»Demon Lord Camio« – Manga-Test

Hinter dem Pseudonym CHASM verbergen sich Marika »demoniacalchild« Herzog (Art) und Michel Decomain (Story). Erstere erlangte in der Vergangenheit neben kleineren Werken hauptsächlich durch ihren vierteiligen Fantasy-Manga Grimoire an Bekanntheit. Die Reihe erschien beim Comic-Culture-Verlag, wo Michel Decomain als Redakteur arbeitet. Zusammen erschufen die beiden den Einzelband Demon Lord Camio, welcher am 6. März 2014 von Egmont Manga herausgebracht wurde. Worum es in dem dämonisch lustigen Manga geht und ob die höllischen Turbulenzen Potential für eine Fortsetzung hätten, erfahrt ihr bei uns.

Dämonenlord Camio muss etwas unternehmen. Sein Bruder Belial wurde ins Verlies von Antenora gesperrt. Was für ein himmelschreiendes Unrecht! Da kann Camio gar nicht anders, als die Fernbedienung aus der Hand zu legen und sich einen supergenialen, unfehlbaren Plan einfallen zu lassen, um Belial zu befreien. Erst einmal in Schale geworfen geht es dann schnurstracks zusammen mit seiner Leibwächterin Avaria in die Menschenwelt – und landet im Zimmer des pummeligen Möchtegern-Beschwörers Terry.

Schnell macht sich Camio in der Wohnung des Jugendlichen breit und verspeist zu dessen Schreck auch noch unerlaubterweise den Nachbarshund Friedel. Nach dem kleinen Snack geht es frisch ans Werk, Belial aus der Hölle heraufzubeschwören, doch statt des Bruders tritt ein gigantisches Monster durchs Portal. Bei so einer Beschwörungsstümperei krallt sich Camio erst einmal Terrys Seele, bevor es gilt, einen Fachmann – oder besser gesagt eine Fachfrau – zu rufen. Während der kleine Dämonenlord jedoch nur daran denkt, Belial zu befreien, macht er mit seiner Aktion sowohl Himmel als auch Hölle auf sich aufmerksam – und keine der beiden Seiten ist erfreut darüber, was Camio da ausheckt.

Der Titel offenbart es bereits. In Demon Lord Camio wimmelt es von Dämonen, wobei man den Protagonisten Camio eher weniger als gutes Beispiel für seine Art hernehmen sollte. Der Jahrhunderte alte Teufel war damals mit dabei, als Luzifer mit seinen Anhängern aus dem Himmel verstoßen wurde, was Camio den Rang Dämonenlord bescherte. Das Verhalten eines Adeligen, selbst wenn er der Hölle angehört, sieht dennoch normalerweise etwas anders aus. Camio liebt Mangas, Fernsehen und das Internet. Eine andere Meinung als seine eigene akzeptiert der Vogelfreund nicht. Seinem jugendlichen Aussehen entsprechend kann Camio sehr kindisch und unreif sein – perfekte Voraussetzungen für den Helden eines Comedy-Mangas. Genauso tragen die restlichen Charaktere ihren Anteil zu den vielen Slapstick-Momenten bei.

Wo der Humor ohne Frage optimal ausgeschöpft wird, kommen andere angeschnittene Genres zu kurz. So können mich die Action-Sequenzen nicht komplett überzeugen. Besonders der finale Kampf gestaltet sich etwas mau, wenn man bedenkt, wer die Kontrahenten sind. In einer anderen Szene erhält der Betrachter kurz Einblick in die Vergangenheit der Dämonen-Expertin Luna. Dieser Moment regt das Mitgefühl des Lesers an, und man will mehr darüber erfahren, doch die Story springt auf den nächsten Seiten schon wieder auf die Comedy-Schiene auf. Es ist die Schwäche des Einzelbands, dass manche Fragen, die einem so nebenbei durch den Kopf schießen, keine Antwort erhalten. Das offene Ende lässt hoffen, dass es zu Demon Lord Camio eine Fortsetzung geben wird. Auf der offiziellen Webseite des Mangas steht die Vorgeschichte Leid und Verderben zur Verfügung.

Die Figuren wurden alle mit einem liebevollen, individuellen Design versehen. Neben den Charakterzügen fällt auch das Optische nicht zurück. Marika Herzog beweist bei ihren Zeichnungen viel Liebe zum Detail. Besonders die Kleidung von Camio, Avaria und Luna sind richtige Hingucker. Letztere bietet zudem mit ein paar Panty-Shots den Hauptteil zum Fanservice an. Zwei Illustrationen am Anfang offenbaren, wie die wichtigsten Personen in Farbe aussehen. Die Zeichnungen in Demon Lord Camio belegen, dass Marika Herzogs Stil schon längst eine professionelle Ebene erreicht hat. Jede Szene sprüht vor Leben und Dynamik, als wäre es für die Künstlerin eine mühelose Leichtigkeit, die Panels zu Papier zu bringen. Tatsächlich hat Marika Herzog in einem Interview mit der AnimaniA verraten, dass sie für eine Seite je nach Aufwand grob geschätzt sechs bis 20 Stunden benötigt. Das Resultat kann sich sehen lassen. Die ausgearbeiteten Hintergründe ziehen mit ihren Details die Aufmerksamkeit auf sich und tragen viel zur Atmosphäre bei. Da ist es schade, dass es auch überraschend viele Panels ohne Szenerie gibt. In diesen Bildern wären manchmal ein paar Kleinigkeiten aus der Umgebung angebracht gewesen, um den Darstellungen mehr Fülle zu verleihen.

Nach jedem Kapitel findet ihr einen Vier-Panel-Strip, welcher humorvoll ein Ereignis aus dem vorherigen Abschnitt kommentiert. Auf das Nachwort von CHASM und Lord Camio höchstpersönlich folgen Beschreibungen zu den Charakteren sowie deren Ursprung. Um den Band gebührend abzuschließen, gibt es am Ende noch einen Selbsttest.

Demon Lord Camio bietet Comedy vom Feinsten. Gleichzeitig zieht Marika Herzog den Betrachter mit ihren detaillierten Zeichnungen in den Bann. Die Charaktere bleiben einem schnell im Gedächtnis. Besonders Protagonist Camio weiß, mit seinen chaotischen, schlecht durchdachten Plänen auf Anhieb die Aufmerksamkeit einzuheimsen. Für einen Einzelband ist die Handlung sehr dicht, Potential für eine Fortsetzung wäre auf alle Fälle genug da. Ein paar Fragen bleiben ungeklärt, stören aber die grundsätzliche Story nicht, sodass Comedy-Fans beruhigt zu Demon Lord Camio greifen können. Bei einem Einzelband und den Bonusseiten fällt der Preis von sieben Euro nicht so schwer ins Gewicht.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Demon Lord Camio.

Details

Titel: Demon Lord Camio
Mangaka: CHASM (Marika Herzog, Michel Decomain)
Erscheinungsjahr: März 2014
Verlag: EMA
Genre: Comedy, Fantasy, Action
Preis: 7 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3770480422&chan=animey&asin=3770480422]

Demon Lord Camio © 2014 CHASM/Egmont Verlagsgesellschaften mbH