»Blue Exorcist – The Movie« – DVDonTest

Ab dem 28. Februar hat Kazé ein ganz besonderes Schmankerl für Blue Exorcist-Fans in petto. Nachdem die TV-Serie Ende 2012 bei dem Anime-Label komplett in vier Boxen erschienen ist, findet die heiß erwartete Film-Umsetzung zu uns auf DVD und Blu-ray. Blue Exorcist: The Movie feierte im Dezember 2012 seine Leinwand-Premiere in Japan. In dem Kino-Abenteuer von Dämon und Nachwuchs Exorzist Rin Okumura erwartet euch eine brandneue Geschichte, welche so im Anime und Manga nicht vorkommt.

Es herrscht eine lebhafte, ausgelassene Stimmung an der Heiligkreuz-Akademie, denn ein großes Festival steht an, das nur alle elf Jahre abgehalten wird. Die Tradition beruht auf einer uralten Legende, dessen Wurzeln längst mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind. Für die Schüler und Mitarbeiter des Exorzisten-Kollegs ist die Vorfreude etwas gemindert, weil sie vollsten mit den Vorbereitungen beschäftigt sind. Im Zusammenhang mit der Festlichkeit sollen nämlich die Schutzbarrieren gegen die Dämonen erneuert werden. Rin, Yukio und Shiemi bekommen den Auftrag einen Phantomzug auszutreiben. Dies ist ein Wesen, das zwischen der Dämonenwelt und dem Diesseits wandert und die Geister der Passagiere in die Unterwelt entführt. Wie üblich hört Rin nicht auf die Anweisungen seines Bruders, sodass der Phantomzug früher als erwartet erwacht und in Raserei gerät. Ihr Plan scheitert und der Dämon richtet bei seiner Flucht eine enorme Verwüstung an. Inmitten der Trümmer findet Rin ein Kind, das sich als Dämon in Gestalt eines kleinen Jungen entpuppt.

Usamaro, wie er das Kerlchen später nennt, war in einem Schrein gebannt, der bei dem Tumult zerstört wurde. Mit all den anstehenden Vorkehrungen für das Fest haben die Exorzisten genug um die Ohren und keine Zeit, das Siegel für den Dämon neu zu errichten. So gibt Direktor Mephisto Rin als Strafe die Verantwortung, auf den Burschen aufzupassen. Neben den Vorbereitungsstress, den schulischen Pflichten und der Dämonenjagd soll der Tunichtgut also Babysitter für den vorlauten Bengel spielen. Da hat er sich wiedermal was eingebrockt. Dabei schließt Rin allmählich Freundschaft mit Usamaro. Auch wenn das Kerlchen lieb und harmlos ausschaut, darf der angehende Exorzist sich wirklich auf einen Dämon einlassen? Gerade wo die Bannkreise geschwächt sind, braut sich eine unheilvolle Bedrohung über der Stadt zusammen und einer Legende wird wieder Leben eingehaucht.

Blue Exorcist: The Movie erzählt eine originale Geschichte von Autorin Kazue Kato, die unabhängig und in sich abgeschlossen ist. Auch wenn der Film scheinbar selbst Neulinge zum Franchise locken soll, würde ich trotzdem empfehlen nicht völlig ohne Vorwissen an das Werk heranzugehen und zumindest einen kleinen Blick in die Serie oder den Manga zu werfen. Ein Zuschauer könnte allein schon von der Fülle der auftretenden Charaktere erschlagen werden. Angesiedelt ist der Film, nachdem alle schon von dem Geheimnis erfahren haben, dass Rin der Abkömmling Satans ist, denn der Schüler versucht nicht mal mehr seinen Dämonenschwanz vor den anderen zu verstecken. Generell unterscheidet sich der Blue Exorcist-Movie von typischen Shonen-Verfilmungen, weil im Mittelteil überwiegend Slice-of-Life-Elemente vorkommen, um die Beziehung zwischen Rin und Usamaro aufzubauen. Zu Beginn wird der Zuschauer jedoch erst mal direkt ins Geschehen geworfen und es startet eine actiongeladene Spritztour auf dem rasenden Geisterzug. Auch das spektakuläre Finale dreht in dem Punkt wieder richtig auf.

