Darstellungen und Stereotypen von Bishonen

Warum gibt es eigentlich so viele Manga und Anime mit Bishonen, also verdammt gut aussehenden jungen Männern?

Ganz klar, weil wir Mädchen halt gerne heiße Boys anschmachten und der Geldbeutel dann z. B. bei Merchandising auch mal etwas lockerer sitzt – ähnlich dürfte es männlichen Fans bei scharfen, vollbusigen, halbnackten Chicks gehen. Zumindest existiert definitiv eine Zielgruppe, für die schöne Charaktere ein wichtiges Kaufkriterium darstellen.

Auf so manchen Fan- aber auch Mangaka-Illustrationen sehen wir Boys, deren geöffnetes, zerknittertes Hemd (falls noch vorhanden) lässig den Blick auf das definierte Six-Pack oder einfach nur einen makellosen langen Oberkörper freigibt. Die Haare sind etwas zerzaust und fallen ihm verwegen ins Gesicht. Der Blick ist verführerisch-flirty, heiß, süß, ein bisschen leidend oder sonstwas. Manch ein Charakter errötet vor Schahm oder Erregung und scheint bereits etwas heftiger zu atmen. Der Körper glänzt schon leicht vor Schweiß. Mein »Lieblingsmerkmal« ist und bleibt allerdings der offene Hosenstall, der vermutlich schon erahnen lassen soll, was weiter unten schlummert. Und natürlich lunschen auch schon die Beckenknochen aus der Hose hervor.

Yamato Nadeshiko Shichi Henge, Vol. 4 © 2001 Tomoko Hayakawa / Kodansha Ltd. – Perfect Girl Bd. 4 © 2005 Tokyopop GmbH

Ok, ihr wisst, was ich meine. Das war jetzt ein extremes Beispiel, wie man es auf Kissenbezügen findet. Jedoch preisen Zeichner(innen) ihre männlichen Leckerbissen gern mit den ein oder anderen Details an. Manchmal übertreiben sie die Darstellungen auch bewusst und verulken ihre Charaktere somit absichtlich (Perfect Girl). Und sei es einfach nur der Fokus auf den unordentlich offenen Hemdkragen mit dem schlanken, sehnigen Hals dahinter. Es ist einfach so typisch, wie uns sexy Männer präsentiert werden. Boys-Love-Fans läuft vermutlich das Wasser im Munde zusammen, wenn sie bereits in Gedanken die Bishonen miteinander shippen.

Was tut ein Mangaka oder Charakterdesigner, wenn er einen ganzen Harem attraktiver Männer kreieren muss? Er bedient verschiedene Geschmäcker! Dass sich aus diesem Vorgehen inzwischen ein paar gut bewährte Stereotypen entwickelt haben, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich unterscheide einmal zwischen Haupt- und Nebencharakteren.

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© Uta☆Pri-LS Project
© Hiro Fujiwara/Hakusensha, Maid Sama Project
© 2010 VIZ Media Switzerland SA (German Version)

Der häufigste männliche Hauptcharakter (in vorrangig Shojo-Manga!) ist sehr beliebt (wenn nicht gar ein Aufreißer), cool, lässig und hat ein bisschen was von einem Bad Boy. I. d. R. zeigt er dem Mädchen, wo es lang geht, und beeindruckt sie mit seinem festen Blick sowie seiner Nähe/Präsenz. Da fehlen dem Mädchen ganz schnell mal die Worte. Irgendwie ist so ein bisschen Dominanz ja auch sexy. Er hat immer mal einen flotten Spruch auf den Lippen und zieht die Protagonistin gern auf, also ganz nach dem Motto »Was sich neckt, das liebt sich«. Gute Beispiele für diesen Typ sind Chiaki (Kamikaze Kaito Jeanne/Arina Tanemura) und Takumi (Maid-sama/Hiro Fujiwara).

Koi toka, kiss toka, karada toka Vol. 1 © 2013 Kozue Chiba, SHOGAKUKAN Ltd. Liebe, Küsse, Körper Band 1 © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2014

Manche von ihnen bringen vielleicht auch eine Art Trauma/schlechte Erfahrung mit, verhalten sich sadistisch, spielen ein bisschen den Leidenden und müssen erst einmal von der Heldin wie eine Nuss geknackt werden (das sollte jetzt nicht anstößig klingen). Also soll heißen, dass das Mädchen zunächt das Vertrauen des einsamen Wolfes gewinnen muss. Typisch dafür sind Charaktere von Kozue Chiba wie z. B. Maki in Liebe, Küsse, Körper. Einige verhalten sich sogar etwas rüde und die Protagonistin wird aus seinem teilweise widersprüchlichen Verhalten einfach nicht schlau (Kengo in Verrückt nach Erdbeere oder Owaru in Love Hotel Princess). Da erscheinen die Jungs noch so perfekt und begehrenswert, aber irgendwas haben sie doch an sich, weswegen sie noch single sind. Mal ehrlich, im wahren Leben wäre so ein Typ doch längst vergeben oder unerreichbar!

