Devil Survivor 2 – the Animation Vol.2 – DVDonTest

Eine App, mit der man via Smartphone Dämonen beschwören kann. Ein Video, das dir deinen genauen Tod zeigt.

Na, wenn das nicht unglaublich und vor allem nach Nervenkitzel klingt. Die Anime-Adaption des beliebten Endzeit-Videospiels Shin Megami Tensei: Devil Survivor 2 wurde 2013 in Japan produziert und hierzulande von Kazé unter dem Titel Devil Survivor 2 – the Animation lizenziert. Mit einem Monat Verspätung erschien Volume 2 bei uns am 29. August 2014. Im Folgenden erfahrt ihr, wie es darin mit Hibiki & Co. weitergeht.

Nachdem die Vernichtung des zweiten Septentrions unter Yamatos Kommando massig Opfer gefordert hat, ist Hibiki zu Ronaldo Kurikis Rebellen übergelaufen und spurlos verschwunden. Io und Daichi beschließen daher, sich ohne JP’s Wissen auf die Suche nach ihrem Freund zu begeben. Mit der Hilfe von Makoto Sato gelangen die beiden nach Nagoya, wo sie, gerade erst angekommen, ein Dead-Face-Video von Hibiki erhalten. Um ihn zu warnen, mischen sich die zwei unter die Versorger der Rebellen.

Hibiki hat es unterdessen geschafft, ein zweites Göttertier, den flammenspeienden Suzaku, herbeizurufen, und gilt mittlerweile als mächtigster Beschwörer im Rebellenstab. Zusammen mit Ronaldo versucht er, die Organisationsmitglieder über die rücksichtslosen Methoden von Yamato aufzuklären, wobei der Rebellenführer sowie ehemalige JP’s-Angehörige ihnen zusätzlich eröffnet, dass der junge Hotsuin-Spross plant, eine Regierung der Starken über die Schwachen und seiner Ansicht nach »Nutzlosen« unter seiner alleinigen Herrschaft durchzusetzen. Auch die Devil Survivor Airi und Jungo beginnen allmählich, an seinen Absichten zu zweifeln. Die beiden schmuggeln sich in die von den Rebellen eingenommene Nagoya-Zweigstelle, wo sie deren Anführer zur Rede stellen sowie den Standort zurückfordern wollen.

Plötzlich taucht der dritte Septentrion Phecda auf. Die Beschwörer fackeln nicht lange, sondern schließen sich gegen den mächtigen Eindringling zusammen. Doch der neue Angreifer ist hartnäckiger als seine Vorgänger, und Hibikis Dead-Face-Clip steht immer noch aus. Überraschenderweise haben diesmal allerdings nicht nur seine Klassenkameraden, sondern auch Yamato das Video zugeschickt bekommen. So führt der Angriff des Septentrions sie schließlich alle zusammen, und auch der mysteriöse weißhaarige Junge, der sich ihnen als Alcor oder auch »der Schmerzerfüllte« vorstellt, taucht aus dem Nichts auf. Sein Interesse gilt allein Hibiki sowie Yamato, wobei den zweien langsam bewusst wird, dass sie bei Alcors Suche nach einem »Strahlenden« etwas verbindet. Und allmählich beginnt sich auch das Geheimnis um die Nicaea-App zu lüften.

In Volume 2 geht es nicht mehr nur noch ums Überleben, sondern um die zusätzliche Frage: Um welchen Preis? Die Menschheit sieht sich einem übermächtigen Feind gegenüber, aber dessen erfolgreiche Bekämpfung droht an eigenen Interessen zu scheitern. Statt zusammenzuhalten, entstehen mehrere Lager, die sich gegenseitig bekriegen. Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Ansichten der jeweiligen Parteispitze. So gibt es den starrsinnigen Anführer, der die Lage ausnutzen will, um alleiniger Herrscher über eine Leistungsgesellschaft zu werden. Diese Rolle nimmt Yamato als Oberhaupt von JP’s ein. Ihm gegenüber steht Ronaldo gefolgt von seinen Widerstandskämpfern, welche ebenfalls die Septentriones bekämpfen wollen, aber ein Gleichheitsprinzip anstreben, bei dem niemand willkürlich geopfert wird.

