Devil Survivor 2 – the Animation Vol.1 – DVDonTest

Wie würdet ihr reagieren, wenn euch ein Video euren nahen Tod oder den eines Freundes prophezeien würde?

In genau diese Situation geraten die beiden Oberschüler Hibiki und Daichi. Von da an heißt es für sie: »Let’s survive!« – Mit eben jenen Worten schickt das Opening von Devil Survivor 2the Animation die Dämonenbeschwörer durch 13 Episoden auf Leben und Tod. Ende Juni erschien die im Hause Bridge entstandene Anime-Adaption bei Kazé auf DVD sowie Blu-ray. Sie beruht auf der 2011 veröffentlichten Videospiel-Fortsetzung Shin Megami Tensei: Devil Survivor 2 aus der MegaTen-Reihe von ATLUS. Eine englische Version ist seit 2013 auch in Europa für Nintendo DS erhältlich. Ob der Anime auch unabhängig vom RPG bestehen kann, testet AnimeY an der DVD.

Hibiki Kuze und sein bester Kumpel Daichi Shijima sind im dritten Jahr der Oberstufe – stehen also kurz vor ihrem Abschluss. Während der fröhliche Daichi noch eher sorgenfrei und planlos wirkt, was die Zeit nach der Schule betrifft, lässt den besonnenen Hibiki die Frage nach seinen möglichen Optionen nicht so leicht los. Da bringt Daichi das Gespräch plötzlich auf das neueste Internetphänomen »Nicaea«. Die populäre Internetseite soll registrierten Usern in einem Dead-Face-Videoclip den Tod eines Freundes zeigen. Gruselige Idee, aber auch ziemlich cool, findet Daichi und meldet den erstaunten Hibiki sogleich mit an.

Überraschenderweise erhalten die Teenager schon kurz darauf beide ein Todes-Video des jeweils anderen. Die gute Stimmung verfliegt sofort. Noch unheimlicher wird es, als sie bemerken, dass das Setting des gezeigten Unfalls dem Shibuya-U-Bahnhof, an dem sich die zwei gerade befinden, entspricht. Die Jungen wollen verschwinden, doch es ist schon zu spät. Mit dem einfahrenden Zug beginnt der gesamte Bahnhof zu beben, und das Unglück nimmt seinen Lauf, genau wie es Nicaea vorhergesehen hat.

Die Navigatorin der Webseite meldet sich nun zu Wort und stellt unsere Protagonisten vor die Wahl: leben oder sterben? Hibiki entscheidet sich für Ersteres, woraufhin er zusammen mit Daichi sowie der hübschen Mitschülerin Io Nitta in den Trümmern der U-Bahn-Station erwacht. Kaum, dass das Trio realisiert hat, was gerade passiert ist, wird es auch schon von Monstern angegriffen und erlebt die Ankunft des dämonischen sowie hochexplosiven Septentriones Dubhe. Nur durch Zufall gelingt es ihnen mittels einer von Nicaea installierten Dämonenbeschwörungs-App, den Angreifern ein paar starke Gegner entgegenzustellen.

Damit geraten die drei gleichzeitig ins Visier der mysteriösen Organisation JP’s, welche sich unter der Leitung von Yamato Hotsuin dem Kampf gegen die gefährlichen Eindringline verschrieben hat. Die drei frisch gebackenen Dämonenbeschwörer erfahren, dass für die nächsten sechs Tage noch weitere Septentriones erwartet werden. Der Countdown für das Ende der Welt ist also eingeleitet. Alle Hoffnungen ruhen plötzlich auf Hibiki, der die Kraft besitzt, das göttliche Tier Byakko zu beschwören, und unser Held muss wieder eine Entscheidung treffen: Setzt er seine Fähigkeiten ein?

Es fällt auf, dass der Hauptheld Hibiki anfangs eine recht passive Rolle einnimmt und nur wenig Textpassagen ganz im Gegensatz zu seinem Freund Daichi hat. Dies ist natürlich auf die Game-Vorlage und Hibiki als Spielerfigur zurückzuführen. Von der Computer-Optik und den Schauplätzen wurde vieles für die Anime-Adaption übernommen, sodass sich Kenner des Originals sofort wieder heimisch fühlen können.

