»BTOOOM! – Vol.4« – DVDonTest

Am 28. März brachte Kazé das vierte und letzte Volume der zwölfteiligen Anime-Serie BTOOOM! auf den deutschen Markt, sowohl auf DVD als auch Blu-ray. Auf allen Fronten wird bis zum Äußersten gekämpft, um lebend aus dem wahrgewordenen Albtraum zu entkommen. Dabei sind alle Mittel recht, den Gegner in einen tödlichen Hinterhalt zu locken. Das Mistrauen wird zum lästigen aber unerlässlichen Begleiter. Der Action-Survival-Kracher von Madhouse geht in den finalen Showdown.

Mit Mühe haben sich Ryota und Himiko gemeinsam bis jetzt auf der tropischen Insel durchgeschlagen. In dem verrückten Spiel, zu dem sie gezwungen sind, gehen die Teilnehmer für das eigene Überleben gnadenlos über Leichen. Dem Feind, welchem Ryota jetzt gegenübertritt, stürzt sich nicht nur furchtlos in den Kampf, mit Geschick und kalkuliertem Vorgehen überlistet er seine Gegner.

Auch der ehemalige Weltranglistenspieler hat inzwischen seine Zweifel abgeschüttelt und kann sein Können in der Realität unter Beweis stellen. Ein Wettstreit um Leben und Tod entbrennt auf dem Schauplatz. Inmitten des Leids und der Gefahren, denen die Spieler in dieser Hölle ausgesetzt sind, zeigen die Menschen ihr wahres Gesicht. Wo das eigene Leben an erster Stelle steht, werden Intrigen gesponnen, Misstrauen gesät und Bande brechen auseinander. Wieder andere sind der Zerreißprobe nicht gewachsen und verfallen dem Wahnsinn. Hat Ryota die Lektion gelernt oder wird ihm seine Gutmütigkeit noch zum Verhängnis? Doch während der Junge sich gegen seine Feinde behauptet und nach einem Ausweg aus der Gefangenschaft sucht, muss er aufpassen, sich dabei nicht selbst zu verlieren.

Wie zu erwarten misslingt es der Serie, innerhalb der zwölf Episoden die Handlung und alle Konflikte zu Ende zu führen. So lässt sie den Zuschauer mit einigen Fragen unzufrieden zurück. Um das tödliche Spiel seinen Abschluss finden zu lassen, sind einfach zu viele Kontrahenten noch am Leben. Anstatt die Charaktere zu verheizen und uns aus heiterem Himmel ein Anime exklusives Ende zu servieren, entschieden sich die Macher, weiterhin dicht der Manga-Vorlage zu folgen. Mit einem kleinen Vorgeschmack, was als Nächstes kommt, hat man daher zum Schluss eher das Gefühl, gleich dem Vers aus dem Vorspann »The game has only just begun«, dass es jetzt erst richtig losgeht.

Die Auseinandersetzung mit Oda wurde nach einem eindrucksvollen Kampf auf einem späteren Zeitpunkt vertagt. Zumindest mit der Konfrontation mit Date und dem Herrn Taira hat man zwei Konflikte zu Ende gebracht, die einem Finale anmuten. Auch wenn die bösen Absichten von Date keinesfalls unterschwellig herüberkommen, wo der Doktor schon aus einem Spiel siegreich hervor ging, stellt er mit seinen gerissenen Fallen einen nicht zu unterschätzenden Gegner dar. Das Ganze hätte sicherlich besser wirken können, wären seine Intrigen weniger offensichtlich präsentiert worden. Manchmal wird der Zuschauer in BTOOOM! in die Irre geführt. Dann werden die Geschehnisse aus einem anderen Blickwinkel aufgerollt, um zu zeigen, was sich wirklich zugetragen hat. Die Einfälle sind keinesfalls anspruchsvoll gestrickt, häufig kann man sich das Ganze auch schon vorher denken, aber es bleibt nichtsdestotrotz unterhaltsam. Obwohl der Protagonist es längst besser wissen sollte, verhält sich Ryota noch immer naiv und diese Schwäche kostet ihm beinahe das Leben. Dafür kann der Protagonist in gewissen Momenten beeindrucken, wenn er zum Beispiel durch seine Online-Spielerfahrung die Züge des Feindes durchschaut hat und dies gegen ihn ausspielt.

