichen die Atmosphäre treffend. Die Aufmachung der limitierten DVD-Edition ist umfangreich von Kazé gestaltet und die deutsche Synchronisation weiß den Zuschauer einzufangen. Da gibt es wenig auszusetzen. Nur der Preis ist hochgegriffen, wenn man die Serie komplettieren möchte, jedoch findet ihr die vier Boxen nun deutlich günstiger als zum Release. Weil der Titel allen Zielgruppen gefallen kann, was die breite Fangemeinde schon beweist, ist Blue Exorcist jedem Anime-Fan ans Herz zu legen.

Wir bedanken uns herzlich bei Kazé für das Rezensionsexemplar zu Blue Exorcist, Vol. 1.

Details

Titel: Blue Exorcist – Box 1
Originaltitel:青の祓魔師 (Ao no Exorcist)
Produktionsjahr: 2011
Genre: Fantasy, Action, Comedy
Animationsstudio: A-1 Pictures
Regisseur: Tensai Okamura
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 175 Minuten, Folge 1-7/ 2 Discs
Sprachen: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 2.0
FSK:16
Preis: 40,95 €
Bestellen: [amazon text=B00840GUVG&chan=animey&asin=B00840GUVG]

Blue Exorcist © Kazue Kato/SHUEISHA, Blue Exorcist Committee, MBS
© 2012 VIZ Media Switzerland SA