Das Geschehen rund um die »Devil Survivors«, die Dead-Face-Clips sowie die Invasion der Septentriones versprechen an sich reichlich Spannung, Action und Dramatik. Wer Mirai Nikki gelesen hat, weiß, wie nervenaufreibend es für Charaktere sein kann, immer wieder den Tod vorhergesagt zu bekommen und ihn vielleicht gerade noch abwenden zu können.

Die Idee der Apokalypse, des seltsamen weißhaarigen Jungen sowie auch der erwarteten Killerbestien erinnert wiederum stark an Neon Genesis Evangelion. Demnach weckt der vermutete Nervenkitzel durch Nicaea zusammen mit der Kaltblütigkeit einer Organisation und dem drohenden Ende der Welt hohe Erwartungen. Wer den Anime aber kritisch verfolgt, dem wird die klischeehafte Handlung bestimmt nicht entgehen (die meines Erachtens in Spielen durchaus zur Nebensache werden darf).

Der süße Protagonist beschwört gleich als erstes Wesen ein Göttertier, versetzt damit alle in Erstaunen, wird von dem Mädchen an seiner Seite angehimmelt und hat immer die richtige Lösung parat. Dieser Held ist so perfekt, dass es ihm an einer interessanten, individuellen Persönlichkeit fehlt. Alle anderen Charaktere haben zwar weniger drauf, wirken aber spannender. So wächst einem beispielweise der witzige Pechvogel Daichi (im Deutschen hervorragend interpretiert von Konrad Bösherz) recht schnell ans Herz. Bei der Fülle an Charakteren bleibt aber wenig Zeit, sich mit einem näher auseinanderzusetzen. Dort scheint der Anime nicht über den Game-Inhalt hinauszugehen.

Dennoch spielt das Thema Coming-of-Age für einige Charaktere eine bedeutende, wenn auch nicht ausgedehnte Rolle. Von Anfang an fragt sich der Hauptheld, was man für seine Zukunft tun kann beziehungsweise später, ob die Menschheit auf die Probe gestellt wird. Die drei Freunde müssen in der Tat jeder erst seine Furcht und Handlungsunfähigkeit überwinden, um sich anschließend aktiv an den Kämpfen zu beteiligen. So machen sie gewissermaßen eine charakterliche Entwicklung durch.

Was bei der Story leider aber auch vernachlässigt wurde, ist die Beziehung zwischen Beschwörer und Dämon. Die gerufenen Wesen werden lediglich als Mittel zum (Kampf-)Zweck benutzt. Dies lässt wieder auf den reinen Spielcharakter des Originals schließen. Das Fundament für den Anime war also da, nur wurde es narrativ kaum ausgebaut.

Disc

Auf der Disc sind die ersten vier von 13 Folgen enthalten. Damit liegt die Laufzeit insgesamt bei etwa 100 Minuten. Der Zuschauer hat die Wahl zwischen deutscher und japanischer Synchro in Dolby Digital 2.0 sowie Untertiteln in unserer Sprache. Zu empfehlen ist eindeutig der Originalton, da einige hiesige Sprecher nicht an die ursprünglichen Stimmen heranreichen und recht unnatürlich klingen. Konkret ist die Rede von Hibikis und Alcors Sprechern. Die Betonungen wirken leicht aufgesetzt, wie vorgelesen. Noch gravierender fällt die überdeutliche Aussprache der Worte auf. Das könnte zwar beabsichtigt gewesen sein, war aber bei der japanischen Synchro nicht derartig markant. Alle deutschen Sprecher könnt ihr hier nochmal nachlesen.

Ein dickes Plus gibt es für den Soundtrack. Opening- und Ending-Theme unterscheiden sich in Melodie, Gesang sowie Sprache (japanische und englische Passagen) deutlich voneinander, passen aber beide sehr gut zum Anime. Außerdem glänzen sie meiner Meinung nach durch Wiedererkennungswert. Die Hintergrundmusik in den Episoden ist ebenfalls gut gewählt, sorgt für das richtige Tempo oder die Spannung in den entsprechenden Szenen und kreiert durchweg die passende Stimmung. Wobei trotzdem bei den dramatischen Szenen über den Sound (aber auch über längere Einstellungen) noch mehr Emotionen rauszuholen gewesen wären.