Als Rahmen um den Film spannt sich eine Kindheitserinnerung, in der Pater Fujimoto den Okumura Zwillingen eine Bilderbuchgeschichte erzählt. Der abgebrühte Priester hat auch im Movie wieder eine wichtige Präsenz. In der Geschichte, welche auf der besagten Legende beruht, kümmert sich ein Kind um einen verkümmerten Dämon. Und während die beiden sich im Dorf amüsierten, vergaßen die Bewohner ihre Sorgen und Pflichten, was schließlich den Ort an den Ruin brachte. Man braucht nicht lange rätseln, um zu schließen, dass es sich bei dem Dämon um Usamaro handelt. So könnt ihr euch schon vorstellen, was für ein wildes Chaos mit einhergeht, wenn die Exorzisten alle ihre Arbeit stehen und liegen lassen, wo gerade die Dämonen-Barrieren wiederhergestellt werden. Das Ganze könnte mit seiner Moral und dem Märchencharakter einer Fabel entsprungen sein. Dabei hat das niedliche Kerlchen das nicht Mal böse gemeint und wollte nur mit den anderen auf das Fest gehen. Einfach unbekümmert in den Tag hinein leben geht eben nicht. Die Probleme lösen sich ja nicht von alleine. Erfrischend an dem Film ist, dass ein richtiger Antagonist fehlt. Zwar lungert der wild gewordene Geisterzug noch irgendwo in den Gassen herum, aber dieser ist nur von Instinkt gesteuert. Cheng-Long Liu, der zweite eigens für den Film kreierte Charakter, würde gut eine solche Figur abgeben, aber er steht dafür zu stark im Hintergrund und man erfährt auch nur in einem Nebensatz, dass seine Vorfahren in Verbindung mit der Legende stehen.

Heimlicher Star von dem Blue Exorcist-Film ist und bleibt Usamaro. Ähnlich wie bei Ame & Yuki – Die Wolfskinder verfolgt ihr jede Menge liebenswerter und witziger Eskapaden mit dem kleinen Rotzlöffel. Wie das Band zwischen Rin und Usamaro wächst, so entwickelt auch der Zuschauer eine emotionale Bindung zu dem Kerlchen. Und obwohl Yukio Rin mehrfach darauf hinweist, den Dämon zu bewachen, statt ihn wie einen Freund zu behandeln, so bleibt sein Bruder unverbesserlich. Rin hat einfach das Herz am rechten Fleck. Nicht verwunderlich, dass Usamaro schnell zu ihm Vertrauen fasst und bald schon in ihm so was wie einen großen Bruder sieht. Zwar bleibt dabei kaum Zeit übrig, aber auch die vielen bekannten Figuren sind in dem Film zu sehen. Die Mitschüler, Shura, das Lehrkolleg, Angel, Mephisto sowie Amaimon und selbst Renzos Brüder von der Zweigstelle dürfen mal in die Kamera winken. Zahlreiche solche Cameo-Auftritte lassen das Fan-Herz Freudensprünge machen.

Schon in der Anime-Serie waren die Hintergründe aufwendig gestaltet, doch für den Film hat A1-Pictures noch mal drei Schippen draufgelegt. Wo man nur hinblickt – die Mühe, welche in den detailverliebten Szenerien gesteckt wurde, kann alleine schon den Zuschauer ins Staunen versetzen. Zum ersten Mal könnt ihr die Stadt in seiner vollen Pracht erleben. Die stimmungsvolle Dekoration, die Kostüme, die Statuen verpassen dabei Heiligkreuz einen Anstrich, welcher an eine Mischung aus dem Chinesischen Laternen- und dem Japanischen Sommerfest anmuten lässt. Zudem wurde das Hasenmotiv wegen der Saga ebenso mit überall eingebaut. Daneben fallen auch einige Winkel und Ecken auf, die ziemlich heruntergekommen ausschauen, aber selbst dann noch etwas fürs Auge bieten. Mich erinnert die Szenerie, vor allem wenn der Ort in der Dunkelheit der Nacht getaucht ist, an den Kurzfilm Kakurenbo Hide & Seek. Ein bildgewaltiges Spektakel bietet sich, als die Parade dann im vollen Gange ist, die Leute passend zu den rhythmischen Klängen zu tanzen beginnen, der Himmel in einem Meer aus Konfetti getaucht wird und die festlich geschmückten Wagen durch die Stadt ziehen. Wo schon in der Serie das Charakterdesign zu gefallen wusste, wurde es für die Verfilmung noch mal aufpoliert. Besonders in den Nahaufnahmen erkennt man Kazue Katos markante Note, welche man aus dem Artwork im Manga gewohnt ist. Zudem ist das Film-Abenteuer gespickt mit bizarren Kreaturen in surrealer Gestalt, die wirklich der Hölle entsprungen sein könnten. Besonders der Phantomzug, der bedeckt ist mit Tausenden Augäpfeln und Händen, erinnert mit an den wild gewordenen Keiler aus Prinzessin Mononoke.

In den Action-Sequenzen hat Studio A1-Pictures wieder alle Tricks aus dem Ärmel geschüttelt und zaubert eine rasante Achterbahnfahrt mit fließender, scharfer Animation, dynamischer Kameraarbeit, die zusammen es problemlos schaffen, die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Für den Film-Soundtrack zeichnet sich erneut der Komponist Hiroyuki Sawano verantwortlich. Dabei greift er zu einem Teil auf markante Musikstücke aus der Serie zurück, die dazu noch ins Orchestrale übergehen. Zudem wird das Festival stimmungsvoll von fernöstlichen Klängen begleitet. In den Szenen, wo die Dämonen ins Diesseits einströmen, dreht die Musik mit kraftvollen, bedrohlichen Tönen auf. Wie in seinen anderen Soundtracks von KILL la KILL oder Attack on Titan finden sich auch hier deutsche Lyrics wieder. Wirklich wirkungsvoll unterstreicht Sawano die herzergreifenden Momente mit einer wunderschönen Melodie. Der Künstler hat auf jeden Fall wieder das richtige Händchen bewiesen.

Disc

Auf der DVD befindet sich neben dem Film mit einer Laufzeit von 85 Minuten ausschließlich Trailer zu dem Blue Exorcist-Anime, Manga und Einzelband Time Killers. Sowohl in der deutschen als auch der japanischen Sprachausgabe kommt der Ton in Dolby Digital 2.0 und 5.1 sowie in einem 16:9-Bildformat. Klanglich hat mich die DVD-Variante vollkommen überzeugen können und die Abstimmung der Soundkulisse mit den Stimmen ist nun besser gelöst als in der Serie. Den Hintergründen hätte ein schärferes Bild wirklich gut getan, insbesondere auf einem großen Fernseher bei den Lichterspielen, der Festival-Parade und als der Schwarm an Kohletierchen den Himmel bedeckt. Wobei die Augen ohnehin schon beschäftigt genug sind, die ganzen Details zu erfassen, dass einem das erst richtig beim eingefrorenen Bild auffällt. Das Menü ist ziemlich schlicht gestaltet, Rins blaue Flammen lodern, die Kohletierchen schwirren herum und im Hintergrund erklingt ein mystisch anmutendes Stück. Schade, dass hierfür nicht das rockige Theme REVERSI von UVERworld genutzt wurde, wo es bloß in den Credits im Abspann zu hören ist.

Wie schon bei der Anime-Serie hat Kazé für die deutsche Synchronisation die G&G Studios beauftragt, bei welcher der komplette Sprechercast ebenso wieder an Bord ist. In den Hauptrollen sind Dennis Saemann als Rin, Tobias Diakow als Yukio und Rieke Werner als Shiemi zu hören. Der Hasendämon Usamaro wurde mit Kirstin Hesse besetzt, welche dem kleinen Kerlchen auch Charme verleiht. Die deutsche Vertonung ist nach wie vor erstklassig und es gibt kaum etwas zu bemängeln. Im Japanischen leiht Rie Kugimiya Usamaro ihre unverkennbare Stimme, die neben Tsundere-Stereotypen auch Maskottchen-Charaktere (Happy in Fairy Tail) ganz gut hinkriegt. Mit Nobuhiko Okamoto, Jun Fukuyama, Kana Hanazawa, Hiroshi Kamiyama und Daisuke Ono wartet die japanische Sprachausgabe wieder mit einer hochkarätigen Starbesetzung auf. Für den Originalton lassen sich separat deutsche Untertitel zuschalten.

