Auf der diesjährigen Manga-Comic-Convention, die vom 12. bis 15. März im Rahmen der Leipziger Buchmesse stattfindet, begrüßt Egmont Manga Chaco Abeno (Chrome Breaker, Bibliotheca Mystica) als Ehrengast (wir berichteten). Am 4. Dezember 2014 veröffentlichte der Verlag hierzulande Band 1 von A+B – Angel+Blood aus der Feder der Zeichnerin. Insgesamt ist die Handlung in zwei Volumes abgeschlossen. Der letzte Teil erscheint noch rechtzeitig vor der Veranstaltung am 5. März.

Kentaro Uesugi und Shinobu Akehoshi sind auf dem Weg zur Seika-Akademie in Tokyo, die den Beinamen »Ship« besitzt. Diese Sondereinrichtung der UNO bildet ganz besondere Menschen aus. »Kombattanten« werden im Kampf gegen riesige Ätherkörper, sogenannte »Engel«, eingesetzt, welche vom Himmel herabsteigen und die Menschheit bedrohen. Auf ihrer Reise taucht ein eben solches Wesen wie aus dem Nichts auf. Eine Einheit der Seika-Akademie glaubt, den Engel unter Kontrolle zu haben. Stattdessen mutiert er zu einem »Götterboten«. Kentaro und Shinobu müssen eingreifen.

Die beiden Neuzugänge auf dem Ship stellen ein Mysterium dar, sowohl was ihre Art zu kämpfen als auch die Betrachtungsweise der Engel betrifft. Yukime Sanada, selbst eine Musterschülerin, die bei Kampfsimulationen stets die volle Punktezahl erreicht, soll mit Kentaro und Shinobu ein Team bilden. Ob die drei miteinander auskommen?

Eine Länge von gerade einmal zwei Bänden ist wahrlich überschaubar und nach der Lektüre des ersten Teils sogar bedauerlich. Chaco Abeno gelingt es schon von Anfang an, mich in den Bann von A+B – Angel+Blood zu ziehen. Die Grundbausteine der Handlung beruhen dabei auf einem alten Rezept. Man nehme übernatürliche Wesen und lasse Kinder oder Jugendliche mit einer besonderen Begabung dagegen kämpfen. Wenn die mysteriösen Kreaturen, die Japan terrorisieren, dann auch noch »Engel« genannt werden, schießt einem wahrscheinlich sofort Neon Genesis Evangelion durch den Kopf. Trotz der Parallelen offenbart sich dem Leser in A+B – Angel+Blood eine vollkommen andere Atmosphäre, die trotz der Gefahren oftmals auch zum Schmunzeln einlädt.

Den Großteil zur heiteren Stimmung tragen die beiden Protagonisten Kentaro Uesugi und Shinobu Akehoshi, besonders Ersterer, bei. Chaco Abeno schafft es, sehr viele persönliche Züge der Helden preiszugeben und gleichzeitig ein Mysterium aus den beiden zu machen. So dürften sich Leser so einige Fragen zur Vergangenheit sowie Herkunft stellen. Auffällig sind auch ihre Sicht und das Wissen über die Engel, obwohl sie offiziell keine Spezialausbildung untergangen sind. Da wundern sich nicht nur die anderen Personen an der Seika-Akademie, was es mit den zwei rätselhaften Jugendlichen auf sich hat. Mir sind der nette Shinobu, der so gerne Origami faltet, und Rotschopf Kentaro mit seiner Sonnenbrille, von einem Leben als Mädchenschwarm träumend, schnell ans Herz gewachsen. A+B – Angel+Blood bietet noch weitere ansprechende Figuren, die jeweils auf ihre Art und Weise zu überzeugen wissen. Ein genaues Bild können sich Interessierte selbst im Manga machen.

Beim Charakterdesign setzt die Zeichnerin aufgrund der Story vor allem auf junge Personen mit teils sogar kindlichen Zügen. Wo das Äußere Schutzbedürftigkeit ausstrahlt, signalisieren die Wesenszüge Eigenständigkeit und eine früh erreichte erwachsene Reife (die Schuluniform der Mädchen besteht dennoch aus einem wenig überraschend kurzen Rock). Es ist faszinierend mit anzusehen, wie wichtige Positionen an der Akademie von Jugendlichen übernommen werden und diese ihren Aufgaben routiniert nachkommen. So eine Zuverlässigkeit ist auch dringend von Nöten, wenn man die »Engel« unter die Lupe nimmt. Bei deren Gestaltung geht Chaco Abeno eigene Wege und lässt ihrer Fantasie freien Lauf. Ähnlichkeiten zu den Geschöpfen, die man üblicherweise bei uns als Engel bezeichnet, sind nur marginal vorhanden. Stattdessen greift die Mangaka zu einer furchteinflößenderen Darstellung, welche das Feindbild verstärkt.

Actionszenen gehören bei so einer mit gewaltsamen Konfrontationen ausgelegten Handlung dazu. Die auftretenden Kombattanten verwenden dabei unterschiedliche Stile, sowohl was ihre Waffen als auch Bewegungen betrifft. Die Gefühle der Charaktere, auch in anderen Momenten, leuchten einem unmissverständlich vom Papier entgegen. So greift Kentaro mit seinem Schwert wild und entschlossen an. Shinobu wirkt dagegen elegant und ruhig, regelrecht friedfertig. Spannungsvoll setzt Chaco Abeno die Kämpfe mit dynamischen, lebhaften Posen in Szene und baut durchaus den ein oder anderen philosophischen Aspekt ein. Beim Gegner muss es sich nicht immer um einen Engel handeln. Quantitativ nehmen die Auseinandersetzungen einen geringen Anteil des Volumes ein, was sich hoffentlich im nächsten und letzten Teil etwas verbessert. Die Hintergründe sind sorgfältig ausgearbeitet, sodass die Seiten eine angenehme »Fülle« vorweisen. Besonders Gebäudeansichten fallen oft detailliert aus. Band eins enthält zwei Farbseiten. Die erste zeigt die wichtigsten Charaktere, und die zweite leitet die Geschichte ein.

A+B – Angel+Blood ist eine kleine aber feine Kurzreihe, welche auf bekannten Themen eine erfrischende, spannungs- und humorvoll erzählte Geschichte mit vielen Geheimnissen errichtet. Die Protagonisten schließt man schnell ins Herz, ebenso überzeugen die Nebencharaktere mit einem ansprechend durchdachten Design. Manga-Leser, die von Kämpfen zwischen Menschheit und übernatürlichen Wesen nicht genug bekommen können, sollten unbedingt auch zu diesem Titel greifen. Für Fans von Chaco Abeno ist A+B – Angel+Blood sowieso ein Pflichtkauf.

Wir bedanken uns bei Egmont Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu A+B – Angel+Blood, Band 1.

Details

Titel: A+B – Angel+Blood, Band 1
Originaltitel: A+B ‐エンジェル+ブラッド (A+B – Angel+Blood), Vol. 1
Mangaka: Chaco Abeno
Erscheinungsjahr: 2013 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), EMA (DE)
Genre: Shojo, Fantasy, Action
Altersempfehlung: kA
Preis: 7,50 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3770482786&chan=animey&asin=3770482786]

A+B – Angel+Blood, Band 1 © 2013 Chaco Abeno/KADOKAWA SHOTEN
© 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH