Danganronpa 2: Goodbye Despair im GameTest

Mit Danganronpa 2: Goodbye Despair veröffentlicht Publisher NIS America am 5. September ein weiteres Murder-Mystery-Adventure für die PlayStation Vita.

Dabei reiht sich die Serie vom Entwickler Spike Chunsoft neben ihren Suspense-Horror-Vertretern 999: Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors und Virtue’s Last Reward ein und zählt zu der beschaulichen Auswahl an Visual Novels, die es in westliche Gefilde geschafft hat. Speziell Danganronpa mit seinem ersten Teil Trigger Happy Havoc, das im Februar in Europa erschien, hatte vergangenes Jahr noch eine Anime-Umsetzung im Rücken, wodurch das Franchise vorab an Bekanntheitsgrad gewann. Wegen seines Nischendaseins im Westen wird der Vorgänger von der Presse als Geheimtipp gehandelt. Das Sequel setzt auf eine neue Location, ein ähnliches Szenario und neue aber nicht weniger abgedrehte Charaktere. Ein weiteres Mal wird uns ein Bankett an Verzweiflung und Wahnsinn serviert. Zudem ist der verschrobene und ex­zen­t­rische Gastgeber Monukuma wieder zuück.

Die Hope’s Peak Akademie ist eine angesehene Eliteschule, in der sich ausschließlich die begabtesten Schüler aus allen möglichen Bereichen versammeln. Zu diesen jungen Talenten darf sich Hajime Hinata zählen. Doch seine Einschulung verläuft entgegen seinen Erwartungen, als er das Gelände betretet und sogleich in Ohnmacht fällt. Daraufhin erwacht Hajime gemeinsam mit einer Reihe anderer Elite-Schüler auf einer abgelegenen, tropischen Insel. Vorgestellt wird ihnen dieser Ausflug als spontaner Klassenfahrt zum Kennenlernen, dabei bleibt die Tatsache, dass die Teenager gegen ihren Willen hierher verschleppt wurden, Nebensache. Dass sich ihre Situation nicht so einfach begreifen lässt, wird besonders durch das seltsame Schauspiel, das sich vor ihren Augen abspielt, verstärkt. Ein sprechendes, weiß-rosanes Hasenstofftier in einem Magical-Girl-Outfit stellt sich als ihre Lehrerin vor und weißt sie in die Regeln ihres Schultrips ein. Die Insel würde eigentlich mit den Sandstränden, der Hotelanlage und mit dem üppig ausgestatteten Einkaufzentrum ein schönes Urlaubsziel abgeben, wäre da nicht der Umstand, dass alle Orte wie menschenleer gefegt sind. Die Überwachungskameras und Monitore, die überall angebracht sind, tragen ebenso wenig zum Wohlbefinden der Gruppe bei.

Das idyllische Urlaubs-Paradies findet ein jähes Ende, als ein weiteres Stofftier namens Monokuma, ein Teddybär mit zwei gegensätzlichen Gesichtshälften, auf die Bildfläche tritt. Vergnüglich verkündet die Plüschnase, dass es keinen Weg gibt, von dieser Insel zu entkommen, es sei denn, die Anwesenden würden bei seinem Spiel teilnehmen. Allerdings sind die Vorrausetzungen für einen Sieg irrsinnig: Um dem Gefängnis zu entrinnen, soll ein Schüler einen ihrer Klassenkameraden umbringen. Der Haken dabei ist, dass die anderen einem dabei nicht auf die Schliche kommen dürfen. Die Schüler müssen wiederum den Mörder in ihren eigenen Reihen überführen. Wenn dies ihnen gelingt, wird der Täter hingerichtet. Doch wenn die Klasse den Falschen beschuldigt hat, wird der Killer freigelassen, während alle anderen die tödliche Bestrafung erhalten. Wäre das ganze nicht schon schlimm genug, teilt Monokuma den Teenagern die schockierende Nachricht mit, dass ihnen zwei Jahre an Erinnerungen geraubt wurde, die sie an der Hope’s Peak Akademie verbracht haben. Während die Jugendlichen versuchen, die Neuigkeiten zu verdauen, bemerkt ihr Reiseleiter, dass sich eine zusätzliche Person unter den Anwesenden tummelt, schließlich waren nur 15 Tickets in diesen albtraumhaften Urlaubstrip angedacht. Schon bald darauf passiert der erste Mord und bringt den Stein ins Rollen. Wird die Gruppe trotz der Zweifel und des Missmutes zusammenhalten können, um sich von den Fängen Monokumas zu befreien und die Insel lebend zu verlassen?

Zuallererst sollte einen bewusst sein, dass es sich bei Danganronpa 2 um eine Visual Novel handelt und man dementsprechend sich hauptsächlich durch Texttafeln klickt. Die spielerische Komponente nimmt dabei nur einen geringen Teil ein. Dafür wird der Titel viel mehr von der Geschichte und dem schrägen Charakter-Ensemble getragen. Generell sei noch gesagt, dass es keine Abzweigungen in der Story gibt. Trotz anscheinender Handlungsfreiheit an gewissen Stellen verfolgt jeder Spieler einer stringenten Erzählung. Das Battle-Royal-Szenario mag zwar durchaus abgenutzt sein, aber Danganronpa bedient sich da einem eigenwilligen Ansatz. Die düstere Thematik, bei der eigentlich der nötige Ernst unentbehrlich ist, wird häufig durch humorvoll Einlagen und der überzogenen Darstellung aufgebrochen. Das Ergebnis ist eine eigene, makabere Mischung, die zu unterhalten weiß. Ich persönlich fand es anfangs schwierig emotional abgeholt zu werden, dennoch war man spätestens nachdem ersten Mordfall von dem Geschehen gefesselt.

