»Darker Than Black: Ryusei no Gemini« Anime-Preview

Darker Than Black-Fans müssen sich seit Jahren gedulden. Obwohl die 26-teilige Anime-Serie bereits 2008 vom hiesigen Label Panini Video veröffentlicht wurde, sieht es mit Nachschub noch immer – titelgetreu – dunkler als schwarz aus. In Japan gönnten Studio BONES und Aniplex einer der erfolgreichsten Mystery-Serien eine Fortsetzung: Unter dem Titel Darker Than Black: Ryusei no Gemini lief das auf zwölf Episoden ausgelegte Sequel im Oktober 2009 in der Erstausstrahlung auf dem TV-Sender MBS. Auch wenn sich bisher kein hiesiger Publisher für die Serie gefunden hat, möchten wir sie euch vorstellen.

An dieser Stelle weisen wir darauf hin, dass die zweite Staffel für all jene, die Darker Than Black nicht kennen, Spoiler aufweist!

Alte Bekannte aus Darker Than Black haben es nicht leicht

Blick in die Vergangenheit: Darker Than Black

Zur Vorgeschichte: Nach dem Auftauchen der beiden Kraftfelder Heaven’s Gate und Hell’s Gate in Südamerika und im japanischen Tokyo verändert sich die Welt: Der reale Sternenhimmel weicht einer Fälschung, die neuen Himmelskörper erstrahlen als Lebenssterne der sogenannten Contractors – Wesen mit besonderen Fähigkeiten, deren Auftauchen mit dem Erscheinen der Kraftfelder einhergeht.

Die Gefühle der einstigen Menschen wichen mit der Erringung ihrer besonderen Begabung dem rationalen Denken, was die Contractors dazu befähigt, stets auf den eigenen Vorteil bedacht zu handeln. Kaltblütige Morde sind dabei weniger eine bittere Begleiterscheinung als mehr die Sicherung der eigenen Existenz. So werden Contractors von verschiedenen Geheimorganisationen wie der CIA und dem britischen MI6 rekrutiert, um die eigenen Interessen mit Nachdruck an zumeist ausländische Interessengemeinschaften zu bringen.

Der Black Reaper kehrt zurück

Als einer von ihnen arbeitet der Chinese Hei im ersten Teil der düsteren Mystery-Serie Darker Than Black für ein mächtiges Syndikat, Als es am Tokyoter Hell’s Gate zu einem folgenschweren Zwischenfall kommt, beginnt jedoch heis Rebellion gegen jenes Syndikat.

Während der Ereignisse am Gate beobachten die Zwillinge Suo und Shion Pavlichenko tausende Meilen entfernt die unzähligen Sterne, die beim Tod der im Hell’s Gate kämpfenden Contractors vom Himmel fallen. Einer der todbringenden Meteore schlägt ausgerechnet in der sibirischen Tundra ein – an dem Ort der trauten Beobachter-Zweisamkeit.

Shion überlebt schwerverletzt, verliert ein Auge und gewinnt die Fähigkeiten eines Contractors. Fortan sitzt der Junge im Rollstuhl, denn der Einsatz seiner Fähigkeiten fordert ihren Tribut. Als Contractor entfernt er sich immer weiter von seiner Schwester, die den Zwischenfall unverletzt überlebte.

Die Gegenwart: Darker Than Black: Ryusei no Gemini

Hei verfolgt das Mädchen Suo

Zwei Jahre später beobachtet Suo gerade vergnügt, wie sich ihre besten Freunde Tanya und Nika ihre Gefühle gestehen, als sich die Ereignisse urplötzlich überschlagen: Agenten des russischen Geheimdienstes KGB stürmen das verschneite Wladiwostok und überfallen die Familie Pavlichenko. Suo muss mit ansehen, wie ihr Vater von einem maskierten Contractor brutal ermordet wird. Schockiert sucht Suo das Weite, jedoch wird sie vom maskierten Mann in schwarz verfolgt. Eine grausame Jagd beginnt …

Man merkt es schon: In Ryusei no Gemini, was in etwa Die Zwillinge des Meteors bedeutet, setzt der Darker Than Black-Schöpfer und Regisseur Tensai Okamura neue Schwerpunkte. Der eiskalte Killer Hei tritt den Part der Hauptfigur an die mit 13 Jahren äußerst junge zukünftige Killerin Suo ab. Im gesamten Serienverlauf dient er ihr als Sprungbrett in die grausame Welt der Contractors. Fanservice wird entsprechend eher den männlichen Zuschauern geboten.

