Popkultur »Detektiv Conan – 17. Film: Detektiv auf hoher See« - DVDonTest

»Detektiv Conan – 17. Film: Detektiv auf hoher See« – DVDonTest

Deutsche Fans mussten eine produktionstechnische Verschiebung hinnehmen, doch seit 31. Oktober liegt er nun auch bei uns auf DVD sowie Blu-ray vor: Der 17. Detektiv Conan-Movie Detektiv auf hoher See (Meitantei Conan: Zekkai no Private Eye). In Japan feierte der Film einst am 20. April 2013 in den Kinos Premiere. Mittlerweile wurde schon der 19. Teil Gouka no Himawari angekündigt, während hierzulande die Frage im Raum steht, ob Kazé auch den 18. Ableger Ijigen no Sniper (und vielleicht sogar das Crossover Lupin III vs. Detective Conan The Movie) lizenzieren wird. In der Heimat zählt Detektiv auf hoher See zu den Kassenschlagern unter den Leinwandfällen der kleinen Spürnase Conan. Ob das Krimi-Spektakel mich ebenso überzeugt, verrate ich euch gerne anhand der DVD-Version.

In Begleitung von Kogorô, Ran und Sonoko nehmen die Detective Boys an einem öffentlichen Manöver des AEGIS-Kriegsschiffes »Hotaka« teil. Als ein nicht eingeplantes Ereignis die Crew alarmiert, horcht Conan auf und beginnt, sich umzusehen. Er trifft dabei auf den kleinen, verängstigten Yûki, dessen Vater sich merkwürdig verhält. Auch ein weibliches Besatzungsmitglied, das ihn offensichtlich anlügt, gibt Conan zu denken. Der Aufenthalt auf dem Kriegsschiff entwickelt sich schließlich zu einem richtigen Kriminalfall, als ein abgetrennter Arm auftaucht, der durch das Abwasseransaugsystem aus dem Meer gefischt wurde.

Während die Passagiere nichts von diesem grauenhaften Fund ahnen, nimmt Conan die Ermittlungen auf und stößt auf gefährliche Machenschaften, die mehr als nur einzelne Personen, nämlich die gesamte Nation Japan schädigen könnten. Der Arm gehört – wie sich herausstellt – dem Kapitänleutnant Sasaura, von dem vermutet wird, als Spion tätig gewesen zu sein. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass auf dem Schiff ein weiterer, unbekannter Agent –»X« – weilt, um wertvolle Informationen zu entwenden. Kann Conan verhindern, dass Japan in eine Krise stürzt und den Mörder dingfest machen?

Mit mehr als einem Dutzend Kinofilmen ist beim Produktionsteam trotz hin und wieder vorkommendem Wechseln eine Routine eingekehrt. Regisseur Kobun Shizuno fungiert seit dem fünfzehnten Movie durchgehend in dieser Position und hat damit Yasuichiro Yamamoto abgelöst. Takeharu Sakurai lieferte das Drehbuch zu Detektiv auf hoher See ab. Für ihn war es die erste Bekanntschaft mit der kleinen Spürnase und Conans Freunden – es bleibt jedoch nicht die einzige. Zwar kehrte für den nächsten Teil – Ijigen no Sniper – mit Kazunari Kouchi ein alter Hase zurück, der schon so manche Detektiv Conan-Skripten auf seine Kappe nehmen darf, aber beim Anfang Dezember verlautbarten 19. Movie Gouka no Himawari versucht Takeharu Sakurai erneut sein Glück. Wohl nie ausgewechselt wurden Charakterdesigner sowie gleichzeitig Animationsregisseur Masatomo Sudô und Katsuo Ono, der stets die Musik beisteuert.

Doch wie schlägt sich nun Detektiv auf hoher See inhaltlich? Die Spannung kommt anfangs nur schwerlich auf und ist Schwankungen unterlegen, ohne jemals einen wirklich mitreißenden Höhepunkt zu erreichen. Ein abgetrennter Arm sollte dabei eigentlich schon allein durch den makabren Anblick (FSK 12 entsprechend möglichst kinderfreundlich ohne Blut, Hautfetzen oder gar freiliegende Knochen) die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich und seine Herkunft ziehen – leider eine Fehleinschätzung. Einen Grund dafür findet man im reservierten Verhalten der Besatzungsmitglieder gegenüber dem Todesfall. Diese emotionslose Betrachtungsweise färbt auf den Zuschauer ab. Zudem lernt man den Verstorbenen erst nach seinem Ableben kennen. Für eine Bindung zur Figur, so klein sie auch sein möge, wurde kein Platz eingeräumt.

