Im März 2014 veröffentlichte EMA mit Demon Lord Camio das Gemeinschaftsprojekt von CHASM, ein Duo bestehend aus Grimoire-Manga-Zeichnerin Marika Herzog und Autor Michel Decomain, welche ebenfalls an der Zombie-Anthologie DEAD ENDS vom Zwerchfell Verlag beteiligt waren. Seit 5. Juni 2015 liegt nun der erste Band der zweiteiligen Fortsetzung Demon King Camio vor (Das abschließende Volume wurde für März 2016 angesetzt). Dem Dämon Camio ist es mithilfe der beiden Menschen Terry und Luna gelungen, seinen Bruder Belial aus dem höllischen Gefängnis zu befreien, doch dieser schart bereits ein Heer um sich, um in einem Jahr gegen den Himmel erneut in den Krieg zu ziehen. Als Schlachtfeld soll die Erde herhalten! Camio ist der Einzige, der die drohende Vernichtung der Menschheit verhindern kann.

Mit jedem Tag, der vergeht, rückt der Weltuntergang näher. Camio nimmt es gelassen und futtert sich lieber durch All-You-Can-Eat-Restaurants oder stockt seine Manga-Sammlung auf, anstand zu überlegen, wie er sein Brüderchen aufhalten könnte. Die Legionen, welche Belial ihm zur Verfügung gestellt hat, muss kurzerhand die frischgebackene Dämonin Luna kommandieren. Bei so viel Unverlässlichkeit packt Terry die Verzweiflung. Doch gerade Oberchef Luzifer sieht in Camio das Potential, das Blatt zu wenden.

Dem unbekümmerten Dämonenlord winkt eine Beförderung zum Dämonenkönig. Dafür muss er jedoch beweisen, im Vollbesitz all seiner (geistigen) Kräfte zu sein. Um sich ein passendes Attest zu verschaffen, gilt es für Camio, die Gefallene-Engel-Seelsorge aufzusuchen, was leider nur in Begleitung eines Wächterengels möglich ist. Zum Glück verweilt Barachiel noch auf der Erde – in einer Ausnüchterungszelle, da er es sich bei einem nächtlichen Trinkgelage, begleitet von Dämon Paimon, mit einem Polizisten verscherzt hat. Wie bekommen Camio und seine Begleiter den betrunkenen Engel da bloß schleunigst raus?

Über ein Jahr mussten Fans warten, um endlich die Fortsetzung in Händen zu halten. Nach so einer langen Zeit vergisst man schon mal das eine oder andere Detail aus Demon Lord Camio. Zur Auffrischung bieten die ersten Seiten in Form einer humorvoll gestalteten Fernsehreportage eine grobe Zusammenfassung. Die kreative Lösung besitzt neben dem Rückblickfaktor auch einen Einfluss auf die aktuelle Handlung. Am Ende des Bandes führt die Reporterin zudem ein kurzes Interview mit dem Chaos verursachenden Dämonenlord. Vier Seiten widmen sich danach noch den wichtigsten Charakteren, was den Lesern zusätzlichen Einblick in die Story verleiht. Bis auf die neu auftretenden Figuren Marbas, Hubertus und Luzifer beschränken sich die dazugehörigen Erläuterungen auf die Geschehnisse aus Demon Lord Camio.

Trotz der vielen Informationen zur Vorgeschichte sollten Interessierte, die noch nicht ins Vergnügen gekommen sind, Demon Lord Camio zu lesen, dies nachholen, bevor sie zur Fortsetzung greifen. Viele lieb gewonnene Kleinigkeiten aus dem Einzelband kehren im Zweiteiler nämlich zurück. So trägt Camio etwa immer noch seine Pandabärchen-Pantoffeln, die er einst von Terry bekam, um dessen Haus mit seinen brennenden Füßen nicht in Flammen aufgehen zu lassen. Das knöcherne Hündchen Friedel, welches Terry folgt, war früher auch mehr als ein bloßes Skelett und spielte zusammen mit der Amsel Robert, die man hier stellenweise in Camios Haaren wiederfindet, im Kampf gegen Belial eine wesentliche Rolle als Ablenkungsmanöver. In Demon King Camio bilden die beiden bisher jedoch nur Randerscheinungen, nach denen Betrachter aufmerksam die Augen offenhalten müssen, um sie in den Szenen überhaupt zu erhaschen. Dabei schafft es Robert sogar aufs Cover, welches Camios Traumvorstellung als baldiger Dämonenkönig festhält, während Friedel die Rückseite vollkommen in Beschlag nimmt. Dass sich der Hund von Frau Rosenthal an Beliebtheit erfreut, beweist zudem der erste Platz des Fanart- und Bastel-Wettbewerbs, dessen beste Beiträge im Band abgebildet sind.