Hei hat sich verändert

Hinzu kommt, dass der todbringende Joker fast den gesamten Staffelverlauf den abgewrackten Trinker mimt, der weniger mit actiongeladenen Kämpfen als mehr damit beschäftigt ist, die kleine Suo für jeden noch so kleinen Fehler zu schlagen. Denn nachdem Hei begreift, dass die Zielperson Shion, die er zu verfolgen glaubt, in Wahrheit dessen Schwester Suo ist, nimmt er sich ihrer an, um so an ihren Bruder heranzukommen.

Dass Suo früher oder später selbst zum Contractor wird, ist nicht verwunderlich, und so geht sie bei Meister Hei sozusagen in die Killer-Lehre. Keine angenehme Erfahrung, bedenkt man, dass Hei in den vergangenen zwei Jahren durch die Hölle gegangen ist und jeglichen Funken Menschlichkeit verloren hat.

Ein gebrochener Held und alte Freunde

Heitere Momente gibt es in der zweiten Staffel von Darker Than Black kaum

Der aufgezehrte Ex-Soldat nimmt die kleine Suo mit nach Tokyo. Auf dem Weg aus dem kalten Russland ins ebenso eisige Japan schließen sich dem ungleichen Paar zwei bekannte Figuren an.

Während Hei Suo in der Schnell-Ausbildung gewaltsam klarmacht, wer in ihrer Lehrer-Schüler-Beziehung das Sagen hat, beginnt das Mädchen, ihren Ausbilder und Mörder ihres Vaters immer mehr zu hassen. Durch die Spannungen zwischen beiden Kriegern, die niemals wirklich zu Contractorn wurden, bleibt die gut durchdachte Handlung der Serie unvorhersehbar.

Dem zum Trotz gestalten sich die Kämpfe zwischen Contractors wenig spektakulär. Im Gegensatz zum leichten Rückgang des Actionfaktors sind die Figuren selber erneut einfallsreich und detailliert gestaltet. Genma Shizume, der im Storyverlauf mit Misaki Kirihara im Fall BK-210 ermittelt, erinnert an die glanzvollen Auftritte des MI6-Dandys November 11 und sorgt für viele heitere Momente. Auch bei anderen Contractors gibt es einiges zu sehen: Ein russischer Attentäter bringt das Publikum zum grinsen, wenn er sich kurzzeitig schneller bewegt als der ihn verfolgende Kugelhagel und im Anschluss massig Hamburger in sich reinstopft.

Suo ist ein schussfester Contractor

Während Hei von dem Blondschopf sichtlich genervt ist, bilden die Zuschauer im Netz diverse »Burger-kun«-Communities. Selten wurde einem einminütigen Statisten-Auftritt so viel Aufmerksamkeit zuteil. Spektakuläre und rasante Zweikämpfe liefert sich Hei zudem mit einem weiblichen Contractor, deren Contract Payment darin besteht, Männer zu küssen, obwohl ihr dies zuwider ist.

Lediglich wenn diese beiden Kontrahenten aneinander geraten, finden sich Geschwindigkeit und Animationskunst auf hohem Niveau auf dem TV-Bildschirm wieder. Meist stehen die Figuren während des Kampfes eher in der Gegend herum und lassen ihre Fähigkeiten den Rest erledigen. Schusswaffen und Insektenschwärme kommen hier dem Geldbeutel des Produktionsstudios zugute, das merklich weniger Geld in die Fortsetzung pumpte. Insgesamt sind Fähigkeiten und Contract Payments weniger einfallsreich als in der Original-Serie.

Im Gegensatz zur Action-Sparflamme wissen die beeindruckenden Settings des Art-Directors Takashi Aoi dank großem Detailreichtums zu überzeugen. Die realistische Farbgebung erinnert an die der ersten Staffel. Jedoch kann sich die Serie auch hier einigen Kürzungen nicht erwehren. So bleiben die Hintergründe meist unbewegt und treten wiederholt in Szene. Den ersten 26 Episoden hinkt das Sequel Ryusei no Gemini dadurch leider streckenweise hinterher, liegt jedoch zu jeder Zeit im guten Animationsdurchschnitt.

Harte Töne für dunkle Krieger, seichte Klänge für süße Mädchen

Actiongeladene Fights sind selten

Auf musikalischer Ebene trifft der Zuschauer sowohl auf alte Bekannte als auch auf Neuerungen. Einmal mehr mit von der Partie ist die japanische Band Abingdon Boys School, die der Hauptserie Darker Than Black bereits das rockige Opening-Theme Howling beisteuerte. Diesmal gehen es die Musiker etwas ruhiger an. Ihr Titel From Dusk Till Dawn schenkt der Ending-Sequenz die Darker Than Black-typische Atmosphäre, die stets zwischen melancholischer Sehnsucht und Hoffnung schwankt.