Free! – Eternal Summer

Kommen wir nun zu den hotten männlichen Nebencharakteren. Sie sind oftmals als Ansammlung junger Männer anzutreffen und lösen bei Mädchen weit und breit zügellose Fantasien aus. Es gibt sie insbesondere als Sportler-Gruppen (Kuroko no Basket, Free!), als Musik-Bands (Kin-iro no Corda Blue♪Sky), unter den Reichen und Schönen bzw. Adeligen sowie in Host Clubs (Ouran Highschool Host Club). Und jeder von ihnen gibt einen anderen Typ Mann ab, was sie mit Frisuren, Farbgebung, Mimik, Verhalten und Kleiderordnung zum Ausdruck bringen.

Beginnen wir mit dem kleinen Sonnenschein, der niedlich ist, sehr verspielt und bei Frauen gerne den Mutterinstinkt auslöst. Er wirkt immer ein wenig schutzbedürftig und kommt es ganz schlimm, hat er auch noch ein paar Tränchen in den Augen. Aber er ist halt süß und sowas muss geknuddelt werden!

Barajō no Kiss Vol. 9 © © 2012 Aya Shouoto / Kadokawa Shoten – Kiss of Rose Princess Bd. 9 © © Carlsen Verlag GmbH Hamburg 2014

Ihm zur Seite steht manchmal ein großer, eher schweigsamer Mann, der die Frauen durch seine erwachsene Ausstrahlung dahinschmelzen lässt. Die Vorstellung von einem solchen Partner beschützt zu werden, gefällt sicher vielen Frauen (schon allein aus evolutionsbiologischen Gründen). Und hier gibt es auch schon häufig Überschneidungen der männlichen Typen. Denn zugleich findet man auch manchmal einen kühl wirkenden, mysteriösen Schönling unter den Bishonen vor, der etwas unnahbar scheint. Aber auch darauf steht Frau! Diese Typen können, müssen sicher aber nicht in ein und derselben Person wiederfinden.

Fudanjuku Monogatari © 2011 by Arina Tanemura /Shueisha Inc.
Die Fudanjuku Story © TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2013

Ein Vertreter, den es fast immer gibt, ist der Intellektuelle mit Brille (Miracle Train). Er glänzt natürlich durch sein Wissen und seine Kombinationsgabe. Seine typische Geste ist die, bei der ein Finger die Brille auf der Nase zurechtrückt. Die Frisur ist tendenziell eher akkurat geschnitten und gelegt. Er wirkt ein bisschen, als müsse er die Quote der Brillenträger erfüllen. Genauso gibt es etwas seltener den Quoten-Dunkelhäutigen (Kuroko no Basket, Uta no Prince-sama).

Weitere kleinere, aber seltener auftretende Stereotypen wie den charmanten Traumprinzen, den Spaßvogel oder den Rowdy ließen sich noch aufzählen. Doch hängt dies von der Größe der Männergruppe ab, ansonsten vermischen sich die Charaktere häufiger. Besonders auffällig sind die leicht abgeänderten Merkmale der Bishonen in z. B. Fudanjuku Story, Kiss of Rose Princess, Diabolik Lovers, Brothers Conflict, S.L.H: Stray Love Hearts!, Super Darling! und Uta no Prince-sama, um nur einige Titel zu nennen.

Ten Count 2 © 2014 by Rihito Takarai/Shinshokan
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2015

Im Zusammenhang mit Bishonen darf auch das Dominanzverhalten Uke-Seme bzw. rezessiv-dominant in Boys-Love-Serien nicht unerwähnt bleiben. Hier trifft i. d. R. ein Wolf auf ein Lamm, d. h. ein forscherer Typus Mann auf eine vergleichsweise schüchterne Seele (My Honey Express, Junjo Romantica).

Ähnlich ist es, wenn zwei gut aussehende Jungen um ein Mädchen buhlen. Die Bishonen stehen dann häufig im starken Kontrast zueinander (wie Wasser und Feuer) und die Heldin muss sich entscheiden, worauf sie eher steht.

Dieses Special ist natürlich nicht vollständig! Es enthält die prägnantesten Bishonen, die beim Lesen unweigerlich ins Auge fallen. Im nächsten Schritt wäre vielleicht ein Vergleich mit amerikanischen Comic-Schönlingen interessant. Wo liegen Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede? Habe ich einen bestimmten Typ Beau vergessen, seht ihr etwas völlig anders oder stimmt ihr mir zu? Schreibt es in die Kommentare!