Anders als bei der Zero Escape-Reihe hat der Drahtzieher in Danganronpa gleich zu Beginn ein Gesicht und was für eines! Monokuma, der mechanisierte Teddybär gibt wirklich einen sehr befremdlichen Bösewicht ab. Sein Äußeres spiegelt den Kontrast in seiner Persönlichkeit gut wieder. Von seinem niedlichen Wesen und seiner ulkigen Stimme kann man sich leicht täuschen lassen, was sich für ein perfides Mastermind in Wirklichkeit hinter dem kuscheligen Pelz versteckt. Sein sprunghaftes Gemüt lässt Monokuma von fröhlich-drollig schlagartig auf aggressiv und bedrohlich schalten, insbesondere, wenn man sich nicht an seine Spielregeln hält. Durch die Überwachungskameras und seine routinemäßigen Videobotschaften bekommt der Launebär ebenso eine Omnipräsenz, die zu dem mulmigen Gefühl beiträgt. Natürlich säht Monukuma Zwietracht unter den Protagonisten, denn die Morde dienen an erster Stelle seinem diabolischen Vergnügen. Ob dahinter noch ein tiefer gehendes Motiv steckt, könnt ihr bei eurem Durchgang selbst ergründen.

Die breit gefächerte Charakter-Truppe besteht vorwiegend aus Stereotypen mit sehr überspitzten Eigenschaften. Wie beim Vorgänger besitzt jeder der Teenager ein Talent, das ihn auszeichnet und in dem sie unschlagbar – ultimativ, wie es das Spiel ausdrückt – sind. Darunter zählen solche greifbaren Professionen wie Koch, Musiker oder Athlet, aber auch ausgefallenere Sachen. Zum Beispiel gibt es einen Kerl, der vom Erscheinungsbild wie ein Ninja ausschaut und sich mit seinem Geschwafel stets in seiner eigenen Fantasiewelt bewegt, aber sich dann als ultimativer Züchter entpuppt. Dann krabbeln nämlich vier Hamster aus seinem Schal, »the Four Dark Devas of Destruction« , wie der Junge sie gerne nennt. Die Charakterzüge sind sehr unterschiedlich und machen einen Reiz des Spiels aus. Da haben wir das Energiebündel, den arroganten Einzelgänger, die zickige Göre mit dem scharfen Mundwerk und eine Krankenschwester, die unter extreme Minderwertigkeitskomplexe leidet, nur um einige zu nennen. Aber auch äußerlich sind, die Figuren sehr extravagant verpackt. Die Musikerin schaut zum Beispiel vom Outfit so aus, als versuche sie, gleichzeitig fünf Stilrichtungen zu verkörpern. Der Muskelprotz könnte von seiner Austrahlung her glatt aus dem Tekken-Universum entsprungen sein. Natürlich dient die überspitzte Charakterisierung dazu, die Figuren einprägsam zu gestalten. Dazu trägt das markante Artdesign von Rui Komatsuzaki und die originelle Optik bei, welche in der HD-Neuauflage schön zur Geltung kommt. Alle Figuren und Gegenstände stehen nämlich wie Abziehbildchen in den 3D-Räumen. Diese bauen sich beim Betreten eines Ortes wie bei einem Aufklapp-Bilderbuch auf, wobei wir aus der Perspektive des Protagonisten schauen. Die Kamera lässt sich dabei nur sehr eingeschränkt bewegen.

Jedes Kapitel ist in verschiedene Phasen eingeteilt. Als Erstes erkundet ihr zusammen mit euren Mitschülern die verschiedenen Areale von Jabberwock Island, die sich nach und nach freischalten lassen. Thematisch sind die Abschnitte ziemlich unterschiedlich gestaltet, wo es einige Kuriositäten wie ein Flughafen, ein Krankenhaus oder ein Vergnügungspark ins Südsee-Archipel geschafft haben. Zwischendurch wird immer mal wieder der Alltag simuliert, um nicht bloß die Mordfälle aneinanderzureihen und dem Leser Ruhephasen zugeben. In den Freizeit-Betätigungen interagiert ihr mit den anderen Klassenkameraden, baut die Beziehung etwas aus, macht ihnen Geschenke und bekommt kleinere Schnipsel über ihren Hintergrund serviert. Außerdem sammelt ihr dadurch sogenannte Hoffnungssplitter, die man für spezielle Fertigkeiten eintauschen kann, welche sich auf die Minispiele auswirken. Die Wahl steht dem Spieler offen, mit wem man seine Freizeit verbringt, aber ihr habt nicht die Gelegenheit jedem einen Besuch abzustatten, weil dann die Hauptstory voranschreitet. Meistens hat sich dann doch jemand zu einem Mord verleiten lassen und so kommen wir zur nächsten Etappe, den Ermittlungen. In denen untersucht ihr den Tatorten nach Hinweisen, holt euch Aussagen der Mitschüler ein und versucht die Indizien zu verknüpfen. Etwas schade finde ich hierbei, dass der Spieler so lange den Raum nicht verlassen kann, bis man alle verstreuten Hinweise entdeckt hat. Sprich, bevor es ans Eingemachte geht, habt ihr zwangsläufig alle Anhaltspunkte zusammengetragen, egal wie geschickt ihr euch bei der Suche angestellt habt.