Demon King Camio, Band 1, macht sich das vom vorigen Werk bekannte und sympathische Grundprinzip des puren Chaos‘ zu eigen, durch welches sich die Charaktere durchmanövrieren müssen. Für unseren Protagonisten Camio mit seinem charakteristischen »Leid und Verderben«-Ausspruch, dem in der Handlung eine größere Bewandtnis zuteilwird, ist dies kein Problem. Dies liegt hauptsächlich daran, dass er der Verursacher der meisten Probleme ist, ohne das selbst zu durchschauen. In so mancher Szene überkommt mich die Frage, ob ich Camio nun für seine Unbekümmertheit gepaart mit einer verqueren Selbstwahrnehmung lieben oder seinen Kopf gegen eine Wand klatschen soll, um ihm etwas mehr Verstand einzuhämmern. Dabei ist es gerade seine unbedarfte Herangehensweise, die für so viele humorvolle Situationen sorgt und den Leser zum Lachen anregt. Band eins von Demon King Camio bietet in erster Linie allerhand Comedy, in der neben neuen Reizen bekannte Gags zurückkehren, zum Beispiel die amüsant ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten von Wächterengel Barachiel und Dämonenkönig Paimon – zwei kontrastreiche Persönlichkeiten, die sich, wenn es um Kneipenbesuche inklusive Alkoholkonsum geht, überraschend zu dicken Freunden entwickeln.

Durch die Hülle und Fülle an eingebauten Slapstick-Momenten, in denen auch Anlehnungen an King Kong sowie League of Legends eingebaut wurden, zieht das Voranschreiten der Story an sich eher den Kürzeren. Die Rettung der Welt lässt noch auf sich warten. Das bemerkt selbst Camio in einer Szene und durchbricht damit die vierte Wand. Hakeln tut es auch an anderer Stelle. So fühlt es sich beim Lesen an, als ob CHASM stellenweise nicht ganz sicher sind, wo welche Figur sein soll. Besonders bei Terry sticht das deutlich durch, der zuerst allein ist, dann auf Camio trifft, diesen kurz in die Hölle begleitet, um sich danach, einen eigenen Plan verfolgend, von dannen zu machen, ohne etwas erreicht zu haben zwischendurch zurückkehrt, einer Situation beiwohnt, bei der er selbst keinen Einfluss ausübt und wieder – mit einem zumindest interessanten Hinweis – verschwindet. Hier hätte ich mir einen gleitenderen Erzählstil gewünscht.

Marika Herzog zeichnet auf einem hohen Niveau. Sie unterteilt die Seiten in meist wenige großzügig und dynamisch angelegte Panels. Die Figuren werden authentisch und ausdrucksstark in den Szenerien festgehalten. Ihre verschiedenen, individuellen Charaktereigenschaften – innerlich sowie äußerlich – verleihen den Darstellungen zusätzliche Lebhaftigkeit. Diese Riege an interessanten Personen wird um zusätzliche Neuzugänge erweitert. Den meisten Eindruck schindet dabei der charismatisch auftretende Luzifer, dem man seinen Status als Herr der Hölle jedoch auf den ersten Blick nicht anmerkt. Sofort Aufsehen und großes Lob verlangt dagegen die Einbettung des Berliner Doms in der Handlung ab. Dass dieses Kunstwerk an Zeit benötigte, ist ohne Frage klar, doch jede investierte Minute war es definitiv wert. Dem Betrachter unterbreitet sich ein wahrer Augenschmaus. Marika Herzog kann mit detaillierten Hintergründen stets punkten, leider kommen Leser im Band nur selten in die Gunst dieser Highlights. Mit 162 Seiten fällt der erste Teil der Fortsetzung dünner aus als Demon Lord Camio (192 Seiten). Im Umfang enthalten ist eine Farbillustration von Camio. Zwischen den Kapiteln entdeckt man lustige Vier-Panel-Strips, die sich mit dem aktuellen Geschehen befassen. Zum Schluss gibt es als Extra oben drauf fünf »Outtakes« aus Demon Lord Camio.

Das Warten auf die Wiederkehr unseres Lieblingsdämonenlords hat sich unterm Strich gelohnt. Camio ist noch immer so chaotisch sowie von sich selbst überzeugt wie eh und je. Das verwandelt die Handlung von Demon King Camio rasant in eine gefährliche Berg- und Talfahrt für dessen Umfeld. Achtung vor einfallenden Gebäuden, Leute! Der Leser darf sich selbst aber in Sicherheit wiegen und allerhand humorvoller Sequenzen entgegenblicken. Demon King Camio bietet nämlich Comedy vom Feinsten. Abzüge meinerseits gibt es jedoch für eine stellenweise holprige Story, siehe: Terry rennt nur dumm herum. Für den zweiten Teil wünsche ich mir mehr Augenmerk auf den Actiongehalt und eine kreative Lösung, wie die Welt nun gerettet werden soll – oder darf man etwa doch noch auf einen Untergang sowie einen Krieg Himmel gegen Hölle gespannt sein? Fans erfahren es im zweiten und abschließenden Band von Demon King Camio. Wartenden lege ich die zum Manga-Universum dazugehörige Webseite von CHASM ans Herz, auf der ihr den Webcomic Leid und Verderben mitverfolgen könnt.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Demon King Camio, Band 1.

Details

Titel: Demon King Camio, Band 1
Mangaka: CHASM (Marika Herzog, Michel Decomain)
Erscheinungsjahr: Juni 2015
Verlag: EMA
Genre: Comedy, Fantasy, Action
Preis: 7 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 377048617X&chan=animey&asin=377048617X]

Demon King Camio, Band 1 © 2015 Egmont Manga/CHASM