Yamatos Rolle beschränkt sich nicht allein auf den eiskalten Unmenschen. So werden im zweiten Volume von ihm Kindheitserinnerungen offenbart. Diese Flashbacks zeigen zum einen die Isolierung des gut behüteten Sprosses, der auf Elite getrimmt wird und bei seiner ersten Dämonenbeschwörung den Höllenhund Kerberos herbeiruft. Zum anderen thematisieren sie die Bekanntschaft des Jungen mit Alcor von der ersten Begegnung bis zu dem Punkt, an dem er Yamato als seinen Auserwählten aufgibt. Aus den Gesprächen zwischen den beiden geht hervor, dass sich Yamatos Vorstellung von einer von Stärke regierten Welt mit Alcors mysteriösem Prinzip des »Strahlenden« beißt. Für den Zuschauer ist natürlich klar, dass eine Person mit Vorbildfunktion à la Hibiki den Anforderungen entspricht. Somit wird jedoch Yamato neben dem Protagonisten als fallen gelassener Held zur spannenderen Figur, deren Vergangenheit und noch kommende Entwicklung hoch relevant für die gesamte Handlung ist. Was hinter der Bezeichnung des »Schmerzerfüllten« steckt, bleibt weiterhin nur vage zu erahnen.

Von Makoto Sato, Yamatos JP’s-Angestellten, erhoffe ich mir noch mehr, da sie zwar die Methoden ihres Vorgesetzten hinterfragt, ihm aber dennoch bedingungslos folgt. Hibikis Freunde Daichi und Io schwächeln derweil etwas. Weder entwickeln sie sich weiter, noch tragen die zwei entscheidend zum Handlungsverlauf bei. Was einen außerdem stutzig macht, sind die häufigen Wiederholungen von Feststellungen und Entscheidungen. Obwohl Hibikis Entschluss, für die Menschheit zu kämpfen, doch bereits in den ersten vier Folgen gefallen ist, schlagen seine zwei Mitstreiter ihm ernsthaft nochmal vor, einfach nach Hause zu gehen. Auch dass der Hauptheld noch immer überlegt, wieder für JP’s zu arbeiten, anstatt bei den Rebellen zu bleiben, leuchtet nicht so recht ein.

Einen wichtigen Platz in der Narration nehmen Symbole ein. Im Hintergrund der Charaktere, insbesondere bei Yamato, befinden sich häufig Zahnräder oder auch das Uhrwerk der JP’s-Hauptzentrale, was mit dem Getriebe des Schicksals (der Menschheit) assoziiert werden könnte. Demnach ließe sich beispielsweise interpretieren, dass die Menschen auf ein unbekanntes, unvermeidliches Los im Kampf mit den Dämonen zusteuern. Indem die Vorhersagen der Dead-Face-Clips jedoch teilweise zunichtegemacht werden, vermittelt der Anime, dass jeder sein Schicksal selbst in der Hand hat, mit anderen Worten aktiv dazu beitragen kann, weswegen die Charaktere immer wieder vor eine Wahl gestellt sind: leben oder sterben, kämpfen oder weglaufen und wenn Ersteres, dann nach welcher Philosophie? Gleichzeitig ist es deshalb umso bedauerlicher, dass Hibiki seine große »Kraft« bereits von Anfang an innewohnt. Ihm stellt sich bei der Entscheidung, sie zum Wohle der Menschheit einzusetzen, gar nicht erst die Frage: Was kann ich denn schon ausrichten? Hibiki weiß, dass er einer der stärksten Beschwörer ist und gibt sich deshalb aus übertriebenem Verantwortungsgefühl die Schuld daran, wenn es ihm nicht gelingt, seine Freunde zu beschützen. Daichi dahingegen ist mit seinen schwachen Dämonen bodenständiger und meines Erachtens deshalb auch sympathischer.

Als weiteres Symbol dient das Schachspiel in den Begegnungen von Yamato und Alcor. Erstens hängt der Sieg bei einer Partie immer von der besten Strategie ab, was sich auf den Kampf der Organisation JP’s und der Rebellen gegen die Septentriones übertragen lässt. Wessen Weg ist also der effektivere? Zweitens besitzen die Spielfiguren eine unterschiedlich große »Kampfkraft« von den Bauern, welche für die Strategie leichtfertig geopfert werden, bis hin zur Königin, der stärksten Figur – eine Metapher für Yamato und seine Kampftruppen.