Wo Taira so lange Ryotas Mitstreiter war, trifft ihn sein Vertrauensbruch tief. Wir konnten zum einen mit ansehen, wie Taira die Chips der Leichen hinter dem Rücken des Jungen aufsammelt, aber man würde es sich zu leicht machen, anzunehmen, der alte Herr hätte seinen Verrat perfide von Anfang an geplant. Vom Fieber geschwächt und mehrfach schwer verwundet, quälte Taira die Angst im Stich gelassen zu werden. Dabei sind die Geheimnisse voreinander Futter für neues Misstrauen und obendrauf kommt die Sehnsucht nach dem Zuhause. Kein Wunder, dass Taira mit dem Gewissen ringt und letztlich sein Wille bricht. Dramaturgisch hat man hierbei den Höhepunkt der Anime-Serie gesetzt. BTOOOM! macht zumindest einen guten Job, zu porträtieren, auf welche unterschiedlichen Weisen die Figuren mit der Extremsituation umgehen. In der Schuldfrage steckt ebenso viel Potenzial. Als Außenstehender kann man leicht die Verantwortung den Hintermännern zuschieben, welche letztlich die entführten Personen zu diesen Morden getrieben haben. Trotzdem nagen die eigenen Taten, selbst wenn sie aus Notwehr geschehen sind, an den Spielern, zumindest bei denen, die noch nicht ihre Moral über Bord geworfen haben.

Gerade weil die Spieler den Explosionen nur haarscharf entkommen, hätte das Studio die eigentliche Gefahr noch besser herausstellen können, wenn herumfliegende Bruchstücke oder selbst der Lärm sich ebenso auf das Kampfgeschehen auswirken. Auch Kleinigkeiten stören, wie beispielsweise, dass das Äußere der Figuren nicht angeschlagen ausschaut oder die Verletzungen nach einem Szenenwechsel urplötzlich verschwunden sind. Einzelne Ausschnitte schmälern den Ernst der Lage und verpassen der Serie einen trashigen Anstrich, welche einen an Madhouse-Produktionen wie Highschool of the Dead erinnern lassen. Bei dem Stichwort reiht sich BTOOOM! zu den Animes des Studios ein, dessen Fortsetzung sie den Fans noch schuldig sind. Da seit der Ausstrahlung in Japan von Oktober bis Dezember 2012 der Manga von Junya Inoue inzwischen 13 Bände zählt und ungefähr sechs Ausgaben in der ersten Serie abgedeckt wurden, hätte Madhouse zumindest genügend Stoff für eine zweite Staffel. Weil das Studio viele andere Projekte in der Mache hat, BTOOOM! in Japan nicht gerade großen Erfolg erzielte, und wie schon erwähnt eher auf das westliche Publikum zugeschnitten ist, bleibt ein Sequel in absehbarer Zeit eher unwahrscheinlich. Von daher solltet ihr auf den Manga umsteigen, wenn ihr wissen wollt, wie die Geschichte weitergeht. Dieser wird hierzulande von TOKYOPOP im 2in1-Format publiziert.

Disc

Mit den Episoden 10 bis 12 auf dem vierten Volume ist die Anime-Serie nun komplett bei Kazé auf DVD und Blu-ray erschienen. Mit einer Laufzeit von 75 Minuten bleibt das Preisleistungs-Verhältnis von BTOOOM! weiterhin schlecht. Es steht euch die deutsche und japanische Sprachausgabe zur Verfügung, wobei für die Originalfassung Untertitel bereitgestellt sind. Der Ton kommt wie üblich in Dolby Digital 2.0 und das Bild in einem 16:9-Format. In Sachen Animation sowie Detailreichtum bleibt Madhouse bis zum Schluss auf einer Stufe und schafft dem Setting die passende Atmosphäre einzuhauchen. Mit einer wuchtigen Soundkulisse, den explosiven Effekten und der richtigen Kameraführung wurden die Action-Sequenzen gelungen eingefangen. Dabei hat das Studio in dieser Umsetzung nicht viel Mut bewiesen, eigene Akzente zu setzen, vielleicht auch, weil es das Serien-Debüt der Regisseurin ist. Im DVD-Menü startet ein schickes Intro-Video, bevor das bekannte Musikstück einsetzt. Übrigens steuerte nano, die japanische Rocksängerin mit der starken Stimme, für die Abschlussfolge einen weiteren Song mit dem Titel Exist bei. Unterlegt mit einem Zusammenschnitt vieler Highlights aus der Serie, wird das Opening euch bestimmt Gänsehaut einjagen. Die deutsche Synchronisation hält sich auf einem akzeptablen Niveau. Nur in den letzten rührenden Szenen schwächeln die Einsätze in Sachen Emotionalität, wobei die Serie ohnehin es dem Zuschauer schwer macht, wirklich ergriffen zu sein. Mein persönliches Highlight sind die Sprechakte von Axel Lutters als duseligen, alten Herrn Taira. Er hat seinen hysterischen Anfall und den Zwiespalt, in dem der Kerl sich befindet, wunderbar herübergebracht. Im Großen und Ganzen wurden die Figuren mit stimmlich passenden und erfahrenen Sprechern besetzt.