Gezeichnet ist der Anime einwandfrei. Das häufig verwendete farbige Licht bildet außerdem einen fantastischen Kontrast zu den blassen, gedämpften Farben. Leider dominieren Standbilder und bewegungsarme Charaktere die Episoden. Das Opening besteht fast nur aus posenden Figuren, bei denen maximal Haare und Kleidung im Wind flattern, gemischt mit einigen Handlungszusammenschnitten. Dafür besticht die Serie in den Kampfszenen mit starken actionreichen Animationen unter Einbezug der Lichteffekte.

Bonus

Als Extra liegt der DVD ein 24-seitiges Booklet bei. Neben kurzen Beschreibungen zu Episode 1 bis 4 stehen vor allem die Charakter-Designs im Vordergrund. Sogar die Monster werden einzeln aufgeführt, und die letzten Seiten zeigen Bilder von Handlungsschauplätzen. Gerade weil der Zuschauer mit Figuren regelrecht überhäuft wird, bietet sich dieses Guide-Booklet besonders gut an. Die DVD selbst beinhaltet schließlich noch vier Trailer zu Blue Exorcist – The Movie, Black Lagoon, Code Geass – Lelouch of the Rebellion und The Garden of Sinners.

Verpackung

Die Box ist wie immer auf vier DVDs in normalen Amaray-Hüllen ausgerichtet. Abgebildet sind Yamato und Hibiki, wobei sich Letzterer hinter einem abziehbaren Info-Blatt versteckt. Das Volume 1 zeigt ebenfalls Hibiki und verfügt über ein Wendecover.

Devil Survivor 2 – the Animation ist trotz der Kritik an der Narration eine gelungene Adaption. Der Plot gleicht zumindest zu Beginn stark dem Videospiel. Inhaltlich kratzt der Anime zwar nur an der Oberfläche eines sehr spannend gestalteten Story-Konzepts, dafür punktet er aber auf audiovisueller Ebene. Fans der Genres Sci-Fi, Action sowie Mystery sollten auf jeden Fall einmal reinschauen und sich einen Ohrwurm vom peppigen Opening holen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Devil Survivor 2 – the Animation, Volume 1.

© Index Corporation/DEVIL SURVIVOR 2 Production Committee
© 2014 VIZ Media Switzerland SA (German Version)

3 KOMMENTARE

  1. Hibikis Sprecher (der wunderbare Jan Makino ^^) zu unterstellen, er würde vorlesen, ist schon leicht unverschämt, ne. Der Mann spricht ja genügend Hauptrollen. 😉 Und ich habe mich mal selbst davon überzeugt: Das was er bei DS2 fabriziert hat, klingt vollkommen OK.

    • Jan Makino ist ein hervorragender Sprecher, ohne Zweifel. Letztendlich muss man aber dazu sagen, dieser Artikel widerspiegelt die Meinung des Autors (Nellie) und jeder bildet sich nun mal seine eigene ;). Es ist nicht “unverschämt”, auch einen sehr guten Sprecher zu kritisieren, wenn´s berechtigt ist, es ist nicht Sinn der Sache Süßholz zu raspeln ^~. Da ich Devil Survivor 2 nicht gesehen habe, kann ich Makinos Leistung darin leider nicht beurteilen. Wenn du aber schon selber sagst, es klingt “OK”, dann scheint es dich auch nicht voll und ganz überzeugt zu haben.

    • Hallo Kalinda, vielen Dank für dein Feedback. Was ich geschrieben habe, ist wirklich nur meine subjektive Meinung. Ich habe die verschiedenen Synchros und auch teilweise die verschiedenen Sprecherrollen miteinander verglichen. So bin ich zu dieser Einschätzung gekommen. Aber der persönliche Geschmack spielt dabei natürlich eine sehr große Rolle. Keineswegs wollte ich unverschämt sein und entschuldige mich, wenn es so ankam. Trotzdem bleibe ich bei meiner Kritik. Ich glaube, über gute Synchronisation kann man viel diskutieren. Wenn die Rezension zur Diskussion anregt, ist das ja eigentlich auch schön. 🙂 Deshalb danke für deinen Kommentar!

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