Disc

Mit diesmal nur drei Folgen umfasst das zweite Volume Episode 5 bis 7 und demnach 75 Minuten Laufzeit. Das Disc-Menü in schwarz-weißer Streifenoptik ist (wieder) überaus schlicht ausgefallen. Nach wie vor tendiere ich zur japanischen Synchronisation. Vergleicht man die deutsche Sprachfassung mit den gleichsprachigen Untertiteln fallen nicht nur die teilweise in die Länge gezogenen Textpassagen auf, sondern vor allem die Unterschiede in der Übersetzung. So sagt der kleine Yamato im Deutschen beispielweise »Zu Hause mache ich besseren Tee.«, was mit »Erneuere ihn [den Teezeremonienmeister].« untertitelt wird. Schon minimale Veränderungen bewirken außerdem einen veränderten Tonfall beziehungsweise eine andere Intensität der Aussage.

Die hierzulande hinzugekommenen Sprecher für unter anderem die Ärztin Otome, die Wissenschaftlerin Fumi, den Nadelstreifenanzug tragenden Yuzuru, die Nagoya-Beschwörer Jungo und Airi als auch kleinere Rollen überzeugen überwiegend. Viele davon könntet ihr aus Animes wie Maid-sama, Waiting in the Summer oder Blood-C wiedererkennen. Yamatos tiefe Stimme wurde vielfach kritisiert, doch meiner Meinung trifft sie in beiden verfügbaren Sprachen seine Persönlichkeit recht gut. Bedenkt man allerdings, dass der Anführer erst 17 Jahre alt und damit noch jünger als zum Beispiel Hibiki sein soll, klingt Fabian Oscar Wien tatsächlich zu alt.

Bonus & Verpackung

Auf dem Wendecover zwinkert einem diesmal die leicht bekleidete Hinako entgegen, obwohl sie für die Handlung in den drei Folgen keine große Rolle spielt. In Japan wurden die 13 Episoden auf sieben Volumes verteilt, sodass bei uns einige Coverabbildungen (Io, Fumi und Airi) entfallen mussten. Der Hülle ist wieder ein Booklet mit knappen Inhaltsbeschreibungen, Figurenvorstellungen und Settings beigelegt. Die Disc hält weiter kein Bonusmaterial bereit außer die üblichen vier Anime-Trailer, diesmal Das Verschwinden der Haruhi Suzumiya, Magister Negi Magi, Tsubasa Chronicle und Vampire Knight.

Nachdem nun alle wichtigen Figuren eingeführt sind, konzentriert sich die Handlung auf die Auseinandersetzung zwischen JP’s und den Rebellen – zwei gegnerische Lager, die trotz ihres gemeinsamen Feindes verschiedene Ziele verfolgen und sich gegenseitig bekriegen. Zudem rückt die Suche nach dem »Strahlenden« immer mehr in den Mittelpunkt und damit die Figuren um Hibiki, Yamato sowie Alcor. Erzählerisch wäre aus den »guten« Charakteren (Hibiki, Ronaldo, Io) mehr rauszuholen. Vereinzelt glänzen Personen wie Daichi oder Yuzuru. Interessanter sind aber Yamato wie auch Alcor. An Figurenentwicklung ist noch wenig zu erkennen, aber das kann noch in Volume 3 kommen. Die Story weist gute Ideen und vielfältige Charaktere auf, trotzdem konnte ich persönlich noch nicht viel mitfiebern. Visuell ist die Serie überaus stimmungsvoll durch die Verwendung des farbigen Lichts im Kontrast zu den dunklen Tönen. Alles in allem lässt sich die Anime-Adaption (zumindest bis Episode 7) daher als gut bewerten, wenn auch nicht überragend.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Devil Survivor 2 – the Animation, Volume 2.

© Index Corporation/Devil Survivor 2 Production Committee
© 2014 VIZ Media Switzerland SA (German Version)

1 KOMMENTAR

  1. “Bedenkt man allerdings, dass der Anführer erst 17 Jahre alt und damit noch jünger als zum Beispiel Hibiki sein soll, klingt Fabian Oscar Wien tatsächlich zu alt.”

    Interessanterweise ist Hibikis deutscher Sprecher aber viel älter als der von Yamato (F.O.Wien) 😀

Comments are closed.