Detektiv auf hoher See schwächelt aber in weiteren Punkten. So empfinde ich die neuen Personen, die extra für den Film kreiert wurden, als größtenteils lieblos hingeworfen. Man erfährt nur wenig von ihnen. Auch untereinander färben sich keine persönlichen Verbindungen, sondern nur berufliche Zusammengehörigkeit ab. Dementsprechend eindimensional wirkt das Charakterdesign. Am sympathischsten fällt noch der kleine Yûki aus, dem die Angst förmlich ins Gesicht geschrieben steht.

Dabei möchte man – zumindest ich – bei Themen wie Geheimagenten sowie Spionage in den eigenen Reihen doch wenigstens wissen, was solche Menschen dazu verleitet, der Heimat so den Rücken zu kehren und damit die Landsleute zu verraten. So bleibt dem Betrachter nur ein stumpfes Aufeinanderprallen zwischen den »guten« Patrioten und den »bösen« Spionen im Dienste eines nicht weiter spezifizierten Landes (persönlich musste ich jedoch an China oder Russland denken), welche die Kooperation mit Amerika stören wollen.

Insgesamt erweckt die Story vorne und hinten wenig Begeisterung. Zu offensichtlich entpuppen sich die Identitäten der einzelnen Personen. Conan muss den Erwachsenen selbst bei kleinen Dingen Hilfestellung mit seinen Tipps leisten, während das Potential seiner – oder des genauso auftauchenden Heijis – eigenen grauen Zellen kaum ausgenutzt wird. Die Detective Boys geben sich überraschend brav, obwohl sie sonst schnell spüren, wenn Conan ihnen etwas verheimlicht. Zudem sind nicht alle Ereignisse logisch nachvollziehbar, begonnen bei einem militärisch und diplomatisch wichtigen Kriegsschiff höchster Geheimstufe, das ein öffentliches Manöver mit miesen Sicherheitsvorkehrungen durchführt. Actionszenen fanden nur im geringen Maße ihren Weg ins Drehbuch. Der Todesfall überrumpelt einen in der Auflösung, aber auch hier erntet der Film eher meinen Missmut. Was in einem Detektiv Conan-Movie des Weiteren ebenfalls dazugehört, ist mindestens ein Charakter aus dem Manga in Lebensgefahr. Gerade weil es von vornherein auf der Hand liegt, dass Gosho Aoyamas Original-Figuren im Film nicht sterben können, kann man sich beruhigt zurücklehnen und das möglichst dramatisch inszenierte Spektakel genießen.

In ein weitaus besseres Licht stellt sich die Grafik. Im Abspann bekommen Zuschauer ein richtiges Kriegsschiff mit Besatzung zu sehen. Dieses bestätigt die Detailliebe, welche die Animatoren an den Tag gelegt haben. Dynamische Kamerafahrten kommen zwar nur selten vor, aber ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und suggerieren einen Spannungsanstieg. Der Soundtrack hilft mit, den Film um ein paar Nuancen doch noch aufzubessern, ohne dabei selbst in den Vordergrund gleiten zu wollen. Wirkliche akustische Highlights stechen aber leider nicht hervor. Allein das Ending One more time von Kazuyoshi Saitô besitzt Ohrwurmcharakter.

Disc

Für 106 Minuten strahlt der Movie im 16:9-Format über den Bildschirm. Fans der japanischen Sprache können diese mit den gewohnten deutschen, in Gelb gehaltenen Untertiteln auswählen. Auch unsere Synchronsprecher setzen sich wieder ins Zeug und geben ihr Bestes, was in dem Fall besonders punktet. Bei beiden Sprachen kann man sich jeweils zwischen Dolby Digital 2.0 oder 5.1 entscheiden. Die Einstellung erfolgt flott übers Hauptmenü.

An der Standardbesetzung für die Hauptcharaktere gibt es in beiden Sprachen nichts zu meckern, da man es mit eingespielten Teams zu tun hat. Um den gewohnten deutschen Cast zusammenzutrommeln, musste der deutsche Release vom ursprünglichen Datum (26. September) um einen Monat nach hinten verschoben werden, da sich ein paar Sprecher noch im Urlaub befanden. Stimmakrobat Tobias Müller spricht wie gewohnt sowohl den kleinen, kindlich klingenden Conan (Minami Takayama) als auch den erwachsen tönenden Shinichi Kudo (Kappei Yamaguchi). Jörg Hengstler gibt den Schürzenjäger und Nullchecker Kogorô Môri (Rikiya Koyama), der dieses Mal gar nicht dazu kommt, Haare raufend falsche Schlüsse zu ziehen oder Unschuldige vehement zu verdächtigen. Die sanfte Ran (Wakana Yamazaki), welche, wenn es die Situation verlangt, mit ihren Karatekünsten ordentlich zulangen kann, wird akustisch von Giuliana Jakobeit zum Leben erweckt.