Im Opening schlägt die 2007 gegründete Band Stereopony neue Töne an. Komplett losgelöst vom bisherigen Serienkonzept rockt Sängeri Aimi zu munteren E-Gitarren- und Schlagzeug-Beats melodisch ab. Ihre fünfte Single Tsukiakari no Michishirube zaubert entgegen der musikalischen Darker Than Black-Einlagen ein ungewohntes Lächeln auf das Gesicht des Zuschauers. Wer genau hinhört, erkennt, dass es sich bei den Künstlern um dieselben handelt, die auch das 17. Ending Hitohira no Hanabira zum Bleach-Anime beisteuerten.

Misaki Kirihara ermittelt mit einem neuen Team

Wer erneut den unverwechselbaren Stilmix der Wolf’s Rain– und Ghost in the Shell – Stand Alone Complex-Komponistin Yoko Kanno erwartet, wird mit dem Score der Darker Than Black-Fortsetzung Ryusei no Gemini seine Schwierigkeiten haben. Komponist Yasushi Ishii schwört auf Technoeinlagen und einschlägige Breakbeats. Die Neuerung im Soundtrack-Sektor hinterlässt trotzdem einen bleibenden Eindruck. Besonders der aus hallendem Techno, schnellem Trance und hartem Elektro gemischte Ohrenfetzer Savage Dog Cerberus, der Hei in allen seinen Kampfszenen unterstützt, geht unter die Haut.

Ein kleiner Wehrmutstropfen ist Ishiis nahezu kompletter Verzicht auf den Einsatz klassischer Instrumente sowie melancholisch-langsamer Melodien, die zur dichten Atmosphäre der ersten Staffel beitrugen. Die Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit, die Yoko Kanno in Glanzstücken wie Kuro zum Ausdruck brachte, kann der Hellsing-Komponist leider nicht bieten. So bleiben die Titel meist austauschbar und im üblichen Durchschnitt.

Suo ähnelt einigen Hellsing-Charakteren

Die Nähe zum Hellsing-Universum lässt sich auch im Character-Design wiederfinden. Zwar bleibt dieses dank Takahiro Komori seiner Schöpfungen aus der ersten Staffel treu, zeigt in der Figur Shion jedoch auffallende Ähnlichkeiten zu gleich zwei Protagonisten der Gore-lastigen Horror-Serie. Das süße Mädchen ginge dem Aussehen und Verhalten nach glatt als Tochter des Hellsing-Dreamteams Seras Victoria und Pip Bernadotte durch: Bewaffnet mit rosa Haarpracht, geflochtenem Zopf, Präzisionsgewähr und kindlicher Naivität weist sie viele Parallelen zum berühmten Killergespann auf. Blutig ist Darker Than Black 2 dank gewissenloser Protagonisten zwar ebenfalls, wird jedoch in keinem Moment von Splatter oder Gore bestimmt.

Deutsche Hoffnung bleibt dunkler als schwarz

Welches Geheimnis umgibt Hei und Yin?

Deutsche Fans müssen sich weiterhin in Geduld üben. Weder die zweite Staffel, noch die OVA Darker Than Black: Kuro no Keiyakusha – Gaiden, die erzählt, was zwischen der ersten und zweiten Staffel mit Hei und Yin geschah, steht im Moment auf den To-Do-Listen der hiesigen Anime-Label.

Bis sich ein Publisher den Contract mit dem japanischen Lizenzgeber eingeht, werden die aus der ersten Staffel offengebliebenen Fragen hierzulande weiterhin unbeantwortet bleiben.

In Darker Than Black: Ryusei no Gemini setzt Regisseur Tensai Okamura eine der erfolgreichsten Mystery-Serien des renommierten Animationsstudios BONES fort. Mit neuen Figuren und einem gefallenen Helden geht das actiongeladene Meisterwerk in die zweite Runde. Die Animationsqualität bewegt sich auf dem Niveau der psychischen und physischen Verfassung des ehemaligen Hauptcharakters, bleibt aber dennoch im guten TV-Serien-Durchschnitt. Sowohl aus den Animationen als auch aus der Figur des legendären Black Reapers hätten Okamura-sensei und Kollegen deutlich mehr herausholen können. Ansonsten bleibt  Darker Than Black 2 dem unverwechselbaren Serienstil treu. Darker Than Black: Ryusei no Gemini ist kein Meisterwerk, wird dem Original dank eines spannenden Drehbuchs und einer gelungenen Umsetzung aber gerecht.

Hei und Suo haben kein leichtes Leben

© BONES・Tensai Okamura/DTBG Comittee・MBS.