Bonus

Ein Mako, das die Veröffentlichung von BTOOOM! mit sich schleppt, sind die fehlenden Extras. Bis auf den limitierten Schuber und der Manga-Leseprobe beim ersten Volume gab es ausschließlich Trailer, was für den hohen Preis schon dürftig ist. Ein Booklet oder Postkarten wären das Mindeste gewesen.

Verpackung

Wie gehabt kommt die vierte DVD in der üblichen Plastik-Hülle, die problemlos Platz im Pappschuber findet. Menü und Cover sind einheitlich zu den Vorgängern gestaltet. Das Frontmotiv präsentiert das Hauptpärchen Ryota und Himeko. Ryota drückt das Mädchen an seine Seite und blickt nachdrücklich, als wenn er zu verstehen geben wollte, dass man sie ihm nicht wegnehmen darf. Da die Beziehung der beiden sich zum Ende hin entwickelt, passt das Cover schon zum Handlungsverlauf, aber irgendwie harmoniert es schlechter mit Ryotas Charakter. Das Artwork wurde auch der japanischen Veröffentlichung entliehen. Dank des Wendecovers lässt sich das FSK16-Logo verbergen. Auf der Disc wurde wieder im schwarzen und grünen Farbschema das Motiv als Silhouette abgebildet.

BTOOOM! lässt euch leider mit einem offenen Ende unzufrieden zurück, stattdessen weckt die Serie eher den Hunger nach mehr. Die Umsetzung hält sich durchweg treu an die Vorlage und lässt kaum Gravierendes missen. Wo das Battle-Royale-Szenario mit all seinen Reizen den Zuschauer in das Geschehen involviert, kann man einfach nicht genug davon bekommen. Die Dichte an Action und Wendungen lässt keine Langeweile aufkommen. Zudem wurden diese Sequenzen wunderbar vom Studio in Szene gesetzt. Dabei neigt der Anime gerne mal mit einem Augenzwinkern zu übertreiben, deshalb solltet ihr nicht jede Kleinigkeit hinterfragen. Für das, was die Serie sein will, macht sie einen guten Job. Die deutsche Sprachausgabe ist durchaus gelungen und bei der Qualität gibt es nichts zu beanstanden. Nur der Preis ist etwas hoch gegriffen und die fehlenden Extras sind zu bedauern. Durch das Verbinden mit den Aspekten aus dem Onlinespiel drückt BTOOOM! dem Genre seinen eigenen Stempel auf. Es sind noch viele Punkte offen und das Potenzial einiger Ideen wurde nicht völlig ausgeschöpft. Weil die Wartezeit auf eine Fortsetzung unerträglich lang sein dürfte, lohnt sich der Umstieg auf den Manga definitiv. Freunde von actionreicher Popkornkino-Unterhaltung kommen bei BTOOOM! vollkommen auf ihre Kosten.

Wir bedanken uns herzlich bei Kazé für das Rezensionsexemplar zu BTOOOM! Vol. 4.

Details

Titel: BTOOOM! – Vol.4
Originaltitel: ブトゥーム (BTOOOM!)
Produktionsjahr: 2012
Genre: Action
Animationsstudio: Madhouse
Regisseur: Kotono Watanabe
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 75 Minuten, Folge 10-12
Sprachen: Japanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Ton: Dolby Digital 2.0
FSK: 16
Preis: 23,99 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=B00IEY9Q40]

© Junya Inoue / Shinchosha • BTOOOM! Committee
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