Eine längere Liste mit den wichtigsten deutschen und japanischen Sprechern findet ihr hier. In Detektiv auf hoher See treten allerhand Figuren aus Gosho Aoyamas Manga auf, von den Detective Boys über Kommissar Meguro bis hin zu Heiji und Kazuha. Bei den Movie-Neuzugängen erwähne ich hier nur die vermeintliche Schiffsköchin Nanami Fujii (Kô Shibasaki – Gaststar und Sängerin des Titelsongs Love Searchlight vom 18. Movie), Yûki (Yuuko Mita) und dessen Vater (Takaya Kuroda), die einem nach dem Abspielen der DVD noch am ehesten für einige Zeit in Erinnerung bleiben. Sie werden jeweils von Antje von der Ahe, Paul Wienicke und Markus Pfeiffer gesprochen, welche eine solide Arbeit ablegen. Nur Wienicke wirkt als kindlicher Yûki eine Spur zu bemüht im Ton, um die ängstliche Verfassung des Jungens aufrechtzuerhalten.

Es fällt mir für diesen Streifen schwer, Einzelleistungen hervorzuheben oder zu kritisieren, da die Dialoge sehr ausgewogen und emotional oft zurückhaltend sind – von Tobias Müllers Einsetze als Protagonist abgesehen, der seinen Job professionell über die Bühne bringt. Nachdem ich mir sowohl die japanische als auch die deutsche Tonspur zu Gemüte geführt habe, muss ich dieses Mal Letzterer den klaren Vortritt geben. Überraschend sind es die Nebencharaktere, die Punkte einheimsen. Während die Crew-Mitglieder im Original ruhig und routiniert ihrer Arbeit nachgehen, was eher zum Gähnen anregt, arbeiten die Charaktere auf der deutschen Seite mit einer konzentrierten, unterschwellig angespannten Haltung, welche sich auf den Betrachter überträgt. Dadurch habe ich leichter ins Geschehen reingefunden. Der Spannungslevel profitiert durch diese Darbietung.

Bonus und Verpackung

Kazé steht bei der Aufmachung auf Tradition. So kommt Detektiv Conan – Detektiv auf hoher See mit Digipack und Schuber daher. Die Disc ist dabei anfangs in einer Extra-CD-Hülle verborgen, welche das FSK-12-Logo trägt. Der Schuber bleibt dadurch vom grünen Kästchen verschont. Auf dem Cover tummeln sich allerhand Charaktere. Im Hintergrund ist das AEGIS-Kriegsschiff inklusive dazugehörigen Hubschrauber im Himmel zu sehen. Das Motiv findet sich ebenfalls auf dem Digipack, der DVD-Disc selbst sowie dem inkludierten 24-seitigen Booklet wieder. Das Heftchen ist eine kleine Lesefreude, schließlich gibt es nicht nur Auskunft zu den Charakteren, sondern liefert weitere interessante Informationen in Kurzform ab. Unter anderem wird Professor Agasas Rätsel, wie immer ein kleines Wortspiel, dessen Bedeutung im Deutschen leider komplett verloren geht, erklärt.

Detektiv auf hoher See wollte viel und hat wenig erreicht. Die Story ist langweilig. Takeharu Sakurai müht sich zu sehr damit ab, den japanischen Patriotismus hochzuhalten sowie dabei so viele bekannte Detektiv Conan-Charaktere wie möglich in den Film zu stopfen, dass die Spannung keine hohen Wellen schlagen kann und sich die Figuren gegenseitig aus dem Rampenlicht schleudern. Manchmal ist weniger eben doch mehr. Viel zu schnell offenbart sich dem Zuschauer schon, wer der Spion ist. Es fehlen die großen Wendungen und knifflige Rätsel, die einen spannenden Detektiv Conan-Fall ausmachen. Wenn die Handlung hinkt, hilft leider auch eine detaillierte Grafik, ein netter Soundtrack oder eine gute deutsche Synchronisation nicht weiter, um das Leck zu stopfen, sodass wirklich nur die leidenschaftlichen Detektiv Conan-Sammler zugreifen sollten (für begeisterte Fans hält EMA zudem im kommenden Programm den Anime-Comic zu Detektiv auf hoher See sowie weitere Abenteuer des geschrumpften Oberstufendetektivs bereit). Alle anderen Käufer drohen hier Schiffbruch zu erleiden.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Detektiv Conan – 17. Film: Detektiv auf hoher See.

Details

Titel: Detektiv Conan – 17. Film: Detektiv auf hoher See
Originaltitel: 劇場版 名探偵コナン 絶海の探偵 プライベート・アイ (Meitantei Conan: Zekkai no Private Eye)
Produktionsjahr: 2013
Genre: Krimi, Action, Drama
Animationsstudio: TMS Entertainment
Regisseur: Kobun Shizuno
Publisher: Kazé
Länge: 106 Minuten
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DD 2.0, DD 5.1
FSK: 12
Preis: circa 24,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ASIN: B00MWUHTZU&chan=animey&asin=B00MWUHTZU]

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