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Der erfahrene Animator Toshiyuki Inoue gibt Ratschläge für die Lohnverhandlung

Als Reaktion auf den neuesten Bericht zu den aktuellen Arbeitsbedingungen in Japan für Animatoren äußerte sich der erfahrene Animator Toshiyuki Inoue (Hauptanimator von Maquia – When the Promised Flower Blooms) in mehreren Tweets mit Tipps und Argumenten bei Gehaltsverhandlungen für junge Animatoren.

Der Bericht der Japan Animation Creators Association (JAniCA) ergab, dass junge Animatoren im Gegensatz zu ihren älteren Kollegen weiterhin mit härteren Arbeitsbedingungen in der Anime-Industrie konfrontiert werden. Im Durchschnitt verdienen junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren 1.550.000 Yen (ca. 12.300 Euro) pro Jahr, das sind 1 Million Yen (ca. 8.000 €) weniger als der nationale Durchschnitt der Altersgruppe.

Inoue erzählt auf Twitter, dass er vor etwa 35 Jahren als ein junger Animator nur etwa 160 Yen (1,27€) pro Einzelbild bezahlt bekam. Er hofft, dass der Regelsatz auf mindestens 300 Yen (2,37€) ansteigt. Seiner Meinung nach sollte er idealerweise 400 Yen (3,17€) betragen.

Nach Angaben aus dem Close-Up Gendai+-Programm des japanischen TV-Senders NHK im Jahr 2017 verdienen Animatoren derzeit rund 200 Yen (1,58€) pro Einzelbild.

Inoue erklärte auch im selben Tweet, dass ein Abschnitt der Key-Animation vor 35 Jahren 1.700 Yen (13,45€) wert war. Diese Zahl ist in der heutigen Zeit auf 4.000 Yen (31,66€) gestiegen. Mit anderen Worten, im Laufe der Zeit ist der Wert der Key-Animation weitaus stärker gestiegen als der Wert der Einzelbilder für die Zwischen-Animationen. Das Preisverhältnis zwischen den beiden Animationen betrug früher etwa 11:1 oder 10:1, bei einem gleichbleibenden Verhältnis müssten die Einzelbilder für die Zwischen-Animationen heute 400 Yen kosten anstatt nur 200 Yen.

Laut Inoue ist ein weiterer Faktor, wie lange es dauert, ein Zwischenbild zu zeichnen. Vor 35 Jahren wusste Inoue von Animatoren, die in einem Monat 1.000 Zwischenbilder anfertigten. Dies wäre heutzutage unmöglich, da die Komplexität der Charakterentwürfe dazu führt, dass die Herstellung von Zeichnungen länger dauert. Das bedeutet, dass die Einzelbilder für die Zwischen-Animation heutzutage vergleichsweise mehr wert sein sollten.

Im Vergleich dazu benötigt der junge Zwischen-Animator Tetsuya Sakurai für die täglichen etwa 10 Zwischenbilder im Allgemeinen etwa eine Stunde pro Einzelbild.

Inoue hoffe, dass seine Aussagen junge Animatoren befähigen können, über ein besseres Angebot zu verhandeln. Er warnte davor, sofort eine höhere Rate zu fordern und ermutigte die Menschen stattdessen, seine Aussagen als Argumente zu nutzen.

Er erwartet auf der Produktionsseite eine von drei Reaktionen. Entweder totale Ahnungslosigkeit, Verständnis oder die Argumentation mit den gestiegenen Kosten und dass es halt nicht anders geht.

Ein normales Unternehmen würde vermutlich die erste Reaktion zeigen und ein gutes Unternehmen eher die zweite. Die dritte Reaktion sollte ein NoGo sein. Produktionsfirmen und Produktionskomitees seien nicht von Natur aus der Feind. Vielmehr seien sie eher ein Freund.

Er ist auch der Überzeugung, dass die beste GesprächspartnerIn auf der Produktionsseite ein “sympathischer Produzent” ist, weil dieser Einfluss auf das Budget hat. Ein Gespräch mit der Association of Japanese Animations wird wohl keine Ergebnisse bringen. Von ihnen ist eher eine diplomatische Nicht-Antwort wie “Wir untersuchen das Problem” zu erwarten.

Selbst JAniCA, eine Interessenvertretung der Arbeitnehmer in der Anime-Industrie, ist beim Versuch, spürbare Veränderungen auf höchster Ebene zu bewirken, auf Hindernisse gestoßen. Deren Direktor Yasuhiro Irie (Fullmetal Alchemist: Brotherhood-Regisseur) ist beim Versuch, eine Konferenz zum Thema zu organisieren, bereits gescheitert.

Zu strukturellen Veränderungen könnten nur viele Impulse von verschiedenen Seiten  führen. Vorschnelles Handeln könne sogar für junge Animatoren zum Verlust ihrer Arbeit führen. Über die aktuellen Missstände muss viel besser informiert werden und vor allem müssen auch hochkarätige Persönlichkeiten aus der gesamten Branche sich zu Wort melden. Nur so können dann auch die Top-Personen (wie Unternehmensleiter und Produktionsausschüsse) überzeugt werden. Inoue hofft auch, dass mit Hilfe dieser Persönlichkeiten die Fair-Trade-Kommission und kleine und mittlere Unternehmen dazu veranlasst werden Leitlinien auszuarbeiten. Dies könne einen echten Impuls geben.

Als Reaktion auf Inoues Tweets haben andere Animatoren über Geldfragen gesprochen. Akiko Nakano hat vor etwa 40 Jahren für ein Einzelbild rund 150 Yen  (1,19 €) bekommen. Wenn man die Komplexität der Zeichnungen heutzutage berücksichtigt, dann sind sogar 600 Yen (4,75€ ) pro Bild zu niedrig. Schon in der Vergangenheit waren 150 Yen viel zu niedrig, sodass eine reine Anpassung entsprechend der allgemeinen wirtschaftlichen Preisveränderungen in den Jahren immer noch grob ungerecht gegenüber Animatoren wäre.

Die Animatorin Mizue Ogawa erwähnte, dass junge Animatoren nichts über die üblichen Tarife wüssten. So können sie leicht dazu gebracht werden, zu wenig Geld zu verlangen. So sei es ihr auch schon vor 30 Jahren ergangen. Sie hielt 80 Yen für den üblichen Tarif für Anfänger und arbeitete für diesen sechs Jahre lang aus einem regionalen Studio.

Der Animator Shinsaku Kōzuma tweetete, dass einige Studios Animatoren “Exklusivitätsgeld” zahlen, sodass sie nur für dieses spezielle Studio arbeiten können. Dies wird abhängig von ihrem Alter und ihrer bisherigen Karriere gezahlt. Exklusivitätsverträge könnten sogar dazu führen, dass man nicht genügend Geld zum Leben hat. Gemäß seinem Ratschlag sollten junge Animatoren mindestens 100.000 Yen (fast 800 €) plus die Preise pro Zeichnung akzeptieren.

JAniCA hat seinen Bericht im Rahmen des Forschungsprojekts “2018 Research Project to Promulgate Media Arts: Activity Report Symposium” am 23. Februar veröffentlicht. Der TV-Sender NHK berichtete über die Daten von JAniCA in einem Webartikel, der inzwischen von der Website entfernt wurde.

Quelle: Toshiyuki Inoues Twitter-Account

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