Bonus

Als physische Extras enthält die limitierte Fassung zum einen vier Postkarten mit originalem Artwork im Hochglanzdruck. Zudem hat Kazé sich nicht lumpen lassen und gleich zwei Booklets hinein gepackt. Das erste 44-seitige, eingebundene Heft enthält unter anderem Interviews mit der Schöpferin Kazue Kato sowie dem Animationsregisseur, Charakterdesigns mit Beschreibungen zu den Figuren, Entwürfe und jede Menge Artworks. Außerdem findet sich darin das besagte Bilderbuch wieder. In dem zweiten Booklet mit satten 56 Seiten liegt der Fokus auf dem Setting mit all seinen aufwendig ausgearbeiteten Schauplätzen. Dabei wechseln sich Konzeptionszeichnungen vom Zeichenbrett und die fertige Illustration ab, inklusive Kommentaren. Wirklich tolle Goodies, welche einem Fan viel Wissenswertes bieten und ein Gefühl davon geben, wie viel Aufwand in der Produktion eigentlich steckt. Leider hat es auf der Disc selber außer den genannten Trailern kein weiteres Bonusmaterial geschafft.

Verpackung

Die limitierte DVD-Edition kommt im Digipack im Pappschuber. Auf dem Cover stürzt sich Rin mit Usamaro auf dem Rücken in schwindelerregender Höhe über den Nachthimmel von Heiligkreuz in die Tiefe, während er versucht nach seinem Schwert zu greifen. Im Hintergrund sind noch Yukio und Liu im Mondschein zu erblicken. Das Motiv ist sehr detailverliebt und erhielt eine fantastische Koloration. Damit für die Booklets ebenso genug Platz ist und weil das ganze Paket schon ein ordentliches Gewicht mit sich bringt, hat der Publisher den Schuber äußerst robust verarbeitet, was alleine schon einen hochwertigen Eindruck macht. Das Sahnehäubchen verleiht das dreiseitige Digipack, welches mit einem eigens von Kazue Kato illustrierten Artwork bekleidet ist. Dieses erstreckt sich über den ganzen Rücken und bietet das Charakterensemble in seiner ganzen Fülle. Ein richtiger Hingucker! Einziger Makel bleibt wiedermal das bedruckte FSK-Logo. Im Gegensatz dazu ist das Innlay und die Disc ziemlich schmucklos gestaltet, welche nur blaue Ornamente auf dunkelblauen Hintergrund aufweisen.

Rin und seine Kameraden schaffen es fabelhaft in ihre erste Leinwand-Produktion. Fans werden sich über das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern freuen. Im Mittelpunkt steht jedoch der liebenswerte Fratz Usamaro, den man unheimlich schnell ins Herz schließt. Es gelingt dem simplen aber spaßigen Handlungsbogen den Zuschauer zu bezaubern, ihn emotional mitzunehmen und für viele gute Lacher ist auch noch ausgesorgt. Deswegen eignet sich der Film besonders für einen gemeinsamen Abend mit Freunden und Familie. Durch die detailreich ausgearbeiteten Hintergründe schaut die Heiligkreuz-Akademie umwerfender als je zuvor aus und mit der festlichen Parade erstreckt sich ein buntes, aufregendes Spektakel im Verlauf des Filmes. Ebenso wissen die vereinzelten Action-Sequenzen den Zuschauer ins Staunen zu versetzen. Dabei unterstützt die Musik von Hiroyuki Sawano und die Soundkulisse die Wirkung ungemein. Mit Blue Exorcist: The Movie hat A-1 Pictures wahrlich ein Freudenfest für Augen und Ohren geschaffen. Durch die Laufzeit bleibt das Ganze jedoch nur ein kurzes aber rundes Vergnügen. Dafür hat Kazé mit den schmucken Extras und der hübschen Aufmachung das Werk aufgewogen. Fans des Franchise sollten sich diesen besonderen Leckerbissen nicht entgehen lassen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Blue Exorcist: The Movie.

Details

Titel: Blue Exorcist: The Movie
Originaltitel: 劇場版 青の祓魔師エクソシスト(Ao no Exorcist Gekijouban)
Produktionsjahr: 2012
Genre: Fantasy, Action, Mystery, Comedy
Animationsstudio: A1-Pictures
Regisseur: Atsushi Takahashi
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 85 Minuten
Sprachen: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 2.0, 5.1
FSK: 12 Jahre
Preis: 30,95 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=B00EUB8NF4]

© KAZUE KATO/SHUEISHA, Blue Exorcist The Movie 2012
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